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Befall Husten Matratze Milbe Reinigung

Hausstauballergie: Milben bekämpfen: So reduzieren Sie den Befall im Schlafzimmer

Milben sind so klein, dass wir sie mit dem bloßen Auge nicht erkennen können. Und doch sind sie da: In jedem Haushalt finden sich Millionen Spinnentiere, die sich von menschlichen Hautschuppen ernähren. Von ihnen geht keine gesundheitliche Gefahr aus – es sein denn, Sie leiden unter einer Hausstauballergie.

Typische Anzeichen für eine Hausstaubmilbenallergie sind juckende, tränende oder gerötete Augen. Hinzukommen heftige Niesattacken und Schnupfen, im schlimmsten Fall auch Husten oder chronisches Asthma. Ausgelöst werden die Symptome nicht etwa durch die 0,1 Millimeter großen Spinnentiere, sondern durch ihre Ausscheidungen und Körperreste. Diese finden sich vor allem im Bett, da Milben eine feuchtwarme Umgebung bevorzugen. Mit mangelnder Hygiene hat ihre Anwesenheit jedoch nichts zu tun – trotzdem sollten insbesondere Allergiker Maßnahmen ergreifen, um den Befall und somit auch die Symptome zu reduzieren.

Milbensauger

Maßnahmen ergreifen: So beugen Sie Milben vor

Richtig lüften
Da Milben ein feuchtwarmes Milieu bevorzugen, sollte es im Schlafzimmer stets kühl und trocken sein. Um die Feuchtigkeit zu reduzieren, müssen Sie den Raum regelmäßig (ein bis zweimal am Tag) lüften – am besten Öffnen Sie dafür ein Fenster komplett für mehrere Minuten. Achten Sie weiter darauf, dass es in Ihrem Schlafzimmer nie wärmer als 20 Grad ist. Zudem ist es hilfreich, wenn die Matratze morgens auslüften kann, da wir nachts viel schwitzen. Anstatt das Bett also jeden Morgen zu richten, lassen Sie es besser aufgedeckt.

Bettwäsche wechseln
Obwohl Milben kein Zeichen mangelnder Hygiene sind, ist es ratsam, die Bettwäsche regelmäßig zu wechseln – am besten alle vier Wochen, in den warmen Sommermonaten gerne noch häufiger. Die benutzten Decken- und Kissenbezüge sollten auf mindestens 60 Grad gewaschen werden, da die Spinnentiere niedrige Temperaturen überleben würden. Andere Textilien wie Teppiche, in denen sich auch Milben aufhalten, können für ein paar Stunden in den Garten oder auf dem Balkon in die Sonne gehängt werden.

Matratzenschoner

Matratzenschoner verwenden
Matratzen lassen sich nur schwer reinigen: Selbst wenn der Bezug abnehmbar ist, passt dieser oftmals in keine gewöhnliche Waschmaschine und muss zur Reinigung gebracht werden. Um Zeit und Geld zu sparen, können Sie stattdessen einen wasserdichten und atmungsaktiven Matratzenschoner einsetzen. Er ist in unterschiedlichen Größen erhältlich und wird einfach zwischen Matratze und Bettlaken gelegt. Für Allergiker gibt es natürlich auch spezielle Encasings – gemeint sind damit milbendichte Schonbezüge.

Regelmäßig staubsaugen
Wo es Staub gibt, da gibt es auch Milben. Nicht nur im Bett, sondern auch auf dem Boden. Um die Population einzudämmen, ist es ratsam, im Schlafzimmer regelmäßig zu saugen – oder auch durchzuwischen, sofern es der Boden zulässt. Schwer erreichbare Stellen können mit einem Staubwedel gereinigt und staubige Oberflächen feucht nachgewischt werden. Für Allergiker bietet sich zudem ein Staubsauger mit speziellem Hepa-Hygienefilter an, der mehr als 99,5 Prozent aller Partikel aus der Luft filtern kann.

Befall reduzieren: Diese Hilfsmittel gibt es

Milbenbezug

Schutzbezüge
Nicht nur für die Matratze gibt es spezielle Schutzbezüge, sondern auch für Decken und Kissen: Sogenannte Encasings („to encase“ bedeutet übersetzt „überziehen“) wurden für Allergiker entwickelt, die auf Hausstaubmilben reagieren. Durch die milbendichten Überzüge sollen die Spinnentiere wie auch ihre Ausscheidungen zwischen Decke und Bezug eingesperrt bleiben, sodass diese keinerlei Symptome hervorrufen können. Wichtig zu wissen ist jedoch: Auch die Encasings müssen regelmäßig gewaschen werden.

Luftreiniger
Ebenfalls mit einem sogenannten Hepa-Filter (High-Efficiency Particulate Air/Arrestance) ausgestattet sind Luftreiniger. Die Geräte sollen – laut Hersteller – bis zu 99, 5 Prozent der Allergene, die sich am häufigsten in der Luft befinden, entfernen können. Der AC0820/10 von Philips beispielsweise filtert Viren, Aerosole, Pollen, Staub, Bakterien und ultrafeine Partikel bis zu einer Größe von 0, 003 Mikrometer (μm) aus der Luft. Dadurch können die typischen Beschwerden wie juckende Augen und Schnupfen reduziert werden.

Milbenspray

Milbenspray
Hierbei handelt es sich um ein wirksames Biozid, mit dem Sie Milben bekämpfen können: Das Kontaktspray mit Geraniol tötet die Spinnentiere ab und fixiert diese auf der Matratze, entfernt sie aber nicht. Sprich nach der Behandlung mit einem Milbenspray müssen Sie die behandelten Oberflächen noch gründlich absaugen. Diesen Vorgang sollten Sie mindestens alle vier bis sechs Wochen wiederholen, damit sich die Milbenpopulation nicht weiter ausbreitet.  

Milbensauger
Alternativ zum Luftreiniger gibt es auch spezielle Milbensauger für Matratzen, Bettdecken und Kopfkissen: Sie sterilisieren die Oberfläche mit UV-C Licht, das die Spinnentiere zu 99,9 Prozent (so behauptet es der Hersteller) abtötet. Zeitgleich saugt das Gerät die Milben als auch ihre Hinterlassenschaften ein und lässt diese – dank Hepa-Filter – nicht mehr aus dem Staubbehälter heraus. Darüber hinaus entfernt der Milbensauger auch Keime, Bakterien, Krankheitserreger und Pilze.

Und noch ein Hinweis: Bekommen Sie das Milbenproblem nicht mehr in den Griff, ist es sinnvoll, die alte Matratze gegen eine neue auszutauschen – nach fünf bis acht Jahren ist dies grundsätzlich empfehlenswert.

Nahaufnahme einer Hausstaubmilbe
Hausstaubmilben sind mikroskopisch klein und mit dem bloßen Auge nicht erkennbar
© SciePro

Milben bekämpfen: Das beste Hausmittel

Alternativ zu den genannten Hilfsmitteln können Sie natürlich auch ein altbewährtes Hausmittel einsetzen: Teebaumöl. Es wirkt desinfizierend und soll Milben bekämpfen – und zwar mit dieser Methode: Nehmen Sie 30 Milliliter Flüssigkeit und füllen dieses zusammen mit klarem Wasser in eine handelsübliche Sprühflasche. Vermischen Sie den Inhalt und geben ihn anschließend auf die gewünschten Oberflächen wie Polstermöbel oder Teppiche. Für das Bett samt Matratze, Decken und Kissen können Sie das Teebaumöl auch verwenden, allerdings sollten Sie bedenken, dass der Geruch sehr dominant sein kann und nicht jedermanns Geschmack ist.

Und noch ein Tipp zum Schluss: Sie können das Teebaumöl auch in Ihr Wischwasser geben, wenn Sie den Boden reinigen.

Quelle: Utopia

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Hausstauballergie: Milben bekämpfen: Diese Maßnahmen sind im Schlafzimmer sinnvoll

Milben sind so klein, dass wir sie mit dem bloßen Auge nicht erkennen können. Und doch sind sie da: In jedem Haushalt finden sich Millionen Spinnentiere, die sich von menschlichen Hautschuppen ernähren. Von ihnen geht keine gesundheitliche Gefahr aus – es sein denn, Sie leiden unter einer Hausstauballergie.

Typische Anzeichen für eine Hausstaubmilbenallergie sind juckende, tränende oder gerötete Augen. Hinzukommen heftige Niesattacken und Schnupfen, im schlimmsten Fall auch Husten oder chronisches Asthma. Ausgelöst werden die Symptome nicht etwa durch die 0,1 Millimeter großen Spinnentiere, sondern durch ihre Ausscheidungen und Körperreste. Diese finden sich vor allem im Bett, da Milben eine feuchtwarme Umgebung bevorzugen. Mit mangelnder Hygiene hat ihre Anwesenheit jedoch nichts zu tun – trotzdem sollten insbesondere Allergiker Maßnahmen ergreifen, um den Befall und somit auch die Symptome zu reduzieren.

Milbensauger

Maßnahmen ergreifen: So beugen Sie Milben vor

Richtig lüften
Da Milben ein feuchtwarmes Milieu bevorzugen, sollte es im Schlafzimmer stets kühl und trocken sein. Um die Feuchtigkeit zu reduzieren, müssen Sie den Raum regelmäßig (ein bis zweimal am Tag) lüften – am besten Öffnen Sie dafür ein Fenster komplett für mehrere Minuten. Achten Sie weiter darauf, dass es in Ihrem Schlafzimmer nie wärmer als 20 Grad ist. Zudem ist es hilfreich, wenn die Matratze morgens auslüften kann, da wir nachts viel schwitzen. Anstatt das Bett also jeden Morgen zu richten, lassen Sie es besser aufgedeckt.

Bettwäsche wechseln
Obwohl Milben kein Zeichen mangelnder Hygiene sind, ist es ratsam, die Bettwäsche regelmäßig zu wechseln – am besten alle vier Wochen, in den warmen Sommermonaten gerne noch häufiger. Die benutzten Decken- und Kissenbezüge sollten auf mindestens 60 Grad gewaschen werden, da die Spinnentiere niedrige Temperaturen überleben würden. Andere Textilien wie Teppiche, in denen sich auch Milben aufhalten, können für ein paar Stunden in den Garten oder auf dem Balkon in die Sonne gehängt werden.

Matratzenschoner

Matratzenschoner verwenden
Matratzen lassen sich nur schwer reinigen: Selbst wenn der Bezug abnehmbar ist, passt dieser oftmals in keine gewöhnliche Waschmaschine und muss zur Reinigung gebracht werden. Um Zeit und Geld zu sparen, können Sie stattdessen einen wasserdichten und atmungsaktiven Matratzenschoner einsetzen. Er ist in unterschiedlichen Größen erhältlich und wird einfach zwischen Matratze und Bettlaken gelegt. Für Allergiker gibt es natürlich auch spezielle Encasings – gemeint sind damit milbendichte Schonbezüge.

Regelmäßig staubsaugen
Wo es Staub gibt, da gibt es auch Milben. Nicht nur im Bett, sondern auch auf dem Boden. Um die Population einzudämmen, ist es ratsam, im Schlafzimmer regelmäßig zu saugen – oder auch durchzuwischen, sofern es der Boden zulässt. Schwer erreichbare Stellen können mit einem Staubwedel gereinigt und staubige Oberflächen feucht nachgewischt werden. Für Allergiker bietet sich zudem ein Staubsauger mit speziellem Hepa-Hygienefilter an, der mehr als 99,5 Prozent aller Partikel aus der Luft filtern kann.

Befall reduzieren: Diese Hilfsmittel gibt es

Milbenbezug

Schutzbezüge
Nicht nur für die Matratze gibt es spezielle Schutzbezüge, sondern auch für Decken und Kissen: Sogenannte Encasings („to encase“ bedeutet übersetzt „überziehen“) wurden für Allergiker entwickelt, die auf Hausstaubmilben reagieren. Durch die milbendichten Überzüge sollen die Spinnentiere wie auch ihre Ausscheidungen zwischen Decke und Bezug eingesperrt bleiben, sodass diese keinerlei Symptome hervorrufen können. Wichtig zu wissen ist jedoch: Auch die Encasings müssen regelmäßig gewaschen werden.

Luftreiniger
Ebenfalls mit einem sogenannten Hepa-Filter (High-Efficiency Particulate Air/Arrestance) ausgestattet sind Luftreiniger. Die Geräte sollen – laut Hersteller – bis zu 99, 5 Prozent der Allergene, die sich am häufigsten in der Luft befinden, entfernen können. Der AC0820/10 von Philips beispielsweise filtert Viren, Aerosole, Pollen, Staub, Bakterien und ultrafeine Partikel bis zu einer Größe von 0, 003 Mikrometer (μm) aus der Luft. Dadurch können die typischen Beschwerden wie juckende Augen und Schnupfen reduziert werden.

Milbenspray

Milbenspray
Hierbei handelt es sich um ein wirksames Biozid, mit dem Sie Milben bekämpfen können: Das Kontaktspray mit Geraniol tötet die Spinnentiere ab und fixiert diese auf der Matratze, entfernt sie aber nicht. Sprich nach der Behandlung mit einem Milbenspray müssen Sie die behandelten Oberflächen noch gründlich absaugen. Diesen Vorgang sollten Sie mindestens alle vier bis sechs Wochen wiederholen, damit sich die Milbenpopulation nicht weiter ausbreitet.  

Milbensauger
Alternativ zum Luftreiniger gibt es auch spezielle Milbensauger für Matratzen, Bettdecken und Kopfkissen: Sie sterilisieren die Oberfläche mit UV-C Licht, das die Spinnentiere zu 99,9 Prozent (so behauptet es der Hersteller) abtötet. Zeitgleich saugt das Gerät die Milben als auch ihre Hinterlassenschaften ein und lässt diese – dank Hepa-Filter – nicht mehr aus dem Staubbehälter heraus. Darüber hinaus entfernt der Milbensauger auch Keime, Bakterien, Krankheitserreger und Pilze.

Und noch ein Hinweis: Bekommen Sie das Milbenproblem nicht mehr in den Griff, ist es sinnvoll, die alte Matratze gegen eine neue auszutauschen – nach fünf bis acht Jahren ist dies grundsätzlich empfehlenswert.

Nahaufnahme einer Hausstaubmilbe
Hausstaubmilben sind mikroskopisch klein und mit dem bloßen Auge nicht erkennbar
© SciePro

Milben bekämpfen: Das beste Hausmittel

Alternativ zu den genannten Hilfsmitteln können Sie natürlich auch ein altbewährtes Hausmittel einsetzen: Teebaumöl. Es wirkt desinfizierend und soll Milben bekämpfen – und zwar mit dieser Methode: Nehmen Sie 30 Milliliter Flüssigkeit und füllen dieses zusammen mit klarem Wasser in eine handelsübliche Sprühflasche. Vermischen Sie den Inhalt und geben ihn anschließend auf die gewünschten Oberflächen wie Polstermöbel oder Teppiche. Für das Bett samt Matratze, Decken und Kissen können Sie das Teebaumöl auch verwenden, allerdings sollten Sie bedenken, dass der Geruch sehr dominant sein kann und nicht jedermanns Geschmack ist.

Und noch ein Tipp zum Schluss: Sie können das Teebaumöl auch in Ihr Wischwasser geben, wenn Sie den Boden reinigen.

Quelle: Utopia

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Husten Kinder Kleinkinder Nashville NBC Omikron USA Virus Zunahme

Bellender Husten: Ärztinnen und Ärzte beobachten Zunahme von Pseudokrupp bei Kindern durch Omikron

Die Coronavirus-Variante Omikron führt bei Kleinkindern zum vermehrten Auftreten von Pseudokrupp, wie US-Expert*innen beobachtet haben. Doch das stimmt die Ärztinnen und Ärzte eher positiv.

Vielen Eltern sind diese beängstigenden Symptome bekannt: Ihr Kind stößt einen bellenden, trockenen Husten aus, häufig begleitet von Pfeifgeräuschen beim Einatmen. In der Regel handelt es sich dabei um Pseudokrupp, eine vor allem in der kalten Jahreszeit auftretende Atemwegserkrankung, bei der sich die Schleimhaut im Bereich des Kehlkopfes und der Stimmbänder entzündet und anschwillt. Sie trifft vor allem Kleinkinder im Alter von sechs Monaten bis drei Jahren. Ursache für einen Pseudokrupp ist meist eine Infektion mit Erkältungsviren.

Medizinerinnen und Mediziner in den USA haben nun beobachtet, dass auch die Omikron-Variante des Coronavirus Pseudokrupp auslösen kann. Er und seine Kollegen hätten bei Kleinkindern, die positiv auf Covid-19 getestet wurden, „pseudokruppartige Erscheinungen“ festgestellt, berichtete Buddy Creech, Experte für pädiatrische Infektionskrankheiten an der Vanderbilt University in Nashville dem US-Sender NBC News. Der obere Teil der Atemwege der Kinder sei stark geschwollen. „Wenn das passiert“, so Creech, „kommt es zu diesem charakteristischen bellenden Husten“.STERN PAID 03_22 Leben mit dem Virus 20.19

Eine Zunahme solcher Diagnosen in Verbindung mit einem Anstieg der Covid-Fälle bei Kindern beobachtet auch der pädiatrische Pneumologe Saif al Qatarneh von der Universität von West Virginia. Seine Kollegen und er seien besorgt über das, was in den kommenden Wochen passieren könnte, wenn sich Omikron weiter ausbreite, sagte al Qatarneh NBC News. „Wir sind noch zwei bis drei Wochen vom Höhepunkt der Omikron-Welle entfernt. Wir sollten uns darauf einstellen, dass mehr Kinder und Säuglinge an einer Bronchiolitis erkranken werden.“

Omikron befällt eher obere Atemwege

Als wahrscheinliche Ursache nennen die Mediziner, dass sich die Omikron-Variante im Vergleich zu Delta eher weiter oben in den Atemwegen ablagere, eine Beobachtung, die das Fachmagazin „Nature“ bestätigt: Omikron infiziere die Zellen tief in der Lunge nicht so leicht wie die Zellen in den oberen Atemwegen, schreibt das Blatt unter Berufung auf eine Reihe von Laborstudien. „Kleine Kinder haben relativ kleine Nasengänge, und Babys atmen nur durch ihre Nase. Diese Faktoren können dazu führen, dass Erkrankungen der oberen Atemwege bei Kindern ernster sind als bei Erwachsenen“, zitiert „Nature“ die Spezialistin für pädiatrische Infektionskrankheiten am Kinderkrankenhaus von Philadelphia, Audrey John.20.25 Urlaubsländer

Die gute Nachricht: Pseudokrupp und Bronchiolitis sind gut zu behandelnde Krankheiten, mit denen Ärztinnen und Ärzte jahrzehntelange Erfahrung haben. „Pseudokrupp ist eine der häufigsten pädiatrischen Diagnosen“, erklärte Mark Kline, Chefarzt des Children’s Hospital in New Orleans in Louisiana NBC News. „Infektiöser Pseudokrupp ist eine der ersten Krankheiten, die man als Assistenzarzt in der Pädiatrie kennenlernt.“

Amy Edwards, Expertin für pädiatrische Infektionskrankheiten am Rainbow Babies & Children’s Hospital in Cleveland stimmt dem zu: Pseudokrupp könne „beängstigend sein, aber das bedeutet nicht, dass es ein Problem mit der Lunge gibt“, erklärte sie. „Für uns Kinderärzte ist die Tatsache, dass wir immer mehr Kinder mit Pseudokrupp und Bronchiolitis sehen, seltsam beruhigend, denn wir haben unser ganzes Berufsleben lang mit diesen Krankheiten zu tun gehabt.“

Quelle: NBC News, „Nature“Gesundheitsinformation.de

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Bundesregierung BZgA Carsten Breuer Coronavirus Deutschland Husten Krankenhäuser Michael Müller Priorisierung Selbsttest SZ

Corona-Pandemie: Wann ein PCR-Test sinnvoll ist – und wann kostenlos

Laut einem Branchenverband stoßen deutsche Labore bei der Auswertung von PCR-Tests zunehmend an ihre Grenzen. Schuld sei zum einen Omikron, zum anderen aber auch eine fehlende Priorisierung. Wer sollte einen PCR-Test machen? Und wann ist er kostenlos?

Die Labore arbeiten bei der Auswertung von PCR-Tests auf Hochtouren, noch besteht jedoch kein Grund zur Sorge, dass die Belastbarkeitsgrenze überschritten wird. Das könnte sich ändern, sollten Infektionszahlen Omikron sei Dank weiter in die Höhe schießen und der Testbedarf steigen.

„Wir werden mit Sicherheit wie bei allen knappen Ressourcen Kapazitäten bündeln müssen, wo es erforderlich ist. Das gilt auch für Tests“, sagte auch Generalmajor Carsten Breuer, Leiter des Corona-Krisenstabes der Bundesregierung, gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“

Doch, wer sollte definitiv einen PCR-Test vornehmen lassen? Und unter welchen Umständen ist er kostenlos? Ein Überblick.

Für wen ist ein PCR-Test sinnvoll?

Das Bundesgesundheitsministerium bezeichnet den PCR-Test als „Goldstandard der Diagnostik“. Ein PCR-Test sei vor allem dann sinnvoll, wenn ein Bürger Symptome aufweist (z.B. Husten, Fieber, Schnupfen) oder, um einen positiven Schnell-/Selbsttest zu verifizieren. Übrigens: Ein negativer zweiter Schnell- oder Selbsttest hebt das erste Testergebnis nicht auf!

Dort, wo ein regelmäßiger Anspruch nach der Testverordnung bestehe (z.B. Krankenhäuser, Pflegeheime, Schulen) soll weiterhin auf die kostenlosen Antigen-Schnelltests gesetzt werden.

Telegram_Holnburger 20.23

Welche Voraussetzungen gelten für einen kostenlosten PCR-Test?

Damit ist grundsätzlich bereits geklärt, wer Anspruch auf einen kostenlosen PCR-Test hat. Jeder, der laut Schnell- oder Selbsttest positiv auf Corona getestet ist, ist zu einem dann kostenlosen PCR-Test berechtigt – und angehalten. Das gilt auch dann, wenn die Person keine coronatypischen Symptome aufweist.

Es gibt zudem noch weitere Fälle, in denen ein Anspruch auf einen kostenlosen PCR-Test „grundsätzlich“, aber nicht „strikt“ besteht. Soll heißen: In folgenden Fällen erst einmal auf einen Schnelltest zurückgreifen:

Kontaktpersonen von einem Infizierten

Dazu zählen Mitglieder desselben Haushalts und Menschen mit denen eine infizierte Person engen Kontakt in geschlossenen Räumen hatte. Auch der Hinweis eines „erhöhten Risikos“ in der Corona-Warn-App berechtigt grundsätzlich für einen kostenlosen PCR-Test.

14 Tage nach Aufenthalt in einer Einrichtung des Gesundheitswesens, in der es zu einer Infektion kam

Dazu gehören nicht nur Krankenhäuser, sondern unter anderem auch Schulen, Asylbewerberheime und ambulante Pflege.

Menschen, die in einer Einrichtung des Gesundheitswesens behandelt werden oder in ähnlich vulnerablen Bereichen untergebracht werden sollen

Hierzu zählen unter anderem auch Reha-Kliniken und Obdachlosenunterkünfte. Dies gilt allerdings nur dann, wenn die jeweilige Einrichtung einen PCR-Nachweis verlang.

20.25 Urlaubsländer

Wie unterscheidet sich ein PCR-Test von einem Schnelltest? Wann ist das Ergebnis da?

Beim PCR-Test wird laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in der Regel eine Probe aus den Schleimhäuten der Atemwege genommen. Das kann ein Nasenhöhlen- und/oder Rachenabstrich sein. Welche Methode bei der Probenentnahme anfällt, entscheidet der Arzt.

Der PCR-Test sei unter anderem deshalb so zuverlässig, weil das Coronavirus auch bei geringen Mengen nachgewiesen werden kann: Bei der Laboranalyse mit PCR-Verfahren werde das Erbmaterial stark vervielfältigt. Dies würde circa vier bis fünf Stunden dauern – hinzu kämen Transportdauer Vorbereitungszeit und eventuelle Wartezeiten bei hoher Auslastung. In den meisten Fällen liege das Ergebnis aber nach 24 Stunden vor.

Wie hoch ist die aktuelle Belastung der Labore aufgrund der PCR-Tests?

Allein in der ersten Woche des neuen Jahres sind laut dem Verband Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM) in den fachärztlichen Laboren in Deutschland rund 56 Prozent mehr PCR-Tests angefordert worden als noch in der Silvesterwoche – rund 1,4 Millionen. Michael Müller zufolge, dem Vorsitzenden der ALM, gelangen die Labore angesichts der in die Höhe schnellenden Infektionszahlen zusehends an die Auslastungsgrenze. Das läge daran, dass in Deutschland derzeit bei PCR-Tests kaum priorisiert werden, sagte er in einem Interview mit der „Rheinischen Post“. Für Menschen mit Corona-Symptomen und auch für Krankenhäuser könne dies zu einem ernsten Problem werden.

Die derzeitige wöchentliche PCR-Testkapazität liege in Deutschland derzeit bei 2,4 Millionen, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums auf Anfrage des stern erklärte. „Eine nennenswerte Steigerung kann nicht zuletzt aufgrund des auch in diesem Bereich zu erwartenden Personalmangels nicht erreicht werden, das BMG prüft derzeit Optionen“, sagt er weiter. 

Am Dienstag hatte der Verband die Auslastung der Testkapazität noch auf 64 Prozent beziffert. Noch sei das kein Grund zur Sorge, so Müller. Allerdings erwarte der Verband, dass die Belastung der Labore weiter steigt, sobald es wie von Bund und Ländern beschlossen möglich ist, sich aus der Quarantäne freizutesten.

Es sei daher zwingend erforderlich, „dass insbesondere die Arztpraxen und Testzentren dazu angehalten werden, sich an der Nationalen Teststrategie auszurichten“, forderte Müller. 

Was könnte sich in Zukunft ändern?

Sollten die Fallzahlen weiterhin rapide ansteigen, gelangen Labore unweigerlich irgendwann einen kritischen Punkt. Dann wäre eine Priorisierung der kritischen Infrastruktur der logische Schritt. So sieht es auch der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen.

PCR-Tests müssten einerseits für wichtige medizinische Diagnostik von Schwersterkrankten und andererseits für das Personal der kritischen Infrastruktur priorisiert bereitgehalten werden, sagte Dahmen am Donnerstag im RBB-Inforadio. „Das kann bedeuten, dass im Einzelfall, beispielsweise beim Freitesten, es zu Verzögerungen kommt. Das bedeutet nicht nur lange Schlangen vor den Test-Zentren, sondern auch, dass es dauert, bis das Test-Ergebnis vorliegt“, räumte Dahmen ein. Die Situation werde sich erst verbessern, wenn man die in die Höhe schnellenden Fall-Zahlen unter Kontrolle bringe.

In der Nationalen Teststrategie sei ohnehin bereits festgelegt, dass im Fall von ausgereizten Kapazitäten eine Priorisierung erfolgt, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums dem stern. Sollten die Labore an ihre Grenzen stoßen, könnten auch „nukleinsäureamplifizierende Schnelltestverfahren breiter zum Einsatz kommen.“ Auch „laborbasierte Antigentests“, die im Vergleich zu gewöhnlichen Schnelltests genauer wären, wären eine Alternative.

Allerdings, so räumt der Sprecher ein, müssten „bestimme Personengruppen“ bei sehr hohen Fallzahlen gegebenenfalls auf PCR-Tests verzichten. Das habe „für den Verlauf der Pandemie und die zu treffenden individuellen Maßnahmen jedoch keine Relevanz.“

Quellen: Bundesministerium für Gesundheit; Mitteilung Akkreditierte Labore in der Medizin; Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung; mit Material der Nachrichtenagentur dpa

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Corona-Pandemie: Wann ein PCR-Test sinnvoll ist – und wann kostenlos

Laut einem Branchenverband stoßen deutsche Labore bei der Auswertung von PCR-Tests zunehmend an ihre Grenzen. Schuld sei zum einen Omikron, zum anderen aber auch eine fehlende Priorisierung. Wer sollte einen PCR-Test machen? Und wann ist er kostenlos?

Die Labore arbeiten bei der Auswertung von PCR-Tests auf Hochtouren, noch besteht jedoch kein Grund zur Sorge, dass die Belastbarkeitsgrenze überschritten wird. Das könnte sich ändern, sollten Infektionszahlen Omikron sei Dank weiter in die Höhe schießen und der Testbedarf steigen.

„Wir werden mit Sicherheit wie bei allen knappen Ressourcen Kapazitäten bündeln müssen, wo es erforderlich ist. Das gilt auch für Tests“, sagte auch Generalmajor Carsten Breuer, Leiter des Corona-Krisenstabes der Bundesregierung, gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“

Doch, wer sollte definitiv einen PCR-Test vornehmen lassen? Und unter welchen Umständen ist er kostenlos? Ein Überblick.

Für wen ist ein PCR-Test sinnvoll?

Das Bundesgesundheitsministerium bezeichnet den PCR-Test als „Goldstandard der Diagnostik“. Ein PCR-Test sei vor allem dann sinnvoll, wenn ein Bürger Symptome aufweist (z.B. Husten, Fieber, Schnupfen) oder, um einen positiven Schnell-/Selbsttest zu verifizieren. Übrigens: Ein negativer zweiter Schnell- oder Selbsttest hebt das erste Testergebnis nicht auf!

Dort, wo ein regelmäßiger Anspruch nach der Testverordnung bestehe (z.B. Krankenhäuser, Pflegeheime, Schulen) soll weiterhin auf die kostenlosen Antigen-Schnelltests gesetzt werden.

Telegram_Holnburger 20.23

Welche Voraussetzungen gelten für einen kostenlosten PCR-Test?

Damit ist grundsätzlich bereits geklärt, wer Anspruch auf einen kostenlosen PCR-Test hat. Jeder, der laut Schnell- oder Selbsttest positiv auf Corona getestet ist, ist zu einem dann kostenlosen PCR-Test berechtigt – und angehalten. Das gilt auch dann, wenn die Person keine coronatypischen Symptome aufweist.

Es gibt zudem noch weitere Fälle, in denen ein Anspruch auf einen kostenlosen PCR-Test „grundsätzlich“, aber nicht „strikt“ besteht. Soll heißen: In folgenden Fällen erst einmal auf einen Schnelltest zurückgreifen:

Kontaktpersonen von einem Infizierten

Dazu zählen Mitglieder desselben Haushalts und Menschen mit denen eine infizierte Person engen Kontakt in geschlossenen Räumen hatte. Auch der Hinweis eines „erhöhten Risikos“ in der Corona-Warn-App berechtigt grundsätzlich für einen kostenlosen PCR-Test.

14 Tage nach Aufenthalt in einer Einrichtung des Gesundheitswesens, in der es zu einer Infektion kam

Dazu gehören nicht nur Krankenhäuser, sondern unter anderem auch Schulen, Asylbewerberheime und ambulante Pflege.

Menschen, die in einer Einrichtung des Gesundheitswesens behandelt werden oder in ähnlich vulnerablen Bereichen untergebracht werden sollen

Hierzu zählen unter anderem auch Reha-Kliniken und Obdachlosenunterkünfte. Dies gilt allerdings nur dann, wenn die jeweilige Einrichtung einen PCR-Nachweis verlang.

20.25 Urlaubsländer

Wie unterscheidet sich ein PCR-Test von einem Schnelltest? Wann ist das Ergebnis da?

Beim PCR-Test wird laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in der Regel eine Probe aus den Schleimhäuten der Atemwege genommen. Das kann ein Nasenhöhlen- und/oder Rachenabstrich sein. Welche Methode bei der Probenentnahme anfällt, entscheidet der Arzt.

Der PCR-Test sei unter anderem deshalb so zuverlässig, weil das Coronavirus auch bei geringen Mengen nachgewiesen werden kann: Bei der Laboranalyse mit PCR-Verfahren werde das Erbmaterial stark vervielfältigt. Dies würde circa vier bis fünf Stunden dauern – hinzu kämen Transportdauer Vorbereitungszeit und eventuelle Wartezeiten bei hoher Auslastung. In den meisten Fällen liege das Ergebnis aber nach 24 Stunden vor.

Wie hoch ist die aktuelle Belastung der Labore aufgrund der PCR-Tests?

Allein in der ersten Woche des neuen Jahres sind laut dem Verband Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM) in den fachärztlichen Laboren in Deutschland rund 56 Prozent mehr PCR-Tests angefordert worden als noch in der Silvesterwoche – rund 1,4 Millionen. Michael Müller zufolge, dem Vorsitzenden der ALM, gelangen die Labore angesichts der in die Höhe schnellenden Infektionszahlen zusehends an die Auslastungsgrenze. Das läge daran, dass in Deutschland derzeit bei PCR-Tests kaum priorisiert werden, sagte er in einem Interview mit der „Rheinischen Post“. Für Menschen mit Corona-Symptomen und auch für Krankenhäuser könne dies zu einem ernsten Problem werden.

Die derzeitige wöchentliche PCR-Testkapazität liege in Deutschland derzeit bei 2,4 Millionen, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums auf Anfrage des stern erklärte. „Eine nennenswerte Steigerung kann nicht zuletzt aufgrund des auch in diesem Bereich zu erwartenden Personalmangels nicht erreicht werden, das BMG prüft derzeit Optionen“, sagt er weiter. 

Am Dienstag hatte der Verband die Auslastung der Testkapazität noch auf 64 Prozent beziffert. Noch sei das kein Grund zur Sorge, so Müller. Allerdings erwarte der Verband, dass die Belastung der Labore weiter steigt, sobald es wie von Bund und Ländern beschlossen möglich ist, sich aus der Quarantäne freizutesten.

Es sei daher zwingend erforderlich, „dass insbesondere die Arztpraxen und Testzentren dazu angehalten werden, sich an der Nationalen Teststrategie auszurichten“, forderte Müller. 

Was könnte sich in Zukunft ändern?

Sollten die Fallzahlen weiterhin rapide ansteigen, gelangen Labore unweigerlich irgendwann einen kritischen Punkt. Dann wäre eine Priorisierung der kritischen Infrastruktur der logische Schritt. So sieht es auch der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen.

PCR-Tests müssten einerseits für wichtige medizinische Diagnostik von Schwersterkrankten und andererseits für das Personal der kritischen Infrastruktur priorisiert bereitgehalten werden, sagte Dahmen am Donnerstag im RBB-Inforadio. „Das kann bedeuten, dass im Einzelfall, beispielsweise beim Freitesten, es zu Verzögerungen kommt. Das bedeutet nicht nur lange Schlangen vor den Test-Zentren, sondern auch, dass es dauert, bis das Test-Ergebnis vorliegt“, räumte Dahmen ein. Die Situation werde sich erst verbessern, wenn man die in die Höhe schnellenden Fall-Zahlen unter Kontrolle bringe.

In der Nationalen Teststrategie sei ohnehin bereits festgelegt, dass im Fall von ausgereizten Kapazitäten eine Priorisierung erfolgt, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums dem stern. Sollten die Labore an ihre Grenzen stoßen, könnten auch „nukleinsäureamplifizierende Schnelltestverfahren breiter zum Einsatz kommen.“ Auch „laborbasierte Antigentests“, die im Vergleich zu gewöhnlichen Schnelltests genauer wären, wären eine Alternative.

Allerdings, so räumt der Sprecher ein, müssten „bestimme Personengruppen“ bei sehr hohen Fallzahlen gegebenenfalls auf PCR-Tests verzichten. Das habe „für den Verlauf der Pandemie und die zu treffenden individuellen Maßnahmen jedoch keine Relevanz.“

Quellen: Bundesministerium für Gesundheit; Mitteilung Akkreditierte Labore in der Medizin; Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung; mit Material der Nachrichtenagentur dpa

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Corona-Pandemie: Wann ein PCR-Test sinnvoll ist – und wann kostenlos

Laut einem Branchenverband stoßen deutsche Labore bei der Auswertung von PCR-Tests zunehmend an ihre Grenzen. Schuld sei zum einen Omikron, zum anderen aber auch eine fehlende Priorisierung. Wer sollte einen PCR-Test machen? Und wann ist er kostenlos?

Die Labore arbeiten bei der Auswertung von PCR-Tests auf Hochtouren, noch besteht jedoch kein Grund zur Sorge, dass die Belastbarkeitsgrenze überschritten wird. Das könnte sich ändern, sollten Infektionszahlen Omikron sei Dank weiter in die Höhe schießen und der Testbedarf steigen.

„Wir werden mit Sicherheit wie bei allen knappen Ressourcen Kapazitäten bündeln müssen, wo es erforderlich ist. Das gilt auch für Tests“, sagte auch Generalmajor Carsten Breuer, Leiter des Corona-Krisenstabes der Bundesregierung, gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“

Doch, wer sollte definitiv einen PCR-Test vornehmen lassen? Und unter welchen Umständen ist er kostenlos? Ein Überblick.

Für wen ist ein PCR-Test sinnvoll?

Das Bundesgesundheitsministerium bezeichnet den PCR-Test als „Goldstandard der Diagnostik“. Ein PCR-Test sei vor allem dann sinnvoll, wenn ein Bürger Symptome aufweist (z.B. Husten, Fieber, Schnupfen) oder, um einen positiven Schnell-/Selbsttest zu verifizieren. Übrigens: Ein negativer zweiter Schnell- oder Selbsttest hebt das erste Testergebnis nicht auf!

Dort, wo ein regelmäßiger Anspruch nach der Testverordnung bestehe (z.B. Krankenhäuser, Pflegeheime, Schulen) soll weiterhin auf die kostenlosen Antigen-Schnelltests gesetzt werden.

Telegram_Holnburger 20.23

Welche Voraussetzungen gelten für einen kostenlosten PCR-Test?

Damit ist grundsätzlich bereits geklärt, wer Anspruch auf einen kostenlosen PCR-Test hat. Jeder, der laut Schnell- oder Selbsttest positiv auf Corona getestet ist, ist zu einem dann kostenlosen PCR-Test berechtigt – und angehalten. Das gilt auch dann, wenn die Person keine coronatypischen Symptome aufweist.

Es gibt zudem noch weitere Fälle, in denen ein Anspruch auf einen kostenlosen PCR-Test „grundsätzlich“, aber nicht „strikt“ besteht. Soll heißen: In folgenden Fällen erst einmal auf einen Schnelltest zurückgreifen:

Kontaktpersonen von einem Infizierten

Dazu zählen Mitglieder desselben Haushalts und Menschen mit denen eine infizierte Person engen Kontakt in geschlossenen Räumen hatte. Auch der Hinweis eines „erhöhten Risikos“ in der Corona-Warn-App berechtigt grundsätzlich für einen kostenlosen PCR-Test.

14 Tage nach Aufenthalt in einer Einrichtung des Gesundheitswesens, in der es zu einer Infektion kam

Dazu gehören nicht nur Krankenhäuser, sondern unter anderem auch Schulen, Asylbewerberheime und ambulante Pflege.

Menschen, die in einer Einrichtung des Gesundheitswesens behandelt werden oder in ähnlich vulnerablen Bereichen untergebracht werden sollen

Hierzu zählen unter anderem auch Reha-Kliniken und Obdachlosenunterkünfte. Dies gilt allerdings nur dann, wenn die jeweilige Einrichtung einen PCR-Nachweis verlang.

20.25 Urlaubsländer

Wie unterscheidet sich ein PCR-Test von einem Schnelltest? Wann ist das Ergebnis da?

Beim PCR-Test wird laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in der Regel eine Probe aus den Schleimhäuten der Atemwege genommen. Das kann ein Nasenhöhlen- und/oder Rachenabstrich sein. Welche Methode bei der Probenentnahme anfällt, entscheidet der Arzt.

Der PCR-Test sei unter anderem deshalb so zuverlässig, weil das Coronavirus auch bei geringen Mengen nachgewiesen werden kann: Bei der Laboranalyse mit PCR-Verfahren werde das Erbmaterial stark vervielfältigt. Dies würde circa vier bis fünf Stunden dauern – hinzu kämen Transportdauer Vorbereitungszeit und eventuelle Wartezeiten bei hoher Auslastung. In den meisten Fällen liege das Ergebnis aber nach 24 Stunden vor.

Wie hoch ist die aktuelle Belastung der Labore aufgrund der PCR-Tests?

Allein in der ersten Woche des neuen Jahres sind laut dem Verband Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM) in den fachärztlichen Laboren in Deutschland rund 56 Prozent mehr PCR-Tests angefordert worden als noch in der Silvesterwoche – rund 1,4 Millionen. Michael Müller zufolge, dem Vorsitzenden der ALM, gelangen die Labore angesichts der in die Höhe schnellenden Infektionszahlen zusehends an die Auslastungsgrenze. Das läge daran, dass in Deutschland derzeit bei PCR-Tests kaum priorisiert werden, sagte er in einem Interview mit der „Rheinischen Post“. Für Menschen mit Corona-Symptomen und auch für Krankenhäuser könne dies zu einem ernsten Problem werden.

Die derzeitige wöchentliche PCR-Testkapazität liege in Deutschland derzeit bei 2,4 Millionen, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums auf Anfrage des stern erklärte. „Eine nennenswerte Steigerung kann nicht zuletzt aufgrund des auch in diesem Bereich zu erwartenden Personalmangels nicht erreicht werden, das BMG prüft derzeit Optionen“, sagt er weiter. 

Am Dienstag hatte der Verband die Auslastung der Testkapazität noch auf 64 Prozent beziffert. Noch sei das kein Grund zur Sorge, so Müller. Allerdings erwarte der Verband, dass die Belastung der Labore weiter steigt, sobald es wie von Bund und Ländern beschlossen möglich ist, sich aus der Quarantäne freizutesten.

Es sei daher zwingend erforderlich, „dass insbesondere die Arztpraxen und Testzentren dazu angehalten werden, sich an der Nationalen Teststrategie auszurichten“, forderte Müller. 

Was könnte sich in Zukunft ändern?

Sollten die Fallzahlen weiterhin rapide ansteigen, gelangen Labore unweigerlich irgendwann einen kritischen Punkt. Dann wäre eine Priorisierung der kritischen Infrastruktur der logische Schritt. So sieht es auch der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen.

PCR-Tests müssten einerseits für wichtige medizinische Diagnostik von Schwersterkrankten und andererseits für das Personal der kritischen Infrastruktur priorisiert bereitgehalten werden, sagte Dahmen am Donnerstag im RBB-Inforadio. „Das kann bedeuten, dass im Einzelfall, beispielsweise beim Freitesten, es zu Verzögerungen kommt. Das bedeutet nicht nur lange Schlangen vor den Test-Zentren, sondern auch, dass es dauert, bis das Test-Ergebnis vorliegt“, räumte Dahmen ein. Die Situation werde sich erst verbessern, wenn man die in die Höhe schnellenden Fall-Zahlen unter Kontrolle bringe.

In der Nationalen Teststrategie sei ohnehin bereits festgelegt, dass im Fall von ausgereizten Kapazitäten eine Priorisierung erfolgt, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums dem stern. Sollten die Labore an ihre Grenzen stoßen, könnten auch „nukleinsäureamplifizierende Schnelltestverfahren breiter zum Einsatz kommen.“ Auch „laborbasierte Antigentests“, die im Vergleich zu gewöhnlichen Schnelltests genauer wären, wären eine Alternative.

Allerdings, so räumt der Sprecher ein, müssten „bestimme Personengruppen“ bei sehr hohen Fallzahlen gegebenenfalls auf PCR-Tests verzichten. Das habe „für den Verlauf der Pandemie und die zu treffenden individuellen Maßnahmen jedoch keine Relevanz.“

Quellen: Bundesministerium für Gesundheit; Mitteilung Akkreditierte Labore in der Medizin; Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung; mit Material der Nachrichtenagentur dpa

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Influencerin in Dubai: Schwangere Fiona Erdmann musste wegen Corona in die Notaufnahme

Weil es ihr schlecht ging, begab sich Fiona Erdmann in Dubai in die Notaufnahme. Schnell stellte sich heraus: Das Model hat sich mit dem Coronavirus infiziert. 

Für Schwangere ist das Coronavirus besonders gefährlich, davor warnen Experten seit einigen Monaten. Umso größer vermutlich der Schreck für Fiona Erdmann

STERN PAID 19 21 Interview Corona-Impfung Schwangerschaft 14.40

Fiona Erdmann: Ganze Familie an Corona erkrankt

Das Model klagte am vergangenen Samstag bereits über Erkältungssymptome. Sie ging deshalb in die Notaufnahme in Dubai, wo eine Coronainfektion festgestellt wurde. Mittlerweile ist ihre gesamte Familie erkrankt. Am Sonntag gab die ehemalige GNTM-Kandidatin einen Zwischenstand der Lage auf ihrem Instagram-Profil. „Unsere gesamte Familie ist an Covid erkrankt. Und das obwohl wir in den letzten Wochen kaum unterwegs, draußen oder in Kontakt mit vielen Leuten waren“, schrieb sie dort. Ihr Sohn Leo habe als Erster Symptome entwickelt, erläuterte Erdmann, dann sie und ihr Partner Moe. Mittlerweile sind auch dessen Bruder und Vater erkrankt. „Nun sitzen wir hier also alle mit Symptomen und halten unsere Quarantäne ein“, erklärte die 33-Jährige. 

LVH 10.33

Ihrem jungen Sohn gehe es abgesehen von Husten in Ordnung, ihren Partner und dessen Familie habe es schlimmer getroffen. „Moe und dem Rest der Familie geht es leider nicht so gut. Vor allem Moe hatte heute Nacht wirklich sehr starkes Fieber und Schmerzen im ganzen Körper“, erzählte die in Dubai lebende Erdmann. „Aber ich muss auch dazu sagen, mir geht es eigentlich den Umständen entsprechend gut. Ich habe aktuell nur eine laufende Nase, Husten und Niesen, keinerlei Schmerzen oder sonstige Beschwerden. Also aktuell ein recht harmloser Verlauf. So schnell wie es schlimm angefangen hat, war es dann auch wieder ok“, schrieb sie über ihren eigenen Zustand. 

Fiona Erdmann 13.18

Ungeborenem Baby geht es gut

Das wichtigste für sie allerdings: Ihrem ungeborenen Baby hat die Infektion nicht geschadet. „Ich fühle es treten und kicken und das gibt mir einfach ein so sicheres Gefühl. Für mich war die Covid-Diagnose eigentlich nur wegen meiner Schwangerschaft so ein riesengroßer Schock, da ich wirklich Angst um mein Baby hab“, erklärte das Model

Erdmann hatte im vergangenen Jahr ausführlich über ihre traurige Fehlgeburt gesprochen. Ende 2021 offenbarte sie, wieder schwanger zu sein. 

Quelle: Instagram Fiona Erdmann

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Um die Jahrhundertwende: Heroin in Tampons und Morphium für Kleinkinder – als harte Drogen zum Alltag gehörten

Industriell hergestellte Arzneimittel wurden ab Mitte des 19. Jahrhunderts für allerlei Beschwerden eingesetzt. Heroin galt als guter Hustenlöser, Morphium als Schlafmittel. Auch Kinder bekamen die harten Drogen.

Die Therapie war ein voller Erfolg: Bei drei Kindern  – drei, vier und acht Jahre alt – schlug das Medikament bei Keuchhusten an. Auch andere Kinder, die das neue Präparat, das 1898 von einem Vorläufer-Unternehmen von Bayer registriert wurde, verabreicht bekamen, hätten dies gut vertragen. „Ohne eine Spur von ungünstigen Nebenwirkungen“, zitiert das Therapeutische Monatsheft von 1899 den Versuch. Der Name des Medikaments: Heroin.

Heroin, Kokain, Morphium – im 19. Jahrhundert gelang es Forschern und Chemikern, die Wirkstoffe aus Heilpflanzen zu extrahieren. Bekannt war die Wirkung schon über Jahrhunderte, doch nun wurde die Produktion der Wirkstoffe industrialisiert. Statt unsicherer Salben, Tees und Co. bekamen Patienten nun ein wirksames Präparat. „Heroin und Kokain wurden früher medizinisch eingesetzt, mit tollen Erfolgen und begeistert war die Ärzteschaft, die Patienten waren es auch“, sagte Tom Bschor, Chefarzt der psychiatrischen Abteilung der Schlosspark-Klinik in Berlin und Sprecher der Arbeitsgruppe „Psychiatrie der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft“ zum „Deutschlandfunk. Dabei waren die Mittel, die die Menschen einnahmen, nichts anderes als harte Drogen.Abzocke Musical

Opiate für kleine Kinder

Die neuen Produkte wirkten: Morphium war der Vorläufer von Heroin und bereits Anfang des 19. Jahrhunderts von dem Apothekergehilfen Friedrich Wilhelm Adam Sertürner aus Paderborn aus Opium isoliert worden. Er nannte die einschläfernde Substanz Morphium, nach Morpheus, dem griechischen Gott der Träume. Es war der Vorläufer des Heroins und wurde in allerlei Mittelchen gerüht. Selbst zahnende Kinder erhielten mit dem „Mrs. Winslow’s Soothing Syrup“ ein Mittel, das vor allem aus Morphium und Alkohol bestand.

Heroin, das „heroische“ Mittel von Bayer, wurde fast gegen alles genommen: gegen Schmerzen, bei Depression, Atemwegserkrankungen oder Krebs. Sogar als Ersatzmittel wurde Heroin Morphium-Patienten verabreicht – da es nicht süchtig machen würde. Diese Einschätzung rührte auch daher, dass Heroin geschluckt – und nicht gespritzt – wurde. So wirkte es langsamer und deutlich weniger stark.

Auch zwei Ärzte aus Berlin sollen Tests mit dem neuen Wundermittel Heroin durchgeführt haben. Statt vier Wochen brauchten sie nur wenige Tage. „Der Husten ihrer Patienten verschwand, Tuberkolosekranke spuckten kein Blut mehr, und selbst Todkranke fanden neuen Lebensmut“, schreibt Harro Albrecht in „Schmerz – Eine Befreiungsgeschichte“ über die damalige Wirkung. „So etwas hatte die Welt noch nicht gesehen.“Wie gut kennen Sie die Antike? 11.47

Heroin ohne klinische Tests

Nebenwirkungen traten laut Ärzten bei Heroin kaum auf. Vielleicht etwas Verstopfung und Schwindel – doch das war es dann auch schon. Dass Heroin oder Kokain einen Siegeszug antreten konnte, hatte mehrere Ursachen. Zum einen: „Heroin stammt aus einer Zeit, in der die Zulassungskriterien für Arzneimittel noch viel lascher waren“, sagte vor einigen Jahren Dieter Steinhilber, Professor für pharmazeutische Chemie an der Uni Frankfurt, der „Zeit„. Statt aufwendiger, teurer Test unter klinischer Aufsicht, wurde an Mitarbeitern und deren Angehörigen herumprobiert. Bayers Heroin wurde sofort zum Verkaufserfolg: Ein Jahr nach Marktstart war es bereits in mehr als 20 Ländern verfügbar. Verkaufte der Pharmaproduzent 1898 nur 45 Kilogramm des neuen Mittels, waren es rund zehn Jahre später schon 783 Kilogramm. Doch: Auch andere Pharmafirmen boten Heroin-Produkte an. Und so nahmen es alle Bevölkerungsschichten, selbst Tampons sollen mit Heroin getränkt worden sein (gegen Geschlechtskrankheiten).

Ein weiterer Grund für den Erfolg der Präparate: Die Werbetrommel wurde mächtig für Salben, Säfte, Pillen und Pulver gerührt. Große Anzeigen bewarben den Nutzen der Mittel, auf Rezeptkarten, Flyern oder in Kalendern fanden Leser die Packungen abgedruckt. Mütter, die ihre glücklichen Kinder ins Bett brachten oder spielende Kleinkinder – das familiäre Idyll als Motiv funktionierte offenbar.PAID Märchen Analyse 11.52

Doch es war nicht alles rosig, schon zur Jahrhundertwende meldeten sich Ärzte, die vor den neuen Wundermitteln warnten. Sie zeigten, dass Heroin – in erhöhter Dosis – sehr wohl abhängig mache. Auch die ersten Herointoten kratzten am Bild der Mittels. 1912 fand die erste Opiumkonferenz statt. Dort einigten sich die Teilnehmer darauf, dass Opiate streng zu kontrollieren seien und die Abgabe nur in Apotheken möglich sein sollte. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges erschwerte allerdings die internationale Umsetzung dieser Beschlüsse.

Von Heroin und Aspirin

Die Verwundungen der Soldaten bescherten Opiaten einen ungeahnten Absatz, so dass die Abhängigkeit nach diesen Drogen auch „Soldatenkrankheit“ genannt wurde. Allerdings war klar: Es handelt sich nicht um Wundermittel, sondern um harte Drogen. Die USA schwangen sich zum Vorreiter im Kampf gegen die Substanzen auf – hier verkaufte sich Heroin besonders gut. Erst 1925 einigte sich die Opiumkommission des Völkerbundes auf ein Verbot von Heroin, Deutschland ratifizierte dieses Verbot 1929. Das Verbot machte die Produktion unattraktiv für die Hersteller. Bayer stellte die Produktion fast vollständig ein, im Jahr 1931 war ganz Schluss.

Felix Hoffmann, Chemiker bei Bayer, gilt als Erfinder des Diacethylmorphins – das Bayer unter dem Namen Heroin vermarktete. Doch er entwickelte noch ein weiteres Mittel, das für Bayer durchaus lohnender wurde: Aspirin. 

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Um die Jahrhundertwende: Heroin in Tampons und Morphium für Kleinkinder – als harte Drogen zum Alltag gehörten

Industriell hergestellte Arzneimittel wurden ab Mitte des 19. Jahrhunderts für allerlei Beschwerden eingesetzt. Heroin galt als guter Hustenlöser, Morphium als Schlafmittel. Auch Kinder bekamen die harten Drogen.

Die Therapie war ein voller Erfolg: Bei drei Kindern  – drei, vier und acht Jahre alt – schlug das Medikament bei Keuchhusten an. Auch andere Kinder, die das neue Präparat, das 1898 von einem Vorläufer-Unternehmen von Bayer registriert wurde, verabreicht bekamen, hätten dies gut vertragen. „Ohne eine Spur von ungünstigen Nebenwirkungen“, zitiert das Therapeutische Monatsheft von 1899 den Versuch. Der Name des Medikaments: Heroin.

Heroin, Kokain, Morphium – im 19. Jahrhundert gelang es Forschern und Chemikern, die Wirkstoffe aus Heilpflanzen zu extrahieren. Bekannt war die Wirkung schon über Jahrhunderte, doch nun wurde die Produktion der Wirkstoffe industrialisiert. Statt unsicherer Salben, Tees und Co. bekamen Patienten nun ein wirksames Präparat. „Heroin und Kokain wurden früher medizinisch eingesetzt, mit tollen Erfolgen und begeistert war die Ärzteschaft, die Patienten waren es auch“, sagte Tom Bschor, Chefarzt der psychiatrischen Abteilung der Schlosspark-Klinik in Berlin und Sprecher der Arbeitsgruppe „Psychiatrie der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft“ zum „Deutschlandfunk. Dabei waren die Mittel, die die Menschen einnahmen, nichts anderes als harte Drogen.Abzocke Musical

Opiate für kleine Kinder

Die neuen Produkte wirkten: Morphium war der Vorläufer von Heroin und bereits Anfang des 19. Jahrhunderts von dem Apothekergehilfen Friedrich Wilhelm Adam Sertürner aus Paderborn aus Opium isoliert worden. Er nannte die einschläfernde Substanz Morphium, nach Morpheus, dem griechischen Gott der Träume. Es war der Vorläufer des Heroins und wurde in allerlei Mittelchen gerüht. Selbst zahnende Kinder erhielten mit dem „Mrs. Winslow’s Soothing Syrup“ ein Mittel, das vor allem aus Morphium und Alkohol bestand.

Heroin, das „heroische“ Mittel von Bayer, wurde fast gegen alles genommen: gegen Schmerzen, bei Depression, Atemwegserkrankungen oder Krebs. Sogar als Ersatzmittel wurde Heroin Morphium-Patienten verabreicht – da es nicht süchtig machen würde. Diese Einschätzung rührte auch daher, dass Heroin geschluckt – und nicht gespritzt – wurde. So wirkte es langsamer und deutlich weniger stark.

Auch zwei Ärzte aus Berlin sollen Tests mit dem neuen Wundermittel Heroin durchgeführt haben. Statt vier Wochen brauchten sie nur wenige Tage. „Der Husten ihrer Patienten verschwand, Tuberkolosekranke spuckten kein Blut mehr, und selbst Todkranke fanden neuen Lebensmut“, schreibt Harro Albrecht in „Schmerz – Eine Befreiungsgeschichte“ über die damalige Wirkung. „So etwas hatte die Welt noch nicht gesehen.“Wie gut kennen Sie die Antike? 11.47

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Nebenwirkungen traten laut Ärzten bei Heroin kaum auf. Vielleicht etwas Verstopfung und Schwindel – doch das war es dann auch schon. Dass Heroin oder Kokain einen Siegeszug antreten konnte, hatte mehrere Ursachen. Zum einen: „Heroin stammt aus einer Zeit, in der die Zulassungskriterien für Arzneimittel noch viel lascher waren“, sagte vor einigen Jahren Dieter Steinhilber, Professor für pharmazeutische Chemie an der Uni Frankfurt, der „Zeit„. Statt aufwendiger, teurer Test unter klinischer Aufsicht, wurde an Mitarbeitern und deren Angehörigen herumprobiert. Bayers Heroin wurde sofort zum Verkaufserfolg: Ein Jahr nach Marktstart war es bereits in mehr als 20 Ländern verfügbar. Verkaufte der Pharmaproduzent 1898 nur 45 Kilogramm des neuen Mittels, waren es rund zehn Jahre später schon 783 Kilogramm. Doch: Auch andere Pharmafirmen boten Heroin-Produkte an. Und so nahmen es alle Bevölkerungsschichten, selbst Tampons sollen mit Heroin getränkt worden sein (gegen Geschlechtskrankheiten).

Ein weiterer Grund für den Erfolg der Präparate: Die Werbetrommel wurde mächtig für Salben, Säfte, Pillen und Pulver gerührt. Große Anzeigen bewarben den Nutzen der Mittel, auf Rezeptkarten, Flyern oder in Kalendern fanden Leser die Packungen abgedruckt. Mütter, die ihre glücklichen Kinder ins Bett brachten oder spielende Kleinkinder – das familiäre Idyll als Motiv funktionierte offenbar.PAID Märchen Analyse 11.52

Doch es war nicht alles rosig, schon zur Jahrhundertwende meldeten sich Ärzte, die vor den neuen Wundermitteln warnten. Sie zeigten, dass Heroin – in erhöhter Dosis – sehr wohl abhängig mache. Auch die ersten Herointoten kratzten am Bild der Mittels. 1912 fand die erste Opiumkonferenz statt. Dort einigten sich die Teilnehmer darauf, dass Opiate streng zu kontrollieren seien und die Abgabe nur in Apotheken möglich sein sollte. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges erschwerte allerdings die internationale Umsetzung dieser Beschlüsse.

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Felix Hoffmann, Chemiker bei Bayer, gilt als Erfinder des Diacethylmorphins – das Bayer unter dem Namen Heroin vermarktete. Doch er entwickelte noch ein weiteres Mittel, das für Bayer durchaus lohnender wurde: Aspirin. 

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Erkältung Grippe Husten

Schluss mit Mythen: Erkältungen nehmen wieder zu – was wirklich hilft

Husten, Schnupfen, Kopfschmerzen – egal ob im Herbst, Winter oder Frühjahr eine richtige Erkältung nervt immer. stern.de erklärt, wie Sie trotz Erkältungswelle gesund bleiben. 

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