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Berlin Bundesregierung Deutschland EZB Gasversorgung Markus Lanz Robert Habeck

Energie: Habeck: Gasversorgung sichern – «Whatever it takes»

Wirtschaftsminister Habeck will mit allen Mitteln den Zusammenbruch des Energiemarkts verhindern. Für die Bürger wird es jedoch deutlich teurer – «bis zu einem Monatseinkommen für eine Familie».

Die Bundesregierung wird nach Worten von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) die Gasversorgung in Deutschland mit allen Mitteln sicherstellen.

Angesprochen auf einen möglichen Zusammenbruch des Marktes, sagte Habeck am Mittwochabend in der ZDF-Sendung «Markus Lanz», das werde nicht passieren. «Das ist jetzt dieser Moment von «Whatever it takes», es wird nicht passieren», sagte er in Anlehnung an Äußerungen des ehemaligen Chefs der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi. Der Italiener hatte mit diesem «Was auch immer notwendig ist» einst die Rettung des Euro versprochen.

Habeck: Teurer Winter

Mit Blick auf einen drohenden Totalausfall russischer Gaslieferungen betonte Habeck: «Wir sind nicht nur passiv. Wir müssen nicht staunend daneben stehen, was da passiert.» Es sei schließlich auch gelungen, trotz um 60 Prozent abgesenkter Gaslieferungen die Versorgungssicherheit in Deutschland aufrechtzuerhalten. Allerdings müssten sich die Bürger auf einen teuren Winter einstellen. Die Preiserhöhungen im Herbst und Winter 2022/23 würden pro Haushalt «im vierstelligen Bereich liegen. Und das kann dann eben auch mal ein Monatseinkommen für eine Familie sein.» Sparen bleibt nach Ansicht des Grünen-Politikers daher das Gebot der Stunde.

Um angesichts der Drosselung russischer Lieferungen Gas einzusparen, soll auch weniger Gas zur Stromproduktion genutzt werden – stattdessen sollen wieder mehr Kohlekraftwerke zum Einsatz kommen. Der Bundestag will dazu voraussichtlich am späten Donnerstagabend über entsprechende Gesetzesänderungen abstimmen.

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Energie: Habeck: Gasversorgung sichern – «Whatever it takes»

Wirtschaftsminister Habeck will mit allen Mitteln den Zusammenbruch des Energiemarkts verhindern. Für die Bürger wird es jedoch deutlich teurer – «bis zu einem Monatseinkommen für eine Familie».

Die Bundesregierung wird nach Worten von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) die Gasversorgung in Deutschland mit allen Mitteln sicherstellen.

Angesprochen auf einen möglichen Zusammenbruch des Marktes, sagte Habeck am Mittwochabend in der ZDF-Sendung «Markus Lanz», das werde nicht passieren. «Das ist jetzt dieser Moment von «Whatever it takes», es wird nicht passieren», sagte er in Anlehnung an Äußerungen des ehemaligen Chefs der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi. Der Italiener hatte mit diesem «Was auch immer notwendig ist» einst die Rettung des Euro versprochen.

Habeck: Teurer Winter

Mit Blick auf einen drohenden Totalausfall russischer Gaslieferungen betonte Habeck: «Wir sind nicht nur passiv. Wir müssen nicht staunend daneben stehen, was da passiert.» Es sei schließlich auch gelungen, trotz um 60 Prozent abgesenkter Gaslieferungen die Versorgungssicherheit in Deutschland aufrechtzuerhalten. Allerdings müssten sich die Bürger auf einen teuren Winter einstellen. Die Preiserhöhungen im Herbst und Winter 2022/23 würden pro Haushalt «im vierstelligen Bereich liegen. Und das kann dann eben auch mal ein Monatseinkommen für eine Familie sein.» Sparen bleibt nach Ansicht des Grünen-Politikers daher das Gebot der Stunde.

Um angesichts der Drosselung russischer Lieferungen Gas einzusparen, soll auch weniger Gas zur Stromproduktion genutzt werden – stattdessen sollen wieder mehr Kohlekraftwerke zum Einsatz kommen. Der Bundestag will dazu voraussichtlich am späten Donnerstagabend über entsprechende Gesetzesänderungen abstimmen.

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Commerzbank Dekabank Deutschland Euro Europa EZB Federal Reserve System Inflation Rezession Russland Ukraine US-Dollar US-Notenbank

Wechselkurs: Euro fällt auf 20-Jahres-Tief: Was das für Wirtschaft und Verbraucher bedeutet

Der Abwärtstrend des Euro beschleunigt sich. Warum ist das so, wer profitiert davon und wer leidet besonders? Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Kursverlust.

Die europäische Gemeinschaftswährung befindet sich im Sinkflug. Schon seit Monaten geht es mit dem Euro bergab. Zuletzt beschleunigte sich die Talfahrt sogar, der Kurs fiel am Mittwoch mit knapp 1,02 US-Dollar auf den tiefsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten. Warum ist die gemeinsame Währung der 19 Euroländer so tief gesunken? Und was sind die Folgen des Wertverlusts? Fragen und Antworten dazu:

Warum ist der Euro so schwach?

STERN PAID 6_22 wie teuer wird warm?Fachleute erklären die Euro-Schwäche vor allem mit zwei Entwicklungen. Zum einen geht derzeit die Furcht vor einem wirtschaftlichen Absturz um. „Die Rezessionsängste in Europa verschärfen sich“, kommentieren Analysten der Commerzbank. Die Experten der Dekabank pflichten bei: „Konjunkturangst greift um sich.“ Dafür gibt es einige Gründe, vor allem aber hat der Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine die hohe Abhängigkeit Europas von russischen Gaslieferungen drastisch vor Augen geführt. Russland hat seine Lieferungen bereits stark reduziert. Sollten sie ganz ausbleiben, könnte dies eine tiefe wirtschaftliche Rezession auslösen. Es gibt einen zweiten wichtigen Grund für die ausgeprägte Euro-Schwäche, nämlich die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Welche Rolle spielt die Europäische Zentralbank?

Viele andere Notenbanken, allen voran die mächtige US-Notenbank Federal Reserve, haben den Kampf gegen die hohe Inflation bereits aufgenommen und ihre Leitzinsen meist deutlich angehoben. Die EZB stellt allerdings eine der wenigen Ausnahmen dar, sie hat sich bisher nur zu einer Ankündigung durchgerungen. Im Juli sollen die Leitzinsen im Euroraum erstmals seit elf Jahren steigen – allerdings nur um 0,25 Prozentpunkte. Das ist im Vergleich zu anderen Zentralbanken wenig.Richtig vererben_10.49

Was sind die Nachteile eines schwachen Euro?

Die zunehmende Schwäche des Euro kommt im aktuellen Umfeld mit sehr hohen Inflationsraten äußerst ungelegen. Denn je niedriger der Wechselkurs der Gemeinschaftswährung ist, desto stärker werden im Verhältnis andere Währungen wie beispielsweise der US-Dollar. Das führt dazu, dass nach Deutschland eingeführte Waren teurer werden. Die bereits hohe Inflation wird dadurch zusätzlich angefacht.

Zahl der Einkommensmillionäre zuletzt gestiegen – Dichte in Hamburg am höchsten 13.07Verbraucher müssen bei sinkendem Eurokurs also noch tiefer in die Tasche greifen, um ihre Lebenshaltungskosten zu stemmen. Vor allem die bereits hohen Energie- und Rohstoffpreise drohen weiter zu steigen. Denn gezahlt wird international üblich in US-Dollar. Und der auch genannte Greenback wertet auf, wenn der Euro abwertet. Auch der Urlaub im vielen Ländern ohne die Gemeinschaftswährung dürfte mit fallendem Euro tendenziell teurer werden. Und natürlich wird der Inflationskampf der EZB noch schwieriger.

Gibt es auch Profiteure?

Ja, insbesondere in der Exportnation Deutschland. Denn deutsche Waren werden mit fallendem Euro-Wechselkurs für andere Länder günstiger. Ein wechselkursbedingter Nachfrageschub könnte also dazu führen, dass die befürchtete wirtschaftliche Abschwächung zumindest abgebremst wird. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die wirtschaftliche Lage in vielen anderen Ländern ähnlich ungünstig wie in Deutschland ist. Die Auslandsnachfrage dürfte konjunkturell bedingt also eher fallen als steigen – was den positiven Nachfrageeffekt durch den schwachen Euro zumindest ausbremst.

Wie geht es weiter, fällt der Euro auf Parität?

Unter Parität wird ein Tauschverhältnis eins zu eins verstanden. Bis dahin ist es bei einem Eurokurs von knapp 1,02 US-Dollar nicht mehr weit. Letztmalig war ein Euro im Jahr 2002 genau einen Dollar wert – also vor rund zwei Jahrzehnten. Das war knapp nach der Einführung des Euro als Bargeld. Analysten halten es für gut möglich, dass der Euro ein solches Niveau demnächst erreicht. Ein Test der Parität sei „sehr wahrscheinlich“, meinen Experten der Dekabank. Auch die Volkswirte der Landesbank Hessen-Thüringen sind der Meinung, einem Fall auf Parität stehe nur noch wenig entgegen. Anzeichen für eine Trendwende sehen sie nicht.

Besondere wirtschaftliche Auswirkungen hat ein Kursverfall auf Parität zwar nicht. Allerdings ist die Signalwirkung groß: So wurde zur Einführung des Euro für die Kursdarstellung nicht wie einst für die D-Mark eine Preisnotierung gewählt. Diese fragt danach, „was kostet der US-Dollar?“. Stattdessen hat man sich für die Mengennotierung entschieden, bei der gefragt wird, „was kostet der Euro?“. Damit wollte man wohl auch ein Zeichen für die wirtschaftliche Stärke und Unabhängigkeit der Währungsunion setzen. Sinkt der Kurs unter Parität, dürfte das dem internationalen Ruf des Euro eher schaden als nutzen.

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USA: Centralia – Geisterstadt über einem Inferno

Die Vergangenheit Centralias ist hüfthoch unter Unkraut begraben. Ein Kohlefeuer machte den einst florierenden Ort in Pennsylvania zur Geisterstadt. Ein paar Bewohner aber harren bis heute aus.

Einen Kilometer hinter Aristes beginnt die Stimme im Radio zu rauschen. Ein Mann redet über Freiheit. Wie sie in Russland und China «getötet» wurde und nun auch in den USA. Das Programm bricht ab, als das Auto ins Tal von Centralia rollt.

Wolken hängen tief über dem Ort in Pennsylvania, der kein Ort mehr ist, nachdem im Sommer 1962 ein Kohlefeuer unter ihm ausbrach.

Es ließ die Straßen aufplatzen und machte Centralia zu einer Geisterstadt in den sanften Hügeln der amerikanischen Appalachen. 60 Jahre später schwelt der Brand noch immer und wird dies wohl noch Jahrzehnte tun. Fast alle Häuser sind abgerissen, Straßen führen ins Leere, das einst pralle Leben ist von Unkraut überwuchert. Fünf Menschen halten laut dem letztem Zensus noch an ihrer Heimat fest. Und an Erinnerungen an bessere Zeiten. Vor einem der letzten Gebäude formen Letter das Wort «Freiheit».

In der Troutwine Street steht ein Haus wie der letzte Zahn in einem ausgedienten Gebiss. Auf der kleinen Veranda blättert die Farbe von einer Hollywood-Schaukel. Nach dem Klopfen rührt sich erstmal nichts. Um das Grundstück herum zirpen die Grillen, in der Ferne bellt ein Hund unentwegt. Man will sich schon abwenden, doch dann bewegt sich drinnen etwas und die Silhouette eines Mannes zeichnet sich hinter der Glasscheibe ab.

Als das fatale Feuer im Bergbaugebiet Centralia ausbrach, war Harold Mervine noch nicht mal Teenager. Nun hat er schüttere graue Haare und tritt bedächtig aus dem Halbdunkel des Eingangs. Von der Veranda schaut er aus unergründlichen, dunklen Augen auf den Besucher hinab. Ja, fünf Minuten Zeit habe er wohl. «Ich bin wahrscheinlich der Einzige in der Stadt, der noch mit Fremden redet», sagt er.

Sogar «Die Drei ???» widmeten dem Brand eine Folge

Mervines Lebensgeschichte wird wie die von mehr als tausend weiteren Menschen aus Centralia für immer mit dem Kohlebrand verbunden sein. Die gängigste Theorie zu seinem Entstehen: Mehrere Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr sollten am 27. Mai 1962 eine Mülldeponie in einem ehemaligen Tagebau mit einem Feuer «reinigen». Von dort soll es dann auf andere Gruben übergesprungen sein und sich langsam durch das Labyrinth unter der Stadt gefressen haben.

Trotz zahlreicher Versuche konnte der Brand nicht gelöscht werden. Stattdessen trieb er tiefe Risse in die Straßen. Giftige Rauchschwaden stiegen aus dem Boden auf. Teilweise sackte der Boden ab. Centralia, wo man heute kaum mehr Hinweise auf das Feuer sieht oder riecht, wurde zum nationalen Desaster.

Auch in Deutschland wurde der Ort bekannt, als die Hörspielreihe «Die Drei ???» ihm die Folge «Die brennende Stadt» widmete. In den 80er-Jahren wurde Centralia schließlich evakuiert, die verlassenen Häuser gingen in Staatsbesitz über und wurden abgerissen. Doch ein paar Bewohner weigerten sich. Einer von ihnen war Mervines Vater. «Mein Vater war ein zäher Kämpfer. Er wollte bleiben, wissen sie. Und er sagte, das Feuer spiele keine Rolle», erzählt der 72-Jährige.

Nach einigen Jahren außerhalb Centralias zog Harold Mervine 2014 wieder hierher, wo er als Kind mit seinen Freunden im Wald tobte und Baseball spielte. Heute lebt er allein in dem Haus, das sein Großvater vor über 100 Jahren baute. Er hätte nicht mit ansehen können, wäre es abgerissen worden, sagt er. Sein Vater habe das Gras ums Grundstück herum über Jahre mit dem Rasenmäher des Nachbarn gebändigt. Drei, manchmal vier Tage pro Woche. Irgendwann sei er zu alt dafür geworden, die «Dinge überwucherten». Als er starb, ließ er seinen Sohn allein zurück.

Besuch von Geisterjägern

Dass heute regelmäßig Schaulustige nach Centralia kommen, dagegen habe er gar nichts, sagt Mervine. Aber die Leute würden nur das verwaiste Straßennetz abfahren, überall dort, wo sie mit dem Auto hinkämen. «Und dann gehen sie. Sie haben keine Ahnung, was sie gesehen haben. Sie sprechen mit niemandem. Sie fahren einfach herum und fahren herum und fahren herum.»

Vor einigen Wochen habe er mitten in der Nacht Geräusche gehört. Sie kamen von der anderen Seite der Bundesstraße. Mervine ging hinüber, um nach dem Rechten zu sehen. Acht oder zehn Autos zählte er. Ein Mann habe ihn gefragt, wo genau der alte Bahnhof gewesen sei. Natürlich wusste Mervine es, doch er fragte die Fremden, warum sie in tiefster Dunkelheit danach suchten. Sie waren Geisterjäger.

Heute steht Vater Francis DeRosa auf dem Asphalt auf der anderen Seite der Bundesstraße – zwischen zwei komplett zugewachsenen Grünstreifen, gerade mal drei Minuten von Harold Mervines Haus. DeRosa trägt einen weißen Kollar unter seiner schwarzen Priesterrobe. Er ist auf der Durchreise aus Virginia und durchaus etwas verängstigt von Centralia und seiner Geschichte.

«Dies hier ist eine Geisterstadt», sagt er als Erstes, noch bevor er sich vorstellt. «Hier bekommt man ein bisschen Gänsehaut.» Alle Häuser seien für immer weg, die Gegend verdammt. «Ich wäre vorsichtig. Ich meine, ich weiß es nicht. Aber denken Sie nicht, dass Sie an einem Ort wie diesem vorsichtig sein sollten?»

Schild am Friedhof warnt: «Sie werden beobachtet»

Centralia, drei Autostunden westlich von New York, gibt dem Besucher unter Tage wenig Grund zur Angst um Leib und Leben. Doch die Möglichkeit, in Paranoia zu geraten, wenn die Nacht über den Ort kommt, ist real. Auf einem der drei früheren Friedhöfe im Süden wird sichtbar, wie viele Menschen hier einst lebten – und starben. Dutzende Reihen Grabsteine tragen die Namen irischer, ukrainischer und litauischer Bewohner. Niemand ist hier, doch ein Schild am Eingang des St. Ignatius Friedhofs warnt: «Sie werden beobachtet.»

Dass auch den sonst eher Unerschrockenen der Verfolgungswahn packen kann, wird beim Weg zurück zum Mietauto deutlich. Die Tür schließt, es ist still, doch der Blick in den Rückspiegel lässt stutzen. Er muss verstellt worden sein. Vermutlich ein Versehen beim Aussteigen. Trotzdem geht der Blick wie in Hollywood auf die Rückbank. Leer. Doch unten, auf dem Boden, liegt eine unbekannte Plastikflasche. Das haben die Leute beim Wagenverleih halt beim Aufräumen vergessen. Oder?

Zwei Autominuten weiter steht Thomas McGinley vor seinem Wagen, grüßt mit einem breiten «Wie geht’s dir?» und einem Grinsen, das jegliche Gedanken an die Geister eines Kohlefeuers im Keim erstickt. Er ist ein Sohn Centralias, aber einer jener, die wegzogen. An seine Kindheit hat McGinley nur die besten Erinnerungen.

«Es war eine Kameradschaft – nicht nur von Freunden, sondern auch von Ihren Familien», schwärmt er. Ein Abziehbild des Lebens inmitten des stolzen amerikanischen Industrie-Motors, wo jeder hart arbeitete und die Gemeinschaft zusammenhielt. «Es war ein besonderer Ort. Er war es wirklich», sagt McGinley, der in der Region als Leiter eines Gefängnisses arbeitet.

Souvenirs aus der Geisterstadt

Unterdessen geht Harold Mervine die alte Hauptstraße Centralias hinunter. Er ist dünn und wirkt zerbrechlich, seine zerbeulte Jeans schlackert um die Beine. Doch seine Schritte sind sicher und nach einer Minute wendet er sich nach rechts, zu einer von niedrig hängenden Ästen und Büschen eingerahmten Treppe. Er deutet auf die angrenzende Mauer, in der Steine fehlen. «Die Leute fangen an, alles zu stehlen, was sie können», meint er nur. Souvenirs aus Centralia.

Eine abgebrochene Stufe übersteigt er und steht Sekunden später am Rand des Spielfelds, von dem er einst jede Ecke kannte. Fast jeden Tag spielte er hier mit seinen Jungs Baseball, sein bester Freund Billy meist an seiner Seite. Mervine zeigt hinüber zur Stelle, wo früher die First Base war. Seine Lieblingsposition. Und daneben hatte er als Batter den Ball so weit wie möglich in den Himmel über Pennsylvania geschlagen.

Jahrzehnte später begräbt hüfthohes Unkraut die Vergangenheit. «Es gibt eine Menge Sachen, die nicht wirklich gut sichtbar sind», räumt Mervine ein. Thomas McGinley dagegen sagt zu dem Grün, das Centralia überzogen hat: «So hoch wie diese Pflanzen auch wachsen, sie können Erinnerungen nicht verdecken.»

Das Haus von Harold Mervine wird eines Tages, wenn auch er stirbt, ebenfalls dem Boden Centralias gleich gemacht. Er meint, dass es dann sowieso keinen Unterschied mehr mache. Doch nun steigt er erstmal die Stufen hinunter und geht zurück zur Troutman Street. Er wolle noch den Rasen um sein Grundstück mähen.

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Coronavirus Deutschland Frauen Geschenk Glück Hochzeit Hochzeitstag Jochen Schweizer Kupfer Männer

Suchen & Finden: Geschenke zur Silbernen Hochzeit: Zehn romantische Ideen zum Verschenken

Zinn, Kupfer oder Blech: Wussten Sie, dass jeder Hochzeitstag einem Jubiläum zugeordnet werden kann? Tatsächlich gibt es jedes Jahr einen Grund zu feiern – allerdings konzentrieren sich die meisten Paare auf ihre großen Jubiläen, wie etwa den 25. oder den 50. Hochzeitstag.

Statistisch gesehen sind die meisten Männer in Deutschland bereits über 34 Jahre alt, wenn sie heiraten, und Frauen über 32. Dadurch nimmt die Wahrscheinlichkeit, eine Goldene Hochzeit (also 50 gemeinsame Ehejahre) zu feiern, leider ab. Wesentlich einfacher hingegen ist es, nach 25 Jahren ein anderes Jubiläum zu feiern: die Silberne Hochzeit. Und auch wenn durch die anhaltende Corona-Pandemie derzeit keine groß ausgelegten Familienfeiern stattfinden dürfen, so können trotzdem Geschenke ausgetauscht werden – unter den Paaren selbst oder auch per Post, wenn Freunde oder Verwandte zum 25. Hochzeitstag gratulieren wollen. Im Folgenden finden Sie eine Liste mit zehn Geschenkideen.

1. Salz- und Pfefferstreuer

API 1

Verleihen Sie Ihrem Geschenk die nötige Würze – mit diesem Set: „Glück ist das Salz in der Suppe“ steht auf dem Salzstreuer und „Liebe gibt dem Leben Pfeffer“ auf dem Pfefferstreuer. Wenn das nicht die perfekte Symbiose aus Funktionalität und Romantik ist, wissen wir auch nicht weiter. Hier gibt es das Set.

2. Personalisierte Fußmatte

API 2

Passend zum bevorstehenden Jubiläum gibt es diese Fußmatte, auf der nicht nur das Event selbst verewigt wurde: Sie können auch zwei personalisierte Namen darauf drucken lassen. Entweder von sich und Ihrem Ehemann oder Ihrer Ehefrau – oder aber von den zu beschenkenden Paar. Hier gibt es die Matte.

3. Käse- und Weintasting

API 7

Gemeinsame Aktivitäten sind derzeit kaum bis gar nicht mehr möglich. Aus diesem Grund nehmen die Angebote digitaler Events stetig zu – so auch bei Jochen Schweizer: Das 90-minütige Käse- und Weintasting mit einem erfahrenen Sommelier findet einfach zu Hause statt. Hier gibt es den Gutschein.

4. Weinregal

API 9

Wenn Sie einen edlen Tropfen verschenken oder gemeinsam mit Ihrer besseren Hälfte trinken wollen, lohnt sich die Anschaffung eines Weinregals aus Paulowniaholz. Es besitzt zwölf Fächer und bietet Platz für mindestens 20 Flaschen, die darin sachgemäß gelagert werden können. Hier gibt es das Regal.

5. Erste-Hilfe-Set

API 6

Hierbei handelt es sich vielmehr um einen wasserabweisenden Scherzartikel als ein echtes Erste-Hilfe-Set: Darin finden sich sechs Fächer, die Sie mit kleinen Überraschungen oder Aufmerksamkeiten für das Ehepaar (oder Ihre/n Partner/in) individuell befüllen können. Hier gibt es die Tasche.

6. Hufeisen-Box

API 8

Unter dem Motto: „Silber haben sie schon, jetzt wollen Sie Gold!“ soll diese Box (inklusive echtem Hufeisen, das von einem Pferd getragen wurde) dem Ehepaar in erster Linie Glück bringen. Denn wie jeder weiß, sind 25 gemeinsame Jahre nicht mehr selbstverständlich heutzutage. Hier gibt es das Hufeisen.

7. Hochzeitskerze

API 5

Als Geschenk oder romantische Tisch-Deko geeignet, ziert diese Hochzeitskerze eine 25 – darunter findet sich die Anzahl der Tage, Wochen und Monate, die das Ehepaar gemeinsam verbracht hat. Laut Hersteller wurde die Kerze von Hand gemacht und mit Liebe dekoriert. Hier gibt es das Geschenk.

8. Personalisierte Sektgläser

API 10

Weitere praktische Geschenke zur Silbernen Hochzeit sind diese Sektgläser von Leonardo, die in einer Holzbox geliefert werden. Das Besondere daran ist: Sowohl die Gläser als auch die Kiste werden mit den Namen des Brautpaares versehen – und verleihen dem Geschenk eine persönliche Note. Hier gibt es das Set.

9. Geldgeschenk

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Manch einer möchte dem Brautpaar einen Wunsch erfüllen, hat aber keine Ahnung, was es gebrauchen könnte. In dem Fall bietet sich Geld an, mit dem sich die Beschenkten einen Wunsch erfüllen können. Und damit die Übergabe nicht in einem Umschlag erfolgt, wird diese Mausefalle empfohlen. Hier gibt es das Gerät.

10. Wünsche-Buch

API 3

Wie der Name schon suggeriert, geht es bei diesem Geschenk darum, dem Brautpaar seine besten Glückwünsche schriftlich zu übermitteln – gesammelt in einem Buch. Damit die Seiten gefüllt werden, können Sie diese gemeinsam mit Freunden und Familien bearbeiten. Hier gibt es das Gemeinschaftsgeschenk.

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Berlin Coronavirus Deutschland Fallzahl RKI Robert-Koch-Institut

Fallzahlen: Corona-Inzidenz in Berlin bei 537

Die Corona-Inzidenz in Berlin hat am Donnerstag 537 erreicht. Das teilte das Robert Koch-Institut (RKI) mit. Vor einer Woche lag der Wert noch bei 423. Für ganz Deutschland wurde am Donnerstag die Zahl, die die registrierten Neuinfektionen auf 100.000 Menschen in sieben Tagen angibt, mit knapp 691 angegeben.

Die Corona-Inzidenz in Berlin hat am Donnerstag 537 erreicht. Das teilte das Robert Koch-Institut (RKI) mit. Vor einer Woche lag der Wert noch bei 423. Für ganz Deutschland wurde am Donnerstag die Zahl, die die registrierten Neuinfektionen auf 100.000 Menschen in sieben Tagen angibt, mit knapp 691 angegeben.

Allerdings liefert die Inzidenz kein vollständiges Bild der Infektionslage. Experten gehen von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus – vor allem, weil bei weitem nicht alle Infizierten einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik.

Laut RKI wurden für Berlin am Donnerstag 4487 neue Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Die Gesamtzahl der registrierten Fälle stieg seit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 auf knapp 1.125.000. Zwei weitere Todesfälle wurden gemeldet. Nach den offiziellen Zahlen gab es seit Pandemiebeginn in Berlin damit 4658 Tote im Zusammenhang mit Corona-Infektionen.

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Afghanistan Berlin Bundesregierung Bundestag Bundeswehr Deutschland FDP Katja Mast Ökostrom Rheinische Post Sommerpause Sondersitzung SPD Wolfgang Kubicki

Berlin: Bundestag stimmt über Afghanistan-Ausschuss ab

In den Bundestag kehrt mit Ablauf der Woche und über den Sommer Ruhe ein. Vorher stehen noch eine Reihe von wichtigen Themen auf der Tagesordnung – darunter eine kontrovers diskutierte Personalie.

Kurz vor der parlamentarischen Sommerpause beschäftigt sich der Bundestag heute noch mit einer Reihe von Themen. Das Parlament kommt planmäßig erst Anfang September wieder zusammen.

Ob es wegen der zahlreichen Krisen eine Sondersitzung im Sommer geben wird, ist offen. Wolfgang Kubicki von der FDP rechnet eher nicht damit: «Ein Ereignis, das ein unmittelbares gesetzgeberisches Eingreifen notwendig machen würde, ist unwahrscheinlich und kann niemand voraussehen. Ich habe jedenfalls keine seherischen Fähigkeiten», sagte Kubicki der «Rheinischen Post». Die Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion, Katja Mast, hatte zuvor gesagt: «Es kann zu Situationen kommen, wo wir natürlich eine Sondersitzung brauchen könnten.» Ihren Fraktionskolleginnen und -kollegen riet sie, gut erreichbar zu sein.

Fest steht aber: Der Zeitplan ist eng, Tagesordnungspunkte sind bis in den frühen Freitagmorgen terminiert. Ein Auszug:

Ökostrom-Ausbau

Die Abgeordneten stimmen über ein umfangreiches Gesetzespaket für einen schnelleren Ausbau des Ökostroms aus Wind und Sonne in Deutschland ab. Dies spielt eine Schlüsselrolle in der Strategie der Bundesregierung, um Klimaziele zu erreichen. Außerdem soll mittel- und langfristig die Abhängigkeit von fossilen Energien verringert werden. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die starke Abhängigkeit von Rohstoffen aus Russland stellt Deutschlands Energiepolitik vor eine große Herausforderung.

Afghanistan-Untersuchungsausschuss

Das Gremium soll sich unter anderem mit Fehlern beim Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan im Jahr 2021 befassen. Die deutschen Soldaten hatten das Land nach fast 20 Jahren verlassen. Im August beteiligte sich Deutschland dann an einer internationalen Evakuierungsmission, nachdem die militant-islamistischen Taliban wieder die Macht in dem Land übernommen hatten. Es hatte sich im Juni eine breite Zustimmung für die Einsetzung des Ausschusses abgezeichnet.

Die Wehrbeauftragte des Bundestags, Eva Högl (SPD), mahnte in den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag) eine gründliche Aufarbeitung an. Es müsse unter anderem untersucht werden, «was man hätte tun können, um die afghanischen Ortskräfte besser zu schützen und frühzeitiger außer Landes zu bringen». Die Aufarbeitung des letzten Jahres in Afghanistan sei ein «wichtiger Baustein» der Einsatz-Bilanz.

Flutkatastrophe

Um die Aufarbeitung von Fehlern geht es auch bei der angesetzten Debatte zur Flutkatastrophe vor einem Jahr. Bei dem Hochwasser vor allem in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz starben im Juli 2021 weit mehr als 100 Menschen. Es entstand Milliarden-Schaden.

Die umweltpolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Anja Weisgerber (CSU), forderte vorab Mindeststandards zur Erstellung von Gefahren- und Risikokarten für lokale Starkregenereignisse sowie Starkregenfrühwarnsysteme. In den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland drang sie zudem auf ein «Nationales Klimaanpassungsgesetz zur Daseins- und Zukunftsvorsorge». Dieses müsse die «berechtigten Interessen von Ländern, Kommunen, Landwirten, Grundstückseigentümern und anderweitig Betroffenen» berücksichtigen.

Antidiskriminierungsstelle

Mitte Juni hatte das Kabinett die Journalistin Ferda Ataman für die Leitung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes vorgeschlagen – seither wird die Personalie kontrovers diskutiert. Oppositionspolitiker aus Union und AfD, aber auch einzelne Vertreter der Regierungspartei FDP sprechen ihr die Eignung ab. Sie bezeichnen Ataman unter anderem als «linke Aktivistin», die für «spaltende Identitätspolitik» stehe. SPD-Chefin Saskia Esken spricht von einer «verleumderischen Kampagne». Die Mehrheit für Ataman steht aber wohl.

Flughäfen und Bundeswehr

Auf der Tagesordnung stehen außerdem Debatten über das Chaos an Flughäfen, der Armutsbericht und das Freihandelsabkommen Ceta mit Kanada. Der Bundestag will ferner unter anderem über eine Beschleunigung von Beschaffungsmaßnahmen für die Bundeswehr abstimmen.

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Asien Auto Automobilbau Batteriezelle Deutschland Europa Herbert Diess Niedersachsen Olaf Scholz Salzgitter SPD Stahl Standort Deutschland Stephan Weil Sucht Umwälzung Volkswagen VW

E-Mobilität: VW startet Bau seines ersten deutschen Zellwerks

Akkus statt Zylinder – VW führt seine Verbrennungsmotoren-Hauptfabrik in die neue Zeit. In Salzgitter wird es jetzt ernst mit ergänzenden Batteriezellen, auch der Kanzler kommt.

Sucht man einen Ort, an dem die Umwälzungen im Automobilbau besonders drastisch zu sehen sind, ist Salzgitter sicher ein Top-Favorit.

Volkswagen hat die Stahl- und Industriestadt in Südostniedersachsen ausgewählt, um hier ein Zentrum der europäischen Produktion von Batteriezellen zu installieren – gleich neben dem bestehenden Motorenwerk, aus dem seit Jahrzehnten viele Konzernmarken Benzin- und Dieselantriebe bekommen. Am Donnerstag beginnt nun eine Etappe, die für die zweitgrößte Autogruppe von großer Bedeutung ist. Und diese könnte noch weit über VW und über Europa hinaus reichen.

Diess: «Meilenstein für den Standort Deutschland»

Rasch haben sie zur Grundsteinlegung einige der üblichen Superlative parat. Vorstandschef Herbert Diess spricht von einem «Meilenstein für den Standort Deutschland», die Eröffnungssause heißt hip «Mission SalzGiga», mal wieder raunt die Branche über ein «Leuchtturmprojekt». Aber in der Tat markiert dieser Tag – abgesehen von allerlei Technik-Pathos und Marketing-Jubel – einen entscheidenden Schritt.

Denn Volkswagens erste deutsche «Gigafactory», wie man die Fabrik in Anspielung auf den Erzrivalen Tesla nennt, steht gleichermaßen für den Aufbruch in die elektrische Massenfertigung wie für das recht späte Erwachen der Autobauer, den dominanten Batteriemächten vor allem aus Asien etwas entgegenzusetzen. Bislang ist die Abhängigkeit hoch. Die brüchigen globalen Lieferketten bei Chips und Rohstoffen wie Lithium oder Kobalt sind ebenso ein Grund, warum sich Europas Wirtschaft mehr auf heimische Ressourcen besinnen will. Darauf wiesen zuletzt auch die deutsche Industrie und die Bundesbehörde BGR hin.

E-Mobilität und Verkehrswende

Die strategische Rolle, die E-Mobilität und Verkehrswende spielen, dürften Kanzler Olaf Scholz und Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil (beide SPD) in Salzgitter ansprechen. Daneben haben sich Diess, Technikvorstand Thomas Schmall und Betriebsratschefin Daniela Cavallo angesagt. Im Zellkomplex wird es weniger nach Metall und Maschinenöl riechen. Stattdessen gibt es Reinräume und automatisierte Anlagen, die eher an einen Mix aus Chipfabrik und Chemielabor erinnern.

Möglichst viele Beschäftigte sollen vom klassischen Motorenbau für die Batteriezell- und -modulherstellung weiterqualifiziert werden. Doch es ist auch nicht einfach, genügend zusätzliche Experten von außen zu gewinnen. Seit einiger Zeit betreibt VW eine Pilotlinie, in der bereits hausgemachte Batteriezellen für Probeserien entstehen.

Angedockt ist ein Forschungszentrum, perspektivisch soll ein Großteil des Batteriegeschäfts aus der Stammregion gesteuert werden. Ausgehend von einer elektrischen Gesamtenergie von 20 Gigawattstunden (GWh) ab 2025 peilt man in Salzgitter über mehrere Schritte eine Jahresmenge von 40 GWh an. Dabei geht es um die «Einheitszelle» – also einen Typ, der nicht für Oberklasse-, sondern für preiswertere Modelle gedacht ist und dank großer Volumina kostengünstiger produziert werden soll.

Sechs Fabriken bis 2030

Europaweit errichtet Volkswagen bis 2030 sechs solcher Fabriken, jede davon soll etwa eine halbe Million E-Autos pro Jahr ausrüsten können. Im nordschwedischen Skellefteå, wo man bei Northvolt eingestiegen ist, wird auch schon gebaut. Die Schweden ziehen außerdem in Schleswig-Holstein ein eigenes Zellwerk hoch. VW selbst hat außer Salzgitter Valencia in Spanien genannt. Die übrigen drei Orte sind noch offen, es gibt Interessenten aus Deutschland und Osteuropa.

Das ganze Zell-Netzwerk soll auf dem Kontinent Jobs in fünfstelliger Höhe schaffen. Beinahe scheint Diess das Schaulaufen der Politik vor der Festlegung auf die nächsten Fabriken zu genießen. Man könne sich «vor Bewerbungen kaum retten». Vor der Belegschaft erklärte er: «Von der Rohstoff-Beschaffung bis zum Batterie-Recycling wollen wir alles in der Hand behalten.» Auch externe Kunden wie der US-Autobauer Ford oder Mahindra in Indien sollen mit Elektro-Plattformtechnik beliefert werden. Ein Börsengang der VW-Batteriesparte könnte folgen.

Darüber hinaus bildet der Konzern eine Subfirma, die unter anderem für Forschung, Rohstoffeinkauf und Entwicklung der Anlagenkonzepte zuständig ist. Zusammen mit Bosch will VW komplette Standardfabriken ausstatten. Für die USA werden ebenso weitere Pläne vorangetrieben.

Ob die derzeit veranschlagten Zahlen ausreichen, wenn der E-Mobilität der Durchbruch gelingen soll, hält manch einer indes für fraglich. «Neben dem dringlichen Ausbau der Ladeinfrastruktur ist eine deutlich breitere Produktpalette im Einstiegssegment notwendig», sagt Marcus Hoffmann vom Beratungsunternehmen PwC Strategy&. Diess sieht eher die Zellen als möglichen Mangelfaktor, nicht mehr so sehr die Ladepunkte.

E-Kleinwagen ab 2025

Hier wie da bleibt viel zu tun. Die von Klimaschützern vermissten E-Kleinwagen für 20.000 Euro sollen ab 2025 kommen, bisher boten die VW-Marken reine Stromer bevorzugt im Ober-, Mittel- oder bestenfalls oberen Kompaktsegment an. Ein ID.2 im Polo-Format wird diskutiert.

Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft (IfA) in Geislingen, verweist wie auch einige VW-Stimmen darauf, dass das Tempo bei der Erweiterung der Kapazitäten jetzt nicht nachlassen dürfe. Mercedes, BMW oder Opel investieren in Deutschland ebenso in leistungsstarke Auto-Akkus. Der Grad der Eigeninitiative sowie die Beteiligungs- und Finanzierungsmodelle sind aber unterschiedlich.

Strebe man allein für die Bundesrepublik im Jahr 2025 eine Zahl von gut 600.000 im Inland verkauften und etwa 3 Millionen produzierten E-Autos an, dann könnte eine anteilige Energiemenge von etwas mehr als 220 GWh genügen, schätzt Reindl. In der Zeit danach müsse wohl einiges nachkommen: «In der Langfristperspektive wären mehr als 600 GWh nach den vorliegenden Daten möglich.» Die Investitionen sind also gewaltig. Doch er findet, das Risiko sollten die Anbieter eingehen.

Schließlich nehme der Hunger nach Batteriezellen weltweit zu, betont der IfA-Chef: «Insgesamt sind zur Deckung der Nachfrage, die relativ dynamisch wächst, zusätzliche Produktionsstätten notwendig.» Ganz zu schweigen von Lerneffekten und neuer Arbeit für die neue Auto-Ära.

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Landesregierung: Keine Minister mit Migrationshintergrund in NRW-Regierung

Im neuen Kabinett von Ministerpräsident Wüst gibt es keine Minister mit Migrationshintergrund. Die erste schwarz-grüne NRW-Koalition bilde die gesellschaftliche Vielfalt nicht ab, wird kritisiert.

Eine Woche nach dem Start der ersten schwarz-grünen Koalition in Nordrhein-Westfalen ist Kritik an der Zusammensetzung des Regierungsteams laut geworden. Dass unter den zwölf Ministerinnen und Ministern im Kabinett von Hendrik Wüst (CDU) niemand eine Zuwanderungsgeschichte habe, sei bedauerlich, hieß es etwa beim Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI) in Essen.

Über 30 Prozent der Einwohner in NRW hätten einen Migrationshintergrund, das spiegele sich aber nicht in der ersten Regierung aus CDU und Grünen in der Geschichte des Bundeslandes wider, sagte der wissenschaftliche Leiter Haci-Halil Uslucan. «Natürlich sind die politischen Inhalte und Programme wichtig und primär», aber auch die Symbolik zähle.

«Dass eine Person mit Zuwanderungsgeschichte ein hohes Amt bekleidet, kann Strahlkraft haben», die Identifikation mit Deutschland steigern, das Interesse an Politik erhöhen sowie Vorbildwirkung entfalten, erläuterte Uslucan. NRW habe bisher allerdings «eine im bundesweiten Vergleich recht gute Integrationspolitik» betrieben.

Er traue sowohl Regierungschef Wüst als auch neuen Grünen-Ministerin Josefine Paul zu, dass sie diese fortführen und eigene neue Akzente setzen. In Pauls Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration dürfe das Thema Integration nicht hinten herausfallen. Denn Chancenungleichheit und Diskriminierung aufgrund von Herkunftsmerkmalen gehörten weiterhin zu den «großen gesellschaftlich ungelösten Herausforderungen».

Yunus Ulusoy vom ZfTI meinte, es sei «ein kleiner Trost», dass Gonca Türkeli-Dehnert (CDU) immerhin als Staatssekretärin im Ministerium für Kultur und Wissenschaft im Kabinett vertreten sei. Zudem habe der Landtag Berivan Aymaz (Grüne) zur Vizepräsidentin gewählt. «Zwei politische Ämter, die zum ersten Mal mit migrantischen Frauen besetzt sind», betonte der Forscher.

Bei der «Vielfaltsgerechtigkeit» stecke man zwar noch in den Anfängen, sagte Ulusoy. Das Land verfüge seit 2012 aber über ein Teilhabe- und Integrationsgesetz, das gerade eine «Grundnovellierung» erhalten habe und seit Januar 2022 in Kraft sei. Er sprach von «Meilensteinen in der Integrationspolitik», die jedes Ministerium mit umsetzen müsse. «Mit diesem Willen ist die neue Landesregierung angetreten, weil Migrations- und Integrationspolitik unsere Zukunftsfähigkeit in allen Lebenslagen mitbestimmt.» Das müsse aber personell auf allen politischen Ebenen viel stärker abgebildet werden.

Die Bundestagsabgeordnete Lamya Kaddor (Grüne), eine Islamwissenschaftlerin mit syrischen Wurzeln, sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Ich hätte mir im Kabinett mehr Vielfalt gewünscht. Das hätte uns im Zuwanderungsland NRW gut zu Gesicht gestanden und wäre ein weiteres Stück Normalität gewesen.»

Dass die Bevölkerung sich aus Menschen mit unterschiedlichen Einwanderungsgeschichten zusammensetze, müsse sich auch in hochrangigen Positionen niederschlagen. «Ich bin aber zumindest für unsere vier Grünen-Kabinettsmitglieder sicher, dass sie die Themen gesellschaftliche Vielfalt, Zuwanderung, Partizipation und die Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung sehr auf dem Schirm haben werden und stärken wollen», betonte Kaddor, die ihren Wahlkreis in Duisburg hat und den schwarz-grünen Koalitionsvertrag mitverhandelt hatte. Der Verein Türkischer Studenten an der Universität Duisburg-Essen sprach von einem «verheerenden Signal» vor allem für junge Studierende und Akademiker. «Die heutige Generation an jungen Menschen mit Migrationshintergrund möchte Deutschland und NRW mitgestalten und voranbringen.» Ein Großteil der Bevölkerung sei quasi «ausgeblendet».

Aus Sicht des Türkischen Bundes in NRW – Landesverband der Türkischen Gemeinde in Deutschland – hat die neue Landesregierung «das historische Momentum nicht genutzt, ein echtes Kabinett der Vielfalt zu präsentieren». In Schleswig-Holstein sei das dagegen gelungen, meinte der Vereinsvorsitzende Serhat Ulusoy. So mancher Bürger in NRW habe nun wohl die Wahrnehmung, «dass CDU und Grüne in NRW Migranten und Migrantinnen die kalte Schulter zeigen, noch bevor das Kabinett mit der Arbeit richtig begonnen hat».

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