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Gazprom-Chef : Alexei Miller, Putins Gas-General will Europa in die Knie zwingen

Steigende Spritpreise, Gaskrise und Firmen ohne Energie – mit dieser Strategie will Alexei Miller den Westen in die Knie zwingen. Der Gazprom-Chef steht hundert Prozent hinter Putin.

Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine tobt ein Handelskrieg zwischen dem Westen und Moskau. Der Westen hat Russland aus dem internationalen Zahlungssystem gedrängt, große Guthaben eingefroren und versucht mit weiteren Sanktionen, die russische Wirtschaft in die Knie zu zwingen.

Russland ist wirtschaftlich gesehen kein Riese. Doch auf einigen Sektoren kann das Land dem Westen und der Weltwirtschaft große Schwierigkeiten bereiten. Der wichtigste ist der Markt mit fossilen Energieträgern. Den Energiekrieg führt vor allem ein Mann für Putin: Der Chef von Gazprom PJSC, Alexei Miller.

Energiekrise soll zur Wirtschaftskrise werden

Kontinuierlich dreht der nun Westeuropa den Gashahn zu. Das Ganze wird von einer PR-Kampagne begleitet. Sie zielt darauf, den europäischen Regierungen die Schuld an der Energiekrise und den steigenden Preisen zu geben. Millers Ziel in diesem Krieg ist weit gesteckt. Es geht nicht allein darum, unzufriedene Gesichter an Zapfsäulen zu produzieren. „Er droht damit, Europa in diesem Winter in die Dunkelheit zu stürzen, Fabriken zu schließen und die Entschlossenheit der Regierungen auf die Probe zu stellen, der Ukraine Geld und Waffen für ihren Krieg mit Russland zukommen zu lassen“ schreibt das „Wall Street Journal“.

Dass die milliardenteuren Pipelines nach Westeuropa wertlos werden, nimmt der Gazprom-Chef in Kauf. Dabei ist sein Vorgehen nicht so unverantwortlich, wie westliche Experten meinen. Westeuropa hatte bereits angekündigt, sich komplett vom Russengas zu lösen. Miller kommt ihnen nur etwa ein Jahr zuvor, indem er den Hahn zudreht, bevor es die EU-Staaten tun. Aus der Sicht von Gazprom sind die Investitionen in die teuren Röhren so oder so verloren.

Miller will Europa durch China als Kunden ersetzen, dazu wird Gazprom eine Reihe von Pipelines im Osten neu bauen müssen. Auf Technologie und Finanzierung aus dem Westen kann er nicht zählen, doch das dürfte diese Projekte kaum behindern. Zu viele andere Staaten sind bereit, die Lücken zu füllen, auch die Türkei. Dafür gerät Russland aber auch im Energiesektor in eine wachsende Abhängigkeit von China. Vor dem Überfall auf die Ukraine war Moskau darauf bedacht, eine eigenständige Rolle neben China und den USA zu beanspruchen. Durch die offene Gegnerschaft mit dem Westen ist diese Option ohnehin dahin (Drache und Bär – wie Moskau und Peking den Westen in eine Zwei-Fronten-Konfrontation zwingen).

Der Krieg stellt ihn vor seine bisher schwerste Herausforderung. Um die Verkäufe nach Europa auszugleichen, müssen die Gasexporte neu ausgerichtet werden. Das Hauptproblem von Gazprom ist heute, dass sich die Firma auf Pipelines konzentriert hat und kaum in Flüssiggas-Anlagen investiert. Flüssiggas kann von Tankern in fast jedes Land gebracht werden, Pipelines müssen erst angelegt werden. Um sich für die Zukunft zu wappnen, zahlt Gazprom keine Dividende und hat dadurch etwa 20 Milliarden Dollar mehr in der Kriegskasse.Elvira Nabiullina 16.40

Ein Mann von Putins Gnaden

Miller wurde von Putin gemacht. Der etablierte den unbekannten Doktoranden 2001 als Vorstandsvorsitzenden des wichtigsten Unternehmens Russlands. Eine typische Putin-Entscheidung. Miller hatte zwar keinerlei Erfahrungen im Gasgeschäft, aber Putin kannte ihn aus seiner Zeit in St. Petersburg, als beide für die Stadt arbeiteten. „Er war kein Gasfachmann. Er hatte keinen Hintergrund in der Branche – und genau deshalb wurde er ernannt“, sagte Thane Gustafson, Professor an der Georgetown University und Historiker für Öl und Gas in Russland, zum „WSJ“. Durch den Gefolgsmann kontrolliert Putin die Gasbranche.

Ein wichtiger Nebeneffekt: Der Clan um Putin herum profitiert direkt von den Geldern der Firma. Bekannt wurde der Fall Kirill Shamalow. Der Ex-Schwiegersohn von Putin bekam durch die Hochzeit mit Putins Tochter einen Kredit von mehr als einer Milliarde Dollar von der Gazprombank. So konnte er im großen Stil ins Gasgeschäft einsteigen. Nach der Trennung musste er die Anteile wieder zurückgeben (Die Liebe von Putins Tochter machte ihn zum Milliardär – die Trennung nahm ihm (fast) alles).

Alexei Miller gilt heute als einer der treuesten Putin-Loyalisten. „Miller ist jemand, der Putins Vertrauen genießt, jemand mit bedingungsloser Loyalität“, sagte Alexander Gabuev, ein Senior Fellow bei der Carnegie Endowment for International Peace, zum „WSJ“. Dass der Krieg in der Ukraine das Geschäft von Gazprom nachhaltig erschweren wird, musste Miller klar sein. Doch aus seinem Mund gab es nie ein Wort der Kritik. Im Gegenteil: Kurz nach dem Einmarsch in die Ukraine schwor Miller alle 500.000 Gazprommitarbeiter auf Putin ein. Er schrieb ihnen: „Unser riesiges Unternehmen hat eine besondere Aufgabe. Heute ist es wichtiger denn je, dass wir uns weiterhin für eine gemeinsame Sache einsetzen und uns um unseren Präsidenten scharen.“Warum schadet Russland Gazprom? 17.50

Und wie alle Vasallen wurde auch Miller reich von Putin bedacht. Nach Informationen der Nawalny-Organisation besitzen Miller und seine Freundin Marina Yentaltseva, Immobilien im Wert von etwa 710 Millionen Dollar. Erst 2018 kam Miller auf die Sanktionsliste der USA. Damals sagte er, er sei stolz darauf, obwohl er sich frage, warum er nicht schon früher gelistet wurde. „Es gab einige Zweifel bei mir – vielleicht stimmt etwas nicht?“, sagte er im russischen Fernsehen. „Aber jetzt bin ich endlich aufgenommen worden. Das bedeutet, dass wir alles richtig machen.“

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Konflikt um Inselstaat: Die Macht der Halbleiter: Wie das „Silicon Shield“ Taiwan vor einer Invasion Chinas schützt

Chinas Zähnefletschen vor Taiwan ist vorerst vorbei, die Gefahr jedoch noch lange nicht. Dass der übermächtige Nachbar nicht längst zum Angriff übergangen ist, verdankt der Inselstaat nicht zuletzt einem einzigen Unternehmen, dessen unsichtbarer Schild die Weltmächte auf Abstand hält.

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Abkühlung China Fehlanzeige Freizeitpark Schwimmbecken Urlaub Wochenende

Paddelwahnsinn: Entspanntes Baden? Fehlanzeige! Hunderte Badegäste drängeln sich in chinesischem Schwimmbecken

Entspannte Abkühlung sieht anders aus. In einem Freizeitpark in China tummeln sich hunderte Badegäste im Wasser. Schwimmreifen an Schwimmreifen können sie sich kaum bewegen. Laut der Betreiber sei das am Wochenende völlige Normalität.

Entspannte Abkühlung sieht anders aus. In einem Freizeitpark in China tummeln sich hunderte Badegäste im Wasser. Schwimmreifen an Schwimmreifen können sie sich kaum bewegen. Laut der Betreiber sei das am Wochenende völlige Normalität.

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China Gewissen HolidayCheck Russland Saudi-Arabien Tourismus Türkei Urlaubszielen Vereinigte Arabische Emirate

Reisen mit gutem Gewissen: Was der Trend „Mindful Traveling“ bedeutet

Die Deutschen legen bei ihren Urlaubszielen viel Wert auf moralische Faktoren – die wenigsten wollen gerade noch nach Russland.

Das Gewissen reist mit: Wie eine neue Umfrage des Reisebewertungs- und -buchungsportals HolidayCheck zeigt, legen die Deutschen bei der Wahl ihrer Urlaubsorte auch Wert auf die Situation der Bevölkerung vor Ort.

68 Prozent schließen demnach bestimmte Länder aufgrund moralischer oder ethischer Bedenken aus ihren Urlaubsplänen aus. An oberster Stelle der ausgeschlossenen Länder steht mit 30 Prozent derzeit Russland. 22 Prozent nennen die Türkei, 15 Prozent China. Sechs Prozent möchten nicht nach Saudi-Arabien oder in die Vereinigten Arabischen Emirate reisen, fünf Prozent nicht nach Nordkorea oder in den Iran.

Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung wichtig

Die Reiseentscheidung wird von verschiedenen Faktoren bestimmt, wie aus der Umfrage weiter hervorgeht. Länder, die die Meinungsäußerung einschränken, sind für 70 Prozent der Reisenden unattraktiv. Die systematische Diskriminierung von Frauen schreckt 62 Prozent ab. Für mehr als die Hälfte der Befragten sind zudem wichtig: demokratische Regierungsformen, keine Diskriminierung von Minderheiten, faire Arbeitsbedingungen im Tourismus und Pressefreiheit.

Dass der Tourismus zum gesellschaftlichen Wandel beitragen kann, glaubt fast die Hälfte der Befragten. 70 Prozent möchten Länder aufgrund ethischer oder moralischer Aspekte nicht mit ihrem Reisegeld unterstützen. Immerhin 30 Prozent haben Angst vor persönlichen Konsequenzen.

„Mindful Traveling“

Reisebüros stellen sich auf das „Mindful Traveling“ bereits ein. Neben Klimatabellen und Flugverbindungen wollen Reiseplattformen künftig auch Informationen zum Thema „Ethisch vertretbares Reisen“ zur Verfügung stellen. „Bei vielen Destinationen gibt es ein Spannungsfeld zwischen innenpolitischer Lage und Preisgefüge. Wir möchten Reisenden die notwendigen Informationen an die Hand geben, um selbst abzuwägen“, erklärt Christoph Ludmann, CEO von HolidayCheck.

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Affenpockenvirus Brasilien China Coronavirus Deutsche Presse-Agentur Europa HIV Jagd Richard Neher Sars-Cov-2 Schweine Schweinegrippe Umbenennung Universität Basel USA Virus Weltgesundheitsorganisation Westafrika WHO Wuhan

Wegen Stigmatisierung: Affen aus Angst vor Affenpockenvirus gejagt – Umbenennung der Krankheit gefordert

Das Affenpockenvirus breitet sich aus. Aus Angst vor einer Infektion wird mancherorts bereits Jagd auf Affen gemacht. Schuld daran ist laut Experten auch der Name der Krankheit.

Als sich das neuartige Coronavirus von Wuhan in China aus Anfang 2020 in der Welt ausbreitete, wurden vielerorts Menschen ausgegrenzt, die für Chinesen gehalten wurden. Wegen der Schweinegrippe 2009 wurden in vielen Ländern Millionen Schweine geschlachtet und in Brasilien sind jetzt die ersten Affen mit Steinen und Gift attackiert worden – alles irrationale Reaktionen in der irrigen Annahme, man könne sich dadurch vor einer neuen Gefahr schützen.

Was Namen wie Virus aus Wuhan oder Schweinepest für Viren oder Krankheiten auslösen können, ist bekannt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) macht seit Wochen Druck, dass der Name Affenpocken geändert wird. Aber sind so einprägsame Bezeichnungen nicht besser als Buchstaben- und Zahlenkombinationen wie H1N1 für Schweinegrippe oder Sars-CoV-2 für das Coronavirus? „Was einfach ist, ist ja nicht notwendigerweise geboten“, sagt Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel der Deutschen Presse-Agentur. STERN PAID Affenpocken HIV Interview 16.45

Neutrale Namen gefordert

Er unterzeichnete im Juni einen Aufruf, neutrale Namen für Affenpocken-Untergruppen zu finden und nicht von „Westafrika“- oder „Kongobecken“-Gruppen zu reden. Damit werde der falsche Eindruck erweckt, die jüngsten Ausbrüche überwiegend in Europa, den USA und Brasilien hätten etwas mit Afrika zu tun, heißt es darin. Das sei diskriminierend und stigmatisierend. Die mehr als zwei Dutzend Virologinnen und Virologen kritisierten, dass dazu auch noch oft Fotos afrikanischer Patienten gestellt werden würden.

„Das Problem mit den geografischen Bezeichnungen ist zum einen, dass sie oft nicht stimmen, zum anderen, dass sie oft dazu führen, dass die Orte, nach denen die Erreger benannt werden, Nachteile erfahren“, sagt Neher. Zum Beispiel, dass Reisen in die Regionen vermieden werden. Zudem würden Länder, die Krankheiten gut überwachen und etwa neue Virenvarianten entdecken und beschreiben, bestraft, wenn die neue Variante dann nach dem Land benannt werde. Die legendäre Spanische Grippe 2018 etwa wurde zwar von Spanien als erstes gemeldet, die ersten Fälle traten aber schon früher in den USA auf, wie die US-Gesellschaft für Mikrobiologie (ASM) berichtet.

„Angst braucht einen Namen“

Dass sich Begriffe wie Schweinegrippe oder Wuhan-Virus schnell durchsetzten, sei menschlich, schrieb Susan Hardy, Dozentin für Sozialwissenschaften auf der Webseite der Universität von Sydney. „Angst braucht einen Namen, und etwas zu benennen suggeriert, dass etwas getan wird.“ Es gehe auch um die Suche nach Sündenböcken.Tiere und Corona: Welche infizieren sich 10.35

Bei der neuen Influenza-Virusvariante 2009 waren es die Schweine, obwohl das Virus auch Menschen infiziert und von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Beim Coronavirus sprach nicht nur der damalige US-Präsident Donald Trump vom „Wuhan-“ oder „China Virus“, um Peking Schuld an der Ausbreitung zuzuschieben. Er verlangte explizit, China müsse zur Rechenschaft gezogen werden.

Seit 2015 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Richtlinien, um zu verhindern, dass Krankheitsnamen negative Folgen für Handel, Reisen, Tourismus oder Tierwohl haben oder kulturelle, soziale, regionale oder ethnische Gruppen womöglich an den Pranger stellen.

Namen wie Affenpockenvirus können Unheil anrichten

Das Affenpockenvirus heißt so, weil es in den 1950er Jahren in Dänemark erstmals in Affen nachgewiesen wurde. Es hätte auch dänisches Virus heißen können, wie das Marburg-Virus, das so heißt, weil es in den 1960er Jahren in der hessischen Stadt identifiziert wurde. Bei den Affenpocken ist heute klar, dass sich zwar Affen – wie Menschen – infizieren können. Natürliche Wirte sind aber Nagetiere. Bei der jüngsten Ausbreitung wird das Virus durch engen Körperkontakt zwischen Menschen übertragen und hat mit Affen nichts zu tun.

Für die Virus-Bezeichnung ist ein Gremium aus Hunderten Virologen (ICTV) zuständig. Sie haben auch das Coronavirus Sars-CoV-2 benannt. Krankheitsnamen beschließt die WHO. Sie nannte etwa die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Krankheit Covid-19. Womöglich kann es den ein oder anderen Affen schützen, wenn der Name geändert wird. Doch auch bei Gelbfieber-Ausbrüchen wurden in Brasilien Affen angegriffen.

Die Stigmatisierung und Diskriminierung der von einer Krankheit Betroffenen ist noch eine ganz andere Sache. Die in den 80er Jahren zuerst bei schwulen Männern in den USA festgestellte Immunschwäche wurde zunächst Grid genannt – für gay-related immune deficiency – etwa: mit Schwulen in Verbindung stehende Immunschwäche. Obwohl seit langem bekannt ist, dass sich die Krankheit keineswegs auf schwule Männer beschränkt, hat die Änderung des Namens in Aids (acquired immune deficiency syndrome – etwa: erworbenes Immunschwächesyndrom) zunächst kaum etwas bewirkt. Noch über viele Jahre sind Menschen von Schwulen aus Angst vor einer Ansteckung abgerückt.

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Affenpocken Afrika Brasilien China Coronavirus Deutsche Presse-Agentur Europa Richard Neher Sars-Cov-2 Schweine Schweinegrippe Universität Basel USA Virus Westafrika WHO Wuhan

Namenssuche: Aus Angst vor Affenpocken: Angriffe auf Affen in Brasilien

Seit die einst obskuren Affenpocken sich in der Welt ausbreiten, warnen Experten wegen des Namens. Krankheitsnamen sollen nichts und niemanden stigmatisieren. Jetzt werden aber die ersten Affen Opfer.

Virus aus Wuhan, Schweinegrippe, Affenpocken: was solche Namen für Viren oder Krankheiten auslösen können, ist bekannt. Als das neuartige Coronavirus von Wuhan in China aus Anfang 2020 in der Welt ausbreitete, wurden vielerorts Menschen ausgegrenzt, die für Chinesen gehalten wurden. Wegen der Schweinegrippe 2009 wurden in vielen Ländern Millionen Schweine geschlachtet, und wegen der Affenpocken sind jetzt in Brasilien die ersten Affen mit Steinen und Gift attackiert worden – alles irrationale Reaktionen in der irrigen Annahme, man könne sich dadurch vor einer neuen Gefahr schützen.

Die WHO macht seit Wochen Druck, dass der Name Affenpocken geändert wird. Aber sind so einprägsame Bezeichnungen nicht besser als Buchstaben- und Zahlenkombinationen wie H1N1 für Schweinegrippe oder Sars-CoV-2 für das Coronavirus? „Was einfach ist, ist ja nicht notwendigerweise geboten“, sagt Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel der Deutschen Presse-Agentur.

Er unterzeichnete im Juni einen Aufruf, neutrale Namen für Affenpocken-Untergruppen zu finden und nicht von „Westafrika“- oder „Kongobecken“-Gruppen zu reden. Damit werde der falsche Eindruck erweckt, die jüngsten Ausbrüche überwiegend in Europa, den USA und Brasilien hätten etwas mit Afrika zu tun, heißt es darin. Das sei diskriminierend und stigmatisierend. Die mehr als zwei Dutzend Viirologinnen und Virologen kritisierten, dass dazu auch noch oft mit Fotos afrikanischer Patienten gestellt werden würden.

Schwierig einen neuen Namen zu finden

„Das Problem mit den geografischen Bezeichnungen ist zum einen, dass sie oft nicht stimmen, zum anderen, dass sie oft dazu führen, dass die Orte, nach denen die Erreger benannt werden, Nachteile erfahren“, sagt Neher. Zum Beispiel, dass Reisen in die Regionen vermieden werden. Zudem würden Länder, die Krankheiten gut überwachen und etwa neue Virenvarianten entdecken und beschreiben, bestraft, wenn die neue Variante dann nach dem Land benannt werde. Die legendäre Spanische Grippe 1918 etwa wurde zwar von Spanien als erstes gemeldet, die ersten Fälle traten aber schon früher in den USA auf, wie die US-Gesellschaft für Mikrobiologie (ASM) berichtet.

Dass sich Begriffe wie Schweinegrippe oder Wuhan-Virus schnell durchsetzten, sei menschlich, schrieb Susan Hardy, Dozentin für Sozialwissenschaften auf der Webseite der Universität von Sydney. „Angst braucht einen Namen, und etwas zu benennen suggeriert, dass etwas getan wird.“ Es gehe auch um die Suche nach Sündenböcken.

Bei der neuen Influenza-Virusvariante 2009 waren es die Schweine, obwohl das Virus auch Menschen infiziert und von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Beim Coronavirus sprach nicht nur der damalige US-Präsident Donald Trump vom „Wuhan-“ oder „China Virus“, um Peking Schuld an der Ausbreitung zuzuschieben. Er verlangte explizit, China müsse zur Rechenschaft gezogen werden.

Seit 2015 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Richtlinien, um zu verhindern, dass Krankheitsnamen negative Folgen für Handel, Reisen, Tourismus oder Tierwohl haben oder kulturelle, soziale, regionale oder ethnische Gruppen womöglich an den Pranger stellen.

Natürliche Wirte sind aber Nagetiere – keine Affen

Das Affenpockenvirus heißt so, weil es in den 1950er Jahren in Dänemark erstmals in Affen nachgewiesen wurde. Es hätte auch dänisches Virus heißen können, wie das Marburg-Virus, das so heißt, weil es in den 1960er Jahren der hessischen Stadt identifiziert wurde. Bei den Affenpocken ist heute klar, dass sich zwar Affen – wie Menschen – infizieren können. Natürliche Wirte sind aber Nagetiere. Bei der jüngsten Ausbreitung wird das Virus durch engen Körperkontakt zwischen Menschen übertragen und hat mit Affen nichts zu tun.

Für die Virus-Bezeichnung ist ein Gremium aus Hunderten Virologen (ICTV) zuständig. Sie haben auch das Coronavirus Sars-CoV-2 benannt. Krankheitsnamen beschließt die WHO. Sie nannte etwa die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Krankheit Covid-19.

Womöglich kann es den ein oder anderen Affen schützen, wenn der Name geändert wird. Doch auch bei Gelbfieber-Ausbrüchen wurden in Brasilien Affen angegriffen.

Die Stigmatisierung und Diskriminierung der von einer Krankheit Betroffenen ist noch eine ganz andere Sache. Die in den 80er Jahren zuerst bei schwulen Männern in den USA festgestellte Immunschwäche wurde zunächst Grid genannt – für gay-related immune deficiency – etwa: mit Schwulen in Verbindung stehende Immunschwäche. Obwohl seit langem bekannt ist, dass sich die Krankheit keineswegs auf schwule Männer beschränkt, hat die Änderung des Namens in Aids (acquired immune deficiency syndrome – etwa: erworbenes Immunschwächesyndrom) zunächst kaum etwas bewirkt. Noch über viele Jahre sind Menschen von Schwulen aus Angst vor einer Ansteckung abgerückt.

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Affenpocken Afrika Brasilien China Coronavirus Deutsche Presse-Agentur Europa Richard Neher Sars-Cov-2 Schweine Schweinegrippe Universität Basel USA Virus Westafrika WHO Wuhan

Namenssuche: Aus Angst vor Affenpocken: Angriffe auf Affen in Brasilien

Seit die einst obskuren Affenpocken sich in der Welt ausbreiten, warnen Experten wegen des Namens. Krankheitsnamen sollen nichts und niemanden stigmatisieren. Jetzt werden aber die ersten Affen Opfer.

Virus aus Wuhan, Schweinegrippe, Affenpocken: was solche Namen für Viren oder Krankheiten auslösen können, ist bekannt. Als das neuartige Coronavirus von Wuhan in China aus Anfang 2020 in der Welt ausbreitete, wurden vielerorts Menschen ausgegrenzt, die für Chinesen gehalten wurden. Wegen der Schweinegrippe 2009 wurden in vielen Ländern Millionen Schweine geschlachtet, und wegen der Affenpocken sind jetzt in Brasilien die ersten Affen mit Steinen und Gift attackiert worden – alles irrationale Reaktionen in der irrigen Annahme, man könne sich dadurch vor einer neuen Gefahr schützen.

Die WHO macht seit Wochen Druck, dass der Name Affenpocken geändert wird. Aber sind so einprägsame Bezeichnungen nicht besser als Buchstaben- und Zahlenkombinationen wie H1N1 für Schweinegrippe oder Sars-CoV-2 für das Coronavirus? „Was einfach ist, ist ja nicht notwendigerweise geboten“, sagt Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel der Deutschen Presse-Agentur.

Er unterzeichnete im Juni einen Aufruf, neutrale Namen für Affenpocken-Untergruppen zu finden und nicht von „Westafrika“- oder „Kongobecken“-Gruppen zu reden. Damit werde der falsche Eindruck erweckt, die jüngsten Ausbrüche überwiegend in Europa, den USA und Brasilien hätten etwas mit Afrika zu tun, heißt es darin. Das sei diskriminierend und stigmatisierend. Die mehr als zwei Dutzend Viirologinnen und Virologen kritisierten, dass dazu auch noch oft mit Fotos afrikanischer Patienten gestellt werden würden.

Schwierig einen neuen Namen zu finden

„Das Problem mit den geografischen Bezeichnungen ist zum einen, dass sie oft nicht stimmen, zum anderen, dass sie oft dazu führen, dass die Orte, nach denen die Erreger benannt werden, Nachteile erfahren“, sagt Neher. Zum Beispiel, dass Reisen in die Regionen vermieden werden. Zudem würden Länder, die Krankheiten gut überwachen und etwa neue Virenvarianten entdecken und beschreiben, bestraft, wenn die neue Variante dann nach dem Land benannt werde. Die legendäre Spanische Grippe 1918 etwa wurde zwar von Spanien als erstes gemeldet, die ersten Fälle traten aber schon früher in den USA auf, wie die US-Gesellschaft für Mikrobiologie (ASM) berichtet.

Dass sich Begriffe wie Schweinegrippe oder Wuhan-Virus schnell durchsetzten, sei menschlich, schrieb Susan Hardy, Dozentin für Sozialwissenschaften auf der Webseite der Universität von Sydney. „Angst braucht einen Namen, und etwas zu benennen suggeriert, dass etwas getan wird.“ Es gehe auch um die Suche nach Sündenböcken.

Bei der neuen Influenza-Virusvariante 2009 waren es die Schweine, obwohl das Virus auch Menschen infiziert und von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Beim Coronavirus sprach nicht nur der damalige US-Präsident Donald Trump vom „Wuhan-“ oder „China Virus“, um Peking Schuld an der Ausbreitung zuzuschieben. Er verlangte explizit, China müsse zur Rechenschaft gezogen werden.

Seit 2015 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Richtlinien, um zu verhindern, dass Krankheitsnamen negative Folgen für Handel, Reisen, Tourismus oder Tierwohl haben oder kulturelle, soziale, regionale oder ethnische Gruppen womöglich an den Pranger stellen.

Natürliche Wirte sind aber Nagetiere – keine Affen

Das Affenpockenvirus heißt so, weil es in den 1950er Jahren in Dänemark erstmals in Affen nachgewiesen wurde. Es hätte auch dänisches Virus heißen können, wie das Marburg-Virus, das so heißt, weil es in den 1960er Jahren der hessischen Stadt identifiziert wurde. Bei den Affenpocken ist heute klar, dass sich zwar Affen – wie Menschen – infizieren können. Natürliche Wirte sind aber Nagetiere. Bei der jüngsten Ausbreitung wird das Virus durch engen Körperkontakt zwischen Menschen übertragen und hat mit Affen nichts zu tun.

Für die Virus-Bezeichnung ist ein Gremium aus Hunderten Virologen (ICTV) zuständig. Sie haben auch das Coronavirus Sars-CoV-2 benannt. Krankheitsnamen beschließt die WHO. Sie nannte etwa die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Krankheit Covid-19.

Womöglich kann es den ein oder anderen Affen schützen, wenn der Name geändert wird. Doch auch bei Gelbfieber-Ausbrüchen wurden in Brasilien Affen angegriffen.

Die Stigmatisierung und Diskriminierung der von einer Krankheit Betroffenen ist noch eine ganz andere Sache. Die in den 80er Jahren zuerst bei schwulen Männern in den USA festgestellte Immunschwäche wurde zunächst Grid genannt – für gay-related immune deficiency – etwa: mit Schwulen in Verbindung stehende Immunschwäche. Obwohl seit langem bekannt ist, dass sich die Krankheit keineswegs auf schwule Männer beschränkt, hat die Änderung des Namens in Aids (acquired immune deficiency syndrome – etwa: erworbenes Immunschwächesyndrom) zunächst kaum etwas bewirkt. Noch über viele Jahre sind Menschen von Schwulen aus Angst vor einer Ansteckung abgerückt.

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China Knorr Knorr-Bremse MDAX München Russland

Bremsenhersteller: Knorr-Bremse verdient deutlich weniger

Der Lkw- und Zugbremsenhersteller Knorr-Bremse hat im zweiten Quartal wegen Problemen in China und dem Rückzug aus dem russischen Markt weniger Gewinn gemacht. Der auf die Aktionäre entfallende Überschuss fiel im Jahresvergleich um gut ein Drittel auf 105,8 Millionen Euro, wie das MDax-Unternehmen am Freitag mitteilte.

Der Lkw- und Zugbremsenhersteller Knorr-Bremse hat im zweiten Quartal wegen Problemen in China und dem Rückzug aus dem russischen Markt weniger Gewinn gemacht. Der auf die Aktionäre entfallende Überschuss fiel im Jahresvergleich um gut ein Drittel auf 105,8 Millionen Euro, wie das MDax-Unternehmen am Freitag mitteilte.

Die Münchener haben besonders damit zu kämpfen, dass chinesische Zugbetreiber ihre Ausgaben wegen der regionalen Covid-Lockdowns und der niedrigeren Auslastung zusammengestrichen haben, auch der chinesische Lkw-Markt leidet darunter. Zudem belasteten Kosten für den Rückzug aus Russland wegen der Sanktionen infolge des Angriffskriegs Russlands in der Ukraine. Knorr-Bremse hatte bereits im Juli die Jahresprognose für die operative Ergebnismarge gesenkt.

Die bekannten Eckdaten wurden im Wesentlichen bestätigt, der Umsatz stagnierte nahezu mit plus 0,5 Prozent auf 1,74 Milliarden Euro. Die bereinigte Marge vor Zinsen und Steuern lag bei 10,5 Prozent nach 14,1 Prozent vor einem Jahr. Knorr-Bremse holt mit 1,93 Milliarden Euro rund 7 Prozent mehr Auftragsvolumen herein als ein Jahr zuvor.

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Bremsenhersteller: Knorr-Bremse verdient deutlich weniger

Der Lkw- und Zugbremsenhersteller Knorr-Bremse hat im zweiten Quartal wegen Problemen in China und dem Rückzug aus dem russischen Markt weniger Gewinn gemacht. Der auf die Aktionäre entfallende Überschuss fiel im Jahresvergleich um gut ein Drittel auf 105,8 Millionen Euro, wie das MDax-Unternehmen am Freitag mitteilte.

Der Lkw- und Zugbremsenhersteller Knorr-Bremse hat im zweiten Quartal wegen Problemen in China und dem Rückzug aus dem russischen Markt weniger Gewinn gemacht. Der auf die Aktionäre entfallende Überschuss fiel im Jahresvergleich um gut ein Drittel auf 105,8 Millionen Euro, wie das MDax-Unternehmen am Freitag mitteilte.

Die Münchener haben besonders damit zu kämpfen, dass chinesische Zugbetreiber ihre Ausgaben wegen der regionalen Covid-Lockdowns und der niedrigeren Auslastung zusammengestrichen haben, auch der chinesische Lkw-Markt leidet darunter. Zudem belasteten Kosten für den Rückzug aus Russland wegen der Sanktionen infolge des Angriffskriegs Russlands in der Ukraine. Knorr-Bremse hatte bereits im Juli die Jahresprognose für die operative Ergebnismarge gesenkt.

Die bekannten Eckdaten wurden im Wesentlichen bestätigt, der Umsatz stagnierte nahezu mit plus 0,5 Prozent auf 1,74 Milliarden Euro. Die bereinigte Marge vor Zinsen und Steuern lag bei 10,5 Prozent nach 14,1 Prozent vor einem Jahr. Knorr-Bremse holt mit 1,93 Milliarden Euro rund 7 Prozent mehr Auftragsvolumen herein als ein Jahr zuvor.

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Namenssuche: Aus Angst vor Affenpocken: Angriffe auf Affen in Brasilien

Seit die einst obskuren Affenpocken sich in der Welt ausbreiten, warnen Experten wegen des Namens. Krankheitsnamen sollen nichts und niemanden stigmatisieren. Jetzt werden aber die ersten Affen Opfer.

Virus aus Wuhan, Schweinegrippe, Affenpocken: was solche Namen für Viren oder Krankheiten auslösen können, ist bekannt. Als das neuartige Coronavirus von Wuhan in China aus Anfang 2020 in der Welt ausbreitete, wurden vielerorts Menschen ausgegrenzt, die für Chinesen gehalten wurden. Wegen der Schweinegrippe 2009 wurden in vielen Ländern Millionen Schweine geschlachtet, und wegen der Affenpocken sind jetzt in Brasilien die ersten Affen mit Steinen und Gift attackiert worden – alles irrationale Reaktionen in der irrigen Annahme, man könne sich dadurch vor einer neuen Gefahr schützen.

Die WHO macht seit Wochen Druck, dass der Name Affenpocken geändert wird. Aber sind so einprägsame Bezeichnungen nicht besser als Buchstaben- und Zahlenkombinationen wie H1N1 für Schweinegrippe oder Sars-CoV-2 für das Coronavirus? „Was einfach ist, ist ja nicht notwendigerweise geboten“, sagt Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel der Deutschen Presse-Agentur.

Er unterzeichnete im Juni einen Aufruf, neutrale Namen für Affenpocken-Untergruppen zu finden und nicht von „Westafrika“- oder „Kongobecken“-Gruppen zu reden. Damit werde der falsche Eindruck erweckt, die jüngsten Ausbrüche überwiegend in Europa, den USA und Brasilien hätten etwas mit Afrika zu tun, heißt es darin. Das sei diskriminierend und stigmatisierend. Die mehr als zwei Dutzend Viirologinnen und Virologen kritisierten, dass dazu auch noch oft mit Fotos afrikanischer Patienten gestellt werden würden.

Schwierig einen neuen Namen zu finden

„Das Problem mit den geografischen Bezeichnungen ist zum einen, dass sie oft nicht stimmen, zum anderen, dass sie oft dazu führen, dass die Orte, nach denen die Erreger benannt werden, Nachteile erfahren“, sagt Neher. Zum Beispiel, dass Reisen in die Regionen vermieden werden. Zudem würden Länder, die Krankheiten gut überwachen und etwa neue Virenvarianten entdecken und beschreiben, bestraft, wenn die neue Variante dann nach dem Land benannt werde. Die legendäre Spanische Grippe 1918 etwa wurde zwar von Spanien als erstes gemeldet, die ersten Fälle traten aber schon früher in den USA auf, wie die US-Gesellschaft für Mikrobiologie (ASM) berichtet.

Dass sich Begriffe wie Schweinegrippe oder Wuhan-Virus schnell durchsetzten, sei menschlich, schrieb Susan Hardy, Dozentin für Sozialwissenschaften auf der Webseite der Universität von Sydney. „Angst braucht einen Namen, und etwas zu benennen suggeriert, dass etwas getan wird.“ Es gehe auch um die Suche nach Sündenböcken.

Bei der neuen Influenza-Virusvariante 2009 waren es die Schweine, obwohl das Virus auch Menschen infiziert und von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Beim Coronavirus sprach nicht nur der damalige US-Präsident Donald Trump vom „Wuhan-“ oder „China Virus“, um Peking Schuld an der Ausbreitung zuzuschieben. Er verlangte explizit, China müsse zur Rechenschaft gezogen werden.

Seit 2015 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Richtlinien, um zu verhindern, dass Krankheitsnamen negative Folgen für Handel, Reisen, Tourismus oder Tierwohl haben oder kulturelle, soziale, regionale oder ethnische Gruppen womöglich an den Pranger stellen.

Natürliche Wirte sind aber Nagetiere – keine Affen

Das Affenpockenvirus heißt so, weil es in den 1950er Jahren in Dänemark erstmals in Affen nachgewiesen wurde. Es hätte auch dänisches Virus heißen können, wie das Marburg-Virus, das so heißt, weil es in den 1960er Jahren der hessischen Stadt identifiziert wurde. Bei den Affenpocken ist heute klar, dass sich zwar Affen – wie Menschen – infizieren können. Natürliche Wirte sind aber Nagetiere. Bei der jüngsten Ausbreitung wird das Virus durch engen Körperkontakt zwischen Menschen übertragen und hat mit Affen nichts zu tun.

Für die Virus-Bezeichnung ist ein Gremium aus Hunderten Virologen (ICTV) zuständig. Sie haben auch das Coronavirus Sars-CoV-2 benannt. Krankheitsnamen beschließt die WHO. Sie nannte etwa die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Krankheit Covid-19.

Womöglich kann es den ein oder anderen Affen schützen, wenn der Name geändert wird. Doch auch bei Gelbfieber-Ausbrüchen wurden in Brasilien Affen angegriffen.

Die Stigmatisierung und Diskriminierung der von einer Krankheit Betroffenen ist noch eine ganz andere Sache. Die in den 80er Jahren zuerst bei schwulen Männern in den USA festgestellte Immunschwäche wurde zunächst Grid genannt – für gay-related immune deficiency – etwa: mit Schwulen in Verbindung stehende Immunschwäche. Obwohl seit langem bekannt ist, dass sich die Krankheit keineswegs auf schwule Männer beschränkt, hat die Änderung des Namens in Aids (acquired immune deficiency syndrome – etwa: erworbenes Immunschwächesyndrom) zunächst kaum etwas bewirkt. Noch über viele Jahre sind Menschen von Schwulen aus Angst vor einer Ansteckung abgerückt.

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