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Tarzan: Er soll ein Comeback bekommen

Feiert Tarzan ein Comeback? Sony soll die Filmrechte übernommen haben. Das Studio könnte die Figur für das 21. Jahrhundert neu erfinden.

Tarzan könnte bald ein Comeback feiern. Laut „The Hollywood Reporter“ hat Sony die Filmrechte übernommen. Das Studio plant dem Bericht zufolge, die berühmte, von Edgar Rice Burroughs (1875-1950) erdachte Figur für das 21. Jahrhundert neu zu erfinden.

Sony Pictures soll die Bildschirmrechte an Tarzan aus dem Nachlass von Burroughs gekauft haben und strebt eine „vollständige Neuerfindung“ der Figur an, heißt es in dem Bericht. Einen Autor oder Filmemacher soll es demnach noch nicht für das Projekt geben, das eine Neuinterpretation der Geschichte für das Publikum des 21. Jahrhunderts werden soll.

Mehr als 100 Jahre alt

In der bekannten Geschichte, die garniert ist mit zahlreichen Abenteuern, ist Tarzan ein Waisenjunge, der von Menschenaffen im Dschungel aufgezogen wurde, und sich in eine Frau namens Jane verliebt. Er verlässt den Dschungel und kommt nach England, ist von der Gesellschaft aber abgeschreckt und kehrt schließlich nach Afrika zurück.

Schon bei ihrer Erstveröffentlichung im Jahr 1912 wurden die Geschichten um Tarzan zum Erfolg. Serien, Comics und zahlreiche bekannte Filme dazu entstanden, darunter ein Disney-Animationsfilm von 1999. Ein erster „Tarzan“-Film wurde bereits 1918 produziert. Erst 2016 erschien ein Film mit Alexander Skarsgard (46) und Margot Robbie (32) in den Hauptrollen, „Legend of Tarzan“ kam beim Publikum allerdings nicht gut an. Einige Kritiker sprachen davon, dass der Film nicht frei von Rassismus sei und Afrika aus einer kolonialen Perspektive zeige. Den „Tarzan“-Stoff für das 21. Jahrhundert aufzubereiten, dürfte auch für die Macher des neuen Films eine große Herausforderung werden.

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Afrika Berlin Die Linke Kreuzberg Neukölln Polizei Polizeiuniform Rassismus Thilo Cablitz

Polizei: Cablitz: Rassismus in Teilen der Gesellschaft

Die Linke warf der Berliner Polizei kürzlich nach einem Vorfall „strukturellen Rassismus“ vor. Der Pressesprecher der Polizei kennt Rassismus aus eigener Erfahrung – in Beruf und Freizeit. Die Polizei sei nicht unfehlbar, sagt er. Aber es habe sich viel getan.

Von den einen wurde er rassistisch beschimpft, von den anderen als Nazi in Polizeiuniform tituliert. Thilo Cablitz war früher Streifenpolizist in Kreuzberg und Neukölln, seit 2018 wurde er als Pressesprecher der Berliner Polizei bekannt, in dieser Woche endet die Tätigkeit. Sein Vater stammt aus Afrika, er selbst kennt Rassismus aus eigener Erfahrung. Das Problem gebe es weiterhin in manchen Bereichen von Gesellschaft und auch Polizei, sagte Cablitz (geb. 1978) in einem dpa-Interview. „In der Gesellschaft mangelt es in Teilen noch an Sensibilität für diskriminierende Sprüche, die vermeintlich als Witz formuliert waren.“

Schon früher hat Cablitz über derartige Erlebnisse innerhalb und außerhalb der Polizei gesprochen. „Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Wenn man das sein Leben lang im Alltag erlebt, ist das nicht lustig, macht es keinen Spaß und man möchte es einfach nicht. Es geht schlicht darum, als Mensch gesehen und auch so behandelt zu werden – gleichwertig. Und es wäre fantastisch, wenn alle ausgrenzenden Zuschreibungen einfach mal keine Rolle spielen würden.“

Auch in der Polizei sei das Problem noch vorhanden, Polizisten seien nicht „unfehlbar“, sagte Cablitz. „Leider gibt es solche Sachverhalte noch immer. Es ist wichtig, dass dann schnell konfrontiert und auch interveniert wird.“

Erst kürzlich war ein Video bekannt geworden, in dem ein Polizist eine Familie aus Syrien beschimpft. Die Polizei ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts der „fremdenfeindlichen Beleidigungen“, mehrere Parteien sprachen von Rassismus.

Cablitz betonte, zwar seien die Einheiten der jüngeren Polizistinnen und Polizisten heute „deutlich vielfältiger als früher, wenn man sich Herkunft und Familiengeschichten ansieht“. Die Polizei spiegle damit zumindest die Vielfalt der Gesellschaft wider.

Er räumte aber auch ein: „Vielfalt alleine schützt nicht vor diskriminierendem Verhalten. Schauen Sie sich zum Beispiel das Herkunftsland meines Vaters, den Sudan, an. Es ist unbeschreiblich, unfassbar, unmenschlich, was sich Menschen dort wegen Glaubensfragen oder ethnischen Zugehörigkeiten gegenseitig angetan haben und noch immer antun.“ Und es gebe noch unzählige andere Beispiele. „Daraus wird deutlich, dass Rassismus kein speziell weißes oder deutsches Problem ist, sondern überall auf der Welt auftritt.“

Für die Polizei sei es weiterhin wichtig, darauf auch zu achten. „Wir sind zwar vielfältiger als früher, müssen aber trotzdem an dem Thema dran bleiben. Wir müssen die neutrale Mitte sein, auf die sich jede und jeder verlassen kann“, betonte Cablitz. In dem Zusammenhang habe sich vieles getan. „Die Kollegen in meinem Bekannten- und Freundeskreis reagieren mit Entsetzen auf solche Sachverhalte, die wir aufdecken oder die bekannt werden.“

Beim Bekanntwerden rassistischer Vorfälle von Polizisten müsse die Behörde von sich aus und unmittelbar reagieren, sagte Cablitz. Es gehe um „Aufrichtigkeit und Integrität auch im Umgang mit eigenem Fehlverhalten“. Nur so könne die Polizei „als offen und ehrlich“ wahrgenommen werden.

Etwa jeder dritte junge Polizist oder Auszubildende hat eine sogenannte Migrationsgeschichte, stammt also aus einer Familie mit ausländischen Wurzeln. Junge Polizisten, deren Familien aus 95 Nationen stammten, seien in den vergangenen Jahren eingestellt worden, heißt es von der Polizei. Bei den älteren Jahrgängen sei der Migrationsanteil kleiner. Jedes Jahr werden mehr als 1000 junge Polizisten ausgebildet. Insgesamt hat die Polizei mehr als 26 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon knapp 19 000 Polizeibeamte.

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Aeropuertos Españoles y Navegación Aérea Afrika Atlantik Dürre Kanarische Inseln Regenfall Tropensturm

Heftige Regenfälle: Mehr als 250 Flüge auf den Kanaren wegen Tropensturm gestrichen

Nach langer Dürre bringt Tropensturm „Hermine“ heftige Regenfälle auf den Kanaren. Tote und Verletzte soll es bislang nicht gegeben haben. Die Inseln sind ein beliebtes Urlaubsziel.

Über die Touristen-Inseln der Kanaren ist ein Tropensturm hinweggefegt und hat den Flugverkehr stark beeinträchtigt. Mehr als 250 Flüge zu den Inseln im Atlantik vor der Westküste Afrikas sowie zwischen den Inseln wurden gestrichen, wie der spanische Flughafenbetreiber Aena mitteilte.

Am Montagmorgen begann sich die Lage etwas zu entspannen. Allerdings saßen noch viele Passagiere an Flughäfen der zu Spanien gehörenden Inseln fest. Auf der Internetseite von Aena waren Flüge als gestrichen oder stark verspätet aufgeführt.

FS NEU Vulkanausbruch La Palma 17.05

Der wegen des Sturms ausgerufene Alarmzustand könne voraussichtlich Montagmittag wieder aufgehoben werden, teilte die Regionalregierung mit.

Der Tropensturm „Hermine“ brachte nach langer Dürre vor allem heftige Regenfälle. Auf der Insel La Palma wurden nach Angaben der Behörden bis zu 220 Liter pro Quadratmeter binnen 24 Stunden gemessen.

Dort und auch auf den größeren Inseln Gran Canaria und Teneriffa kam es vereinzelt zu Stromausfällen, kleineren Erdrutschen und vollgelaufenen Kellern. Menschen kamen nach vorliegenden Berichten nicht zu Schaden.

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Aeropuertos Españoles y Navegación Aérea Afrika Atlantik Flugverkehr Kanarische Inseln Tropensturm Unwetter

Unwetter: Wegen Tropensturms Hunderte Flüge zu den Kanaren gestrichen

Nach langer Dürre bringt Tropensturm „Hermine“ heftige Regenfälle auf den Kanaren. Tote und Verletzte soll es bislang nicht gegeben haben. Urlauber müssen sich allerdings auf eine Geduldsprobe einstellen.

Über die Touristen-Inseln der Kanaren ist ein Tropensturm hinweggefegt und hat den Flugverkehr stark beeinträchtigt. Mehr als 250 Flüge zu den Inseln im Atlantik vor der Westküste Afrikas sowie zwischen den Inseln wurden gestrichen, wie der spanische Flughafenbetreiber Aena mitteilte.

Am Montagmorgen begann sich die Lage etwas zu entspannen. Allerdings saßen noch viele Passagiere an Flughäfen der zu Spanien gehörenden Inseln fest. Auf der Internetseite von Aena waren Flüge als gestrichen oder stark verspätet aufgeführt.

Der wegen des Sturms ausgerufene Alarmzustand könne voraussichtlich Montagmittag wieder aufgehoben werden, teilte die Regionalregierung mit.

Kleinere Erdrutsche und vollgelaufene Keller

Der Tropensturm „Hermine“ brachte nach langer Dürre vor allem heftige Regenfälle. Auf der Insel La Palma wurden nach Angaben der Behörden bis zu 220 Liter pro Quadratmeter binnen 24 Stunden gemessen. Dort und auch auf den größeren Inseln Gran Canaria und Teneriffa kam es vereinzelt zu Stromausfällen, kleineren Erdrutschen und vollgelaufenen Kellern. Menschen kamen nach vorliegenden Berichten nicht zu Schaden.

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Tiere: Kamele in Australien: Vom kolonialen Wüstenschiff zur Plage

Nicht nur Koalas und Kängurus: Dass im trockenen Landesinneren Australiens auch unzählige Kamele leben, verwundert viele. Für die Kolonialisierung waren sie unerlässlich – heute werden sie abgeschossen.

In gleichmäßigem Schritt trabt eine Kamel-Karawane langsam aber majestätisch durch die glühende Wüstenhitze. Über ihr die unerbittliche Sonne, dahinter Sanddünen so weit das Auge reicht. Wer an Kamele denkt, hat meist solche Bilder aus der Sahara im Kopf.

Was die meisten nicht wissen: Die größte Population wildlebender Kamele der Welt ist nicht in Afrika oder den Vereinigten Arabischen Emiraten zuhause – sondern in Australien. Und das hat historische Gründe, denn als der unerforschte Kontinent einst von Europäern besiedelt wurde, waren ausdauernde und hitzebeständige Lastentiere gefragt. Heute hingegen dienen sie mehr dem Freizeitvergnügen.

„Kamele gab es hier bei uns eigentlich schon immer“, sagt Shelley Lorensen. Sie ist die Präsidentin der Boulia Camel Races, einem Kamelrennen mitten im Outback. Boulia in Queensland zählt nur etwa 300 bis 400 Einwohner, doch zur Rennzeit im Juli tummeln sich 3500 Menschen in dem Örtchen. Viele reisen in Wohnwagen an oder schlafen in Zelten, um die Kamele durch den roten Wüstensand rennen zu sehen.

Unberechenbare Wettbewerbsteilnehmer

Bei dem dreitägigen Spektakel gibt es auch ein Rasenmäher-Rennen, Musik und ein Feuerwerk. Die Kamele seien aber die Hauptattraktion, sagt Lorensen. Ihr Wesen mache die Rennen unberechenbar: Die Reiter könnten die Tiere weder lenken noch kontrollieren: „Man kann sie zwar trainieren, aber selbst ein Kamel, das an einem Tag alle Rennen gewinnt, könnte sich am nächsten Tag einfach auf den Boden setzen.“

Kamele wurden seit den 1840er Jahren aus Indien, Afghanistan und von der arabischen Halbinsel nach Down Under eingeführt. Bei der Kolonialisierung halfen sie den Neuankömmlingen dabei, das Outback zu erkunden und transportierten gleichermaßen Waren und Menschen. Auch mehrere Großprojekte, wie die transaustralische Eisenbahn und die „Overland Telegraph Line“ (transaustralische Telegrafenleitung), wurden mit der Hilfe von Kamelen umgesetzt. Zudem waren Siedlungen im Outback auf die „Wüstenschiffe“ angewiesen, denn Lebensmittel wurden auf Kamelrücken selbst in die entlegensten Gegenden gebracht.

Kamele gebe es in Silverton an der Grenze zwischen New South Wales und South Australia schon seit Gründung des Ortes in den 1880er Jahren, sagt Duncan Pickering. Gemeinsam mit seiner Partnerin Petah Devine bietet er dort Kameltouren an. Das Paar träumte von einem Leben als Selbstversorger auf einer Farm mitten in den Weiten des Outbacks. Die Kamele ergaben sich eher zufällig: „Die Familie, die vor uns die Touren angeboten hat, hörte auf und gab uns 2017 unsere ersten beiden Tiere“, erzählt Pickering der Deutschen Presse-Agentur.

Mittlerweile leben 13 Kamele auf der Farm. An der Arbeit mit den Wüstentieren fasziniert Pickering vor allem ihre Persönlichkeit: „Sie sind alle sehr individuell, aber gleichzeitig sehr zutraulich.“ Neue Tiere zu trainieren sei aber eine Herausforderung: „Man muss erst ihr Wesen kennenlernen und miteinander warm werden.“

Geschätzt 1,2 Millionen Tiere

Und dennoch: Die beeindruckenden Lastentiere gelten in Australien seit einiger Zeit als Plage. Nachdem sie Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Aufkommen von Autos und anderen Verkehrsmitteln nicht mehr zum Transport gebraucht wurden, ließ man sie im Outback frei. In der Wildnis haben sie sich stark vermehrt – in einem Bericht des Umweltministeriums von 2010 wird ihre Zahl auf etwa eine Million beziffert. Eine Reportage des Senders ABC ging 2020 von 1,2 Millionen Tieren aus – aber so ganz genau weiß es niemand.

Besonders in trockenen, heißen Zeiten trotten die wilden Höckertiere auf der Suche nach Wasser häufig in Siedlungen. Dabei reißen sie Zäune um und versuchen, an das Kondenswasser in Klimaanlagen zu kommen. Die Schäden sind oft groß – deswegen, und um ihre Vermehrung unter Kontrolle zu halten, lässt Australien Kamele regelmäßig und in großer Zahl abschießen. Lokalregierungen und Landbesitzer engagieren dafür Scharfschützen, teilweise werden Hubschrauber eingesetzt. Im australischen Aktionsplan für wilde Kamele wird betont, dass die Tötung möglichst schnell und schmerzlos ablaufen muss.

Kamele retten und Verwendung für sie finden

Schätzungen zufolge werden außerdem jedes Jahr 3600 bis 4000 Kamele getötet, um aus ihrem Fleisch Tierfutter herzustellen. Weitere 400 Tiere werden für den Lebendexport genutzt und 1000 für den menschlichen Verzehr.

„Uns geht es vor allem darum, Kamele zu retten und gleichzeitig eine Verwendung für ihre Produkte zu finden“, sagt Paul Martin, der 2015 die Firma „Summer Land Camels“ gegründet hat. Auf seiner 324 Hektar großen Farm in Harrisville, Queensland, leben zwischen 400 und 500 Kamele, die im Outback gefangen und dann von Martin und seinem Team gezähmt wurden. Neben Ausritten bei Sonnenaufgang und einem Cocktailabend mit Kamelen können Besucher im Farmcafé Käse und Eis aus Kamelmilch oder einen „Camelccino“ probieren. Das Aroma ist leicht süßlich, zudem hat Kamelmilch jede Menge Vitamin C und Eisen.

Von den vielen gesundheitlichen Vorteilen schwärmt auch Paul Martin: „Kamelmilch gerinnt nicht im Magen und führt deswegen nicht zu einer Entzündungsreaktion wie andere Milchsorten.“ Aus diesem Grund sei die Milch auch für Menschen mit Laktose-Unverträglichkeit trinkbar.

Die Nachfrage nach Kamelprodukten nehme langsam zu, erzählt er. Neben den Milchprodukten verkauft „Summer Land Camels“ auch Handcremes, Body Lotion und den ersten Kamelwodka der Welt. In einigen asiatischen Ländern kann man die Produkte bereits online kaufen. „An einer EU-Strategie arbeiten wir gerade“, sagt Martin. Vielleicht gibt es die australischen Kamelprodukte dann bald auch in Europa.

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Tiere: Kamele in Australien: Vom kolonialen Wüstenschiff zur Plage

Nicht nur Koalas und Kängurus: Dass im trockenen Landesinneren Australiens auch unzählige Kamele leben, verwundert viele. Für die Kolonialisierung waren sie unerlässlich – heute werden sie abgeschossen.

In gleichmäßigem Schritt trabt eine Kamel-Karawane langsam aber majestätisch durch die glühende Wüstenhitze. Über ihr die unerbittliche Sonne, dahinter Sanddünen so weit das Auge reicht. Wer an Kamele denkt, hat meist solche Bilder aus der Sahara im Kopf.

Was die meisten nicht wissen: Die größte Population wildlebender Kamele der Welt ist nicht in Afrika oder den Vereinigten Arabischen Emiraten zuhause – sondern in Australien. Und das hat historische Gründe, denn als der unerforschte Kontinent einst von Europäern besiedelt wurde, waren ausdauernde und hitzebeständige Lastentiere gefragt. Heute hingegen dienen sie mehr dem Freizeitvergnügen.

„Kamele gab es hier bei uns eigentlich schon immer“, sagt Shelley Lorensen. Sie ist die Präsidentin der Boulia Camel Races, einem Kamelrennen mitten im Outback. Boulia in Queensland zählt nur etwa 300 bis 400 Einwohner, doch zur Rennzeit im Juli tummeln sich 3500 Menschen in dem Örtchen. Viele reisen in Wohnwagen an oder schlafen in Zelten, um die Kamele durch den roten Wüstensand rennen zu sehen.

Unberechenbare Wettbewerbsteilnehmer

Bei dem dreitägigen Spektakel gibt es auch ein Rasenmäher-Rennen, Musik und ein Feuerwerk. Die Kamele seien aber die Hauptattraktion, sagt Lorensen. Ihr Wesen mache die Rennen unberechenbar: Die Reiter könnten die Tiere weder lenken noch kontrollieren: „Man kann sie zwar trainieren, aber selbst ein Kamel, das an einem Tag alle Rennen gewinnt, könnte sich am nächsten Tag einfach auf den Boden setzen.“

Kamele wurden seit den 1840er Jahren aus Indien, Afghanistan und von der arabischen Halbinsel nach Down Under eingeführt. Bei der Kolonialisierung halfen sie den Neuankömmlingen dabei, das Outback zu erkunden und transportierten gleichermaßen Waren und Menschen. Auch mehrere Großprojekte, wie die transaustralische Eisenbahn und die „Overland Telegraph Line“ (transaustralische Telegrafenleitung), wurden mit der Hilfe von Kamelen umgesetzt. Zudem waren Siedlungen im Outback auf die „Wüstenschiffe“ angewiesen, denn Lebensmittel wurden auf Kamelrücken selbst in die entlegensten Gegenden gebracht.

Kamele gebe es in Silverton an der Grenze zwischen New South Wales und South Australia schon seit Gründung des Ortes in den 1880er Jahren, sagt Duncan Pickering. Gemeinsam mit seiner Partnerin Petah Devine bietet er dort Kameltouren an. Das Paar träumte von einem Leben als Selbstversorger auf einer Farm mitten in den Weiten des Outbacks. Die Kamele ergaben sich eher zufällig: „Die Familie, die vor uns die Touren angeboten hat, hörte auf und gab uns 2017 unsere ersten beiden Tiere“, erzählt Pickering der Deutschen Presse-Agentur.

Mittlerweile leben 13 Kamele auf der Farm. An der Arbeit mit den Wüstentieren fasziniert Pickering vor allem ihre Persönlichkeit: „Sie sind alle sehr individuell, aber gleichzeitig sehr zutraulich.“ Neue Tiere zu trainieren sei aber eine Herausforderung: „Man muss erst ihr Wesen kennenlernen und miteinander warm werden.“

Geschätzt 1,2 Millionen Tiere

Und dennoch: Die beeindruckenden Lastentiere gelten in Australien seit einiger Zeit als Plage. Nachdem sie Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Aufkommen von Autos und anderen Verkehrsmitteln nicht mehr zum Transport gebraucht wurden, ließ man sie im Outback frei. In der Wildnis haben sie sich stark vermehrt – in einem Bericht des Umweltministeriums von 2010 wird ihre Zahl auf etwa eine Million beziffert. Eine Reportage des Senders ABC ging 2020 von 1,2 Millionen Tieren aus – aber so ganz genau weiß es niemand.

Besonders in trockenen, heißen Zeiten trotten die wilden Höckertiere auf der Suche nach Wasser häufig in Siedlungen. Dabei reißen sie Zäune um und versuchen, an das Kondenswasser in Klimaanlagen zu kommen. Die Schäden sind oft groß – deswegen, und um ihre Vermehrung unter Kontrolle zu halten, lässt Australien Kamele regelmäßig und in großer Zahl abschießen. Lokalregierungen und Landbesitzer engagieren dafür Scharfschützen, teilweise werden Hubschrauber eingesetzt. Im australischen Aktionsplan für wilde Kamele wird betont, dass die Tötung möglichst schnell und schmerzlos ablaufen muss.

Kamele retten und Verwendung für sie finden

Schätzungen zufolge werden außerdem jedes Jahr 3600 bis 4000 Kamele getötet, um aus ihrem Fleisch Tierfutter herzustellen. Weitere 400 Tiere werden für den Lebendexport genutzt und 1000 für den menschlichen Verzehr.

„Uns geht es vor allem darum, Kamele zu retten und gleichzeitig eine Verwendung für ihre Produkte zu finden“, sagt Paul Martin, der 2015 die Firma „Summer Land Camels“ gegründet hat. Auf seiner 324 Hektar großen Farm in Harrisville, Queensland, leben zwischen 400 und 500 Kamele, die im Outback gefangen und dann von Martin und seinem Team gezähmt wurden. Neben Ausritten bei Sonnenaufgang und einem Cocktailabend mit Kamelen können Besucher im Farmcafé Käse und Eis aus Kamelmilch oder einen „Camelccino“ probieren. Das Aroma ist leicht süßlich, zudem hat Kamelmilch jede Menge Vitamin C und Eisen.

Von den vielen gesundheitlichen Vorteilen schwärmt auch Paul Martin: „Kamelmilch gerinnt nicht im Magen und führt deswegen nicht zu einer Entzündungsreaktion wie andere Milchsorten.“ Aus diesem Grund sei die Milch auch für Menschen mit Laktose-Unverträglichkeit trinkbar.

Die Nachfrage nach Kamelprodukten nehme langsam zu, erzählt er. Neben den Milchprodukten verkauft „Summer Land Camels“ auch Handcremes, Body Lotion und den ersten Kamelwodka der Welt. In einigen asiatischen Ländern kann man die Produkte bereits online kaufen. „An einer EU-Strategie arbeiten wir gerade“, sagt Martin. Vielleicht gibt es die australischen Kamelprodukte dann bald auch in Europa.

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Tiere: Kamele in Australien: Vom kolonialen Wüstenschiff zur Plage

Nicht nur Koalas und Kängurus: Dass im trockenen Landesinneren Australiens auch unzählige Kamele leben, verwundert viele. Für die Kolonialisierung waren sie unerlässlich – heute werden sie abgeschossen.

In gleichmäßigem Schritt trabt eine Kamel-Karawane langsam aber majestätisch durch die glühende Wüstenhitze. Über ihr die unerbittliche Sonne, dahinter Sanddünen so weit das Auge reicht. Wer an Kamele denkt, hat meist solche Bilder aus der Sahara im Kopf.

Was die meisten nicht wissen: Die größte Population wildlebender Kamele der Welt ist nicht in Afrika oder den Vereinigten Arabischen Emiraten zuhause – sondern in Australien. Und das hat historische Gründe, denn als der unerforschte Kontinent einst von Europäern besiedelt wurde, waren ausdauernde und hitzebeständige Lastentiere gefragt. Heute hingegen dienen sie mehr dem Freizeitvergnügen.

„Kamele gab es hier bei uns eigentlich schon immer“, sagt Shelley Lorensen. Sie ist die Präsidentin der Boulia Camel Races, einem Kamelrennen mitten im Outback. Boulia in Queensland zählt nur etwa 300 bis 400 Einwohner, doch zur Rennzeit im Juli tummeln sich 3500 Menschen in dem Örtchen. Viele reisen in Wohnwagen an oder schlafen in Zelten, um die Kamele durch den roten Wüstensand rennen zu sehen.

Unberechenbare Wettbewerbsteilnehmer

Bei dem dreitägigen Spektakel gibt es auch ein Rasenmäher-Rennen, Musik und ein Feuerwerk. Die Kamele seien aber die Hauptattraktion, sagt Lorensen. Ihr Wesen mache die Rennen unberechenbar: Die Reiter könnten die Tiere weder lenken noch kontrollieren: „Man kann sie zwar trainieren, aber selbst ein Kamel, das an einem Tag alle Rennen gewinnt, könnte sich am nächsten Tag einfach auf den Boden setzen.“

Kamele wurden seit den 1840er Jahren aus Indien, Afghanistan und von der arabischen Halbinsel nach Down Under eingeführt. Bei der Kolonialisierung halfen sie den Neuankömmlingen dabei, das Outback zu erkunden und transportierten gleichermaßen Waren und Menschen. Auch mehrere Großprojekte, wie die transaustralische Eisenbahn und die „Overland Telegraph Line“ (transaustralische Telegrafenleitung), wurden mit der Hilfe von Kamelen umgesetzt. Zudem waren Siedlungen im Outback auf die „Wüstenschiffe“ angewiesen, denn Lebensmittel wurden auf Kamelrücken selbst in die entlegensten Gegenden gebracht.

Kamele gebe es in Silverton an der Grenze zwischen New South Wales und South Australia schon seit Gründung des Ortes in den 1880er Jahren, sagt Duncan Pickering. Gemeinsam mit seiner Partnerin Petah Devine bietet er dort Kameltouren an. Das Paar träumte von einem Leben als Selbstversorger auf einer Farm mitten in den Weiten des Outbacks. Die Kamele ergaben sich eher zufällig: „Die Familie, die vor uns die Touren angeboten hat, hörte auf und gab uns 2017 unsere ersten beiden Tiere“, erzählt Pickering der Deutschen Presse-Agentur.

Mittlerweile leben 13 Kamele auf der Farm. An der Arbeit mit den Wüstentieren fasziniert Pickering vor allem ihre Persönlichkeit: „Sie sind alle sehr individuell, aber gleichzeitig sehr zutraulich.“ Neue Tiere zu trainieren sei aber eine Herausforderung: „Man muss erst ihr Wesen kennenlernen und miteinander warm werden.“

Geschätzt 1,2 Millionen Tiere

Und dennoch: Die beeindruckenden Lastentiere gelten in Australien seit einiger Zeit als Plage. Nachdem sie Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Aufkommen von Autos und anderen Verkehrsmitteln nicht mehr zum Transport gebraucht wurden, ließ man sie im Outback frei. In der Wildnis haben sie sich stark vermehrt – in einem Bericht des Umweltministeriums von 2010 wird ihre Zahl auf etwa eine Million beziffert. Eine Reportage des Senders ABC ging 2020 von 1,2 Millionen Tieren aus – aber so ganz genau weiß es niemand.

Besonders in trockenen, heißen Zeiten trotten die wilden Höckertiere auf der Suche nach Wasser häufig in Siedlungen. Dabei reißen sie Zäune um und versuchen, an das Kondenswasser in Klimaanlagen zu kommen. Die Schäden sind oft groß – deswegen, und um ihre Vermehrung unter Kontrolle zu halten, lässt Australien Kamele regelmäßig und in großer Zahl abschießen. Lokalregierungen und Landbesitzer engagieren dafür Scharfschützen, teilweise werden Hubschrauber eingesetzt. Im australischen Aktionsplan für wilde Kamele wird betont, dass die Tötung möglichst schnell und schmerzlos ablaufen muss.

Kamele retten und Verwendung für sie finden

Schätzungen zufolge werden außerdem jedes Jahr 3600 bis 4000 Kamele getötet, um aus ihrem Fleisch Tierfutter herzustellen. Weitere 400 Tiere werden für den Lebendexport genutzt und 1000 für den menschlichen Verzehr.

„Uns geht es vor allem darum, Kamele zu retten und gleichzeitig eine Verwendung für ihre Produkte zu finden“, sagt Paul Martin, der 2015 die Firma „Summer Land Camels“ gegründet hat. Auf seiner 324 Hektar großen Farm in Harrisville, Queensland, leben zwischen 400 und 500 Kamele, die im Outback gefangen und dann von Martin und seinem Team gezähmt wurden. Neben Ausritten bei Sonnenaufgang und einem Cocktailabend mit Kamelen können Besucher im Farmcafé Käse und Eis aus Kamelmilch oder einen „Camelccino“ probieren. Das Aroma ist leicht süßlich, zudem hat Kamelmilch jede Menge Vitamin C und Eisen.

Von den vielen gesundheitlichen Vorteilen schwärmt auch Paul Martin: „Kamelmilch gerinnt nicht im Magen und führt deswegen nicht zu einer Entzündungsreaktion wie andere Milchsorten.“ Aus diesem Grund sei die Milch auch für Menschen mit Laktose-Unverträglichkeit trinkbar.

Die Nachfrage nach Kamelprodukten nehme langsam zu, erzählt er. Neben den Milchprodukten verkauft „Summer Land Camels“ auch Handcremes, Body Lotion und den ersten Kamelwodka der Welt. In einigen asiatischen Ländern kann man die Produkte bereits online kaufen. „An einer EU-Strategie arbeiten wir gerade“, sagt Martin. Vielleicht gibt es die australischen Kamelprodukte dann bald auch in Europa.

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Tiere: Kamele in Australien: Vom kolonialen Wüstenschiff zur Plage

Nicht nur Koalas und Kängurus: Dass im trockenen Landesinneren Australiens auch unzählige Kamele leben, verwundert viele. Für die Kolonialisierung waren sie unerlässlich – heute werden sie abgeschossen.

In gleichmäßigem Schritt trabt eine Kamel-Karawane langsam aber majestätisch durch die glühende Wüstenhitze. Über ihr die unerbittliche Sonne, dahinter Sanddünen so weit das Auge reicht. Wer an Kamele denkt, hat meist solche Bilder aus der Sahara im Kopf.

Was die meisten nicht wissen: Die größte Population wildlebender Kamele der Welt ist nicht in Afrika oder den Vereinigten Arabischen Emiraten zuhause – sondern in Australien. Und das hat historische Gründe, denn als der unerforschte Kontinent einst von Europäern besiedelt wurde, waren ausdauernde und hitzebeständige Lastentiere gefragt. Heute hingegen dienen sie mehr dem Freizeitvergnügen.

„Kamele gab es hier bei uns eigentlich schon immer“, sagt Shelley Lorensen. Sie ist die Präsidentin der Boulia Camel Races, einem Kamelrennen mitten im Outback. Boulia in Queensland zählt nur etwa 300 bis 400 Einwohner, doch zur Rennzeit im Juli tummeln sich 3500 Menschen in dem Örtchen. Viele reisen in Wohnwagen an oder schlafen in Zelten, um die Kamele durch den roten Wüstensand rennen zu sehen.

Unberechenbare Wettbewerbsteilnehmer

Bei dem dreitägigen Spektakel gibt es auch ein Rasenmäher-Rennen, Musik und ein Feuerwerk. Die Kamele seien aber die Hauptattraktion, sagt Lorensen. Ihr Wesen mache die Rennen unberechenbar: Die Reiter könnten die Tiere weder lenken noch kontrollieren: „Man kann sie zwar trainieren, aber selbst ein Kamel, das an einem Tag alle Rennen gewinnt, könnte sich am nächsten Tag einfach auf den Boden setzen.“

Kamele wurden seit den 1840er Jahren aus Indien, Afghanistan und von der arabischen Halbinsel nach Down Under eingeführt. Bei der Kolonialisierung halfen sie den Neuankömmlingen dabei, das Outback zu erkunden und transportierten gleichermaßen Waren und Menschen. Auch mehrere Großprojekte, wie die transaustralische Eisenbahn und die „Overland Telegraph Line“ (transaustralische Telegrafenleitung), wurden mit der Hilfe von Kamelen umgesetzt. Zudem waren Siedlungen im Outback auf die „Wüstenschiffe“ angewiesen, denn Lebensmittel wurden auf Kamelrücken selbst in die entlegensten Gegenden gebracht.

Kamele gebe es in Silverton an der Grenze zwischen New South Wales und South Australia schon seit Gründung des Ortes in den 1880er Jahren, sagt Duncan Pickering. Gemeinsam mit seiner Partnerin Petah Devine bietet er dort Kameltouren an. Das Paar träumte von einem Leben als Selbstversorger auf einer Farm mitten in den Weiten des Outbacks. Die Kamele ergaben sich eher zufällig: „Die Familie, die vor uns die Touren angeboten hat, hörte auf und gab uns 2017 unsere ersten beiden Tiere“, erzählt Pickering der Deutschen Presse-Agentur.

Mittlerweile leben 13 Kamele auf der Farm. An der Arbeit mit den Wüstentieren fasziniert Pickering vor allem ihre Persönlichkeit: „Sie sind alle sehr individuell, aber gleichzeitig sehr zutraulich.“ Neue Tiere zu trainieren sei aber eine Herausforderung: „Man muss erst ihr Wesen kennenlernen und miteinander warm werden.“

Geschätzt 1,2 Millionen Tiere

Und dennoch: Die beeindruckenden Lastentiere gelten in Australien seit einiger Zeit als Plage. Nachdem sie Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Aufkommen von Autos und anderen Verkehrsmitteln nicht mehr zum Transport gebraucht wurden, ließ man sie im Outback frei. In der Wildnis haben sie sich stark vermehrt – in einem Bericht des Umweltministeriums von 2010 wird ihre Zahl auf etwa eine Million beziffert. Eine Reportage des Senders ABC ging 2020 von 1,2 Millionen Tieren aus – aber so ganz genau weiß es niemand.

Besonders in trockenen, heißen Zeiten trotten die wilden Höckertiere auf der Suche nach Wasser häufig in Siedlungen. Dabei reißen sie Zäune um und versuchen, an das Kondenswasser in Klimaanlagen zu kommen. Die Schäden sind oft groß – deswegen, und um ihre Vermehrung unter Kontrolle zu halten, lässt Australien Kamele regelmäßig und in großer Zahl abschießen. Lokalregierungen und Landbesitzer engagieren dafür Scharfschützen, teilweise werden Hubschrauber eingesetzt. Im australischen Aktionsplan für wilde Kamele wird betont, dass die Tötung möglichst schnell und schmerzlos ablaufen muss.

Kamele retten und Verwendung finden

Schätzungen zufolge werden außerdem jedes Jahr 3600 bis 4000 Kamele getötet, um aus ihrem Fleisch Tierfutter herzustellen. Weitere 400 Tiere werden für den Lebendexport genutzt und 1000 für den menschlichen Verzehr.

„Uns geht es vor allem darum, Kamele zu retten und gleichzeitig eine Verwendung für ihre Produkte zu finden“, sagt Paul Martin, der 2015 die Firma „Summer Land Camels“ gegründet hat. Auf seiner 324 Hektar großen Farm in Harrisville, Queensland, leben zwischen 400 und 500 Kamele, die im Outback gefangen und dann von Martin und seinem Team gezähmt wurden. Neben Ausritten bei Sonnenaufgang und einem Cocktailabend mit Kamelen können Besucher im Farmcafé Käse und Eis aus Kamelmilch oder einen „Camelccino“ probieren. Das Aroma ist leicht süßlich, zudem hat Kamelmilch jede Menge Vitamin C und Eisen.

Von den vielen gesundheitlichen Vorteilen schwärmt auch Paul Martin: „Kamelmilch gerinnt nicht im Magen und führt deswegen nicht zu einer Entzündungsreaktion wie andere Milchsorten.“ Aus diesem Grund sei die Milch auch für Menschen mit Laktose-Unverträglichkeit trinkbar.

Die Nachfrage nach Kamelprodukten nehme langsam zu, erzählt er. Neben den Milchprodukten verkauft „Summer Land Camels“ auch Handcremes, Body Lotion und den ersten Kamelwodka der Welt. In einigen asiatischen Ländern kann man die Produkte bereits online kaufen. „An einer EU-Strategie arbeiten wir gerade“, sagt Martin. Vielleicht gibt es die australischen Kamelprodukte dann bald auch in Europa.

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Afrika Dürre Handy Handynetz Kenia Klimakrise Misereor Nairobi Osteuropa Rinder Roland Brockmann Ukraine Ukrainekrieg

Dürre in Afrika: Die vergessenen Hirten von Kenia – sie leiden am meisten unter Klimakrise und Ukrainekrieg

Sie leben wie vor hundert Jahren – allerdings mit Handynetz. Ein Berliner Fotograf besuchte die Hirten im Norden Kenias. Die rasante Modernisierung Kenias geht an ihnen vorüber. Nur mit Hilfe können diese traditionell lebenden Menschen die aktuelle Dürre überstehen.

Gerade wurde in Nairobi der neue Expressway eingeweiht: ein Prestigeprojekt für den Hauptstadtverkehr. Gleichzeitig ändert sich an den Lebensbedingungen auf dem Land im Norden seit Jahren wenig. Auch dort gibt es zwar Mobilfunknetze, weil das logistisch einfach ist, aber ansonsten leben die Leute dort wie vor 50 oder 100 Jahren. Der Berliner Fotograf Roland Brockmann besuchte die Hirten im Norden des Landes auf Einladung des Hilfsweks Misereor. Obwohl die Menschen dort so abgeschieden leben, leiden sie am stärksten unter der Weltlage. Bei Krisen, die andere verursachen, tragen sie die Folgen. Sie leiden unter Dürre und Klimawandel und tragen selbst kaum zu den klimaschädlichen Emissionen bei. Vom der Ukraine dürften die wenigsten je gehört haben und doch beeinflussen die Folgen des Krieges im fernen Osteuropa ihr Leben. Grundnahrungsmittel und Treibstoff werden unbezahlbar – auch für die internationalen Hilfsorganisationen.

Handy im Mittelalter

Die Menschen nutzen Handys, wohnen aber in traditionellen Hütten ohne Stromnetz oder Wasserversorgung. Sie kochen über Drei-Stein-Feuerstellen, wie seit Urzeiten. Die meisten sind Hirten, können weder lesen noch schreiben. Ihr Lebenszentrum sind die Tiere, nicht nur als Kapital. Rinder oder Ziegen bestimmen den Status einer Familie, vor allem aber den Lebensalltag. Ohne das Vieh verliert das ganze Leben hier seinen Sinn. Inzwischen ist es die dritte Dürre in Kenia, die der Berliner Fotograf dokumentiert, innerhalb von rund zehn Jahren. Er sagt: „Mich beeindrucken diese Menschen, denen ich unterwegs begegne. Ich selbst könnte so nicht überleben. Als Fotograf es ist wie ein Blick in eine andere, aus der Moderne gefallenen Welt.“ Eine Welt, die immer brüchiger wird.

Ohne Tiere kein sinnvolles Leben

Das Leben dort ist alles andere als eine Idylle. Hinter dem Hunger wartet das nächste Drama, die Perspektivlosigkeit. Ohne Tiere gibt es für die Hirtenvölker nichts zu tun. Die Dürre hat klimatische, also globale Gründe. Hinzu kommen diesmal die vergangene Heuschreckenplage, Corona und die gestiegenen Lebensmittelpreise durch den Krieg in der Ukraine. Da im Norden aufgrund des semi-ariden Bodens nichts angebaut werden kann, müssen die Nomaden Mehl kaufen, um wenigsten Maisbrei zum Essen zu haben. Während der Pandemie wurden aber die Märkte geschlossen, dadurch gingen die ganzen Tagelöhnerjobs verloren. Niemand konnte sich mehr etwas dazu verdienen.

Spenden lösen nicht alle Probleme

Inzwischen lebt die Bevölkerung in 17 Landkreisen Kenias in akuter Not. 3,5 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe. Laikipia, wo die Misereor-Partnerorganisation IMPACT (Indigenous Movement for Peace Advancement and Conflict Transformation) arbeitet, ist besonders betroffen. Roland Brockmann hält die Hilfe durch Spenden für dringend notwendig. Es sei nicht fair, zu erwarten, dass Spenden alle Probleme des Landes lösen. „Spenden sind kein Instrument der Veränderung, sondern ein Zeichen der Solidarität. Ein Weg anderen, denen es weniger gut geht, zu beizustehen.“ Der notwendige Strukturwandel und Zukunftskonzepte für Kenia können nicht von außen importiert werden. „Das muss Kenia als Land selbst leisten. Der Westen kann da schlecht wie ein Gärtner eingreifen.“ Das Vorurteil, dass die Hilfe versacke, kann er nicht bestätigen. „Mein klarer Eindruck ist: Die Hilfsgüter, die verteilt werden, kommen auch bei den richtigen Leuten an. Aber es ist eben Nothilfe, die erst mal hilft, den Bauch zu füllen.“ Neben der akuten Nothilfe unterstützt Misereor daher auch langfristige Projekte zur Anpassung an die veränderten klimatischen Bedingungen.

Ein gespaltenes Land

Die Lage im Land ist kompliziert. Einen Gegensatz wie den zwischen der modernen Hauptstadt und den Nomaden des Nordens gibt es in keinem europäischen Land. Nicht nur bei den Lebensbedingungen, sondern auch in der Mentalität. Die Leute in der Hauptstadt verstehen sich vor allem als Kenianer. Im Norden spielen Stammesstrukturen noch immer eine große Rolle. Verteilungskämpfe werden entlang von Ethnien ausgetragen. Mit den brutalen Methoden von vorgestern: Immer wieder werden Dörfer niedergebrannt oder wird Vieh gestohlen. Das Land ist gespalten. Nur 100 Kilometer südlich der Dürregegenden beginnt das grüne Hochland Kenias – mit fruchtbarem Lehmboden. „Da wurde jetzt gerade gut geerntet. Das Gemüse von dort können die Nomaden im Norden ohne Geld aber nicht bezahlen.“ Kenia ist ein relativ stabiles afrikanisches Land, auch der Machtwechsel nach der Präsidentschaftswahl im Sommer verlief entgegen von vielen Befürchtungen bislang friedlich. Ein Garant für Frieden und Einheit ist nicht zuletzt die wachsende Mittelschicht des Landes, die bei Unruhen viel zu verlieren hätte. Doch der Norden wird derzeit immer weiter abgehängt. Auf Dauer braucht es langfristige Konzepte, doch heute muss die größte Not gelindert werden.

Misereor- Spendenkonto Spendenaufruf

IBAN DE75 3706 0193 0000 1010 10 

BIC GENODED1PAX      

Pax-Bank Aachen      

Stichwort: Hungersnot in Afrika

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Afrika Dürre Handy Handynetz Kenia Klimakrise Misereor Nairobi Osteuropa Rinder Roland Brockmann Ukraine Ukrainekrieg

Dürre in Afrika: Die vergessenen Hirten von Kenia – sie leiden am meisten unter Klimakrise und Ukrainekrieg

Sie leben wie vor hundert Jahren – allerdings mit Handynetz. Ein Berliner Fotograf besuchte die Hirten im Norden Kenias. Die rasante Modernisierung Kenias geht an ihnen vorüber. Nur mit Hilfe können diese traditionell lebenden Menschen die aktuelle Dürre überstehen.

Gerade wurde in Nairobi der neue Expressway eingeweiht: ein Prestigeprojekt für den Hauptstadtverkehr. Gleichzeitig ändert sich an den Lebensbedingungen auf dem Land im Norden seit Jahren wenig. Auch dort gibt es zwar Mobilfunknetze, weil das logistisch einfach ist, aber ansonsten leben die Leute dort wie vor 50 oder 100 Jahren. Der Berliner Fotograf Roland Brockmann besuchte die Hirten im Norden des Landes auf Einladung der Hilfsorganisation Misereor. Obwohl die Menschen dort so abgeschieden leben, leiden sie am stärksten unter der Weltlage. Bei Krisen, die andere verursachen, tragen sie die Folgen. Sie leiden unter Dürre und Klimawandel und tragen selbst kaum zu den klimaschädlichen Emissionen bei. Vom der Ukraine dürften die wenigsten je gehört haben und doch beeinflussen die Folgen des Krieges im fernen Osteuropa ihr Leben. Grundnahrungsmittel und Treibstoff werden unbezahlbar – auch für die internationalen Hilfsorganisationen.

Handy im Mittelalter

Die Menschen nutzen Handys, wohnen aber in traditionellen Hütten ohne Stromnetz oder Wasserversorgung. Sie kochen über Drei-Stein-Feuerstellen, wie seit Urzeiten. Die meisten sind Hirten, können weder lesen noch schreiben. Ihr Lebenszentrum sind die Tiere, nicht nur als Kapital. Rinder oder Ziegen bestimmen den Status einer Familie, vor allem aber den Lebensalltag. Ohne das Vieh verliert das ganze Leben hier seinen Sinn. Inzwischen ist es die dritte Dürre in Kenia, die der Berliner Fotograf dokumentiert, innerhalb von rund zehn Jahren. Er sagt: „Mich beeindrucken diese Menschen, denen ich unterwegs begegne. Ich selbst könnte so nicht überleben. Als Fotograf es ist wie ein Blick in eine andere, aus der Moderne gefallenen Welt.“ Eine Welt, die immer brüchiger wird.

Ohne Tiere kein sinnvolles Leben

Das Leben dort ist alles andere als eine Idylle. Hinter dem Hunger wartet das nächste Drama, die Perspektivlosigkeit. Ohne Tiere gibt es für die Hirtenvölker nichts zu tun. Die Dürre hat klimatische, also globale Gründe. Hinzu kommen diesmal die vergangene Heuschreckenplage, Corona und die gestiegenen Lebensmittelpreise durch den Krieg in der Ukraine. Da im Norden aufgrund des semi-ariden Bodens nichts angebaut werden kann, müssen die Nomaden Mehl kaufen, um wenigsten Maisbrei zum Essen zu haben. Während der Pandemie wurden aber die Märkte geschlossen, dadurch gingen die ganzen Tagelöhnerjobs verloren. Niemand konnte sich mehr etwas dazu verdienen.

Spenden lösen nicht alle Probleme

Inzwischen lebt die Bevölkerung in 17 Landkreisen Kenias in akuter Not. 3,5 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe. Laikipia, wo die Misereor-Partnerorganisation IMPACT (Indigenous Movement for Peace Advancement and Conflict Transformation) arbeitet, ist besonders betroffen. Roland Brockmann hält die Hilfe durch Spenden für dringend notwendig. Es sei nicht fair, zu erwarten, dass Spenden alle Probleme des Landes lösen. „Spenden sind kein Instrument der Veränderung, sondern ein Zeichen der Solidarität. Ein Weg anderen, denen es weniger gut geht, zu beizustehen.“ Der notwendige Strukturwandel und Zukunftskonzepte für Kenia können nicht von außen importiert werden. „Das muss Kenia als Land selbst leisten. Der Westen kann da schlecht wie ein Gärtner eingreifen.“ Das Vorurteil, dass die Hilfe versacke, kann er nicht bestätigen. „Mein klarer Eindruck ist: Die Hilfsgüter, die verteilt werden, kommen auch bei den richtigen Leuten an. Aber es ist eben Nothilfe, die erst mal hilft, den Bauch zu füllen.“ Neben der akuten Nothilfe unterstützt Misereor daher auch langfristige Projekte zur Anpassung an die veränderten klimatischen Bedingungen.

Ein gespaltenes Land

Die Lage im Land ist kompliziert. Einen Gegensatz wie den zwischen der modernen Hauptstadt und den Nomaden des Nordens gibt es in keinem europäischen Land. Nicht nur bei den Lebensbedingungen, sondern auch in der Mentalität. Die Leute in der Hauptstadt verstehen sich vor allem als Kenianer. Im Norden spielen Stammesstrukturen noch immer eine große Rolle. Verteilungskämpfe werden entlang von Ethnien ausgetragen. Mit den brutalen Methoden von vorgestern: Immer wieder werden Dörfer niedergebrannt oder wird Vieh gestohlen. Das Land ist gespalten. Nur 100 Kilometer südlich der Dürregegenden beginnt das grüne Hochland Kenias – mit fruchtbarem Lehmboden. „Da wurde jetzt gerade gut geerntet. Das Gemüse von dort können die Nomaden im Norden ohne Geld aber nicht bezahlen.“ Kenia ist ein relativ stabiles afrikanisches Land, auch der Machtwechsel nach der Präsidentschaftswahl im Sommer verlief entgegen von vielen Befürchtungen bislang friedlich. Ein Garant für Frieden und Einheit ist nicht zuletzt die wachsende Mittelschicht des Landes, die bei Unruhen viel zu verlieren hätte. Doch der Norden wird derzeit immer weiter abgehängt. Auf Dauer braucht es langfristige Konzepte, doch heute muss die größte Not gelindert werden.

Misereor- Spendenkonto

IBAN DE75 3706 0193 0000 1010 10 

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