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Angriffskrieg Charkiw Donezk Kiew Logistik Luhansk Moskau Ostukraine Russland Ukraine Verstärkung Waffensystem Wolodymyr Selenskyj

Russischer Angriffskrieg: Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

In der Ostukraine werfen sich die Kriegsparteien gegenseitig die Tötung von Zivilisten vor, Menschen werden zur Flucht aufgerufen. Ein Überblick zum Geschehen in der Nacht und ein Ausblick auf den Tag.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sieht in westlichen Waffensystemen schon jetzt eine kraftvolle Verstärkung der ukrainischen Armee im Krieg gegen Russland.

Mit treffgenauer Artillerie zerstöre die Ukraine Depots und andere Ziele, die für die Logistik der Russen wichtig seien, sagte Selenskyj am Mittwoch in einer Videobotschaft. «Und das reduziert das Offensivpotenzial der russischen Armee erheblich. Die Verluste der Besatzer werden mit jeder Woche zunehmen», meinte er. Der Donnerstag ist für die Ukraine der 134. Kriegstag seit Beginn der russischen Invasion Ende Februar.

Selenskyj spricht von Raketenangriff auf Universität

Selenskyj warf Russland einen Raketenangriff auf die pädagogische Universität der zweitgrößten Stadt Charkiw vor. «Das charakterisiert die russische Invasion mit einer Genauigkeit von 100 Prozent. Wenn man definiert, was Barbarei ist, ist dieser Schlag am besten geeignet.» Nur ein «Feind von Zivilisation und Menschlichkeit» könne Raketen auf eine pädagogische Universität abfeuern. Kein Besatzer werde ungestraft davonkommen, beteuerte Selenskyj. «Jeder russische Mörder und Vergewaltiger, der in unser Land gekommen ist, wird zur Rechenschaft gezogen. Und es spielt keine Rolle, wie lange es dauert, diese Aufgabe zu erledigen.» Die Ukraine werde alles wiederherstellen.

Ukraine: Russland kämpft weiter um Kontrolle von Luhansk

Russlands Truppen kämpfen Angaben aus Kiew zufolge weiter um eine vollständige Kontrolle des bereits weitgehend eroberten Gebiets Luhansk im Osten der Ukraine. Dazu verlegten die Russen einige ihrer Einheiten, teilte der ukrainische Generalstab am Donnerstag mit.

Zuvor hatte der Luhansker Gouverneur Serhij Hajdaj erklärt, dass auch nach dem Fall der strategisch wichtigen Stadt Lyssytschansk weiter in Außenbezirken gekämpft werde. Aus Moskau heißt es hingegen seit Tagen, die eigenen Truppen hätten Luhansk komplett unter ihre Kontrolle gebracht.

Der ukrainische Generalstab berichtete auch von weiteren russischen Angriffen im Nachbargebiet Donezk. Rund um die Städte Kramatorsk und Bachmut seien mehrere Siedlungen mit Artillerie beschossen worden, hieß es. Aus der südukrainischen Region Odessa wurden darüber hinaus in der Nacht zwei Raketenangriffe gemeldet.

Zivilisten sollen flüchten

Im Donezker Gebiet fordern die Behörden die Zivilbevölkerung vor diesem Hintergrund zur Flucht auf. «Russland hat das gesamte Gebiet von Donezk zu einem gefährlichen Hotspot auch für Zivilisten gemacht», teilte Gouverneur Pawlo Kyrylenko mit. Der Bürgermeister von Slowjansk, Wadym Ljach, kündigte an, Zivilisten sollten mit Bussen und Zügen in den Westen des Landes gebracht werden. «Kein Risiko eingehen! Packt zusammen!», appellierte Ljach. Insgesamt seien seit Beginn der Kämpfe in Slowjansk 17 Menschen getötet und 67 verletzt worden.

Beide Seiten berichten von Beschuss

Beide Kriegsparteien machten sich unterdessen gegenseitig für Tote und Verletzte bei neuen Angriffen verantwortlich. Die prorussischen Separatisten in der Region Donezk warfen der ukrainischen Armee vor, durch Beschuss sechs Menschen getötet zu haben, darunter drei Kinder. 19 Menschen seien verletzt worden. Die Ukraine warf der russischen Armee ihrerseits den Beschuss mehrerer Orte vor. In der Region Donezk seien drei Menschen getötet worden. Die Angaben waren von unabhängiger Seite nicht überprüfbar.

Telefonate vor Treffen der G20-Außenminister

Vor dem Treffen der G20-Außenminister am Donnerstag auf Bali hat der ukrainische Ressortchef Dmytro Kuleba mit Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) telefoniert. «Wir werden Russland die Bühne des Treffens in Indonesien nicht überlassen, und wir werden die Ukraine weiter entschieden unterstützen», teilte das Auswärtige Amt per Twitter mit. Kuleba sprach auch mit seinem US-Kollegen Antony Blinken. «Wir haben Schritte koordiniert, um die Lieferung schwerer Waffen von den USA und anderen Partnern zu beschleunigen», teilte Kuleba mit.

Das wird am Donnerstag wichtig

In Indonesien treffen sich die Außenminister der G20. Für Deutschland ist Ministerin Baerbock dabei. Mit Spannung wird erwartet, wie Russlands Außenminister Sergej Lawrow aufgenommen wird. In Moskau trifft der russische Präsident Wladimir Putin die Führung der Staatsduma und die dortigen Fraktionsvorsitzenden im Kreml.

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Angriffskrieg Charkiw Donezk G20 Kampf Kiew Logistik Luhansk Ostukraine Russland Serhij Hajdaj Slowjansk Ukraine Verstärkung Waffensystem Wolodymyr Selenskyj

Russischer Angriffskrieg: Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

In der Ostukraine werfen sich die Kriegsparteien gegenseitig die Tötung von Zivilisten vor, Menschen werden zur Flucht aufgerufen. Ein Überblick zum Geschehen in der Nacht und ein Ausblick auf den Tag.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sieht in westlichen Waffensystemen schon jetzt eine kraftvolle Verstärkung der ukrainischen Armee im Krieg gegen Russland.

Mit treffgenauer Artillerie zerstöre die Ukraine Depots und andere Ziele, die für die Logistik der Russen wichtig seien, sagte Selenskyj am Mittwoch in einer Videobotschaft. «Und das reduziert das Offensivpotenzial der russischen Armee erheblich. Die Verluste der Besatzer werden mit jeder Woche zunehmen», meinte er. Der Donnerstag ist für die Ukraine der 134. Kriegstag seit Beginn der russischen Invasion Ende Februar.

Selenskyj spricht von Raketenangriff auf Universität

Selenskyj warf Russland einen Raketenangriff auf die pädagogische Universität der zweitgrößten Stadt Charkiw vor. «Das charakterisiert die russische Invasion mit einer Genauigkeit von 100 Prozent. Wenn man definiert, was Barbarei ist, ist dieser Schlag am besten geeignet.» Nur ein «Feind von Zivilisation und Menschlichkeit» könne Raketen auf eine pädagogische Universität abfeuern. Kein Besatzer werde ungestraft davonkommen, beteuerte Selenskyj. «Jeder russische Mörder und Vergewaltiger, der in unser Land gekommen ist, wird zur Rechenschaft gezogen. Und es spielt keine Rolle, wie lange es dauert, diese Aufgabe zu erledigen.» Die Ukraine werde alles wiederherstellen.

Gouverneur: Noch immer Kämpfe in Region Luhansk

Die ostukrainische Region Luhansk wird nach Darstellung von Gouverneur Serhij Hajdaj noch nicht völlig von der russischen Armee kontrolliert. Die Kämpfe dauerten in Außenbezirken an, teilte er per Nachrichtendienst Telegram mit. Das russische Militär habe Verluste. Die ukrainische Armee habe sich nur von jenen Positionen zurückgezogen, die nicht zu halten waren. Hajdaj warf den Angreifern vor, in der Region verbrannte Erde zu hinterlassen. Er gehe davon aus, dass die russische Armee von Luhansk aus eine Offensive gegen die Orte Bachmut und Slowjansk in der Region Donezk starten wolle.

Zivilisten sollen flüchten

Im Donezker Gebiet fordern die Behörden die Zivilbevölkerung vor diesem Hintergrund zur Flucht auf. «Russland hat das gesamte Gebiet von Donezk zu einem gefährlichen Hotspot auch für Zivilisten gemacht», teilte Gouverneur Pawlo Kyrylenko mit. Der Bürgermeister von Slowjansk, Wadym Ljach, kündigte an, Zivilisten sollten mit Bussen und Zügen in den Westen des Landes gebracht werden. «Kein Risiko eingehen! Packt zusammen!», appellierte Ljach. Insgesamt seien seit Beginn der Kämpfe in Slowjansk 17 Menschen getötet und 67 verletzt worden.

Beide Seiten berichten von Beschuss

Beide Kriegsparteien machten sich unterdessen gegenseitig für Tote und Verletzte bei neuen Angriffen verantwortlich. Die prorussischen Separatisten in der Region Donezk warfen der ukrainischen Armee vor, durch Beschuss sechs Menschen getötet zu haben, darunter drei Kinder. 19 Menschen seien verletzt worden. Die Ukraine warf der russischen Armee ihrerseits den Beschuss mehrerer Orte vor. In der Region Donezk seien drei Menschen getötet worden. Die Angaben waren von unabhängiger Seite nicht überprüfbar.

Telefonate vor Treffen der G20-Außenminister

Vor dem Treffen der G20-Außenminister am Donnerstag auf Bali hat der ukrainische Ressortchef Dmytro Kuleba mit Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) telefoniert. «Wir werden Russland die Bühne des Treffens in Indonesien nicht überlassen, und wir werden die Ukraine weiter entschieden unterstützen», teilte das Auswärtige Amt per Twitter mit. Kuleba sprach auch mit seinem US-Kollegen Antony Blinken. «Wir haben Schritte koordiniert, um die Lieferung schwerer Waffen von den USA und anderen Partnern zu beschleunigen», teilte Kuleba mit.

Das wird am Donnerstag wichtig

In Indonesien treffen sich die Außenminister der G20. Für Deutschland ist Ministerin Baerbock dabei. Mit Spannung wird erwartet, wie Russlands Außenminister Sergej Lawrow aufgenommen wird. In Moskau trifft der russische Präsident Wladimir Putin die Führung der Staatsduma und die dortigen Fraktionsvorsitzenden im Kreml.

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Andrij Melnyk Brüssel Donezk Europa Finnland IAEO Jens Stoltenberg Kampf Kiew Luhansk Lyssytschansk Militär Mitgliedstaat Nato Russland Slowjansk Ukraine Wochenende Wolodymyr Selenskyj

Russische Invasion: Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Selenskyj zufolge fügt die Ukraine russischen Truppen jeden Tag Verluste bei. Die Nato-Staaten haben die Beitrittsprotokolle für Finnland und Schweden unterzeichnet. Die Entwicklungen im Überblick.

Vertreter der 30 Mitgliedstaaten der Nato haben die für die Aufnahme von Schweden und Finnland notwendigen Beitrittsprotokolle unterzeichnet.

«Das ist ein historischer Tag für Finnland, für Schweden, für die Nato und für die euro-atlantische Sicherheit», sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg im Anschluss.

Mit den Beitrittsprotokollen wird der Generalsekretär ermächtigt, Schweden und Finnland offiziell zur Mitgliedschaft einzuladen. Bevor sie in Kraft treten können, müssen sie allerdings noch von den Mitgliedstaaten ratifiziert werden.

An diesem Verfahren ist meist auch das nationale Parlament beteiligt. Schätzungen zufolge könnte es deswegen noch sechs bis acht Monate dauern, bis Finnland und Schweden tatsächlich in das Bündnis aufgenommen werden können.

Selenskyj: Schon jetzt für Energie im Winter sorgen

Die Ukraine müsse sich schon jetzt auf den Winter vorbereiten, unter anderem um die Energieversorgung zu sichern, sagte Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache. Große Teile der Wirtschaft seien von Kämpfen und russischen Angriffen lahmgelegt worden. Tausende Unternehmen stünden still. Zugleich müsse es beim Wiederaufbau um mehr gehen als nur darum, zerstörte Wände wieder hochzuziehen: «Die Ukraine muss das freieste, modernste und sicherste Land in Europa werden.»

Selenskyj: «Wir müssen sie brechen»

Selenskyj äußerte sich nur kurz zum Verlauf der Kampfhandlungen im Osten des Landes, wo ukrainische Truppen am Wochenende die Stadt Lyssytschansk aufgeben mussten. Die russischen Streitkräfte haben damit das Gebiet Luhansk größtenteils unter ihre Kontrolle gebracht – was als eines ihrer zentralen Kriegsziele galt.

Die ukrainischen Streitkräfte fügten dem russischen Militär jeden Tag Verluste bei, sagte Selenskyj. «Wir müssen sie brechen.» Das werde zwar Zeit und «übermenschliche Anstrengungen» erfordern, es gebe aber keine Alternative, um die Zukunft der Ukraine zu sichern. Selenskyj zeigte sich überzeugt, dass besetzte Gebiete zurückerobert würden.

Kämpfe im Donezker Gebiet bei Slowjansk und Bachmut

Wenige Tage nach dem Rückzug aus der letzten Großstadt im ostukrainischen Gebiet Luhansk will die ukrainische Armee im Nachbargebiet Donezk mehrere Vorstöße russischer Truppen abgewehrt haben. So seien russische Einheiten nördlich von Slowjansk bei Dolyna zurückgeworfen worden, teilte der Generalstab in Kiew mit.

Ebenso sei weiter das Wärmekraftwerk Wuhlehirsk umkämpft. Ein russischer Angriff südlich davon bei Nowoluhanske sei zurückgeschlagen worden. Ebenso seien Attacken an der Grenze zum verloren gegangenen Luhansker Gebiet bei Bilohoriwka und Werchnjokamjanske abgewehrt worden.

Etwas südlicher davon seien jedoch russische Einheiten bei Spirne mit massiver Artillerieunterstützung und Luftwaffeneinsatz weiter in Richtung der Stadt Siwersk vorgedrungen. Darüber hinaus berichtete der Generalstab über intensiven Artilleriebschuss an weiten Teilen der Front in den Gebieten Charkiw, Donezk, Saporischschja, Cherson und Mykolajiw. Mehrfach seien auch Luftangriffe teils mit Hubschraubern geflogen worden.

Russische Grenzregionen werfen Ukraine Beschuss vor

Die beiden russischen Grenzregionen Brjansk und Kursk haben der ukrainischen Seite erneut Beschuss vorgeworfen. Der Brjansker Gouverneur Alexander Bogomas schrieb auf Telegram, das Dorf Sernowo sei mit Artillerie beschossen worden, verletzt worden sei aber niemand. Auch aus den betroffenen Kursker Dörfern gab es zunächst keine Informationen über mögliche Opfer.

Russland, das vor viereinhalb Monaten selbst einen Angriffskrieg gegen das Nachbarland Ukraine begonnen hat, beklagt immer wieder Beschuss auch auf dem eigenen Staatsgebiet. Zuletzt gab es solche Meldungen fast täglich. Den bislang folgenschwersten Angriff auf russischem Gebiet verzeichnete bislang die Grenzregion Belgorod, bei dem in der Nacht zum Sonntag laut Behörden vier Menschen starben.

Verwaltung im Gebiet Cherson nach russischem Muster

Russland verstärkt derweil die Anstrengungen, seine Kontrolle über besetzte ukrainische Gebiete zu zementieren. So sollen in der südlichen Region Cherson nach der Einführung des Rubel als Währung und der Ausgabe russischer Pässe auch Verwaltungsstrukturen nach russischem Muster aufgebaut werden.

Ziel sei eine Integration in die Russische Föderation, betonte der Vize-Chef der russischen Militärverwaltung, Kirill Stremoussow, beim Nachrichtendienst Telegram. Am Dienstag solle eine neue Regionalregierung die Arbeit aufnehmen.

IAEA: Gefahr in AKW Saporischschja steigt täglich

Die andauernde russische Besetzung des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja wird der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zufolge zunehmend zum Sicherheitsproblem. Das ukrainische Management und die lokalen AKW-Mitarbeiter seien extremem Stress und schwierigen Arbeitsbedingungen ausgesetzt. «Jeden Tag, an dem das so weitergeht, steigt das Risiko für einen Unfall oder eine Verletzung der Sicherheit», sagte IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi bei einem Vortrag an der australischen Nationaluniversität in Canberra.

Das AKW in der südlichen Ukraine ist das größte Atomkraftwerk im Land und in ganz Europa. Die Anlage steht seit rund vier Monaten unter Kontrolle des russischen Militärs. Die Datenverbindung zwischen der IAEA in Wien und Saporischschja, die zur Überwachung des Nuklearmaterials dient, ist während der Besetzung immer wieder unterbrochen worden. Grossi forderte daher erneut Zugang für ein IAEA-Team zu dem Kraftwerk.

Berichte: Melnyk soll nach Kiew zurückkehren

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, soll Medienberichten zufolge abberufen werden und ins Außenministerium nach Kiew wechseln. Die «Bild»-Zeitung berichtete unter Berufung auf mehrere Quellen in Kiew, dass das Außenministerium dies Präsident Wolodymyr Selenskyj vorgeschlagen habe. Noch im Herbst könne der Wechsel des 46-Jährigen erfolgen. Melnyk könnte stellvertretender Außenminister werden, schrieb die Zeitung.

Die «Süddeutsche Zeitung» meldete unter Berufung auf Kreise des ukrainischen Präsidialamtes ebenfalls, dass Melnyk seinen Posten in Berlin verlassen und ins Außenministerium nach Kiew wechseln soll.

Melnyk ist in Deutschland durch scharfe Kritik an der Ukraine-Politik der Bundesregierung bekannt. Zuletzt geriet er mit umstrittenen Äußerungen über den früheren Nationalistenführer Stepan Bandera (1909-1959) unter Druck.

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Denis Matwejew Dmitri Rogosin Elon Musk ESA Guardian Media Group Internationale Raumstation ISS Luhansk Lyssytschansk n-tv Nasa Oleg Artemjew Provokation Roskosmos Russland Syrien Ukraine USA

Internationale Raumstation: Provokante Flaggen-Pose: Nun ist der Ukraine-Krieg auch auf der ISS angekommen

Der Ukraine-Krieg ist unlängst im All angekommen. Nun ist es zu einer weiteren Provokation gekommen: Ein Foto zeigt Kosmonauten, die mit einer Separatisten-Flagge der „Volksrepublik Luhansk“ posieren.

Mit seinem Feldzug gegen die Ukraine hat Russland mit vielen vermeintlichen Gewissheiten aufgeräumt, nun vielleicht auch mit dieser: Die Zeit der Internationalen Raumstation (ISS) als Musterbeispiel für globale Zusammenarbeit, losgelöst von irdischen Differenzen, ist vorbei.

Der Ukraine-Krieg ist unlängst im All angekommen. Schon Anfang März warnte die russische Raumfahrtagentur Roskosmos, dass die ISS in Gefahr gerate, unkontrolliert abzustürzen, sollte die Nasa die Zusammenarbeit im Zuge des Konflikts aufkündigen. Es folgten weitere Drohungen, unter anderem, auf welchen Teil der Erde der 500 Tonnen schwere Außenposten der Menschheit denn krachen solle (der stern berichtete).

PAID Interview Kriegsstrategie Experte Philip O‘ Brien, 20.30

Nun folgt die nächste Provokation: Nach der Eroberung der ostukrainischen Stadt Lyssytschansk im Gebiet Luhansk haben sich Russlands Kosmonauten auf der ISS in Feierlaune gezeigt. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos veröffentlichte am Montag ein Foto, das Denis Matwejew, Sergej Korssakow und Oleg Artemjew mit einer Flagge der selbsternannten „Volksrepublik Luhansk“ in den Händen zeigt.

Russlands Truppen und prorussische Separatisten hätten Luhansk nun vollständig „befreit“, heißt es in einer angehängten Mitteilung. „Wir feiern auf der Erde und im Weltraum.“ Ein zweites Foto zeigt die drei Raumfahrer mit einer Donezker Fahne. International sind die vermeintlich russischen „Volksrepubliken“ auf ukrainischen Territorium nicht anerkannt – einzig von Russland und Syrien. 

Damit wird die internationale Partnerschaft im All ein weiteres Mal auf eine harte Probe gestellt. Die ISS ist ein gemeinsames Projekt der USA, Kanadas, Japans, der Europäischen Weltraumbehörde (ESA) und Russlands, die Station in ein russisches und ein US-Segment unterteilt.

Ein Dilemma auf der ISS

Ein Dilemma, auch moralisch, das Nasa-Chef Bill Nelson vor wenigen Tagen so formulierte: „Es gibt absolut keine Entschuldigung für das, was Präsident Putin in der Ukraine getan hat“, sagte er vor wenigen Tagen zum „Spiegel“. Er kritisierte das „Abschlachten unschuldiger Menschen“, prangerte die „Invasion eines unabhängiges Landes“ an. „Dennoch gibt es dort oben im All eine Raumstation, die von Russen und Amerikanern gemeinsam betrieben wird. Und das wird auf friedliche und professionelle Art weitergehen.“

Nur wie lange noch?

Nicht zuletzt die zahlreichen Drohgebärden des russischen Raumfahrtchefs Dmitri Rogosin haben Zweifel daran geschürt. Zuletzt kritisierte der Roskosmos-Chef den Tech-Milliardär Elon Musk für die „Versorgung faschistischer Kräfte in der Ukraine mit Mitteln militärischer Kommunikation“. Musk hatte der Ukraine Satelliten-Internet zur Verfügung gestellt. Dafür werde er sich „wie ein Erwachsener“ verantworten müssen, so Rogosin. Auch über einen Atomkrieg hatte er schon laut nachgedacht. 

Die neuerliche Flaggen-Provokation dürfte für zusätzliche Spannungen sorgen. Dabei wurde der Flug der Kosmonauten zur ISS im März noch als subtile Botschaft gedeutet: Matwejew, Korssakow und Artemjew trugen gelb-blaue Anzüge, brachen also in den Nationalfarben der Ukraine zur Raumstation auf.

In diesem von Roskosmos zur Verfügung gestellten Videostandbild sind die russischen Kosmonauten Sergej Korsakow, Oleg Artemjew und Denis Matwejew während einer Begrüßungszeremonie nach ihrer Ankunft an der Internationalen Raumstation (ISS) zu sehen.
In diesem von Roskosmos zur Verfügung gestellten Videostandbild sind die russischen Kosmonauten Sergej Korsakow, Oleg Artemjew und Denis Matwejew während einer Begrüßungszeremonie nach ihrer Ankunft an der Internationalen Raumstation (ISS) zu sehen.
© Uncredited/Roscosmos/AP

Wenig später stellte Russlands Raumfahrtbehörde allerdings klar: „Im Allgemeinen ist die Wahl darauf zurückzuführen, dass dies die korporative Farbe der Staatlichen Technischen Universität Moskaus ist“, so Roskosmos-Sprecher Dmitri Strugowez. Alle drei Besatzungsmitglieder seien Absolventen dieser Universität.

Wie die Flagge der „Volksrepublik Luhansk“ an Bord der ISS gekommen sein könnte, ist bislang unklar. Laut „Guardian“ dockte am 3. Juni dockte ein unbemanntes russisches Frachtraumschiff an die ISS an, das nach Angaben der Nasa fast drei Tonnen Lebensmittel, Treibstoff und Vorräte transportierte.

Ukraine Kriegsgefangene berichten aus Russland 14.46

Weder die US-Raumfahrtbehörde, noch die Europäische Weltraumorganisation (ESA) haben sich bisher zu dem Fall geäußert. Spätestens jetzt dürfte der Ukraine-Krieg jedoch unmittelbar auf der ISS angekommen sein. Welche Folgen das haben könnte, ist noch nicht absehbar.

Der frühere ESA-Generaldirektor Jean-Jaques Dordain pries die Raumstation einst als Beweis dafür, dass eine friedliche globale Zusammenarbeit von Partnern unterschiedlichster Kulturen nicht nur möglich, sondern auch sinnvoll ist. „Diese Partnerschaften würden selbst dann noch verbleiben, wenn es die ISS schon nicht mehr gäbe“, sagte er. So sei die ISS zu einem echten Außenposten der Menschheit geworden – und stehe allen offen, die friedliche Ziele verfolgen und kooperieren wollen. 

Quellen:  „n-tv.de“, „Der Spiegel“, „The Guardian“, „Süddeutsche Zeitung“, ESA, mit Material der Nachrichtenagenturen DPA und AFP

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Andrij Melnyk Brüssel Donezk Europa Finnland Jens Stoltenberg Kampf Kiew Luhansk Lyssytschansk Militär Mitgliedstaat Nato Russland Slowjansk Ukraine Wochenende Wolodymyr Selenskyj

Russische Invasion: Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

«Wir müssen sie brechen»: Selenskyj zufolge fügt die Ukraine russischen Truppen jeden Tag Verluste bei. Die Nato-Staaten haben die Beitrittsprotokolle für Finnland und Schweden unterzeichnet. Die Entwicklungen im Überblick.

Vertreter der 30 Mitgliedstaaten der Nato haben die für die Aufnahme von Schweden und Finnland notwendigen Beitrittsprotokolle unterzeichnet.

«Das ist ein historischer Tag für Finnland, für Schweden, für die Nato und für die euro-atlantische Sicherheit», sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg im Anschluss.

Mit den Beitrittsprotokollen wird der Generalsekretär ermächtigt, Schweden und Finnland offiziell zur Mitgliedschaft einzuladen. Bevor sie in Kraft treten können, müssen sie allerdings noch von den Mitgliedstaaten ratifiziert werden.

An diesem Verfahren ist meist auch das nationale Parlament beteiligt. Schätzungen zufolge könnte es deswegen noch sechs bis acht Monate dauern, bis Finnland und Schweden tatsächlich in das Bündnis aufgenommen werden können.

Selenskyj: Schon jetzt für Energie im Winter sorgen

Die Ukraine müsse sich schon jetzt auf den Winter vorbereiten, unter anderem um die Energieversorgung zu sichern, sagte Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache. Große Teile der Wirtschaft seien von Kämpfen und russischen Angriffen lahmgelegt worden. Tausende Unternehmen stünden still. Zugleich müsse es beim Wiederaufbau um mehr gehen als nur darum, zerstörte Wände wieder hochzuziehen: «Die Ukraine muss das freieste, modernste und sicherste Land in Europa werden.»

Selenskyj: «Wir müssen sie brechen»

Selenskyj äußerte sich nur kurz zum Verlauf der Kampfhandlungen im Osten des Landes, wo ukrainische Truppen am Wochenende die Stadt Lyssytschansk aufgeben mussten. Die russischen Streitkräfte haben damit das Gebiet Luhansk größtenteils unter ihre Kontrolle gebracht – was als eines ihrer zentralen Kriegsziele galt.

Die ukrainischen Streitkräfte fügten dem russischen Militär jeden Tag Verluste bei, sagte Selenskyj. «Wir müssen sie brechen.» Das werde zwar Zeit und «übermenschliche Anstrengungen» erfordern, es gebe aber keine Alternative, um die Zukunft der Ukraine zu sichern. Selenskyj zeigte sich überzeugt, dass besetzte Gebiete zurückerobert würden.

Kämpfe im Donezker Gebiet bei Slowjansk und Bachmut

Wenige Tage nach dem Rückzug aus der letzten Großstadt im ostukrainischen Gebiet Luhansk will die ukrainische Armee im Nachbargebiet Donezk mehrere Vorstöße russischer Truppen abgewehrt haben. So seien russische Einheiten nördlich von Slowjansk bei Dolyna zurückgeworfen worden, teilte der Generalstab in Kiew mit.

Ebenso sei weiter das Wärmekraftwerk Wuhlehirsk umkämpft. Ein russischer Angriff südlich davon bei Nowoluhanske sei zurückgeschlagen worden. Ebenso seien Attacken an der Grenze zum verloren gegangenen Luhansker Gebiet bei Bilohoriwka und Werchnjokamjanske abgewehrt worden.

Etwas südlicher davon seien jedoch russische Einheiten bei Spirne mit massiver Artillerieunterstützung und Luftwaffeneinsatz weiter in Richtung der Stadt Siwersk vorgedrungen. Darüber hinaus berichtete der Generalstab über intensiven Artilleriebschuss an weiten Teilen der Front in den Gebieten Charkiw, Donezk, Saporischschja, Cherson und Mykolajiw. Mehrfach seien auch Luftangriffe teils mit Hubschraubern geflogen worden.

Russische Grenzregionen werfen Ukraine Beschuss vor

Die beiden russischen Grenzregionen Brjansk und Kursk haben der ukrainischen Seite erneut Beschuss vorgeworfen. Der Brjansker Gouverneur Alexander Bogomas schrieb auf Telegram, das Dorf Sernowo sei mit Artillerie beschossen worden, verletzt worden sei aber niemand. Auch aus den betroffenen Kursker Dörfern gab es zunächst keine Informationen über mögliche Opfer.

Russland, das vor viereinhalb Monaten selbst einen Angriffskrieg gegen das Nachbarland Ukraine begonnen hat, beklagt immer wieder Beschuss auch auf dem eigenen Staatsgebiet. Zuletzt gab es solche Meldungen fast täglich. Den bislang folgenschwersten Angriff auf russischem Gebiet verzeichnete bislang die Grenzregion Belgorod, bei dem in der Nacht zum Sonntag laut Behörden vier Menschen starben.

Verwaltung im Gebiet Cherson nach russischem Muster

Russland verstärkt derweil die Anstrengungen, seine Kontrolle über besetzte ukrainische Gebiete zu zementieren. So sollen in der südlichen Region Cherson nach der Einführung des Rubel als Währung und der Ausgabe russischer Pässe auch Verwaltungsstrukturen nach russischem Muster aufgebaut werden.

Ziel sei eine Integration in die Russische Föderation, betonte der Vize-Chef der russischen Militärverwaltung, Kirill Stremoussow, beim Nachrichtendienst Telegram. Am Dienstag solle eine neue Regionalregierung die Arbeit aufnehmen.

Berichte: Melnyk soll nach Kiew zurückkehren

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, soll Medienberichten zufolge abberufen werden und ins Außenministerium nach Kiew wechseln. Die «Bild»-Zeitung berichtete unter Berufung auf mehrere Quellen in Kiew, dass das Außenministerium dies Präsident Wolodymyr Selenskyj vorgeschlagen habe. Noch im Herbst könne der Wechsel des 46-Jährigen erfolgen. Melnyk könnte stellvertretender Außenminister werden, schrieb die Zeitung.

Die «Süddeutsche Zeitung» meldete unter Berufung auf Kreise des ukrainischen Präsidialamtes ebenfalls, dass Melnyk seinen Posten in Berlin verlassen und ins Außenministerium nach Kiew wechseln soll.

Melnyk ist in Deutschland durch scharfe Kritik an der Ukraine-Politik der Bundesregierung bekannt. Zuletzt geriet er mit umstrittenen Äußerungen über den früheren Nationalistenführer Stepan Bandera (1909-1959) unter Druck.

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Andrij Melnyk Brüssel Deutsche Presse-Agentur Donezk Europa Finnland Kampf Kiew Luhansk Lyssytschansk Militär Mitgliedstaat Nato Russland Slowjansk Ukraine Wochenende Wolodymyr Selenskyj

Russische Invasion: Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

«Wir müssen sie brechen»: Selenskyj zufolge fügt die Ukraine russischen Truppen jeden Tag Verluste bei. Die Nato-Staaten haben die Beitrittsprotokolle für Finnland und Schweden unterzeichnet. Die Entwicklungen im Überblick.

Vertreter der 30 Mitgliedstaaten der Nato haben die für die Aufnahme von Schweden und Finnland notwendigen Beitrittsprotokolle unterzeichnet. Das bestätigten mehrere Diplomaten der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel.

Mit den Beitrittsprotokollen wird der Generalsekretär ermächtigt, Schweden und Finnland offiziell zur Mitgliedschaft einzuladen. Bevor sie in Kraft treten können, müssen sie allerdings noch von den Mitgliedstaaten ratifiziert werden.

An diesem Verfahren ist meist auch das nationale Parlament beteiligt. Schätzungen zufolge könnte es deswegen noch sechs bis acht Monate dauern, bis Finnland und Schweden tatsächlich in das Bündnis aufgenommen werden können.

Selenskyj: Schon jetzt für Energie im Winter sorgen

Die Ukraine müsse sich schon jetzt auf den Winter vorbereiten, unter anderem um die Energieversorgung zu sichern, sagte Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache. Große Teile der Wirtschaft seien von Kämpfen und russischen Angriffen lahmgelegt worden. Tausende Unternehmen stünden still. Zugleich müsse es beim Wiederaufbau um mehr gehen als nur darum, zerstörte Wände wieder hochzuziehen: «Die Ukraine muss das freieste, modernste und sicherste Land in Europa werden.»

Selenskyj: «Wir müssen sie brechen»

Selenskyj äußerte sich nur kurz zum Verlauf der Kampfhandlungen im Osten des Landes, wo ukrainische Truppen am Wochenende die Stadt Lyssytschansk aufgeben mussten. Die russischen Streitkräfte haben damit das Gebiet Luhansk größtenteils unter ihre Kontrolle gebracht – was als eines ihrer zentralen Kriegsziele galt.

Die ukrainischen Streitkräfte fügten dem russischen Militär jeden Tag Verluste bei, sagte Selenskyj. «Wir müssen sie brechen.» Das werde zwar Zeit und «übermenschliche Anstrengungen» erfordern, es gebe aber keine Alternative, um die Zukunft der Ukraine zu sichern. Selenskyj zeigte sich überzeugt, dass besetzte Gebiete zurückerobert würden.

Kämpfe im Donezker Gebiet bei Slowjansk und Bachmut

Wenige Tage nach dem Rückzug aus der letzten Großstadt im ostukrainischen Gebiet Luhansk will die ukrainische Armee im Nachbargebiet Donezk mehrere Vorstöße russischer Truppen abgewehrt haben. So seien russische Einheiten nördlich von Slowjansk bei Dolyna zurückgeworfen worden, teilte der Generalstab in Kiew mit.

Ebenso sei weiter das Wärmekraftwerk Wuhlehirsk umkämpft. Ein russischer Angriff südlich davon bei Nowoluhanske sei zurückgeschlagen worden. Ebenso seien Attacken an der Grenze zum verloren gegangenen Luhansker Gebiet bei Bilohoriwka und Werchnjokamjanske abgewehrt worden.

Etwas südlicher davon seien jedoch russische Einheiten bei Spirne mit massiver Artillerieunterstützung und Luftwaffeneinsatz weiter in Richtung der Stadt Siwersk vorgedrungen. Darüber hinaus berichtete der Generalstab über intensiven Artilleriebschuss an weiten Teilen der Front in den Gebieten Charkiw, Donezk, Saporischschja, Cherson und Mykolajiw. Mehrfach seien auch Luftangriffe teils mit Hubschraubern geflogen worden.

Russische Grenzregionen werfen Ukraine Beschuss vor

Die beiden russischen Grenzregionen Brjansk und Kursk haben der ukrainischen Seite erneut Beschuss vorgeworfen. Der Brjansker Gouverneur Alexander Bogomas schrieb auf Telegram, das Dorf Sernowo sei mit Artillerie beschossen worden, verletzt worden sei aber niemand. Auch aus den betroffenen Kursker Dörfern gab es zunächst keine Informationen über mögliche Opfer.

Russland, das vor viereinhalb Monaten selbst einen Angriffskrieg gegen das Nachbarland Ukraine begonnen hat, beklagt immer wieder Beschuss auch auf dem eigenen Staatsgebiet. Zuletzt gab es solche Meldungen fast täglich. Den bislang folgenschwersten Angriff auf russischem Gebiet verzeichnete bislang die Grenzregion Belgorod, bei dem in der Nacht zum Sonntag laut Behörden vier Menschen starben.

Verwaltung im Gebiet Cherson nach russischem Muster

Russland verstärkt derweil die Anstrengungen, seine Kontrolle über besetzte ukrainische Gebiete zu zementieren. So sollen in der südlichen Region Cherson nach der Einführung des Rubel als Währung und der Ausgabe russischer Pässe auch Verwaltungsstrukturen nach russischem Muster aufgebaut werden.

Ziel sei eine Integration in die Russische Föderation, betonte der Vize-Chef der russischen Militärverwaltung, Kirill Stremoussow, beim Nachrichtendienst Telegram. Am Dienstag solle eine neue Regionalregierung die Arbeit aufnehmen.

Berichte: Melnyk soll nach Kiew zurückkehren

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, soll Medienberichten zufolge abberufen werden und ins Außenministerium nach Kiew wechseln. Die «Bild»-Zeitung berichtete unter Berufung auf mehrere Quellen in Kiew, dass das Außenministerium dies Präsident Wolodymyr Selenskyj vorgeschlagen habe. Noch im Herbst könne der Wechsel des 46-Jährigen erfolgen. Melnyk könnte stellvertretender Außenminister werden, schrieb die Zeitung.

Die «Süddeutsche Zeitung» meldete unter Berufung auf Kreise des ukrainischen Präsidialamtes ebenfalls, dass Melnyk seinen Posten in Berlin verlassen und ins Außenministerium nach Kiew wechseln soll.

Melnyk ist in Deutschland durch scharfe Kritik an der Ukraine-Politik der Bundesregierung bekannt. Zuletzt geriet er mit umstrittenen Äußerungen über den früheren Nationalistenführer Stepan Bandera (1909-1959) unter Druck.

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Krieg in der Ukraine: Offensive bei Cherson – Kiews letzte Chance, den Krieg zu wenden

Im Süden haben sich Kiews Truppen an die besetzte Großstadt Cherson herangearbeitet. Gelingt es ihnen, das Tor zur Krim zu befreien, käme Russlands Position trotz der jüngsten Erfolge im ganzen Land ins Wanken. Doch das Risiko ist hoch.

Am 24. Februar hat Putin die Ukraine überfallen. Doch der erste Ansturm der russischen Streitkräfte scheiterte – an Unfähigkeit auf allen Ebenen der Kriegsführung. Die russische Armee musste sich aus der Umgebung von Charkow und Kiew zurückziehen. Große Gebiete im Norden wurden zurückerobert, die als übermächtig geltenden Armee Russlands war angeschlagen, auf einmal schien es möglich, den Giganten zu besiegen.

Erfolge bei Kiew und Cherson

Doch dieser Erfolg ist inzwischen verwelkt, denn seitdem hat der Krieg eine andere Richtung genommen. Anstelle kühner Operationen hat Moskau die Front im Donbass in einen riesigen Fleischwolf verwandelt. Gestützt auf die Überlegenheit zur Luft bei Raketen und Artillerie wurden die ukrainischen Stellungen Stück für Stück pulverisiert. Nun ging die ganze Oblast Luhansk verloren. Doch auch nach dem Rückzug aus Lyssytschansk stehen die ukrainischen Streitkräfte dort weiter unter Druck so wie im ganzen Donbass. Die Strategie, durch zähen Widerstand in den befestigten Dörfern und Städten des Donbass Russlands Armee ausbluten zu lassen, hat nicht funktioniert.Lyssytschansk ist gefallen – und nun?, 20.40

Kiew braucht dringend einen Erfolg. Politisch, damit die Moral der eigenen Truppen nicht weiter sinkt. Und militärisch. Eine siegreiche Offensive würde die Russen dazu zwingen, aus dem Donbass Kräfte abzuziehen und sich verstärkt einer anderen Zone zu widmen. Eine Region, in der das Momentum bei Kiew läge. In der jetzigen Situation kann diese Offensive nur bei Cherson ansetzen. Von mehreren Vorstößen Kiews in den letzten Wochen blieb nur der Vormarsch auf Cherson von Erfolg gekrönt. Die strategische Bedeutung der Stadt liegt auf der Hand. Zusammen mit dem besetzten Kachowka auf dem anderen Ufer des Dnipro ist Cherson für Moskau eine Sprungschanze Richtung Odessa. Für Kiew ist die Großstadt das Tor zur Krim, gelingt es, Cherson zu nehmen, würden die ukrainischen Streitkräfte die Landverbindung zwischen den Separatisten-Republiken und der Krim unmittelbar bedrohen.

Unmittelbar an den Vororten

Nun sind Kiews Einheiten bis an die Vorstädte von Cherson herangerückt. In den letzten Wochen konnten sie den Russen einen breiten Streifen im Vorfeld der Stadt abnehmen. Wenn eine Offensive Aussicht auf Erfolg hätte, dann wäre es dort. Doch der bisherige Vormarsch ist keine Großoffensive, bislang haben die Russen nur hinhaltenden Widerstand geleistet. Die für eine Bodenoffensive notwendige Übermacht von 3 zu 1 oder gar 4 zu 1 wurde von Kiew nicht erreicht. Im Donbass haben die russischen Truppen diese Übermacht auch nicht, sie haben den Mangel an Bodentruppen durch Artillerie ausgeglichen. Das könnte nun wieder geschehen. Nämlich dann, wenn Kiew die Lieferungen westlicher Artilleriesysteme nicht Stück für Stück an die Front schickt, sondern für die Gegenoffensive aufspart. Eine Offensive könnte dann Erfolg haben, wenn die russischen Verluste tatsächlich so hoch sind, wie berichtet. Und es ihnen nicht gelingt, neben der Donbassfront auch dem Süden neue Truppen zuzuführen.

Anspruchsvolle Operation

Bislang zeigten sich die Ukrainer als Meister der Verteidigung. Ein eigener Vormarsch, der bewegliche Kampf verschiedener Waffengattungen ist weit anspruchsvoller und größeren Risiken ausgesetzt. Kiews Truppen müssten sich in der deckungslosen Ebene voran arbeiten und auch den Dnipro überqueren. So wie Kiew die Dörfer im Donbass in Festungen verwandelt hat, so haben die Russen die Orte in der Umgebung mit Gräben durchzogen und betonierte Bunker angelegt, die auch schwerer Artillerie widerstehen. Dazu kommt ein weiteres Problem. In der Region schlagen nicht alle Herzen für Kiew. Die ukrainischen Streitkräfte klagen, dass Zivilisten auch im Teenageralter ihre Standorte und Bewegungen an den Feind verraten.

Das Hilfs-Dilemma

Es wird eine riskante Operation. Doch Kiew kann sie nicht verschieben, bis man besser vorbereitet ist. Die Lage im Donbass benötigt jetzt eine Entlastung. Und Kiew benötigt politisch den Erfolg. Militärstratege Franz-Stefan Gady hat auf ein Paradox hingewiesen. Kiew kann nicht einfach auf Waffenlieferungen aus dem Westen warten, bis die Armee besser ausgestattet ist. Erst ein Sieg im Feld würde die Zweifler im Westen überzeugen, dass eine massive Unterstützung der Ukraine sinnvoll ist und nicht nur dazu dient, eine unvermeidliche Niederlage hinauszuzögern. Umgekehrt gilt auch, sollte die Offensive verfrüht sein, sollte sie zusammenbrechen und dann einen russischen Vormarsch in der Region auslösen, würde sie den gegenteiligen Effekt auslösen. Kiews Sache würde dann als aussichtslos gelten und der Druck eine Verhandlungslösung nach Putins Diktat anzunehmen würde steigen.

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Denys Schmyhal Donezk Europa IAEO Kampf Lugano Luhansk Lyssytschansk Militär Russland Schweiz Sumy Ukraine Wiederaufbau Wochenende Wolodymyr Selenskyj

Russische Invasion: Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

«Wir müssen sie brechen»: Selenskyj zufolge fügt die Ukraine russischen Truppen jeden Tag Verluste bei. Die russische Verwaltung will Kontrolleure im AKW Saporischschja erlauben. News im Überblick.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat dazu aufgerufen, rasch mit dem Wiederaufbau des Landes zu beginnen und nicht bis zu einem Ende des russischen Angriffskriegs zu warten.

Allein in den Gebieten, aus denen russische Truppen wieder vertrieben worden seien, gebe es Zehntausende zerstörte Häuser. Unterdessen wurde in der Nacht zum Dienstag in fast der gesamten Ukraine erneut Luftalarm ausgelöst. Aus dem nordöstlichen Gebiet Sumy wurde Beschuss mit Raketen und Granaten gemeldet, der mehrere Menschen verletzt habe.

Selenskyj: Schon jetzt für Energie im Winter sorgen

Die Ukraine müsse sich schon jetzt auf den Winter vorbereiten, unter anderem um die Energieversorgung zu sichern, sagte Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache. Große Teile der Wirtschaft seien von Kämpfen und russischen Angriffen lahmgelegt worden. Tausende Unternehmen stünden still. Zugleich müsse es beim Wiederaufbau um mehr gehen als nur darum, zerstörte Wände wieder hochzuziehen: «Die Ukraine muss das freieste, modernste und sicherste Land in Europa werden.»

In Lugano in der Schweiz läuft gerade eine erste große Konferenz zum Wiederaufbau der Ukraine. Der ukrainische Regierungschef Denys Schmyhal schätzte dort, dass hierfür mindestens 750 Milliarden Dollar (knapp 720 Milliarden Euro) notwendig seien.

Selenskyj: «Wir müssen sie brechen»

Selenskyj äußerte sich nur kurz zum Verlauf der Kampfhandlungen im Osten des Landes, wo ukrainische Truppen am Wochenende die Stadt Lyssytschansk aufgeben mussten. Die russischen Streitkräfte haben damit das Gebiet Luhansk größtenteils unter ihre Kontrolle gebracht – was als eines ihrer zentralen Kriegsziele galt.

Die ukrainischen Streitkräfte fügten dem russischen Militär jeden Tag Verluste bei, sagte Selenskyj. «Wir müssen sie brechen.» Das werde zwar Zeit und «übermenschliche Anstrengungen» erfordern, es gebe aber keine Alternative, um die Zukunft der Ukraine zu sichern. Selenskyj zeigte sich überzeugt, dass besetzte Gebiete zurückerobert würden.

Ukrainischer Generalstab: Kämpfe gehen im Gebiet Donezk weiter

In der Ostukraine verlagerte sich nach dem ukrainischen Rückzug aus Lyssytschansk der Schwerpunkt der Kämpfe ins benachbarte Gebiet Donezk. An der Grenze zur Region Luhansk seien bei Bilohoriwka und Werchnjokamjanske erfolgreich russische Angriffe abgewehrt worden, teilte der ukrainische Generalstab auf Facebook mit. Umkämpft sei ebenso das Wärmekraftwerk Wuhlehirsk westlich des bereits von prorussischen Separatisten eroberten Switlodarsk.

Gebietsgewinne hätten die russischen Truppen hingegen nördlich von Slowjansk bei Masaniwka erzielt. Darüber hinaus seien ukrainische Positionen an weiten Teilen der Front mit Artillerie, Raketenwerfern und Mörsern beschossen worden. Die russische Luftwaffe habe zudem Stellungen ukrainischer Einheiten bombardiert.

Selenskyjs Berater Olexij Arestowytsch zeigte sich zuversichtlich, dass ukrainische Truppen nach der Aufgabe von Lyssytschansk die Verteidigungslinien an anderen Frontabschnitten stabilisieren können. Insgesamt könne man jedoch sagen, dass Russlands Militär das Gebiet Luhansk erobert habe, räumte er bei Youtube ein.

Verwaltung im Gebiet Cherson nach russischem Muster

Russland verstärkt derweil die Anstrengungen, seine Kontrolle über besetzte ukrainische Gebiete zu zementieren. So sollen in der südlichen Region Cherson nach der Einführung des Rubel als Währung und der Ausgabe russischer Pässe auch Verwaltungsstrukturen nach russischem Muster aufgebaut werden.

Ziel sei eine Integration in die Russische Föderation, betonte der Vize-Chef der russischen Militärverwaltung, Kirill Stremoussow, beim Nachrichtendienst Telegram. Am Dienstag solle eine neue Regionalregierung die Arbeit aufnehmen.

Bereit für IAEA-Kontrolle in AKW Saporischschja

Die von Russland eingesetzte Verwaltung hat sich offen für den Besuch von Vertretern der Atomenergiebehörde IAEA im Atomkraftwerk Saporischschja gezeigt, das auf besetztem Gebiet liegt. «Wir sind absolut bereit, IAEA-Experten auf das Objekt zu lassen», sagte der Chef der Besatzungsverwaltung, Jewgeni Balizki, der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass.

Ein Brand in einem Trainingsgebäude des größten Atomkraftwerks Europas während eines russischen Angriffs Anfang März hatte international große Besorgnis ausgelöst. Balizki betonte, dass die Besatzungsbehörden die Anlage nach IAEA-Vorgaben nicht komplett unter ihre Kontrolle stellen könnten, sondern gemeinsam mit der Ukraine betreiben müssten.

Scholz berät mit Macron über weiteren Ukraine-Kurs

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) traf sich zu Beratungen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Paris. Wichtigstes Thema war die deutsch-französische Abstimmung über das weitere Vorgehen im Ukraine-Krieg und die weitere Unterstützung für das Land, wie der Élyséepalast am Montagabend mitteilte. In dem Zusammenhang ging es demnach auch um Schritte zur europäischen Unabhängigkeit in den Bereichen Energie, Verteidigung und strategische Rohstoffe. Scholz und Macron waren im vergangenen Monat gemeinsam zu einem Besuch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew gewesen.

Das wird am Dienstag wichtig

In Lugano in der Schweiz endet die Konferenz zum Wiederaufbau der Ukraine. Selenskyj versprach «maximale Transparenz» bei allen Projekten angesichts von Sorgen über Korruption in seinem Land.

Im Hauptquartier der Nato in Brüssel sollen am Vormittag die zur Aufnahme von Schweden und Finnland notwendigen Beitrittsprotokolle unterzeichnet werden. An der Zeremonie sind Vertreter aller 30 Mitgliedstaaten beteiligt. Aufgrund des folgenden Ratifizierungsprozesses in den Bündnisstaaten könnte es Schätzungen zufolge noch sechs bis acht Monate dauern, bis Finnland und Schweden tatsächlich in die Militärallianz aufgenommen werden können.

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Russische Invasion: Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

«Wir müssen sie brechen»: Selenskyj zufolge fügt die Ukraine russischen Truppen jeden Tag Verluste bei. Die russische Verwaltung will Kontrolleure im AKW Saporischschja erlauben. News im Überblick.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat dazu aufgerufen, rasch mit dem Wiederaufbau des Landes zu beginnen und nicht bis zu einem Ende des russischen Angriffskriegs zu warten.

Allein in den Gebieten, aus denen russische Truppen wieder vertrieben worden seien, gebe es Zehntausende zerstörte Häuser. Unterdessen wurde in der Nacht zum Dienstag in fast der gesamten Ukraine erneut Luftalarm ausgelöst. Aus dem nordöstlichen Gebiet Sumy wurde Beschuss mit Raketen und Granaten gemeldet, der mehrere Menschen verletzt habe.

Selenskyj: Schon jetzt für Energie im Winter sorgen

Die Ukraine müsse sich schon jetzt auf den Winter vorbereiten, unter anderem um die Energieversorgung zu sichern, sagte Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache. Große Teile der Wirtschaft seien von Kämpfen und russischen Angriffen lahmgelegt worden. Tausende Unternehmen stünden still. Zugleich müsse es beim Wiederaufbau um mehr gehen als nur darum, zerstörte Wände wieder hochzuziehen: «Die Ukraine muss das freieste, modernste und sicherste Land in Europa werden.»

In Lugano in der Schweiz läuft gerade eine erste große Konferenz zum Wiederaufbau der Ukraine. Der ukrainische Regierungschef Denys Schmyhal schätzte dort, dass hierfür mindestens 750 Milliarden Dollar (knapp 720 Milliarden Euro) notwendig seien.

Selenskyj: «Wir müssen sie brechen»

Selenskyj äußerte sich nur kurz zum Verlauf der Kampfhandlungen im Osten des Landes, wo ukrainische Truppen am Wochenende die Stadt Lyssytschansk aufgeben mussten. Die russischen Streitkräfte haben damit das Gebiet Luhansk größtenteils unter ihre Kontrolle gebracht – was als eines ihrer zentralen Kriegsziele galt.

Die ukrainischen Streitkräfte fügten dem russischen Militär jeden Tag Verluste bei, sagte Selenskyj. «Wir müssen sie brechen.» Das werde zwar Zeit und «übermenschliche Anstrengungen» erfordern, es gebe aber keine Alternative, um die Zukunft der Ukraine zu sichern. Selenskyj zeigte sich überzeugt, dass besetzte Gebiete zurückerobert würden.

Ukrainischer Generalstab: Kämpfe gehen im Gebiet Donezk weiter

In der Ostukraine verlagerte sich nach dem ukrainischen Rückzug aus Lyssytschansk der Schwerpunkt der Kämpfe ins benachbarte Gebiet Donezk. An der Grenze zur Region Luhansk seien bei Bilohoriwka und Werchnjokamjanske erfolgreich russische Angriffe abgewehrt worden, teilte der ukrainische Generalstab auf Facebook mit. Umkämpft sei ebenso das Wärmekraftwerk Wuhlehirsk westlich des bereits von prorussischen Separatisten eroberten Switlodarsk.

Gebietsgewinne hätten die russischen Truppen hingegen nördlich von Slowjansk bei Masaniwka erzielt. Darüber hinaus seien ukrainische Positionen an weiten Teilen der Front mit Artillerie, Raketenwerfern und Mörsern beschossen worden. Die russische Luftwaffe habe zudem Stellungen ukrainischer Einheiten bombardiert.

Selenskyjs Berater Olexij Arestowytsch zeigte sich zuversichtlich, dass ukrainische Truppen nach der Aufgabe von Lyssytschansk die Verteidigungslinien an anderen Frontabschnitten stabilisieren können. Insgesamt könne man jedoch sagen, dass Russlands Militär das Gebiet Luhansk erobert habe, räumte er bei Youtube ein.

Verwaltung im Gebiet Cherson nach russischem Muster

Russland verstärkt derweil die Anstrengungen, seine Kontrolle über besetzte ukrainische Gebiete zu zementieren. So sollen in der südlichen Region Cherson nach der Einführung des Rubel als Währung und der Ausgabe russischer Pässe auch Verwaltungsstrukturen nach russischem Muster aufgebaut werden.

Ziel sei eine Integration in die Russische Föderation, betonte der Vize-Chef der russischen Militärverwaltung, Kirill Stremoussow, beim Nachrichtendienst Telegram. Am Dienstag solle eine neue Regionalregierung die Arbeit aufnehmen.

Bereit für IAEA-Kontrolle in AKW Saporischschja

Die von Russland eingesetzte Verwaltung hat sich offen für den Besuch von Vertretern der Atomenergiebehörde IAEA im Atomkraftwerk Saporischschja gezeigt, das auf besetztem Gebiet liegt. «Wir sind absolut bereit, IAEA-Experten auf das Objekt zu lassen», sagte der Chef der Besatzungsverwaltung, Jewgeni Balizki, der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass.

Ein Brand in einem Trainingsgebäude des größten Atomkraftwerks Europas während eines russischen Angriffs Anfang März hatte international große Besorgnis ausgelöst. Balizki betonte, dass die Besatzungsbehörden die Anlage nach IAEA-Vorgaben nicht komplett unter ihre Kontrolle stellen könnten, sondern gemeinsam mit der Ukraine betreiben müssten.

Scholz berät mit Macron über weiteren Ukraine-Kurs

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) traf sich zu Beratungen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Paris. Wichtigstes Thema war die deutsch-französische Abstimmung über das weitere Vorgehen im Ukraine-Krieg und die weitere Unterstützung für das Land, wie der Élyséepalast am Montagabend mitteilte. In dem Zusammenhang ging es demnach auch um Schritte zur europäischen Unabhängigkeit in den Bereichen Energie, Verteidigung und strategische Rohstoffe. Scholz und Macron waren im vergangenen Monat gemeinsam zu einem Besuch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew gewesen.

Das wird am Dienstag wichtig

In Lugano in der Schweiz endet die Konferenz zum Wiederaufbau der Ukraine. Selenskyj versprach «maximale Transparenz» bei allen Projekten angesichts von Sorgen über Korruption in seinem Land.

Im Hauptquartier der Nato in Brüssel sollen am Vormittag die zur Aufnahme von Schweden und Finnland notwendigen Beitrittsprotokolle unterzeichnet werden. An der Zeremonie sind Vertreter aller 30 Mitgliedstaaten beteiligt. Aufgrund des folgenden Ratifizierungsprozesses in den Bündnisstaaten könnte es Schätzungen zufolge noch sechs bis acht Monate dauern, bis Finnland und Schweden tatsächlich in die Militärallianz aufgenommen werden können.

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Charkiw Donezbecken Großstadt ISS Kiew Kramatorsk Luhansk Lyssytschansk Moskau Russland Schweiz Ukraine Wolodymyr Selenskyj

Russische Invasion: Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Moskau meldet weiter militärische Erfolge, die Ukraine spricht eher von taktischen Rückzügen. Die Entwicklungen im Überblick.

Nach der Einnahme der Großstadt Lyssytschansk im Osten der Ukraine rücken die russischen Truppen weiter vor. «In Richtung Slowjansk versuchen die Russen, die Kontrolle über die Ortschaften Bohorodytschne, Dolyna und Masaniwka herzustellen», teilte der ukrainische Generalstab in Kiew mit.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sieht trotz des Rückzugs seiner Armee die Region aber noch nicht als verloren an. Die Ukraine werde dank Taktik und mehr moderner Waffen wieder zurückkommen, sagte er. In der Schweiz trafen sich unterdessen Vertreter der internationalen Gemeinschaft, um erste Pläne für den Wiederaufbau zu schmieden.

Russische Truppen überqueren Fluss

Von Osten her haben die russischen Truppen den Fluss Siwerskyj Donez überquert. Dort versuche der Feind die ukrainischen Kräfte auf eine neue Verteidigungslinie zwischen Siwersk, Soledar und Bachmut zurückzudrängen, hieß es in dem Lagebericht aus Kiew. Diese drei Städte liegen etwa 30 bis 40 Kilometer östlich vom Ballungsraum Slowjansk-Kramatorsk, der als Hauptquartier der ukrainischen Verteidigungskräfte im Donbass gilt. An anderen Frontabschnitten, sowohl im Norden um die Millionenstadt Charkiw als auch im Süden in den Schwarzmeerregionen Saporischschja, Cherson und Mykolajiw gab es nach ukrainischen Angaben trotz schwerer Artilleriegefechte keine nennenswerten Truppenbewegungen. Unabhängig lassen sich die Angaben nicht überprüfen.

Fast gesamte Infrastruktur in Region Lyssytschansk beschädigt

In der von Russland eroberten Stadt Lyssytschansk im Osten der Ukraine sind nach ukrainischen Angaben von einstmals mehr als 100.000 Einwohnern nur noch wenige Tausend übrig geblieben. Der Militärgouverneur der Region Luhansk, Serhij Hajdaj, nannte im ukrainischen Fernsehen eine Größenordnung von etwa 10.000. In der Nachbarstadt Sjewjerodonezk, die sich ebenfalls unter russischer Kontrolle befindet, seien nur noch etwa 8000 Menschen verblieben. Auch dort lebten vor Beginn des Krieg mehr als 100.000. In dem Ballungsraum sei inzwischen fast alles zerstört: Die Infrastruktur sei zu 90 Prozent beschädigt, 60 Prozent der Wohnhäuser seien zerstört. Unabhängig sind die Angaben kaum zu überprüfen.

Russlands Kosmonauten feiern auf ISS

Nach der Eroberung von Lyssytschansk haben sich Russlands Kosmonauten auf der Internationalen Raumstation ISS in Feierlaune gezeigt. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos veröffentlichte ein Foto, das Denis Matwejew, Sergej Korssakow und Oleg Artemjew mit einer Flagge der selbsternannten «Volksrepublik Luhansk» in den Händen zeigt. Russlands Truppen und prorussische Separatisten hätten Luhansk nun vollständig «befreit», heißt es in einer angehängten Mitteilung. «Wir feiern auf der Erde und im Weltraum.» Ein zweites Foto zeigt die drei Raumfahrer mit einer Donezker Fahne.

Kiew will Wiederaufbau mit russischem Geld finanzieren

Der ukrainische Regierung will den Wiederaufbau zu einem großen Teil mit russischem Geld finanzieren. Nötig seien nach Schätzungen mindestens 750 Milliarden Dollar (knapp 720 Milliarden Euro), sagte Regierungschef Denys Schmyhal bei der ersten großen Wiederaufbau-Konferenz in Lugano in der Schweiz. Herangezogen werden sollten die rund 300 bis 500 Milliarden Dollar Vermögenswerte des russischen Staates und von Oligarchen, die weltweit eingefroren seien.

UN wollen Solidarität der Weltgemeinschaft

Die Vereinten Nationen appellieren an die Solidarität der Weltgemeinschaft, um die verheerenden Folgen des russischen Angriffskriegs zu meistern. «Wir haben in Deutschland selbst in unserer Geschichte Solidarität erfahren», sagte der Chef des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP), Achim Steiner, ebenfalls in Lugano. Den Ukrainern zu helfen, werde die westlichen Volkswirtschaften nicht über Gebühr belasten. «Und es wird gleichzeitig auch im Eigeninteresse Europas dazu beitragen, dass wir nicht in eine noch katastrophalere Situation kommen», sagte Steiner.

Kein Glückwunschtelegramm aus Moskau zum Unabhängigkeitstag

Aus Ärger über die aus seiner Sicht russlandfeindliche US-Politik gratuliert Kremlchef Wladimir Putin seinem Kollegen Joe Biden in diesem Jahr nicht zum amerikanischen Unabhängigkeitstag. «Nein, dieses Jahr wird kein Glückwunsch-Telegram verschickt werden», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag der Agentur Interfax zufolge. «Das hängt damit zusammen, dass dieses Jahr zum Höhepunkt einer unfreundlichen Politik der Vereinigten Staaten gegenüber unserem Land geworden ist», sagte er mit Blick auf den amerikanischen Feiertag am 4. Juli.

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