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23. Januar 2012: Zehn Jahre nach dem Schlecker-Aus: Was bleibt vom einstigen Drogerie-Imperium?

Am 23. Januar 2012 meldete die Drogeriekette Schlecker nach einer steilen Talfahrt endgültig Insolvenz an. 25.000 Beschäftigte verloren vom einen auf den anderen Tag ihren Arbeitsplatz. Wie denken die Betroffenen heute über das Aus des Drogerie-Imperiums?

40 Prozent Marktanteil, 6,55 Milliarden Euro Umsatz – Schlecker war bis Anfang der 2000er Jahre eine der größten Drogerieketten in ganz Europa. In nahezu jeder Kommune in Deutschland hing zeitweise mindestens einmal der weiße Laden-Schriftzug auf blauen Grund. Was folgte war ein Absturz unvergleichlichen Ausmaßes. 

Vor zehn Jahren, am 23. Januar 2012, musste das Imperium des Drogeriekönigs und Selfmademan Anton Schlecker endgültig Insolvenz anmelden. Angekündigt hatte der Drogeriekonzern den Schritt schon drei Tage früher. Rund 25.000 Beschäftigte in Deutschland, vor allem Frauen, verloren ihren Job. „Es gab vermutlich in Deutschland bislang kaum ein vergleichbares Insolvenzverfahren hinsichtlich des öffentlichen und medialen Interesses“, heißt es im Büro von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz.

Insolvenz war hausgemacht

Der Niedergang des Schlecker-Imperiums zeichnete sich schon über ein halbes Jahr vor der Pleite ab. Im Juni 2011 kündigte das Unternehmen an, rund 10 Prozent der über 8000 Filialen in Deutschland zu schließen. Grund sei deren unzureichende Wirtschaftlichkeit. Die Probleme waren hausgemacht. Schlecker habe versucht, mit immer mehr Läden noch größer zu werden, mehr Einkaufsvorteile zu erzielen, um noch günstigere Preise erzielen zu können, sagt der Sprecher des Insolvenzverwalters. „Die Kunden blieben jedoch aus, weil die Läden zu klein, zu alt und unattraktiv waren.“ Der Umbau von der einstmals größten Drogeriekette Europas konnte nicht rasch genug umgesetzt werden, weil das Geld dazu fehlte. „Und dann fiel das auf Expansion gebaute Kartenhaus in sich zusammen.“

Legendär sind die Worte von Schleckers Tochter Meike wenige Tage nach der Insolvenzanmeldung auf einer Pressekonferenz zusammen mit Insolvenzverwalter Geiwitz. Sie wird gefragt, warum der Vater denn nicht mit Geld aus seinem Privatvermögen das Unternehmen gestützt habe. Meike Schlecker rückte auf ihrem Stuhl nach vorn und antwortete: „Ich glaube, Sie haben das nicht verstanden. Es ist nichts mehr da.“ Als sogenannter Einzelkaufmann haftete er mit allem, was er besaß. Etwa 28.000 Gläubiger haben Forderungen von etwas über 1,2 Milliarden Euro zur Insolvenztabelle angemeldet.

Mitarbeiter:innen von Politik im Stich gelassen

Der Fall Schlecker wird auch zum Politikum. Im März 2012 scheitert der Versuch von Geiwitz, eine Transfergesellschaft für knapp 10.000 vor der Kündigung stehende Beschäftigte auf die Beine zu stellen. Der damalige Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) lehnt einen Kredit durch die Staatsbank KfW ab und verweist auf die Zuständigkeit der Länder. Die FDP-Wirtschaftsminister in Bayern, Niedersachsen und Sachsen verhindern die Bildung der Gesellschaft. Und Rösler sorgt für zusätzliche Empörung, weil er den von Entlassung betroffenen Frauen der Drogeriekette empfohlen hatte, selbst eine neue Arbeit zu finden und dies als „Anschlussverwendung“ bezeichnet.

Auch zehn Jahre nach der Insolvenz ist Christel Hoffmann, die ehemalige Betriebsratschefin des Konzerns, noch empört. „Bei Schlecker hatte die Politik die Türen zugeschlagen. Die dort beschäftigten Frauen waren der Politik nicht wichtig“, sagt die heute 68-Jährige. Auch die heutige SPD-Bundestagsabgeordnete und damalige Verdi-Chefin von Baden-Württemberg, Leni Breymaier, meint rückblickend, Schlecker habe einfach ein zu schlechtes Image gehabt. Deshalb habe es kein Engagement der Politik gegeben.FS Einkaufsverhalten Supermarkt 15.39

Schlecker-Kinder müssen in Haft

Die frühere Betriebsratschefin arbeitete knapp 20 Jahre bei dem Drogerieunternehmen. Das große Manko der Familie Schlecker war aus Sicht von Hoffmann, dass diese beratungsresistent gewesen sei. In Ihrer Betriebsratszeit habe sie Anton Schlecker nie zu Gesicht bekommen, sagt Hoffmann. Einer breiteren Öffentlichkeit musste sich der Metzgermeister, der seinen ersten Drogeriemarkt nach dem Wegfall der Preisbindung für Markenartikel in den 1970er Jahren eröffnet hatte, während des Prozesses vor dem Landgericht Stuttgart stellen.

2017 wurde Schlecker wegen vorsätzlichen Bankrotts zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Im Wissen um die bevorstehende Insolvenz habe er Geld zur Seite geschafft. Ihm blieb das Gefängnis erspart. Seinen Kindern aber nicht. Meike und Lars Schlecker mussten hinter Gitter. Sie waren in letzter Instanz zu Haftstrafen von jeweils zwei Jahren und sieben Monaten verurteilt worden. Über zehn Millionen Euro hatten die Schleckers in der Vergangenheit an den Insolvenzverwalter zurückgezahlt.

dm und Rossmann sichern sich Marktanteile

Im Handel sind die Marktanteile von Schlecker dagegen längst neu verteilt. „Die Pleite von Schlecker hat erst einmal ein Riesenloch gerissen. Vor allem dm und Rossmann haben danach massiv um die Schlecker-Kunden gekämpft und sich regelrechte Preisschlachten geliefert. Das hat sich für beide ausgezahlt: Am Ende haben sie sich das größte Stück vom Kuchen gesichert“, sagt Handelsexperte Thomas Montiel-Castro vom Marktforschungsunternehmen NielsenIQ.

„Der Platzhirsch dm konnte seinen Marktanteil danach von 28,5 Prozent auf über 40 Prozent steigern, Rossmann von 22,5 Prozent auf 33,5 Prozent“, berichtet Mirko Warschun von der Unternehmensberatung Kearney. Andere Drogeriemarktketten hätten dagegen nur wenig profitiert. Und auch die großen Lebensmittelhändler seien weitgehend leer ausgegangen, als die Marktanteile von Schlecker neu verteilt wurden. „Sie hatten in ihren Filialen einfach nicht genug Platz, um eine wirklich konkurrenzfähige Produktauswahl im Drogeriewarensegment anzubieten, und in den Augen vieler Kunden fehlte es ihnen vielleicht auch an Kompetenz in diesem Bereich“, sagt der Branchenkenner.STERN PAID 2_22 Alnatura Chef 14.54

Kehrt Schlecker wirklich zurück?

Inzwischen hat der in Österreich ansässige Geschäftsmann Patrick Landrock angekündigt, die Marke Schlecker wiederbeleben zu wollen. So solle Schlecker kein reiner Drogeriemarkt mehr werden, sondern auch stark mit Produkten des täglichen Bedarfs wie Lebensmitteln, Büro- und Geschäftsbedarfsprodukten sowie Baumarktartikeln auftreten. Der Online-Vertrieb solle im ersten Halbjahr starten. Die ersten Filialen sollen dann folgen, in diesem Jahr seien 50 Verkaufsstellen geplant. Der Start des Online-Vertriebs sei bereits finanziert.

Landrock ist eigenen Angaben zufolge Markeninhaber von Schlecker. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters sagt, die Rechte an der Marke konnten im Zuge des Insolvenzverfahrens nicht an einen geeigneten Bieter veräußert werden. „Da die Marken seit 2012 nicht genutzt wurden, hat die Insolvenzverwaltung diese – nach einem Hinweis des Deutschen Marken- und Patentamts – gelöscht beziehungsweise die Eintragung nicht verlängert.“ Der Insolvenzverwalter verhandelte einst auch mit Landrock: „Zu einem Verkauf kam es seinerzeit nicht.“

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Auto Berlin Bruder DDR Frau Frauen Jugend Kinder Lehrer Männer Missbrauch Opfer Schachtel Zigaretten Sexueller Missbrauch Tabuthema Verbrechen Westdeutschland

„Geschichten, die zählen“: 100 Opfer berichten im Netz über sexuellen Missbrauch als Kind

Sexueller Missbrauch von Kindern galt lange als Tabuthema. Auf dem Internetportal „Geschichten, die zählen“ melden sich nun 100 ehemalige Opfer zu Wort. Sie wollen mit ihren Berichten anderen Betroffenen Mut machen. 

Die Berichte sind bedrückend, oft auch verstörend. Sie handeln von zum Teil massiver Gewalt gegen Kinder, sexuellem Missbrauch in verschiedenen Formen, Vertrauensbrüchen und andauernder Hilflosigkeit. 100 inzwischen erwachsene Menschen berichten, was ihnen als Kind angetan wurde. Veröffentlicht wurden sie am Mittwoch von der seit 2016 arbeitenden Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs auf einer neuen Internetseite mit dem Titel: „Geschichten, die zählen“.

Täter kommen oft aus dem nahen Umfeld

Die Namen der Opfer aus den vergangenen Jahrzehnten und beiden deutschen Staaten sind geändert, aber die Ereignisse real. Von Übergriffen, Schlägen und Vergewaltigungen vor allem durch Männer in Familien, Heimen, Sportvereinen, Schulen und Kirchengemeinden berichten sie.

„An diesem Tag ging meine Kindheit zu Ende, ein absoluter Alptraum begann“, schreibt Irina über ihre Jugend Anfang der 80er Jahre in einem Dorf in der DDR. Ihr Vater ließ sie mit zwölf Jahren nackt tanzen und schlug sie mit einem Gürtel. Ihr Bruder missbrauchte und verkaufte sie. „Ich werde dieses Bild nie vergessen, als sein Freund ihm Geld und eine Schachtel Zigaretten gab. Von jenem Tag an, wurde ich regelmäßig zur Ware. Sie haben mir sehr wehgetan und mir meine Würde genommen.“

Später schickten ihre Eltern sie zu einem Bekannten, der ein Auto hatte und in den Wald fuhr. „Niemand kann es erahnen, was es für ein 15-jähriges Mädchen bedeutet, allein einem erwachsenen Mann ausgeliefert zu sein. Vier Jahre lang wurde ich gezwungen mit ihm mitzufahren.“

Täter sind überwiegend Männer

Eine andere Frau erzählt von dem Klassenlehrer, der sich Ende der 70er Jahre Schülerinnen hinter seinen Schreibtisch auf den Schoß holte. „Dabei ist er mit seinen Fingern in den Schlüpfer gegangen und hat uns an der Scheide angefasst.“ Die Mädchen hätten nie darüber gesprochen. „Lehrer waren damals Respektspersonen, und ich wäre nie auf die Idee gekommen, dies meinen Eltern zu erzählen. Ich dachte nicht, dass irgendjemand mir geglaubt hätte.“

STERN PAID Kindesmissbrauch Münster Mutter Prozess 20.30Nach einer früheren Studie der Kommission zur Missbrauchsaufarbeitung die von der Bundesregierung einberufen wurde, waren die Täter ganz überwiegend Männer. Nur 13 Prozent waren Frauen. Fast die Hälfte dieser Männer waren leibliche Väter, Pflegeväter und Stiefväter. Dann gab es andere Verwandte, Nachbarn, Erzieher, Betreuer, Sporttrainer und Pfarrer. Bei den Opfern waren die Zahlenverhältnisse umgekehrt: Knapp 90 Prozent waren Mädchen, 10 Prozent Jungen, die meist Pädophilen ausgeliefert waren.

Johann erinnerte sich erst mit über 50 Jahren konkret zurück an seine Kindheit in einer Klosterschule mit einem „brutalen Regiment“ in den 60er Jahren in Westdeutschland. „Mit elf Jahren, 300 Kilometer von zu Hause entfernt (…), wurde ich in der Kirche, nachts und nur mit einem Messdienergewand bekleidet, vergewaltigt. Wer der Täter war, weiß ich bis heute nicht.“ Im Beichtstuhl hieß es danach, das „Ritual“ müsse ein Beichtgeheimnis bleiben, bei Strafe der ewigen Verdammnis.

Sexueller Missbrauch tritt in vielen Formen auf

Der sexuelle Missbrauch ist unterschiedlich. Mal sind es sich wiederholende Berührungen, die die Täter als harmlos beschreiben. Von den Opfern werden sie als grenzüberschreitend und verstörend erlebt. Aber die Berichte handeln auch von brutalen Fesselungen und Vergewaltigungen.

Das Vorgehen der Täter ist unterschiedlich. Manche erschleichen sich die Sympathie und das Vertrauen ihrer Opfer, dann werden Fotos gemacht oder es beginnen Berührungen. In Familien geht es oft direkter zu. Die Kinder können diesem Missbrauch noch schwerer entkommen, weil die Familie sich nach außen abschottet.

Die meisten Opfer machten die Erfahrung, dass sie allein gelassen wurden. Mütter schwiegen, um die Familien zu erhalten. Schulbehörden und Lehrer sahen weg. Die Kirche in Westdeutschland versetzte auffällige Pfarrer – und ignorierte die Opfer. Die Jugend- und Sportorganisationen in der DDR leugneten die Vorkommnisse.

Über die tatsächliche Verbreitung sexueller Gewalt gibt es angesichts hoher Dunkelziffern wenig verlässliche Daten. Eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen von 2011 ergab, dass rund 7 Prozent der befragten Frauen und 1,5 Prozent der befragten Männer über frühere Erfahrungen als Opfer berichteten.Prinz Andrew FS 18.00

Berichte sollen bei Verarbeitung helfen

Die zunächst ausgewählten 100 Berichte auf dem neuen Portal lassen sich auswählen und sortieren nach dem Umfeld der Taten, den Jahrzehnten von 1950 bis zur Gegenwart, Bundesrepublik oder DDR und dem Geschlecht der Opfer. Weitere Schilderungen sollen folgen. Bei der Kommission meldeten sich bis heute fast 3000 Betroffene und Zeitzeugen.

„Nichts ist eindrücklicher als die Berichte der Betroffenen selbst“, begründete Brigitte Tilmann von der Aufarbeitungskommission das Projekt. „Nur so werden hinter dem Begriff Missbrauch die konkreten Erfahrungen der sexuellen Gewalt sichtbar.“ Viele Opfer hätten geschrieben, sie wollten mit ihrem Bericht anderen Betroffenen Mut machen. Wichtig sei die Botschaft, nicht alleine zu sein mit den Erfahrungen.

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„Geschichten, die zählen“: 100 Opfer berichten im Netz über sexuellen Missbrauch als Kind

Sexueller Missbrauch von Kindern galt lange als Tabuthema. Auf dem Internetportal „Geschichten, die zählen“ melden sich nun 100 ehemalige Opfer zu Wort. Sie wollen mit ihren Berichten anderen Betroffenen Mut machen. 

Die Berichte sind bedrückend, oft auch verstörend. Sie handeln von zum Teil massiver Gewalt gegen Kinder, sexuellem Missbrauch in verschiedenen Formen, Vertrauensbrüchen und andauernder Hilflosigkeit. 100 inzwischen erwachsene Menschen berichten, was ihnen als Kind angetan wurde. Veröffentlicht wurden sie am Mittwoch von der seit 2016 arbeitenden Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs auf einer neuen Internetseite mit dem Titel: „Geschichten, die zählen“.

Täter kommen oft aus dem nahen Umfeld

Die Namen der Opfer aus den vergangenen Jahrzehnten und beiden deutschen Staaten sind geändert, aber die Ereignisse real. Von Übergriffen, Schlägen und Vergewaltigungen vor allem durch Männer in Familien, Heimen, Sportvereinen, Schulen und Kirchengemeinden berichten sie.

„An diesem Tag ging meine Kindheit zu Ende, ein absoluter Alptraum begann“, schreibt Irina über ihre Jugend Anfang der 80er Jahre in einem Dorf in der DDR. Ihr Vater ließ sie mit zwölf Jahren nackt tanzen und schlug sie mit einem Gürtel. Ihr Bruder missbrauchte und verkaufte sie. „Ich werde dieses Bild nie vergessen, als sein Freund ihm Geld und eine Schachtel Zigaretten gab. Von jenem Tag an, wurde ich regelmäßig zur Ware. Sie haben mir sehr wehgetan und mir meine Würde genommen.“

Später schickten ihre Eltern sie zu einem Bekannten, der ein Auto hatte und in den Wald fuhr. „Niemand kann es erahnen, was es für ein 15-jähriges Mädchen bedeutet, allein einem erwachsenen Mann ausgeliefert zu sein. Vier Jahre lang wurde ich gezwungen mit ihm mitzufahren.“

Täter sind überwiegend Männer

Eine andere Frau erzählt von dem Klassenlehrer, der sich Ende der 70er Jahre Schülerinnen hinter seinen Schreibtisch auf den Schoß holte. „Dabei ist er mit seinen Fingern in den Schlüpfer gegangen und hat uns an der Scheide angefasst.“ Die Mädchen hätten nie darüber gesprochen. „Lehrer waren damals Respektspersonen, und ich wäre nie auf die Idee gekommen, dies meinen Eltern zu erzählen. Ich dachte nicht, dass irgendjemand mir geglaubt hätte.“

STERN PAID Kindesmissbrauch Münster Mutter Prozess 20.30Nach einer früheren Studie der Kommission zur Missbrauchsaufarbeitung die von der Bundesregierung einberufen wurde, waren die Täter ganz überwiegend Männer. Nur 13 Prozent waren Frauen. Fast die Hälfte dieser Männer waren leibliche Väter, Pflegeväter und Stiefväter. Dann gab es andere Verwandte, Nachbarn, Erzieher, Betreuer, Sporttrainer und Pfarrer. Bei den Opfern waren die Zahlenverhältnisse umgekehrt: Knapp 90 Prozent waren Mädchen, 10 Prozent Jungen, die meist Pädophilen ausgeliefert waren.

Johann erinnerte sich erst mit über 50 Jahren konkret zurück an seine Kindheit in einer Klosterschule mit einem „brutalen Regiment“ in den 60er Jahren in Westdeutschland. „Mit elf Jahren, 300 Kilometer von zu Hause entfernt (…), wurde ich in der Kirche, nachts und nur mit einem Messdienergewand bekleidet, vergewaltigt. Wer der Täter war, weiß ich bis heute nicht.“ Im Beichtstuhl hieß es danach, das „Ritual“ müsse ein Beichtgeheimnis bleiben, bei Strafe der ewigen Verdammnis.

Sexueller Missbrauch tritt in vielen Formen auf

Der sexuelle Missbrauch ist unterschiedlich. Mal sind es sich wiederholende Berührungen, die die Täter als harmlos beschreiben. Von den Opfern werden sie als grenzüberschreitend und verstörend erlebt. Aber die Berichte handeln auch von brutalen Fesselungen und Vergewaltigungen.

Das Vorgehen der Täter ist unterschiedlich. Manche erschleichen sich die Sympathie und das Vertrauen ihrer Opfer, dann werden Fotos gemacht oder es beginnen Berührungen. In Familien geht es oft direkter zu. Die Kinder können diesem Missbrauch noch schwerer entkommen, weil die Familie sich nach außen abschottet.

Die meisten Opfer machten die Erfahrung, dass sie allein gelassen wurden. Mütter schwiegen, um die Familien zu erhalten. Schulbehörden und Lehrer sahen weg. Die Kirche in Westdeutschland versetzte auffällige Pfarrer – und ignorierte die Opfer. Die Jugend- und Sportorganisationen in der DDR leugneten die Vorkommnisse.

Über die tatsächliche Verbreitung sexueller Gewalt gibt es angesichts hoher Dunkelziffern wenig verlässliche Daten. Eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen von 2011 ergab, dass rund 7 Prozent der befragten Frauen und 1,5 Prozent der befragten Männer über frühere Erfahrungen als Opfer berichteten.Prinz Andrew FS 18.00

Berichte sollen bei Verarbeitung helfen

Die zunächst ausgewählten 100 Berichte auf dem neuen Portal lassen sich auswählen und sortieren nach dem Umfeld der Taten, den Jahrzehnten von 1950 bis zur Gegenwart, Bundesrepublik oder DDR und dem Geschlecht der Opfer. Weitere Schilderungen sollen folgen. Bei der Kommission meldeten sich bis heute fast 3000 Betroffene und Zeitzeugen.

„Nichts ist eindrücklicher als die Berichte der Betroffenen selbst“, begründete Brigitte Tilmann von der Aufarbeitungskommission das Projekt. „Nur so werden hinter dem Begriff Missbrauch die konkreten Erfahrungen der sexuellen Gewalt sichtbar.“ Viele Opfer hätten geschrieben, sie wollten mit ihrem Bericht anderen Betroffenen Mut machen. Wichtig sei die Botschaft, nicht alleine zu sein mit den Erfahrungen.

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Auto Berlin Bruder DDR Frau Frauen Jugend Kinder Lehrer Männer Missbrauch Opfer Schachtel Zigaretten Sexueller Missbrauch Tabuthema Verbrechen Westdeutschland

Sexueller Missbrauch als Kind: 100 Opfer berichten im Netz

Es war fast immer ein Tabuthema: Sexueller Missbrauch von Kindern. Die Opfer waren stumm aus Scham und Angst, die Gesellschaften sahen nicht hin und die Täter schwiegen sowieso. Erst langsam werden die Verbrechen bekannt, weil mehr Opfer sprechen.

Die Berichte sind bedrückend, oft auch verstörend. Sie handeln von zum Teil massiver Gewalt gegen Kinder, sexuellem Missbrauch in verschiedenen Formen, Vertrauensbrüchen und andauernder Hilflosigkeit. 100 inzwischen erwachsene Menschen berichten, was ihnen als Kind angetan wurde. Veröffentlicht wurden sie am Mittwoch von der seit 2016 arbeitenden Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs auf einer neuen Internetseite mit dem Titel: «Geschichten, die zählen».

Die Namen der Opfer aus den vergangenen Jahrzehnten und beiden deutschen Staaten sind geändert, aber die Ereignisse real. Von Übergriffen, Schlägen und Vergewaltigungen vor allem durch Männer in Familien, Heimen, Sportvereinen, Schulen und Kirchengemeinden berichten sie.

«An diesem Tag ging meine Kindheit zu Ende, ein absoluter Alptraum begann», schreibt Irina über ihre Jugend Anfang der 80er Jahre in einem Dorf in der DDR. Ihr Vater ließ sie mit zwölf Jahren nackt tanzen und schlug sie mit einem Gürtel. Ihr Bruder missbrauchte und verkaufte sie. «Ich werde dieses Bild nie vergessen, als sein Freund ihm Geld und eine Schachtel Zigaretten gab. Von jenem Tag an, wurde ich regelmäßig zur Ware. Sie haben mir sehr wehgetan und mir meine Würde genommen.»

Später schickten ihre Eltern sie zu einem Bekannten, der ein Auto hatte und in den Wald fuhr. «Niemand kann es erahnen, was es für ein 15-jähriges Mädchen bedeutet, allein einem erwachsenen Mann ausgeliefert zu sein. Vier Jahre lang wurde ich gezwungen mit ihm mitzufahren.»

Eine andere Frau erzählt von dem Klassenlehrer, der sich Ende der 70er Jahre Schülerinnen hinter seinen Schreibtisch auf den Schoß holte. «Dabei ist er mit seinen Fingern in den Schlüpfer gegangen und hat uns an der Scheide angefasst.» Die Mädchen hätten nie darüber gesprochen. «Lehrer waren damals Respektspersonen, und ich wäre nie auf die Idee gekommen, dies meinen Eltern zu erzählen. Ich dachte nicht, dass irgendjemand mir geglaubt hätte.»

Nach einer früheren Studie der Kommission zur Missbrauchsaufarbeitung die von der Bundesregierung einberufen wurde, waren die Täter ganz überwiegend Männer. Nur 13 Prozent waren Frauen. Fast die Hälfte dieser Männer waren leibliche Väter, Pflegeväter und Stiefväter. Dann gab es andere Verwandte, Nachbarn, Erzieher, Betreuer, Sporttrainer und Pfarrer. Bei den Opfern waren die Zahlenverhältnisse umgekehrt: Knapp 90 Prozent waren Mädchen, 10 Prozent Jungen, die meist Pädophilen ausgeliefert waren.

Johann erinnerte sich erst mit über 50 Jahren konkret zurück an seine Kindheit in einer Klosterschule mit einem «brutalen Regiment» in den 60er Jahren in Westdeutschland. «Mit elf Jahren, 300 Kilometer von zu Hause entfernt (…), wurde ich in der Kirche, nachts und nur mit einem Messdienergewand bekleidet, vergewaltigt. Wer der Täter war, weiß ich bis heute nicht.» Im Beichtstuhl hieß es danach, das «Ritual» müsse ein Beichtgeheimnis bleiben, bei Strafe der ewigen Verdammnis.

Der sexuelle Missbrauch ist unterschiedlich. Mal sind es sich wiederholende Berührungen, die die Täter als harmlos beschreiben. Von den Opfern werden sie als grenzüberschreitend und verstörend erlebt. Aber die Berichte handeln auch von brutalen Fesselungen und Vergewaltigungen.

Das Vorgehen der Täter ist unterschiedlich. Manche erschleichen sich die Sympathie und das Vertrauen ihrer Opfer, dann werden Fotos gemacht oder es beginnen Berührungen. In Familien geht es oft direkter zu. Die Kinder können diesem Missbrauch noch schwerer entkommen, weil die Familie sich nach außen abschottet.

Die meisten Opfer machten die Erfahrung, dass sie allein gelassen wurden. Mütter schwiegen, um die Familien zu erhalten. Schulbehörden und Lehrer sahen weg. Die Kirche in Westdeutschland versetzte auffällige Pfarrer – und ignorierte die Opfer. Die Jugend- und Sportorganisationen in der DDR leugneten die Vorkommnisse.

Über die tatsächliche Verbreitung sexueller Gewalt gibt es angesichts hoher Dunkelziffern wenig verlässliche Daten. Eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen von 2011 ergab, dass rund 7 Prozent der befragten Frauen und 1,5 Prozent der befragten Männer über frühere Erfahrungen als Opfer berichteten.

Die zunächst ausgewählten 100 Berichte auf dem neuen Portal lassen sich auswählen und sortieren nach dem Umfeld der Taten, den Jahrzehnten von 1950 bis zur Gegenwart, Bundesrepublik oder DDR und dem Geschlecht der Opfer. Weitere Schilderungen sollen folgen. Bei der Kommission meldeten sich bis heute fast 3000 Betroffene und Zeitzeugen.

«Nichts ist eindrücklicher als die Berichte der Betroffenen selbst», begründete Brigitte Tilmann von der Aufarbeitungskommission das Projekt. «Nur so werden hinter dem Begriff Missbrauch die konkreten Erfahrungen der sexuellen Gewalt sichtbar.» Viele Opfer hätten geschrieben, sie wollten mit ihrem Bericht anderen Betroffenen Mut machen. Wichtig sei die Botschaft, nicht alleine zu sein mit den Erfahrungen.

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Ana Roš Apple iTunes Deichkind Die Männer Frau Frauen Männer Musik Musikbranche Simone Menne Spotify YouTube

„Die Boss“: Überall Männer: Managerin von Deichkind erzählt, was in der Branche falsch läuft

Wer an die Band Deichkind ran will, muss an ihr vorbei: Managerin Katharina Köhler spricht im stern-Podcast „Die Boss“ mit Gastgeberin Simone Menne über ihre Karriere in der Musikbranche. Sie sagt: Die Männer müssen Platz machen.

Hören Sie den Podcast hier oder direkt bei Audio NowSpotify, iTunes, Youtube und weiteren Podcast-Anbietern.

Podcast „Die Boss“ mit Sterneköchin Ana Ros_6.30Katharina Köhler ist eine der wenigen Frauen in Führung in der Musikbranche: Die 38-Jährige verantwortet seit über zehn Jahren das Management der Band Deichkind, hat sich in einer stark männlich dominierten Branche behauptet. Im Gespräch mit Simone Menne für den stern-Podcast „Die Boss“ erzählt sie, was sich im Musikbusiness ändern muss. „Es muss eine Struktur geben, einen Nährboden und das gilt für die ganze Musikbranche. Es müssen mehr Frauen auf Bühnen, mehr Frauen in Playlisten, im Radio gespielt werden. (…) Ich wüsste kein großes Booking oder großes Label, wo eine Frau in Führungsposition sitzt, das sind alles Männer. Da kann man auch Platz machen!“, fordert Köhler.

Deichkind-Managerin befürwortet Frauen-Quote im Musikbusiness

Podcast Die Boss mit samantha Cristoforetti 13.34Sie unterstütze eine Quote im Musikbusiness. Um den Wandel zu forcieren, wird sie selbst aktiv: Gerade hat sie mit ihrer Kollegin Saskia Trautwein das Female Force Management gegründet. Gemeinsam wollen sie Diversität in der Musikbranche fördern,  Künstlerinnen und Künstler bei der Strategie und Positionierung beraten. Aber Köhler sagt auch: Frauen müssen mutiger sein. Das weiß sie aus eigener Erfahrung. „Was ist denn eine Musikmanagerin? Das ist nicht definiert. Früher dachte ich immer, ich sei eine bessere Sekretärin, so hat sich das angefühlt. Das hat Jahre gedauert, bis ich mich getraut haben zu sagen: Ich bin die Managerin. Das ist branchenüblich, das nennt man so, und das müssen alle wissen. Das müssen auch die Chefs wissen: Wenn sie mit der Band sprechen wollen, müssen sie mit mir sprechen“, sagt sie. 

Dieses Gespräch wurde live beim Reeperbahnfestival in Hamburg aufgezeichnet. In „Die Boss – Macht ist weiblich“ sprechen Spitzenfrauen unter sich: Gastgeberin und Multi-Aufsichtsrätin Simone Menne (unter anderem BMW, Deutsche Post DHL, Henkel) trifft  Chefinnen aus allen Gesellschaftsbereichen, um mit ihnen über ihr Leben und ihre Karriere zu reden. „Die Boss“ erscheint vierzehntäglich immer mittwochs auf stern.de und dem Youtube-Kanal des stern  sowie auf Audio Now und allen gängigen Podcast-Plattformen.

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Activision Blizzard Entertainment Call of Duty Frauen Games Kalifornien Microsoft Software Spielebranche Xbox

Videospiele: Microsoft kauft Spielefirma Activision Blizzard

Microsoft will sein Xbox-Geschäft aufwerten. Der Konzern holt sich mit dem fast 70 Milliarden Dollar schweren Kauf von Activision Blizzard aber auch eine Kontroverse um den Vorwurf von sexueller Belästigung ins Haus.

Mega-Übernahme in der Spielebranche: Populäre Games wie «Call of Duty» und «Candy Crush» sollen künftig von Microsoft kommen. Der Software-Riese hinter der Spielekonsole Xbox kauft dafür den Spieleanbieter Activision Blizzard für fast 70 Milliarden Dollar.

Microsoft ist bereit, für Activision Blizzard einen heftigen Aufpreis zu zahlen: Das Gebot von 95 Dollar je Aktie liegt gut 45 Prozent über dem Schlusskurs von 65,39 Dollar am vorherigen US-Handelstag am Freitag. Die Spielefirma werde damit insgesamt mit 68,7 Milliarden Dollar (60,4 Mrd Euro) bewertet, wie Microsoft am Dienstag mitteilte.

Der umstrittene Chef von Activision Blizzard, Bobby Kotick, solle weiter an der Spitze der Spielefirma blieben, hieß es. Kotick war in den vergangenen Monaten nach Vorwürfen von sexueller Belästigung und Diskriminierung bei dem Unternehmen in die Kritik geraten. Unter anderem wurde ihm vorgehalten, nicht entschieden genug gegen Fehlverhalten von Managern eingeschritten zu sein.

Activision Blizzard war im Sommer vom US-Bundesstaat Kalifornien verklagt worden. Der Konzern habe eine sexistische Unternehmenskultur gefördert, bei der Frauen systematisch benachteiligt würden, kritisierte die für die Einhaltung fairer Arbeitsbedingungen in dem Bundesstaat zuständige Behörde DFEH. Die Firma wies die Vorwürfe zunächst weit von sich, beauftragte dann aber doch eine Anwaltsfirma mit der Aufklärung der Vorwürfe.

In der Industrie wurde auch immer wieder die Frage aufgeworfen, ob ein Neuanfang bei Activision Blizzard mit Kotick an der Spitze überhaupt möglich sei. Er hielt sich jedoch mit Rückhalt seines Verwaltungsrates fest im Chefsessel. Nach Abschluss der Übernahme soll Activision Blizzard nun Microsofts Spiele-Chef Phil Spencer unterstellt werden, der damit Koticks Boss wäre.

Microsoft rechnet mit einem Abschluss des Deals bis Ende seines nächsten Geschäftsjahres, das bis Mitte 2023 läuft. Vorher muss unter anderem noch die Zustimmung der Wettbewerbshüter eingeholt werden. Die Aktie ging im frühen US-Handel am Dienstag zeitweise auf rund 83 Dollar nach oben, noch deutlich entfernt von den gebotenen 95 Dollar – was eine gewisse Skepsis der Anleger zeigt.

Microsoft, das bereits Spielestudios mit bekannten Titeln wir «Doom» und «Minecraft» unter seinem Dach hat, würde seine Marktposition mit Activision Blizzard deutlich stärken. Games der Firma locken monatlich knapp 400 Millionen Spieler an. Rund 245 Millionen davon entfallen auf den vor einigen Jahren übernommenen «Candy Crush»-Anbieter King.

Die Spielebranche befindet sich aktuell in einem großen Wandel. Zum einen verlagert sich mehr Geschäft von Konsolen und PCs auf Smartphones. Dort sind die Games meist zwar kostenlos zu spielen – viele Nutzer geben aber Geld für zusätzliche Inhalte oder Hilfen aus. Diese kleinen Beträge addieren sich angesichts der Größe des Smartphone-Marktes zu beträchtlichen Summen.

Zum anderen gehört Microsoft zu den Plattform-Anbietern, die versuchen, Spiele-Streaming im Markt zu etablieren. Die Spiele laufen dabei eigentlich nicht auf den Geräten der Nutzer, sondern auf Servern im Netz. Das Modell bietet die Aussicht auf fortlaufende Abo-Einnahmen statt des einmaligen Verkaufs einer Konsole. Allerdings sind schnelle und reaktionsfreudige Internet-Verbindungen eine Grundvoraussetzung für das Modell, das bisher noch ein Nischenangebot ist.

Microsofts Geschäft mit der Xbox-Konsole wurde zuletzt – wie auch beim Konkurrenten Sony mit seiner Playstation – stark von den globalen Engpässen bei Chips und anderen Bauteilen zurückgehalten. Xbox- und Playstation-Geräte der neuesten Generation sind mehr als ein Jahr nach der Markteinführung nach wie vor schwer zu bekommen.

Activision Blizzard profitierte wie auch andere Branchenplayer zeitweise von der Corona-Pandemie, in der Menschen mehr Zeit mit Videospielen und Smartphone-Games verbringen. Zuletzt verbuchte die Firma im Ende September abgeschlossenen Quartal ein leichtes Umsatzplus auf gut zwei Milliarden Dollar. Der Gewinn legte im Jahresvergleich um rund sechs Prozent auf 639 Millionen Dollar zu.

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AOK Eintracht Frankfurt Frankfurt Frauen Niedersachsen Sonntag Testspiel VfL Wolfsburg Wölfe Wolfsburg

Frauen-Testspiel Wolfsburg gegen Frankfurt vereinbart

Die Fußballerinen des VfL Wolfsburg empfangen die Bundesliga-Konkurrentinnen von Eintracht Frankfurt in einem Testspiel. Wie der Verein aus Niedersachsen am Dienstag mitteilte, findet das Spiel am Sonntag im AOK Stadion statt und wird ab 13.00 Uhr auf dem Vereinssender «Wölfe TV» übertragen. Das Hinrundenspiel in der Frauen-Bundesliga gewannen der VfL mit 3:2. Im März werden beide Teams erneut in der Liga aufeinander treffen.

Die Fußballerinen des VfL Wolfsburg empfangen die Bundesliga-Konkurrentinnen von Eintracht Frankfurt in einem Testspiel. Wie der Verein aus Niedersachsen am Dienstag mitteilte, findet das Spiel am Sonntag im AOK Stadion statt und wird ab 13.00 Uhr auf dem Vereinssender «Wölfe TV» übertragen. Das Hinrundenspiel in der Frauen-Bundesliga gewannen der VfL mit 3:2. Im März werden beide Teams erneut in der Liga aufeinander treffen.

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Beziehung Bhutan Frauen Geschlechtsverkehr Landgericht München I. München Nepal Vergewaltigung

Prozess: Frauen mit erfundenen Behördenanweisungen zum Sex gezwungen?

Der aus Bhutan stammende Angeklagte soll die Angst zweier Nepalesinnen schamlos ausgenutzt haben, um Geschlechtsverkehr mit ihnen zu haben. Er bestreitet das.

Im Münchner Prozess um erzwungenen Sex mit erfundenen Behördenanweisungen hat der Angeklagte die Vorwürfe am Dienstag zurückgewiesen.

Er habe eine «Beziehung in Form einer Affäre» mit den beiden Frauen gehabt, sagte er zum Auftakt vor dem Landgericht München I. Gewaltsame Übergriffe und die Vorwürfe der Anklage bestritt er «vollumfänglich». Wie die Frauen zu ihren Vorwürfen kommen, könne er sich nicht erklären.

Anklage wegen Vergewaltigung

Die Staatsanwaltschaft wirft dem aus Bhutan stammenden Angeklagten vor, zwei Frauen aus Nepal vorgespiegelt zu haben, die deutschen Behörden verlangten Nachweise über vollzogenen Geschlechtsverkehr, um zu beweisen, dass sie keine Scheinehe eingegangen seien. So habe er sie dazu gebracht, Sex mit ihm zu haben. Angeklagt ist er wegen Vergewaltigung in elf Fällen und vorsätzlicher Körperverletzung.

Die Frauen lernten den Angeklagten auf einer Veranstaltung der Zeugen Jehovas kennen. Sie sprachen laut Anklage kein Deutsch und glaubten dem Mann, mit dem sie sich auf Nepali verständigen konnten. Die Beiden hatten Angst, aus Deutschland ausgewiesen zu werden. Seine ganze Familie habe den beiden Frauen geholfen, ließ der Angeklagte über seine Anwältin verlesen. Der Kontakt der Beiden auch zu seiner Ehefrau und seinem Sohn sei gut gewesen. Die Frauen seien ihnen erst aus dem Weg gegangen, als seine Ehefrau von den angeblichen Affären erfahren habe.

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Alice Schwarzer Angela Merkel Frauen

„ÜberMerkel“ – Folge 1: „Sie rief mich ziemlich verzweifelt an“ – Alice Schwarzer blickt auf Angela Merkels Kanzlerschaft

Vor genau 31 Jahren kam Angela Merkel in ihr erstes Ministeramt. Sie hat seitdem nicht nur die Politik verändert, sondern die Politik auch sie. Der stern blickt in der Podcast-Reihe „ÜberMerkel“ auf mehr als drei Jahrzehnte von Angela Merkel in der Bundespolitik – und fragt: Was bleibt von ihr? Zu Gast in der ersten Folge: Alice Schwarzer.

Es ist der 18. Januar 1991, dreieinhalb Monate nach der Wiedervereinigung, der Plenarsaal des Deutschen Bundestags in Bonn: An jenem Freitag vor genau 31 Jahren betritt eine Frau in einem dunkelblauen Blazer die bundespolitische Bühne. Und wird sie jahrzehntelang nicht mehr verlassen. Angela Merkel steht vor Parlamentspräsidentin Rita Süssmuth, hebt die rechte Hand zum Eid, und spricht: „Ich schwöre es, so wahr mir Gott helfe.“ Die damals 37-Jährige wird im ersten gesamtdeutschen Kabinett Frauen- und Jugendministerin. Sie ist eine von drei Frauen und eine von drei Ministerinnen und Ministern aus den neuen Bundesländern in der Regierung von Bundeskanzler Helmut Kohl.

Angela Merkel bei ihrer Vereidigung zur Bundesministerin für Frauen und Jugend am 18. Januar 1991
„Ich schwöre es, so wahr mir Gott helfe.“ Angela Merkel bei ihrer Vereidigung zur Bundesministerin für Frauen und Jugend am 18. Januar 1991 im Plenarsaal des Deutschen Bundestags in Bonn. Das Protokoll notiert Beifall von den Regierungsfraktionen von CDU/CSU und FDP – und von den Grünen.
© Martin Gerten / DPA

Angela Merkel wird in den kommenden Jahrzehnten die deutsche und internationale Politik entscheidend prägen. Sie wird später Umweltministerin, CDU-Generalsekretärin, Parteichefin, Oppositionsführerin und 2005 schließlich als erste Frau Bundeskanzlerin – für 16 Jahre.

Neuer stern-Podcast über Angela Merkel

31 Jahre nach ihrem Start in die Bundespolitik und nach ihrem Ausscheiden im vergangenen Dezember blickt der stern in der mehrteiligen Podcast-Serie „ÜberMerkel – Vertraute erzählen“ auf die ungewöhnliche Karriere der Ex-Kanzlerin – und zwar nur mit Frauen.

ÜberMerkel Infokasten

stern-Chefredakteurin Anna-Beeke Gretemeier hat sich unter anderem mit Merkels langjähriger Ministerin Ursula von der Leyen, mit Merkels Freundin Annette Schavan und mit dem letzten Staatsoberhaupt der DDR, Sabine Bergmann-Pohl, zu Interviews getroffen, um zu erfahren: Wie war sie, die Kanzlerin? Wie ist sie als Chefin, als Freundin, als Feministin? Und: Was bleibt von ihr? Die Gespräche zeigen neue ungehörte Perspektiven und zeichnen damit ein sehr persönliches Audio-Porträt.

Alice Schwarzer spricht über Ex-Kanzlerin

In der ersten Folge spricht Gretemeier mit der Feministin und „Emma“-Herausgeberin Alice Schwarzer. Sie berichtet von ihrem ersten Treffen mit Angela Merkel bei einem Italiener in Köln, einem fast vergessenen Artikel Merkels in Schwarzers Magazin („Wir Frauen müssen weitergehen auf dem Marsch durch die Institutionen und teilhaben an der öffentlichen Macht!“) – und zieht nach gut drei Jahrzehnten von Angela Merkel in der Bundespolitik Bilanz: Was hat die Ex-Kanzlerin für die Frauen in Deutschland erreicht? Schwarzers Fazit fällt wohlwollender aus, als man es von Deutschlands Vorzeige-Feministin vielleicht erwartet hätte.

Quellen und Zusatzmaterial zur ersten Folge von „ÜberMerkel“

Und die 79-Jährige berichtet, warum Angela Merkel sie nach der gewonnenen Bundestagswahl 2005 „ziemlich verzweifelt“ angerufen hat – das und mehr hören Sie in der ersten Folge des stern-Podcasts „ÜberMerkel – Vertraute erzählen“.

stern-Chefredakteurin Anna-Beeke Gretemeier im Gespräch im Alice Schwarzer
stern-Chefredakteurin Anna-Beeke Gretemeier im Remote-Gespräch mit Alice Schwarzer
© stern

„ÜberMerkel – Vertraute erzählen“ erscheint wöchentlich am Dienstag bei AudioNow, Spotify, iTunes, Amazon Music und überall, wo es Podcasts gibt.

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Verfassungsbeschwerde zum Paritätsgesetz gescheitert

Parteien darf in Thüringen per Gesetz weiterhin nicht vorgeschrieben werden, ihre Kandidatenlisten für Landtagswahlen abwechselnd mit Männern und Frauen zu besetzen. Eine Verfassungsbeschwerde gegen eine Gerichtsentscheidung, die das Paritätsgesetz in dem Bundesland für nichtig erklärt hatte, wurde vom Bundesverfassungsgericht nicht zur Entscheidung angenommen, wie das Gericht am Dienstag in Karlsruhe mitteilte. Die Verfassungsbeschwerde sei unzulässig, hieß es.

Parteien darf in Thüringen per Gesetz weiterhin nicht vorgeschrieben werden, ihre Kandidatenlisten für Landtagswahlen abwechselnd mit Männern und Frauen zu besetzen. Eine Verfassungsbeschwerde gegen eine Gerichtsentscheidung, die das Paritätsgesetz in dem Bundesland für nichtig erklärt hatte, wurde vom Bundesverfassungsgericht nicht zur Entscheidung angenommen, wie das Gericht am Dienstag in Karlsruhe mitteilte. Die Verfassungsbeschwerde sei unzulässig, hieß es.

Der Thüringer Verfassungsgerichtshof hatte im Sommer 2020 eine gesetzlich verankerte Quotenregelung für Landtagswahlen in Thüringen gekippt.

Die Freiheit der Wahl verlange, dass Wahlen nicht durch Zwang und Druck des Staates durchgeführt würden, hatte der Präsident des Thüringer Verfassungsgerichtshofes, Stefan Kaufmann, die Entscheidung begründet. Geklagt gegen die Quotierungspflicht hatte damals die Thüringer AfD. Auch in Brandenburg scheiterte ein Paritätsgesetz, weil es nach Klagen von NPD und AfD von einem Gericht gekippt wurde.

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