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Umwelt : Europa züchtet immer mehr Fisch – warum das die Existenz vieler Senegalesen bedroht

In Senegal leben die Menschen vom Fisch. Doch er wird dort immer knapper und teurer. Schuld ist das Fischmehl – für die europäische Fischzucht. Ein Besuch vor Ort. 

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Energiekrise: Afrika könnte Deutschland mit grünem Wasserstoff helfen – doch noch fließt zu wenig Geld

Mitten in der Energiekrise schaut Deutschland händeringend auf grünen Wasserstoff als Hoffnungsträger. Afrika könnte dabei zum zentralen Produzenten werden. Doch noch gibt es große Hürden.

Grüner Wasserstoff gilt als Lichtblick. Als heiß begehrte, umweltfreundliche Lösung, den stetig wachsenden Energiebedarf der Welt zu decken und dennoch den Klimawandel zu mildern. Afrika hat dafür alles, was grundlegend notwendig ist: große Flächen an unbebautem Land, Sonne, Wind und Wasserkraft. Kein Wunder, dass viele Länder, einschließlich Deutschland, auf Afrika als neuen Lieferanten für sauberen Strom setzen.

Wenn es um Innovation geht, steht Afrika normalerweise hinten an. Doch beim Thema „grüner“ Wasserstoff, der klimaneutral mit Hilfe von Ökostrom produziert wird, mischt der Kontinent vorne mit. Bei der Elektrolyse wird unter Einsatz von grünem Strom Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. „Wir erwarten schon ab 2024 Projekte in angemessenem Umfang, vor allem in Nordafrika“, sagt Minh Khoi Le, Wasserstoffexpertin beim Osloer Forschungsinstitut Rystad Energy.

PAID Olaf Scholz in Afrika, 19.00

Afrika hat Sonne, Wind, Wasserkraft und weite Flächen

Im Mai gründeten sechs Länder – Ägypten, Kenia, Mauretanien, Marokko, Namibia und Südafrika – ein von den Vereinten Nationen unterstütztes Bündnis, das jährlich gemeinsam 500 Kilotonnen grünen Strom produzieren will. Die größte Initiative darunter ist das mauretanische 10GW Projekt Nour, das in Partnerschaft mit der britischen Chariot Energy Group und dem niederländischen Hafen Rotterdam ab 2030 jährlich 600.000 Tonnen grünen Wasserstoff nach Europa liefern will.

Nach Angaben des Finanzanalyse-Konzerns S&P Global gibt es aktuell in Afrika zehn grüne Wasserstoff-Projekte in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Knapp 600 regenerative Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 64.000 Megawatt seien bereits in Betrieb; 580 weitere mit einer Leistung von 152.000 Megawatt geplant.

Die leichte Verfügbarkeit von Wind- und Sonnenergie sei eine „große Chance“ für Afrika, sagt S&P-Analystin Erika Baldessin. „Afrika hat das Potenzial, sich zu einem kostengünstigen weltweiten Lieferanten zu entwickeln.“ Der vorkalkulierte Exportpreis für die Produktion grünen Wasserstoffs in Westafrika liege beispielsweise bei unter 2,50 Euro pro Kilogramm, sagt Solomon Agbo, ein Physiker des Forschungszentrums Jülich der Delft Universität in den Niederlanden. Das sei deutlich günstiger als die in Deutschland auf etwa 3,80 Euro pro Kilo geschätzte Produktion.

Geisterstadt 11.15

Afrika könnte zu wichtigem Partner für Deutschland werden

Agbo ist Projektkoordinator des Projekts H2Atlas Africa, mit dem die Bundesregierung in Kooperation mit Ländern in Sub-Sahara Afrika grüne Wasserstoff-Projekte erschließen will. In Westafrika sei ein Drittel der Landfläche für Photovoltaikanlagen und Dreiviertel für Onshore-Windkraftanlagen geeignet, so Agbo. Die Region habe das Potential, theoretisch bis zu 165.000 Terawattstunden im Jahr zu produzieren. Das wäre mehr als ausreichend: Deutschlands Wasserstoffstrategie geht bis 2030 von einem Bedarf von etwa 90 bis 110 Terawattstunden aus.

Deutschland hat als Teil seiner Nationalen Wasserstoffstrategie Partnerschaften mit Namibia, der Demokratischen Republik Kongo, Südafrika, Angola und Marokko geschlossen. Auch die EU plant, bis 2050 auf grünen Wasserstoff umzusteigen. Um sich von der Energieversorgung aus Russland unabhängig zu machen, wurde die RepowerEU-Strategie im März um weitere 10 Millionen Tonnen grüne Wasserstoffimporte pro Jahr aufgestockt. Dies kommt zu dem bestehenden EU-Ziel hinzu, bis zum Jahr 2030 20 Millionen Tonnen grünen Wasserstoff zu verbrauchen.

Bislang gibt es vor allem Pläne und noch wenig investiertes Kapital. Laut einem Bericht der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) und der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) sind in den vergangenen 20 Jahren lediglich zwei Prozent aller Investitionen in erneuerbare Energien nach Afrika geflossen. Das Blatt sollte sich jedoch in naher Zukunft wenden, meinen Experten.

heute wichtig 350, 30.8.

Vielversprechende Wasserstoff-Projekte in Angola und Namibia

Eins der ersten funktionstüchtigen Projekte in Afrika könnte binnen zwei Jahren im südwestlichen Angola startklar sein. In der Nähe der Hauptstadt Luanda ist ein von Deutschland mitfinanziertes 2-Gigawatt-Wasserkraftwerk gebaut. Von den bislang ungenutzten Kapazitäten sollen ab 2024 zunächst 400 Megawatt und später bis zu 1000 Megawatt für die Erzeugung grünen Wasserstoffs genutzt werden. Die Stromleitung zum Hafen, wo die Elektrolyse stattfinden soll, steht. Nächster Schritt ist der Bau einer Elektrolyseanlage durch die deutschen Firmen Gauff und Conjuncta in Kooperation mit Sonangol.

Als größter Ölkonzern Afrikas weiß Sonangol, wie man Gas auf dem Weltmarkt verkauft und exportiert. „Damit könnte Deutschland seine Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen ein Stück reduzieren“, sagt Conjuncta-Chef Stefan Liebing. „Afrika hat das Potenzial, zu einem der wichtigsten Partner für Deutschland und Europa zu werden.“

Nachbarland Namibia hat ein auf 9,4-Milliarden-Euro geschätztes Projekt für grünen Wasserstoff, das 2026 in Produktion gehen soll. Auch Südafrika verkündete im Februar Pläne, in den nächsten zehn Jahren grüne Wasserstoffprojekte im Wert von knapp 18 Milliarden Euro zu starten. Auf der UN-Klimakonferenz in Glasgow wurden dem Land an der Südspitze Afrikas dafür 8,5 Milliarden Euro versprochenen. Kenia, Marokko und Nigeria befinden sich in ähnlichen Entwicklungsstadien, während Ägypten drei öffentlich-private grüne Wasserstoff-Projekte mit einer Gesamtkapazität von 300 Megawatt plant. Dafür wurde bereits eine Absichtserklärung mit Siemens unterzeichnet.

Grüner Wasserstoff FAQ Scholz Kanada 19.48

Gute Infrastruktur und stabiles Versorgungsnetzwerk bleiben Schwachstelle

Doch es gibt auch Hürden: Projekte müssen schnell ein signifikantes Exportvolumen erreichen, um rentabel zu werden. Dazu ist enge Zusammenarbeit von Regierungen, Unternehmen, Investoren, multilateralen Entwicklungsbanken und technischen Experten nötig. Transparenz und Rechenschaftspflicht werden von zentraler Bedeutung sein, um Fallstricke zu vermeiden, die die Rohstoffindustrie auf dem Kontinent so lange geplagt haben.

Es braucht zudem eine gute logistische Infrastruktur und den Aufbau eines Versorgungsnetzwerks, um den Wasserstoff zu den Kunden zu pumpen – Afrikas Schwachstelle. Dazu kommt nach Angaben der Weltbank ein Mangel an qualifizierten Ingenieuren, die integrierte Brennstoffzellen- und Wasserstoffsysteme installieren, überwachen, betreiben und warten können. Wasserstoffexpertin Khoi Le bleibt jedoch optimistisch: „Afrika steht vor der gleichen technischen Herausforderung wie der Rest der Welt. Die Produktion grünen Wasserstoffs in großem Maßstab ist für alle neu.“

Bislang schaut hauptsächlich Europa in Richtung Afrika. Weder Russland noch China, der weltweit führende Produzent grünen Wasserstoffs, hätten auf dem Kontinent investiert, was grünen Strom betrifft, sagt Khoi Le. Allerdings habe der chinesische Solar-Branchenriese GCL Group jüngst ein Auge auf Afrikas Potential geworfen. Den Afrikanern scheint es egal zu sein, woher sie das notwendige Kapital beziehen. Man sei für alle Investoren offen, betont die Afrikanische Entwicklungsbank.

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Airbus A320 Airbus S. A. S. Conakry Guinea Lissabon Motorrad Portugal Westafrika

Tap Air Portugal: Airbus aus Lissabon rammt bei der Landung Motorrad – zwei Tote

Ungewöhnlicher Zwischenfall am Ende eines vierstündigen Linienfluges nach Guinea: Als der Airbus der portugiesischen Airline TAP landet, kommt dem Jet ein Motorrad in die Quere – mit fatalen Folgen.

Die portugiesische Fluggesellschaft TAP unterhält ein dichtes Streckennetz nach Afrika. Zu den Zielen gehört auch Conakry, die Hauptstadt Guineas in Westafrika. Auf dem mehrmals pro Woche durchgeführten Flug kommt ein Airbus A320 zum Einsatz.

STERN PAID von Capital Flugchaos Lufthansa Entschaedigung 15.12

Am 2. September startete in Lissabon ein A320-200neo zu dem viereinhalbstündigen Abendflug mit einstündiger Verspätung. Die Reise des Fluges mit dem Kürzel TP1492 in südlicher Richtung verlief zunächst normal. Auf dem Weg nach Guinea wurden die Länder Marokko, Mauretanien und Senegal überflogen. Doch bei der Landung ereignete sich der ungewöhnliche Zwischenfall.

Als der zweistrahlige Jet mit der Kennung CS-TVI gegen 23:36 Uhr Ortszeit am Aéroport international Ahmed-Sékou-Tour aufsetzte, kam es zu einem Zusammenstoß mit einem Motorrad, das im selben Moment aus bisher ungeklärten Gründen in der Dunkelheit die Piste überquerte.

Dabei wurde das mit zwei Personen besetzte Motorrad vom rechten Triebwerk erfasst, an dem erheblicher Sachschaden entstand. Nach Angaben des „Aviation Herald“ starben beide Personen, die auf dem Motorrad saßen, bei der Kollision. Der Motorradfahrer wurde als Leiter des Wachdienstes identifiziert, der für den Schutz der Flughafeneinrichtungen verantwortlich war.

Ultra Langstreckenflüge 8.00

Nach Medienberichten wurde der Flughafen vorübergehend geschlossen und der Rückflug mit dem Kürzel TP1493 abgesagt. Auf Twitter veröffentlichte der Flughafen die Meldung: „Die guineische Zivilluftfahrtbehörde (AGAC) mit Unterstützung der Sicherheitsabteilung von SOGEAC untersucht den Vorfall, um die Ursachen und Verantwortlichkeiten der beteiligten Parteien herauszufinden.“

Quelle: https://avherald.com

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Benin Deutsche Presse-Agentur Frauen Lagos Nigeria Polizei Ritualmord Westafrika

Westafrika: Nigeria: Polizei findet 20 mumifizierte Leichen in Wohnhaus

Waren es Ritualmorde? Die Polizei macht in einem Gebäude in der Stadt Benin eine grauenerregende Entdeckung: Mumien von 15 Männern, drei Frauen und zwei Kindern.

Im westafrikanischen Nigeria haben Polizeibeamte 20 mumifizierte Leichen in einem Wohnhaus gefunden. Es seien die Mumien von 15 Männern, drei Frauen und zwei Kindern, sagte Polizeisprecher Chidi Nwabuzor der Deutschen Presse-Agentur.

In dem Gebäude in der Stadt Benin im südwestlichen Bundesstaat Edo hätten Beamte auch zahlreiche Fetische gefunden. Man vermute, dass diese für Ritualmorde benutzt worden seien, so Nwabuzor. Die Polizei habe Ermittlungen eingeleitet und drei Personen festgenommen; andere vermutliche Täter befänden sich auf der Flucht.

Ungefähr die Hälfte von Nigerias mehr als 200 Millionen Einwohnern sind Christen, die andere Hälfte Muslime. Dennoch ist der Glaube an die heilenden Kräfte traditioneller Medizin und Rituale weit verbreitet. In wenigen Fällen werden menschliche Körperteile in derartigen Praktiken verwendet.

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Benin Deutsche Presse-Agentur Frauen Lagos Nigeria Polizei Ritualmord Westafrika

Westafrika: Nigeria: Polizei findet 20 mumifizierte Leichen in Wohnhaus

Waren es Ritualmorde? Die Polizei macht in einem Gebäude in der Stadt Benin eine grauenerregende Entdeckung: Mumien von 15 Männern, drei Frauen und zwei Kindern.

Im westafrikanischen Nigeria haben Polizeibeamte 20 mumifizierte Leichen in einem Wohnhaus gefunden. Es seien die Mumien von 15 Männern, drei Frauen und zwei Kindern, sagte Polizeisprecher Chidi Nwabuzor der Deutschen Presse-Agentur.

In dem Gebäude in der Stadt Benin im südwestlichen Bundesstaat Edo hätten Beamte auch zahlreiche Fetische gefunden. Man vermute, dass diese für Ritualmorde benutzt worden seien, so Nwabuzor. Die Polizei habe Ermittlungen eingeleitet und drei Personen festgenommen; andere vermutliche Täter befänden sich auf der Flucht.

Ungefähr die Hälfte von Nigerias mehr als 200 Millionen Einwohnern sind Christen, die andere Hälfte Muslime. Dennoch ist der Glaube an die heilenden Kräfte traditioneller Medizin und Rituale weit verbreitet. In wenigen Fällen werden menschliche Körperteile in derartigen Praktiken verwendet.

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Afrika Asteroid CNN Dinosaurier Erdbeben Erdgeschichte Meeresgrund Mexiko Westafrika

Erdgeschichte: Forscher entdecken riesigen Krater im Meer – er soll mit dem Aussterben der Dinos zusammenhängen

Etwa 400 Kilometer westlich von Afrika befindet sich ein bisher unbekannter Krater auf dem Meeresgrund. Das spannende daran: seine Größe – und sein Alter.

Vieles weiß die Wissenschaft bereits über die Geschichte unseres Planeten. Etwa, dass vor rund 66 Millionen Jahren ein Asteroid mit einem Durchmesser von zehn Kilometern in der Nähe von Mexiko einschlug.

Durch den Aufprall setzte sich eine Kettenreaktion in Gang, in deren Folge ein Großteil der auf der Erde lebenden Tiere ausstarb. Darunter fast alle Dinosaurier. Aber wie ein Forschungsteam nun feststellte, könnte dieser fatale Asteroid nicht allein gewesen sein. James Webb Teleskop Geburt eines Sterns 08.02

Am Boden des Ozeans, gut 400 Kilometer von der Küste Westafrikas entfernt, fand der schottische Wissenschaftler Uisdean Nicholson einen großen, zuvor unbekannten Krater. Eigentlich hatte er zu Erdbeben geforscht, als er zufällig auf die unerwartete Formation stieß. „Als ich die Daten auswertete, bemerkte ich diese sehr ungewöhnliche, kraterförmige Vertiefung, wie ich sie noch nie in dieser Form gesehen hatte“, sagte er gegenüber CNN.

Asteroid verursachte bis zu einen Kilometer hohe Wellen

Der Krater ist acht Kilometer breit und wurde vermutlich von einem Asteroiden geschaffen, der rund 400 Meter Durchmesser aufwies. Das ist zwar deutlich kleiner als der Asteroid, der das Ende der Dinosaurier eingeläutet hatte, aber dennoch vergleichsweise groß. Sein Einschlag muss ein heftiges Erdbeben ausgelöst haben, einen Tsunami mit Wellen, die bis zu einen Kilometer hoch ragten. FS Teleskop Fast

Das Spannende: Nachdem Forscher:innen winzige Fossilien in der Nähe des Kraters untersucht hatten, datierten sie den Einschlag ebenfalls auf etwa dieselbe Zeit, in der auch der große Asteroid bei Mexiko einschlug: vor 66 Millionen Jahren. Allerdings ist eine Datierung über so lange Zeit nicht punktgenau – der neu entdeckte Asteroidenkrater, den die Forscher:innen inzwischen Nadir-Krater nennen, könnte durchaus auch eine Million Jahre älter oder jünger sein als sein „großer Bruder“.

Bohrproben sollen mehr Informationen liefern

Es sei jedoch nicht ausgeschlossen, dass es sich ursprünglich um denselben Asteroiden gehandelt habe, der beim Eindringen in die Erdatmosphäre in zwei oder mehrere Stücke zerbrochen ist. Um mehr herauszufinden, sollen nun Bohrproben am Meeresgrund vorgenommen werden, aus denen dann auch ermittelt werden kann, aus welchen Materialien der Asteroid einst bestand. In jedem Fall wird man daraus noch mehr über die Vergangenheit unseres Planeten lernen.

Quelle: CNN

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Affenpockenvirus Brasilien China Coronavirus Deutsche Presse-Agentur Europa HIV Jagd Richard Neher Sars-Cov-2 Schweine Schweinegrippe Umbenennung Universität Basel USA Virus Weltgesundheitsorganisation Westafrika WHO Wuhan

Wegen Stigmatisierung: Affen aus Angst vor Affenpockenvirus gejagt – Umbenennung der Krankheit gefordert

Das Affenpockenvirus breitet sich aus. Aus Angst vor einer Infektion wird mancherorts bereits Jagd auf Affen gemacht. Schuld daran ist laut Experten auch der Name der Krankheit.

Als sich das neuartige Coronavirus von Wuhan in China aus Anfang 2020 in der Welt ausbreitete, wurden vielerorts Menschen ausgegrenzt, die für Chinesen gehalten wurden. Wegen der Schweinegrippe 2009 wurden in vielen Ländern Millionen Schweine geschlachtet und in Brasilien sind jetzt die ersten Affen mit Steinen und Gift attackiert worden – alles irrationale Reaktionen in der irrigen Annahme, man könne sich dadurch vor einer neuen Gefahr schützen.

Was Namen wie Virus aus Wuhan oder Schweinepest für Viren oder Krankheiten auslösen können, ist bekannt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) macht seit Wochen Druck, dass der Name Affenpocken geändert wird. Aber sind so einprägsame Bezeichnungen nicht besser als Buchstaben- und Zahlenkombinationen wie H1N1 für Schweinegrippe oder Sars-CoV-2 für das Coronavirus? „Was einfach ist, ist ja nicht notwendigerweise geboten“, sagt Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel der Deutschen Presse-Agentur. STERN PAID Affenpocken HIV Interview 16.45

Neutrale Namen gefordert

Er unterzeichnete im Juni einen Aufruf, neutrale Namen für Affenpocken-Untergruppen zu finden und nicht von „Westafrika“- oder „Kongobecken“-Gruppen zu reden. Damit werde der falsche Eindruck erweckt, die jüngsten Ausbrüche überwiegend in Europa, den USA und Brasilien hätten etwas mit Afrika zu tun, heißt es darin. Das sei diskriminierend und stigmatisierend. Die mehr als zwei Dutzend Virologinnen und Virologen kritisierten, dass dazu auch noch oft Fotos afrikanischer Patienten gestellt werden würden.

„Das Problem mit den geografischen Bezeichnungen ist zum einen, dass sie oft nicht stimmen, zum anderen, dass sie oft dazu führen, dass die Orte, nach denen die Erreger benannt werden, Nachteile erfahren“, sagt Neher. Zum Beispiel, dass Reisen in die Regionen vermieden werden. Zudem würden Länder, die Krankheiten gut überwachen und etwa neue Virenvarianten entdecken und beschreiben, bestraft, wenn die neue Variante dann nach dem Land benannt werde. Die legendäre Spanische Grippe 2018 etwa wurde zwar von Spanien als erstes gemeldet, die ersten Fälle traten aber schon früher in den USA auf, wie die US-Gesellschaft für Mikrobiologie (ASM) berichtet.

„Angst braucht einen Namen“

Dass sich Begriffe wie Schweinegrippe oder Wuhan-Virus schnell durchsetzten, sei menschlich, schrieb Susan Hardy, Dozentin für Sozialwissenschaften auf der Webseite der Universität von Sydney. „Angst braucht einen Namen, und etwas zu benennen suggeriert, dass etwas getan wird.“ Es gehe auch um die Suche nach Sündenböcken.Tiere und Corona: Welche infizieren sich 10.35

Bei der neuen Influenza-Virusvariante 2009 waren es die Schweine, obwohl das Virus auch Menschen infiziert und von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Beim Coronavirus sprach nicht nur der damalige US-Präsident Donald Trump vom „Wuhan-“ oder „China Virus“, um Peking Schuld an der Ausbreitung zuzuschieben. Er verlangte explizit, China müsse zur Rechenschaft gezogen werden.

Seit 2015 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Richtlinien, um zu verhindern, dass Krankheitsnamen negative Folgen für Handel, Reisen, Tourismus oder Tierwohl haben oder kulturelle, soziale, regionale oder ethnische Gruppen womöglich an den Pranger stellen.

Namen wie Affenpockenvirus können Unheil anrichten

Das Affenpockenvirus heißt so, weil es in den 1950er Jahren in Dänemark erstmals in Affen nachgewiesen wurde. Es hätte auch dänisches Virus heißen können, wie das Marburg-Virus, das so heißt, weil es in den 1960er Jahren in der hessischen Stadt identifiziert wurde. Bei den Affenpocken ist heute klar, dass sich zwar Affen – wie Menschen – infizieren können. Natürliche Wirte sind aber Nagetiere. Bei der jüngsten Ausbreitung wird das Virus durch engen Körperkontakt zwischen Menschen übertragen und hat mit Affen nichts zu tun.

Für die Virus-Bezeichnung ist ein Gremium aus Hunderten Virologen (ICTV) zuständig. Sie haben auch das Coronavirus Sars-CoV-2 benannt. Krankheitsnamen beschließt die WHO. Sie nannte etwa die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Krankheit Covid-19. Womöglich kann es den ein oder anderen Affen schützen, wenn der Name geändert wird. Doch auch bei Gelbfieber-Ausbrüchen wurden in Brasilien Affen angegriffen.

Die Stigmatisierung und Diskriminierung der von einer Krankheit Betroffenen ist noch eine ganz andere Sache. Die in den 80er Jahren zuerst bei schwulen Männern in den USA festgestellte Immunschwäche wurde zunächst Grid genannt – für gay-related immune deficiency – etwa: mit Schwulen in Verbindung stehende Immunschwäche. Obwohl seit langem bekannt ist, dass sich die Krankheit keineswegs auf schwule Männer beschränkt, hat die Änderung des Namens in Aids (acquired immune deficiency syndrome – etwa: erworbenes Immunschwächesyndrom) zunächst kaum etwas bewirkt. Noch über viele Jahre sind Menschen von Schwulen aus Angst vor einer Ansteckung abgerückt.

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Affenpocken Afrika Brasilien China Coronavirus Deutsche Presse-Agentur Europa Richard Neher Sars-Cov-2 Schweine Schweinegrippe Universität Basel USA Virus Westafrika WHO Wuhan

Namenssuche: Aus Angst vor Affenpocken: Angriffe auf Affen in Brasilien

Seit die einst obskuren Affenpocken sich in der Welt ausbreiten, warnen Experten wegen des Namens. Krankheitsnamen sollen nichts und niemanden stigmatisieren. Jetzt werden aber die ersten Affen Opfer.

Virus aus Wuhan, Schweinegrippe, Affenpocken: was solche Namen für Viren oder Krankheiten auslösen können, ist bekannt. Als das neuartige Coronavirus von Wuhan in China aus Anfang 2020 in der Welt ausbreitete, wurden vielerorts Menschen ausgegrenzt, die für Chinesen gehalten wurden. Wegen der Schweinegrippe 2009 wurden in vielen Ländern Millionen Schweine geschlachtet, und wegen der Affenpocken sind jetzt in Brasilien die ersten Affen mit Steinen und Gift attackiert worden – alles irrationale Reaktionen in der irrigen Annahme, man könne sich dadurch vor einer neuen Gefahr schützen.

Die WHO macht seit Wochen Druck, dass der Name Affenpocken geändert wird. Aber sind so einprägsame Bezeichnungen nicht besser als Buchstaben- und Zahlenkombinationen wie H1N1 für Schweinegrippe oder Sars-CoV-2 für das Coronavirus? „Was einfach ist, ist ja nicht notwendigerweise geboten“, sagt Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel der Deutschen Presse-Agentur.

Er unterzeichnete im Juni einen Aufruf, neutrale Namen für Affenpocken-Untergruppen zu finden und nicht von „Westafrika“- oder „Kongobecken“-Gruppen zu reden. Damit werde der falsche Eindruck erweckt, die jüngsten Ausbrüche überwiegend in Europa, den USA und Brasilien hätten etwas mit Afrika zu tun, heißt es darin. Das sei diskriminierend und stigmatisierend. Die mehr als zwei Dutzend Viirologinnen und Virologen kritisierten, dass dazu auch noch oft mit Fotos afrikanischer Patienten gestellt werden würden.

Schwierig einen neuen Namen zu finden

„Das Problem mit den geografischen Bezeichnungen ist zum einen, dass sie oft nicht stimmen, zum anderen, dass sie oft dazu führen, dass die Orte, nach denen die Erreger benannt werden, Nachteile erfahren“, sagt Neher. Zum Beispiel, dass Reisen in die Regionen vermieden werden. Zudem würden Länder, die Krankheiten gut überwachen und etwa neue Virenvarianten entdecken und beschreiben, bestraft, wenn die neue Variante dann nach dem Land benannt werde. Die legendäre Spanische Grippe 1918 etwa wurde zwar von Spanien als erstes gemeldet, die ersten Fälle traten aber schon früher in den USA auf, wie die US-Gesellschaft für Mikrobiologie (ASM) berichtet.

Dass sich Begriffe wie Schweinegrippe oder Wuhan-Virus schnell durchsetzten, sei menschlich, schrieb Susan Hardy, Dozentin für Sozialwissenschaften auf der Webseite der Universität von Sydney. „Angst braucht einen Namen, und etwas zu benennen suggeriert, dass etwas getan wird.“ Es gehe auch um die Suche nach Sündenböcken.

Bei der neuen Influenza-Virusvariante 2009 waren es die Schweine, obwohl das Virus auch Menschen infiziert und von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Beim Coronavirus sprach nicht nur der damalige US-Präsident Donald Trump vom „Wuhan-“ oder „China Virus“, um Peking Schuld an der Ausbreitung zuzuschieben. Er verlangte explizit, China müsse zur Rechenschaft gezogen werden.

Seit 2015 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Richtlinien, um zu verhindern, dass Krankheitsnamen negative Folgen für Handel, Reisen, Tourismus oder Tierwohl haben oder kulturelle, soziale, regionale oder ethnische Gruppen womöglich an den Pranger stellen.

Natürliche Wirte sind aber Nagetiere – keine Affen

Das Affenpockenvirus heißt so, weil es in den 1950er Jahren in Dänemark erstmals in Affen nachgewiesen wurde. Es hätte auch dänisches Virus heißen können, wie das Marburg-Virus, das so heißt, weil es in den 1960er Jahren der hessischen Stadt identifiziert wurde. Bei den Affenpocken ist heute klar, dass sich zwar Affen – wie Menschen – infizieren können. Natürliche Wirte sind aber Nagetiere. Bei der jüngsten Ausbreitung wird das Virus durch engen Körperkontakt zwischen Menschen übertragen und hat mit Affen nichts zu tun.

Für die Virus-Bezeichnung ist ein Gremium aus Hunderten Virologen (ICTV) zuständig. Sie haben auch das Coronavirus Sars-CoV-2 benannt. Krankheitsnamen beschließt die WHO. Sie nannte etwa die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Krankheit Covid-19.

Womöglich kann es den ein oder anderen Affen schützen, wenn der Name geändert wird. Doch auch bei Gelbfieber-Ausbrüchen wurden in Brasilien Affen angegriffen.

Die Stigmatisierung und Diskriminierung der von einer Krankheit Betroffenen ist noch eine ganz andere Sache. Die in den 80er Jahren zuerst bei schwulen Männern in den USA festgestellte Immunschwäche wurde zunächst Grid genannt – für gay-related immune deficiency – etwa: mit Schwulen in Verbindung stehende Immunschwäche. Obwohl seit langem bekannt ist, dass sich die Krankheit keineswegs auf schwule Männer beschränkt, hat die Änderung des Namens in Aids (acquired immune deficiency syndrome – etwa: erworbenes Immunschwächesyndrom) zunächst kaum etwas bewirkt. Noch über viele Jahre sind Menschen von Schwulen aus Angst vor einer Ansteckung abgerückt.

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Affenpocken Afrika Brasilien China Coronavirus Deutsche Presse-Agentur Europa Richard Neher Sars-Cov-2 Schweine Schweinegrippe Universität Basel USA Virus Westafrika WHO Wuhan

Namenssuche: Aus Angst vor Affenpocken: Angriffe auf Affen in Brasilien

Seit die einst obskuren Affenpocken sich in der Welt ausbreiten, warnen Experten wegen des Namens. Krankheitsnamen sollen nichts und niemanden stigmatisieren. Jetzt werden aber die ersten Affen Opfer.

Virus aus Wuhan, Schweinegrippe, Affenpocken: was solche Namen für Viren oder Krankheiten auslösen können, ist bekannt. Als das neuartige Coronavirus von Wuhan in China aus Anfang 2020 in der Welt ausbreitete, wurden vielerorts Menschen ausgegrenzt, die für Chinesen gehalten wurden. Wegen der Schweinegrippe 2009 wurden in vielen Ländern Millionen Schweine geschlachtet, und wegen der Affenpocken sind jetzt in Brasilien die ersten Affen mit Steinen und Gift attackiert worden – alles irrationale Reaktionen in der irrigen Annahme, man könne sich dadurch vor einer neuen Gefahr schützen.

Die WHO macht seit Wochen Druck, dass der Name Affenpocken geändert wird. Aber sind so einprägsame Bezeichnungen nicht besser als Buchstaben- und Zahlenkombinationen wie H1N1 für Schweinegrippe oder Sars-CoV-2 für das Coronavirus? „Was einfach ist, ist ja nicht notwendigerweise geboten“, sagt Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel der Deutschen Presse-Agentur.

Er unterzeichnete im Juni einen Aufruf, neutrale Namen für Affenpocken-Untergruppen zu finden und nicht von „Westafrika“- oder „Kongobecken“-Gruppen zu reden. Damit werde der falsche Eindruck erweckt, die jüngsten Ausbrüche überwiegend in Europa, den USA und Brasilien hätten etwas mit Afrika zu tun, heißt es darin. Das sei diskriminierend und stigmatisierend. Die mehr als zwei Dutzend Viirologinnen und Virologen kritisierten, dass dazu auch noch oft mit Fotos afrikanischer Patienten gestellt werden würden.

Schwierig einen neuen Namen zu finden

„Das Problem mit den geografischen Bezeichnungen ist zum einen, dass sie oft nicht stimmen, zum anderen, dass sie oft dazu führen, dass die Orte, nach denen die Erreger benannt werden, Nachteile erfahren“, sagt Neher. Zum Beispiel, dass Reisen in die Regionen vermieden werden. Zudem würden Länder, die Krankheiten gut überwachen und etwa neue Virenvarianten entdecken und beschreiben, bestraft, wenn die neue Variante dann nach dem Land benannt werde. Die legendäre Spanische Grippe 1918 etwa wurde zwar von Spanien als erstes gemeldet, die ersten Fälle traten aber schon früher in den USA auf, wie die US-Gesellschaft für Mikrobiologie (ASM) berichtet.

Dass sich Begriffe wie Schweinegrippe oder Wuhan-Virus schnell durchsetzten, sei menschlich, schrieb Susan Hardy, Dozentin für Sozialwissenschaften auf der Webseite der Universität von Sydney. „Angst braucht einen Namen, und etwas zu benennen suggeriert, dass etwas getan wird.“ Es gehe auch um die Suche nach Sündenböcken.

Bei der neuen Influenza-Virusvariante 2009 waren es die Schweine, obwohl das Virus auch Menschen infiziert und von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Beim Coronavirus sprach nicht nur der damalige US-Präsident Donald Trump vom „Wuhan-“ oder „China Virus“, um Peking Schuld an der Ausbreitung zuzuschieben. Er verlangte explizit, China müsse zur Rechenschaft gezogen werden.

Seit 2015 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Richtlinien, um zu verhindern, dass Krankheitsnamen negative Folgen für Handel, Reisen, Tourismus oder Tierwohl haben oder kulturelle, soziale, regionale oder ethnische Gruppen womöglich an den Pranger stellen.

Natürliche Wirte sind aber Nagetiere – keine Affen

Das Affenpockenvirus heißt so, weil es in den 1950er Jahren in Dänemark erstmals in Affen nachgewiesen wurde. Es hätte auch dänisches Virus heißen können, wie das Marburg-Virus, das so heißt, weil es in den 1960er Jahren der hessischen Stadt identifiziert wurde. Bei den Affenpocken ist heute klar, dass sich zwar Affen – wie Menschen – infizieren können. Natürliche Wirte sind aber Nagetiere. Bei der jüngsten Ausbreitung wird das Virus durch engen Körperkontakt zwischen Menschen übertragen und hat mit Affen nichts zu tun.

Für die Virus-Bezeichnung ist ein Gremium aus Hunderten Virologen (ICTV) zuständig. Sie haben auch das Coronavirus Sars-CoV-2 benannt. Krankheitsnamen beschließt die WHO. Sie nannte etwa die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Krankheit Covid-19.

Womöglich kann es den ein oder anderen Affen schützen, wenn der Name geändert wird. Doch auch bei Gelbfieber-Ausbrüchen wurden in Brasilien Affen angegriffen.

Die Stigmatisierung und Diskriminierung der von einer Krankheit Betroffenen ist noch eine ganz andere Sache. Die in den 80er Jahren zuerst bei schwulen Männern in den USA festgestellte Immunschwäche wurde zunächst Grid genannt – für gay-related immune deficiency – etwa: mit Schwulen in Verbindung stehende Immunschwäche. Obwohl seit langem bekannt ist, dass sich die Krankheit keineswegs auf schwule Männer beschränkt, hat die Änderung des Namens in Aids (acquired immune deficiency syndrome – etwa: erworbenes Immunschwächesyndrom) zunächst kaum etwas bewirkt. Noch über viele Jahre sind Menschen von Schwulen aus Angst vor einer Ansteckung abgerückt.

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Affenpocken Afrika Brasilien China Coronavirus Deutsche Presse-Agentur Europa Richard Neher Sars-Cov-2 Schweine Schweinegrippe Universität Basel USA Virus Westafrika WHO Wuhan

Namenssuche: Aus Angst vor Affenpocken: Angriffe auf Affen in Brasilien

Seit die einst obskuren Affenpocken sich in der Welt ausbreiten, warnen Experten wegen des Namens. Krankheitsnamen sollen nichts und niemanden stigmatisieren. Jetzt werden aber die ersten Affen Opfer.

Virus aus Wuhan, Schweinegrippe, Affenpocken: was solche Namen für Viren oder Krankheiten auslösen können, ist bekannt. Als das neuartige Coronavirus von Wuhan in China aus Anfang 2020 in der Welt ausbreitete, wurden vielerorts Menschen ausgegrenzt, die für Chinesen gehalten wurden. Wegen der Schweinegrippe 2009 wurden in vielen Ländern Millionen Schweine geschlachtet, und wegen der Affenpocken sind jetzt in Brasilien die ersten Affen mit Steinen und Gift attackiert worden – alles irrationale Reaktionen in der irrigen Annahme, man könne sich dadurch vor einer neuen Gefahr schützen.

Die WHO macht seit Wochen Druck, dass der Name Affenpocken geändert wird. Aber sind so einprägsame Bezeichnungen nicht besser als Buchstaben- und Zahlenkombinationen wie H1N1 für Schweinegrippe oder Sars-CoV-2 für das Coronavirus? „Was einfach ist, ist ja nicht notwendigerweise geboten“, sagt Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel der Deutschen Presse-Agentur.

Er unterzeichnete im Juni einen Aufruf, neutrale Namen für Affenpocken-Untergruppen zu finden und nicht von „Westafrika“- oder „Kongobecken“-Gruppen zu reden. Damit werde der falsche Eindruck erweckt, die jüngsten Ausbrüche überwiegend in Europa, den USA und Brasilien hätten etwas mit Afrika zu tun, heißt es darin. Das sei diskriminierend und stigmatisierend. Die mehr als zwei Dutzend Viirologinnen und Virologen kritisierten, dass dazu auch noch oft mit Fotos afrikanischer Patienten gestellt werden würden.

Schwierig einen neuen Namen zu finden

„Das Problem mit den geografischen Bezeichnungen ist zum einen, dass sie oft nicht stimmen, zum anderen, dass sie oft dazu führen, dass die Orte, nach denen die Erreger benannt werden, Nachteile erfahren“, sagt Neher. Zum Beispiel, dass Reisen in die Regionen vermieden werden. Zudem würden Länder, die Krankheiten gut überwachen und etwa neue Virenvarianten entdecken und beschreiben, bestraft, wenn die neue Variante dann nach dem Land benannt werde. Die legendäre Spanische Grippe 1918 etwa wurde zwar von Spanien als erstes gemeldet, die ersten Fälle traten aber schon früher in den USA auf, wie die US-Gesellschaft für Mikrobiologie (ASM) berichtet.

Dass sich Begriffe wie Schweinegrippe oder Wuhan-Virus schnell durchsetzten, sei menschlich, schrieb Susan Hardy, Dozentin für Sozialwissenschaften auf der Webseite der Universität von Sydney. „Angst braucht einen Namen, und etwas zu benennen suggeriert, dass etwas getan wird.“ Es gehe auch um die Suche nach Sündenböcken.

Bei der neuen Influenza-Virusvariante 2009 waren es die Schweine, obwohl das Virus auch Menschen infiziert und von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Beim Coronavirus sprach nicht nur der damalige US-Präsident Donald Trump vom „Wuhan-“ oder „China Virus“, um Peking Schuld an der Ausbreitung zuzuschieben. Er verlangte explizit, China müsse zur Rechenschaft gezogen werden.

Seit 2015 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Richtlinien, um zu verhindern, dass Krankheitsnamen negative Folgen für Handel, Reisen, Tourismus oder Tierwohl haben oder kulturelle, soziale, regionale oder ethnische Gruppen womöglich an den Pranger stellen.

Natürliche Wirte sind aber Nagetiere – keine Affen

Das Affenpockenvirus heißt so, weil es in den 1950er Jahren in Dänemark erstmals in Affen nachgewiesen wurde. Es hätte auch dänisches Virus heißen können, wie das Marburg-Virus, das so heißt, weil es in den 1960er Jahren der hessischen Stadt identifiziert wurde. Bei den Affenpocken ist heute klar, dass sich zwar Affen – wie Menschen – infizieren können. Natürliche Wirte sind aber Nagetiere. Bei der jüngsten Ausbreitung wird das Virus durch engen Körperkontakt zwischen Menschen übertragen und hat mit Affen nichts zu tun.

Für die Virus-Bezeichnung ist ein Gremium aus Hunderten Virologen (ICTV) zuständig. Sie haben auch das Coronavirus Sars-CoV-2 benannt. Krankheitsnamen beschließt die WHO. Sie nannte etwa die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Krankheit Covid-19.

Womöglich kann es den ein oder anderen Affen schützen, wenn der Name geändert wird. Doch auch bei Gelbfieber-Ausbrüchen wurden in Brasilien Affen angegriffen.

Die Stigmatisierung und Diskriminierung der von einer Krankheit Betroffenen ist noch eine ganz andere Sache. Die in den 80er Jahren zuerst bei schwulen Männern in den USA festgestellte Immunschwäche wurde zunächst Grid genannt – für gay-related immune deficiency – etwa: mit Schwulen in Verbindung stehende Immunschwäche. Obwohl seit langem bekannt ist, dass sich die Krankheit keineswegs auf schwule Männer beschränkt, hat die Änderung des Namens in Aids (acquired immune deficiency syndrome – etwa: erworbenes Immunschwächesyndrom) zunächst kaum etwas bewirkt. Noch über viele Jahre sind Menschen von Schwulen aus Angst vor einer Ansteckung abgerückt.

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