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Steigende Preise: Umfrage: 40 Prozent sparen höchstens 100 Euro im Monat

Während die Preise für Energie und Lebensmittel immer höher klettern, wird Geldsparen nicht gerade einfacher. Manche können auch gar nichts auf die hohe Kante legen.

Vier von zehn Menschen in Deutschland sparen höchstens 100 Euro im Monat. Etwa jeder Zehnte (11 Prozent) der 1000 Befragten gab in einer Erhebung des Innovationsdienstleisters Zühlke an, gar nichts auf die hohe Kante zu legen – zumeist, weil am Monatsende kein Geld übrig bleibt. Die Preise für Energie und Lebensmittel haben zuletzt kräftig angezogen.

Die seit Monaten extrem hohe Inflation hat viele Menschen jedoch auch für das Thema Sparen sensibilisiert. 62 Prozent der Befragten wählten aus einer Reihe vorgegebener Möglichkeiten die Antwort: „Ich möchte mich stärker mit dem Thema Geldanlage befassen.“ In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen sagten dies sogar 77 Prozent.

„Insbesondere für junge Menschen ist die hohe Inflation ein Bedrohungsszenario. Sie erkennen, dass sie dringend handeln müssen, um später ein sicheres Auskommen zu haben“, ordnete Jan-Philipp Koch von Zühlke ein. Das Unternehmen, das unter anderem in Eschborn bei Frankfurt einen Sitz hat, arbeitet für Kunden in verschiedenen Branchen neue Geschäftsmodelle aus.

Als Sparziel nannte in der Umfrage die Mehrheit ein finanzielles Polster für Notfälle (54 Prozent). Auch Urlaub (47 Prozent) und Altersvorsorge (41 Prozent) stehen ganz oben auf der Liste. Kapitalanlage als Sparziel gaben in der Befragung 23 Prozent der 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an.

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Berlin Bundesregierung Deutsche Presse-Agentur Energiekrise Gasrechnung Inflation Krise Ramona Pop Steffi Lemke Strom Ukraine Verbraucherzentrale

Energiekrise: Lemke will Strom- und Gassperren verhindern

Was tun, wenn man die steigenden Strom- oder Gasrechnung nicht bezahlen kann? Bereits heute droht nicht unmittelbar die Sperrung. In der aktuellen Krise will die Regierung die Regeln anpassen.

Strom– und Gaskunden sollen nach dem Willen von Bundesverbraucherschutzministerin Steffi Lemke in der Energiekrise infolge des russischen Kriegs in der Ukraine nicht mit Sperren belegt werden.

„Die Bundesregierung hat beschlossen, eine Strompreisbremse auf den Weg zu bringen“, sagte die Grünen-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Sie wird schon einmal die Zahl der Fälle verringern, in denen Menschen sich ihre Stromrechnung nicht mehr leisten können“, so Lemke. „Zusätzlich werden wir eine Regelung gesetzlich verankern, die Strom- und Gassperren verhindert.“ Beides zusammen sei ein wirksamer Schutz.

Verbraucherschutz

An diesem Montag sind die Folgen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine für die deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher auch Thema eines Verbrauchertags in Berlin. Bei der digitalen Veranstaltung der Verbraucherzentralen will Lemke ihre Vorstellungen erläutern.

„Bei der Abfederung der Folgen von steigenden Energiepreisen und Inflation vermischen sich Sozialpolitik und Verbraucherschutz stark“, sagte die Politikerin. „Ich habe die Sorge, dass es im nächsten Winter soziale Härtefälle geben könnte.“ Als Ministerin für Verbraucherschutz sei für sie im Moment neben der Verhinderung von Strom- und Gassperren auch der Kündigungsschutz der Mieterinnen und Mieter essenziell. „Solche Maßnahmen wirken wie ein Sicherheitsnetz, und sie nehmen viele Ängste.“

Strom- und Gassperren seien schon jetzt an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Die Energieversorgungsunternehmen müssten Ankündigungsfristen einhalten. „Und eine Sperre darf nicht unverhältnismäßig sein“, betonte Lemke. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten daher zum Beispiel auf besondere Erschwernisse hinweisen, etwa wenn Kranke oder Kinder im Haushalt lebten. Lemke kündigte an: „Nun geht es darum, solche Optionen für den kommenden Winter anzupassen. Damit sorgen wir dafür, dass niemand keine Wärme- oder Stromversorgung mehr hat, weil er Rechnungen nicht bezahlen kann.“

Lemke erinnerte an die Kommission zum Wärme- und Gasmarkt, die im Auftrag der Bundesregierung Lösungen gegen die Gasknappheit und die Preissprünge erarbeiten solle. „Von ihr erwarte ich Regelungen, die einerseits die Energiesicherheit, also die Versorgung für Verbraucher und Wirtschaft, sicherstellen, und die andererseits soziale Härten auffangen.“ Lemke sagte: „Der Verbraucherschutz muss in dieser Kommission mit am Tisch sitzen.“

Reaktionen und Forderungen

Damit reagierte die Ministerin auch auf Äußerungen der Vorsitzenden des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Ramona Pop. Pop hatte sich verwundert darüber gezeigt, dass der Verbraucherzentrale Bundesverband nicht in die Expertenkommission Wärme/Gas der Regierung eingeladen worden sei. „Verbraucherinnen und Verbraucher müssen die Auswirkungen der Energiepreiskrise unmittelbar tragen“, hatte Pop betont.

Die Grünen-Bundesvorsitzende Ricarda Lang forderte unterdessen einen Gaspreisdeckel für den Grundbedarf. „Die Preise müssen runter“, sagte Lang dem „Tagesspiegel“. FDP-Fraktionschef Christian Dürr sagte der Zeitung: „Wir brauchen jetzt schleunigst zwei Dinge: Ein höheres Angebot an verfügbarer Energie und eine Begrenzung der Preise auf Strom und Gas.“ Dürr verwies auf den von Finanzminister Christian Lindner eingesetzten „Arbeitsstab Gaspreisbremse“. „Im Gegenzug erwarten wir jetzt aber auch, dass sich die Grünen bei der Frage der Kernenergie endlich bewegen“, mahnte Dürr.

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Deutschland Einmalzahlung Europa Frankreich Gasliefermenge Geringverdiener Großbritannien Inflation London Madrid Niederlande Preisdeckel Russland Sozialhilfe Spanien Steigende Preise Steuererleichterung Strom

Niederlande, Griechenland und Co.: Preisdeckel, Einmalzahlungen und Steuererleichterungen: So wollen europäische Länder durch den Winter

Nicht nur in Deutschland, auch im Rest Europas steigen die Preise dank Inflation und gedrosselten Gasliefermengen aus Russland. Ein harter Winter droht. Wie andere europäische Länder gegen die hohen Energiepreise vorgehen.

Überall in Europa sind die Energiepreise stark gestiegen und die Inflation erreicht Werte, die es seit Jahrzehnten nicht gab. Die Regierungen reagieren mit unterschiedlichsten Maßnahmen, um Bürger und Unternehmen zu entlasten:

Großbritannien

London deckelt für zwei Jahre die Energiekosten: Durchschnittshaushalte sollen dann jährlich höchstens 2500 Pfund (rund 2800 Euro) zahlen. Die Kosten für Strom und Gas für Unternehmen sollen auf die Hälfte des Marktpreises gekappt werden. Die konservative Regierung will zudem den Spitzensteuersatz von 45 auf 40 Prozent senken.

Spanien

Die sozialistische Regierung in Madrid geht in die entgegengesetzte Richtung: Sie hat ab Januar eine Reichensteuer angekündigt. Sie soll zwei Jahre lang auf „große Vermögen“ erhoben werden, betroffen sind laut Regierung „nicht mehr als ein Prozent der Bevölkerung“. Details wurden noch nicht genannt. Für Energieversorger wird außerdem ab 2023 eine Extrasteuer auf ihre Gewinne fällig. Zuvor gab es schon einen Tankrabatt, kostenlose Nahverkehrstickets, eine Erhöhung der Sozialhilfe und Stipendien für Studierende.PAID England Krise 7.05

Frankreich

In Frankreich gilt vom kommenden Jahr an eine Preisbremse für Gas und Strom. Die Preise dürfen dann höchstens um 15 Prozent ansteigen, den Rest übernimmt der Staat. Dies soll den Anstieg der monatlichen Heizkosten auf etwa 25 Euro begrenzen. Etwa 40 Prozent der einkommensschwächeren Haushalte sollen zum Jahresende wie bereits im Vorjahr einen Energiescheck von 100 oder 200 Euro erhalten.

Italien

Der scheidende Regierungschef Mario Draghi hatte Mitte September weitere Entlastungsmaßnahmen angekündigt. Darunter sind Einmalzahlungen für Rentner und Geringverdiener, eine Verlängerung der Senkung der Energiesteuer und Unternehmenshilfen. Im Frühsommer gab es bereits einen Tankrabatt. Zur Gegenfinanzierung will Rom eine Steuer auf Zusatzgewinne von Energieunternehmen in Höhe von zehn Prozent erheben.

Keine Energielieferungen aus Russland? So reagieren die Länder 20-06h

Österreich

Im Nachbarland bekommt jeder Erwachsene eine Einmalzahlung von 500 Euro ausgezahlt – Kinder erhalten die Hälfte. Die Zahlung besteht aus dem Klimabonus von 250 Euro, der die Auswirkungen einer neuen CO2-Steuer für Unternehmen auf die Verbraucher abschwächen soll, und zusätzlich 250 Euro wegen der Preissteigerungen. Vier Millionen Geringverdiener-Haushalte erhielten zudem einen Gutschein von 150 Euro.

Niederlande

Den Haag will ab Januar die Energiesteuern senken, ebenso Verbrauchsteuern auf Kraftstoffe. Das Kindergeld soll erhöht werden. Der Mindestlohn soll um zehn Prozent steigen. Geplant ist eine Senkung der Einkommensteuer, von der Niedrigverdiener besonders profitieren.

Griechenland

Niedrigverdiener sollen im Dezember einmalig 250 Euro bekommen, einen Heizkostenzuschuss sollen mehr Haushalte als bislang erhalten. Seit Anfang des Jahres hat die Regierung acht Milliarden Euro zur Senkung der Strompreise aufgewandt. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis hat zudem eine Erhöhung der Renten und des Mindestlohns zugesagt. Auch Athen will eine Steuer auf Zusatzgewinne von Energieunternehmen erheben.

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Allianz SE Arbeitsmarkt Deutsche Bank Deutschland Energiepreis Fritzi Köhler-Geib Inflation Kaufkraft KfW Bankengruppe Konjunktur Kostenexplosion Krise Marc Schattenberg Nürnberg Rezession Veronika Grimm

Energiepreise: Volkswirte: „Werden alle ärmer aus der Krise kommen“

Die aktuelle Energiepreiskrise schüttelt die deutsche Wirtschaft kräftig durch. Inzwischen glauben Fachleute nicht mehr, dass am Ende alles weitergehen kann wie zuvor.

Der immense Verlust an Kaufkraft und die Kostenexplosion wegen hoher Energiepreise für Unternehmen führen die deutsche Wirtschaft nach Auffassung von Volkswirten geradewegs in die Rezession. Marc Schattenberg von Deutsche Bank Research sieht für das nächste Jahr sogar einen Rückgang der Wirtschaftsleistung in Höhe von 3,5 Prozent voraus.

Andere Volkswirte sehen einer dpa-Umfrage zufolge die Auswirkungen etwas milder, die Konjunktur aber immer noch deutlich auf Talfahrt. „Der Konjunkturabschwung wird auch am Arbeitsmarkt Spuren hinterlassen“, sagte Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der staatlichen Förderbank KfW.

Vor allem die privaten Haushalte und ihre Kaufkraft müssen schwer Federn lassen. „Durch die hohe Inflation hat sich die Finanzlage der privaten Haushalte seit Jahresbeginn erheblich verschlechtert“, kommentierte Köhler-Geib. „Im zweiten Quartal waren die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte nach Abzug der Inflationsrate 1,9 Prozent niedriger als im Vorjahresquartal. Im zweiten Halbjahr werden die Realeinkommen voraussichtlich weiter sinken“, sagte sie.

„Der Verlust an Kaufkraft dämpft den Konsum und zusammen mit den gestiegenen Zinsen auch den privaten Wohnungsbau.“ Marc Schattenberg sieht es ähnlich: „Ein Großteil der Haushalte wird mit spürbaren realen Einkommensverlusten zurechtkommen müssen.“ Katharina Utermöhl, Volkswirtin bei der Allianz-Gruppe, bringt die Lage noch deutlicher auf den Punkt: „Wir werden alle ärmer aus der Krise herauskommen.“

Noch nicht genug im Bewusstsein

Deutschland durchlebe die schwerste Krise der vergangenen 50 Jahre. „Das stellt die große Finanzkrise und die Euro-Schuldenkrise in den Schatten“, sagte sie. Der Inflationsschmerz müsse nun abgefedert werden. Einerseits durch fiskalpolitische Maßnahmen des Staates, andererseits aber auch durch Sparverhalten der Privatleute.

Hier sei noch nicht genug Bewusstsein entstanden, sagte auch Christoph Siebecke von der Oldenburgischen Landesbank. „Die Politik sollte den Preis nicht zu sehr beeinflussen. Sonst werden die Haushalte nicht reagieren“, sagte zu er zur Diskussion über die mögliche Deckelung von Energiepreisen. „Der Sparanreiz für die Verbraucher muss spürbar bleiben“, meint auch Veronika Grimm, Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung, den sogenannten „Wirtschaftsweisen“.

Für sie ist einer der Schlüssel dafür, wie Deutschland in der Lage sein werde, die Krise abzufedern, die Bereitstellung von genügend Energie. „Man sollte auf der Angebotsseite alle Möglichkeiten ausschöpfen. Das Angebot an Energie muss erhöht werden“, betonte sie. „Ich habe das Gefühl, dass nicht allen bewusst ist, dass die Erneuerbaren Energien alleine nicht schnell genug als Ersatz zur Verfügung stehen werden“, fügte sie hinzu. Es seien beispielsweise erst zwei Kohlekraftwerke wieder ans Netz gegangen. „Auch die Atomkraftwerke sollten im kommenden Jahr weiterlaufen und nicht nur in Betriebsbereitschaft sein“, verlangte sie.

Kartellamt ist gefragt

Siebecke forderte in diesem Zusammenhang die Energiekonzerne auf, Abschläge auf den Märkten unverzüglich an die Kunden weiterzugeben. „Die Weltmarktpreise sind inzwischen weit weg von den Hochs, die wir schon einmal gesehen haben“, sagte er. „Es wäre gut, wenn das Kartellamt da noch mehr hingucken könnte.“

Deutsche-Bank-Volkswirt Marc Schattenberg glaubt, dass die wirklich großen Probleme erst im ersten und zweiten Quartal des nächsten Jahres auf Deutschland zurollen werden. Wenn die vor dem Winter nun gut gefüllten Gasspeicher geleert seien und Gas im großen Stil zum Wiederauffüllen gekauft werden müsse, werde der Preis weiter steigen. Gleichzeitig würden die mit dem Jahreswechsel häufig neu abzuschließenden Stadtwerke-Verträge den privaten Gaskunden kräftige Löcher in die Taschen fressen.

Die Volkswirte erwarten, dass es im Zuge der Energiepreiskrise auch zu mehr Insolvenzen kommt – vor allem bei kleineren Unternehmen mit hohem Anteil an Energiekosten. Auch der Export werde leiden, weil die Handelspartner im Ausland ebenfalls Kaufkraftverluste hinnehmen müssten, sagte Köhler-Geib.

In diesem Zusammenhang plädierten die Fachleute auch für gemäßigte Lohnabschlüsse bei den anstehenden Tarifverhandlungen. „Das Argument der vollen Auftragsbücher wird an Kraft verlieren“, sagte Schattenberg. Und Veronika Grimm betonte: „Die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften ist aufgrund des Fachkräftemangels groß. Andererseits stehen viele Unternehmen unter Druck. Es bleibt abzuwarten, was das für die Abschlüsse bedeutet.“

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Brandenburg Dallgow-Döberitz Deutsche Presse-Agentur Falkensee Flüchtlinge Frühjahr Havelland Inflation Krise Potsdam Potsdam-MITTELMARK Rathenow Wiesenburg

Spendenaufkommen: Hohe Nachfrage aber weniger Futterspenden bei Tiertafeln

Die wenigen Tiertafeln in Brandenburg verzeichnen jetzt schon eine erhöhte Nachfrage von Kunden. Gleichzeitig sinkt wegen der Krise das Futterspendenaufkommen vielerorts. Folglich blicken die Einrichtungen mit großer Sorge auf kommende Entwicklungen.

Wer sich aus finanziellen Gründen kein oder nicht genug Futter für seine Haustiere leisten kann, findet mancherorts in Brandenburg Unterstützung bei sogenannten Tiertafeln. Im Zuge von Inflation und Energiekrise verzeichnen sie immer mehr Nachfragen, haben aber gleichzeitig selbst Probleme, genügend Futterspenden zu generieren, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

„Von Jahr zu Jahr steigt die Anzahl der Hilfesuchenden“, berichtet etwa Katrin Krause von der Tiertafel Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark). Auch fünf ukrainische Flüchtlinge seien schon unter den Kunden gewesen. Aktuell liege die Zahl der Kunden bei gut 50 Personen mit 69 Tieren. Davon benötigten ein Hund und zwei Katzen Spezialfutter wegen ernsthafter Erkrankungen. Dieses Futter bekomme die Tafel selten gespendet und müsse es meist zukaufen. Die elf ehrenamtlichen Helfer würden einmal im Monat die Orte Wiesenburg, Bad Belzig und Brück-Ausbau anfahren.

Die Tiertafel des Vereins „Sonnenzeiten für Tiere“ in Falkensee (Havelland) nutzen derzeit 51 Tierhalter aus Falkensee, Dallgow-Döberitz, Elstal, Nauen, Brieselang, Schönwalde und Berlin-Spandau. Sie halten Katzen, Hunde, Kaninchen und Wellensittiche, wie die Vereinsvorsitzende Katrin Krause informiert. „Die Anzahl der Neuregistrierungen steigt seit diesem Frühjahr zunehmend an“, sagt sie.

Über 20 Leute aus Rathenow und Umgebung nutzen aktuell die Tiertafel Havelland. 2006 hatte sie der kürzlich verstorbene Tino Rippler gegründet. Seine Tochter Jarmaine Rippler setzt nun das Lebenswerk ihres Vaters fort. Fünf weitere Ehrenamtler unterstützen sie dabei. Jeden dritten Freitag im Monat wird das Futter dann in Rathenow an die Kunden verteilt. Diese müssen ihre Bedürftigkeit mit entsprechenden Papieren wie Renten- oder Einkommensbescheid nachweisen.

Der Radius der Bedürftigen erhöht sich laut Jarmaine Rippler bis in das benachbarte Sachsen-Anhalt. Sie geht aufgrund der aktuellen Krise für die kommenden Monate von einer verstärkten Nachfrage aus. „Gleichzeitig spenden die Leute aber weniger, sodass wir teilweise unser privates Geld mit einbringen müssen“, sagt die Tiertafelleiterin.

Bereits seit Herbst 2021 werden die Futterspenden auch bei der Tiertafel in Falkensee immer weniger. „Manchmal reicht es nicht für die monatliche Ausgabe“, sagt die Vereinsvorsitzende Petra Birkholz. Seit Frühjahr 2022 müsse der Verein monatlich Futter zukaufen, damit kein Tier leer ausgehe.

„Gerade in diesem Jahr ist es mit Futter ganz eng“, bestätigt Katrin Krause. Deshalb habe die Tiertafel Bad Belzig im vergangenen Jahr erstmalig eine Benefizveranstaltung organisiert, die auch in diesem Jahr stattfindet. Von den Einnahmen könne der Verein laufende Kosten wie Miete, Steuerberater, Handykarten, Benzin, Versicherungen und Reparaturen bezahlen. „Regelmäßige große Unterstützung in Form von Geldspenden bekommen wir aber leider nicht“, sagt Krause.

Besorgt blickt sie auf die weiter steigenden Benzin- und Futterkosten. Jarmaine Rippler befürchtet zudem, dass durch steigende Tierarztkosten Halter nun noch weniger Geld zur Verfügung haben werden. Und in Falkensee hat die Tiertafel noch ein weiteres Problem. „Wir brauchen dringend einen Raum, um die Futterspenden zu lagern und gleichzeitig die Ausgabe machen zu können“, sagt Petra Birkholz. Dieser müsse in einem trockenen Gebäude sein und dürfe den Verein maximal 50 Euro Monatsmiete kosten.

Sonnenzeiten für Tiere Tiertafel Bad Belzig Tiertafel Havelland

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Christian Röhl Fresenius SE Inflation Intel Konjunktur Krisenzeit P&G

Zuverlässige Anlagen: Diese 50 Aktien haben alle Krisen der letzten Jahre gemeistert

Gerade in stürmischen Zeiten ist es wichtig, zuverlässige Aktien im Depot zu haben. Capital hat aus 1800 Titeln die besten Dividendenpapiere herausgefiltert – die alle Krisen der vergangenen 25 Jahre gemeistert haben.

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Bedrohung Frau Frauen Inflation Iran Kopftuch Männer Minirock Präsidentenwahl Religion Teheran Tod Unruhen

Kleiderdebatte mit Folgen: Im Iran bedroht das Kopftuch das Regime – denn die Frauen wollen „zwischen Schleier und Minirock frei wählen“

Nach dem Tod einer 22-Jährigen im Iran machen die Menschen ihrer Wut auf den Straßen Luft. Bei den schwersten Unruhen seit Jahren geht es aber nicht nur um die Kleiderfrage.

Frauen, die öffentlich ihre Kopftücher anzünden. Männer, die Polizisten verprügeln, weil sie Demonstrationen filmen. Im Iran entlädt sich die angestaute Wut Hunderttausender Menschen auf den Straßen. Wie ein Lauffeuer breitet sich der Protest im ganzen Land nach dem Tod einer jungen Frau aus. Angst und Hoffnung liegen in der Luft, während die Staatsmacht eine Antwort vorbereitet.

In der Hauptstadt Teheran geht die Studentin Schabnam* seit Tagen auf die Straße, weil sie Veränderung will. „Ich kann rumsitzen und alles bedauern, oder ich kann etwas dagegen tun“, sagt die 25-Jährige in einem Telefoninterview. Der Tod der jungen Mahsa Ahmini im Polizeigewahrsam hatte bei ihr wie bei zahlreichen Menschen weltweit Entsetzen ausgelöst. Am Freitag vergangener Woche war die iranische Kurdin gestorben, nachdem sie wenige Tage zuvor von der Moralpolizei wegen ihres „unislamischen Kleidungsstils“ festgenommen worden war.PAID Proteste im Iran Masih Alinejad 20.23

„Sie können nicht alle zusammenschlagen, verhaften oder töten“, sagt Schabnam. Es mache ihr Mut, gemeinsam mit anderen Menschen auf die Straße zu gehen. In vielen Städten ist mit Anbruch der Dunkelheit, wenn die Menschen auf die Straßen strömen, immer wieder der Slogan zu hören: „Wir fürchten uns nicht, wir fürchten uns nicht. Wir sind alle zusammen“ – eine Parole, die vor allem während der Demonstrationen nach der umstrittenen Präsidentenwahl 2009 populär geworden war.

„Verzeiflung ist ein Grund, warum das Regime Angst haben sollte“

Doch heute, 13 Jahre später, ist das Land anders. Dabei spielt nicht nur die Wirtschaftskrise eine Rolle, die selbst gebildete Uni-Absolventen zum Taxifahren zwingt und die Ersparnisse der Mittelschicht durch hohe Inflation schwinden lässt. Auch die junge Generation stellt sich mutig dem Staat entgegen und kritisiert das islamische System. Dabei geht es vielen gar nicht darum, die islamische Religion abzulehnen.

„Wer im Islam würde ein junges Mädchen wegen eines Kopftuchs töten?“, fragt Schabnams Vater, der in Teheran als Apotheker arbeitet. Anfangs war er wie seine Ehefrau noch besorgt, dass die Kinder demonstrieren gehen. Doch auch den religiösen Eltern, die während der islamischen Revolution 1979 am Sturz der Monarchie beteiligt waren, ist bewusst geworden, wie wütend viele Menschen sind. „Die Verzweiflung ist ein Grund, warum das Regime Angst haben sollte.“

Viele Demonstranten fordern seit fast einer Woche den Sturz des gesamten islamischen Regimes im Iran und stattdessen ein säkulares System, in dem Staat und Religion getrennt sind, als Alternative. Schabnam und ihre Familie gehen jedoch nicht so weit. „Die Türkei ist ja auch islamisch, aber die Frauen dürfen zwischen Schleier und Minirock frei wählen“, sagt Schabnam. Daher gehe es ihrer Einschätzung nach nicht allen Demonstranten um einen „politischen Umsturz, sondern um ein Ende unzeitgemäßer islamischer Kriterien, die der iranischen Gesellschaft in den letzten vier Jahrzehnten aufgedrängt wurden“.Proteste Iran 12.20

Iraner üben sich an offener Systemkritik

Die Regierung des erzkonservativen Präsidenten Ebrahim Raisi ist seit dem Tod der jungen Frau und der landesweiten Entrüstung in Erklärungsnot geraten. Kaum jemand glaubt der offiziellen Darstellung, die 22-Jährige sei wegen Herzversagen zusammengebrochen. Längst ist ihr Fall zu einem Symbol für die Unzufriedenheit vieler Iraner geworden. Unterstützung erhalten die Demonstranten auch von ungewöhnlicher Seite. Einst konservative Politiker fordern eine Kurskorrektur.

Die Proteste haben sich in den vergangenen vier Tagen zu einer offenen Herausforderung für die iranische Führung entwickelt. Frauen legten auf den Straßen ihre Kopftücher, die sie tragen müssen, ab. Wütende Demonstranten zündeten Mülltonnen an und forderten, das bestehende System zu stürzen. „Frauen, Leben, Freiheit“, wurde gerufen oder auch „Tod dem Diktator!“ – eine Anspielung auf den Religionsführer Ali Chamenei. Diese Form der offenen Systemkritik dürfte nicht unbeantwortet bleiben.

Kleiderfragen bedrohen Status quo im Iran

Regierung und Staatsmedien thematisieren die Proteste bisher kaum. Wenn überhaupt darüber berichtet wird, betiteln die Zeitungen den Protest als Einflussversuch ausländischer Mächte. Doch der Rhetorik der Ideologen, die aus einer Zeit des Widerstands in den 1970er Jahren stammt, glaubt heute kaum einer mehr. Auch deshalb scheint der Staat das Internet nahezu abgeschaltet zu haben, um jeglichen Versuch, Proteste zu organisieren, zu unterbinden.

Experten in Teheran bezweifeln, dass die Regierung jetzt Zugeständnisse macht. Der Kopftuchzwang sei nicht nur irgendein Gesetz, sondern gehöre zu den ideologischen Prinzipien der Islamischen Republik, erklärt ein Universitätsprofessor. Unterstützer des Systems befürchten einen Dominoeffekt, sollte der Staat den Frauen bei der Wahl ihrer Kleidung große Zugeständnisse machen.

Während nahezu alle sozialen Netzwerke gesperrt und das mobile Internet abgeschaltet sind, fürchten viele ein hartes Einschreiten der Sicherheitskräfte. Mindestens 17 Menschen wurden nach Angaben der Staatsmedien bislang getötet. Wie viele es wirklich sind, lässt sich kaum überprüfen. Weltweit solidarisierten sich iranische Prominente mit den Protesten. Doch die meisten können nur hilflos zuschauen.

Auch Schabnam hat keine Hoffnung auf Unterstützung von außen. Trotzdem hofft die Studentin auf Veränderung und politische Reformen. „Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, um Angst zu haben“, sagt sie.

*Um die Identität der Interviewpartner zu schützen, wurden Pseudonyme verwendet. Die Personen sind dpa bekannt.

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Bedrohung Frau Frauen Inflation Iran Kopftuch Männer Minirock Präsidentenwahl Religion Teheran Tod Unruhen

Kleiderdebatte mit Folgen: Im Iran bedroht das Kopftuch das Regime – denn die Frauen wollen „zwischen Schleier und Minirock frei wählen“

Nach dem Tod einer 22-Jährigen im Iran machen die Menschen ihrer Wut auf den Straßen Luft. Bei den schwersten Unruhen seit Jahren geht es aber nicht nur um die Kleiderfrage.

Frauen, die öffentlich ihre Kopftücher anzünden. Männer, die Polizisten verprügeln, weil sie Demonstrationen filmen. Im Iran entlädt sich die angestaute Wut Hunderttausender Menschen auf den Straßen. Wie ein Lauffeuer breitet sich der Protest im ganzen Land nach dem Tod einer jungen Frau aus. Angst und Hoffnung liegen in der Luft, während die Staatsmacht eine Antwort vorbereitet.

In der Hauptstadt Teheran geht die Studentin Schabnam* seit Tagen auf die Straße, weil sie Veränderung will. „Ich kann rumsitzen und alles bedauern, oder ich kann etwas dagegen tun“, sagt die 25-Jährige in einem Telefoninterview. Der Tod der jungen Mahsa Ahmini im Polizeigewahrsam hatte bei ihr wie bei zahlreichen Menschen weltweit Entsetzen ausgelöst. Am Freitag vergangener Woche war die iranische Kurdin gestorben, nachdem sie wenige Tage zuvor von der Moralpolizei wegen ihres „unislamischen Kleidungsstils“ festgenommen worden war.PAID Proteste im Iran Masih Alinejad 20.23

„Sie können nicht alle zusammenschlagen, verhaften oder töten“, sagt Schabnam. Es mache ihr Mut, gemeinsam mit anderen Menschen auf die Straße zu gehen. In vielen Städten ist mit Anbruch der Dunkelheit, wenn die Menschen auf die Straßen strömen, immer wieder der Slogan zu hören: „Wir fürchten uns nicht, wir fürchten uns nicht. Wir sind alle zusammen“ – eine Parole, die vor allem während der Demonstrationen nach der umstrittenen Präsidentenwahl 2009 populär geworden war.

„Verzeiflung ist ein Grund, warum das Regime Angst haben sollte“

Doch heute, 13 Jahre später, ist das Land anders. Dabei spielt nicht nur die Wirtschaftskrise eine Rolle, die selbst gebildete Uni-Absolventen zum Taxifahren zwingt und die Ersparnisse der Mittelschicht durch hohe Inflation schwinden lässt. Auch die junge Generation stellt sich mutig dem Staat entgegen und kritisiert das islamische System. Dabei geht es vielen gar nicht darum, die islamische Religion abzulehnen.

„Wer im Islam würde ein junges Mädchen wegen eines Kopftuchs töten?“, fragt Schabnams Vater, der in Teheran als Apotheker arbeitet. Anfangs war er wie seine Ehefrau noch besorgt, dass die Kinder demonstrieren gehen. Doch auch den religiösen Eltern, die während der islamischen Revolution 1979 am Sturz der Monarchie beteiligt waren, ist bewusst geworden, wie wütend viele Menschen sind. „Die Verzweiflung ist ein Grund, warum das Regime Angst haben sollte.“

Viele Demonstranten fordern seit fast einer Woche den Sturz des gesamten islamischen Regimes im Iran und stattdessen ein säkulares System, in dem Staat und Religion getrennt sind, als Alternative. Schabnam und ihre Familie gehen jedoch nicht so weit. „Die Türkei ist ja auch islamisch, aber die Frauen dürfen zwischen Schleier und Minirock frei wählen“, sagt Schabnam. Daher gehe es ihrer Einschätzung nach nicht allen Demonstranten um einen „politischen Umsturz, sondern um ein Ende unzeitgemäßer islamischer Kriterien, die der iranischen Gesellschaft in den letzten vier Jahrzehnten aufgedrängt wurden“.Proteste Iran 12.20

Iraner üben sich an offener Systemkritik

Die Regierung des erzkonservativen Präsidenten Ebrahim Raisi ist seit dem Tod der jungen Frau und der landesweiten Entrüstung in Erklärungsnot geraten. Kaum jemand glaubt der offiziellen Darstellung, die 22-Jährige sei wegen Herzversagen zusammengebrochen. Längst ist ihr Fall zu einem Symbol für die Unzufriedenheit vieler Iraner geworden. Unterstützung erhalten die Demonstranten auch von ungewöhnlicher Seite. Einst konservative Politiker fordern eine Kurskorrektur.

Die Proteste haben sich in den vergangenen vier Tagen zu einer offenen Herausforderung für die iranische Führung entwickelt. Frauen legten auf den Straßen ihre Kopftücher, die sie tragen müssen, ab. Wütende Demonstranten zündeten Mülltonnen an und forderten, das bestehende System zu stürzen. „Frauen, Leben, Freiheit“, wurde gerufen oder auch „Tod dem Diktator!“ – eine Anspielung auf den Religionsführer Ali Chamenei. Diese Form der offenen Systemkritik dürfte nicht unbeantwortet bleiben.

Kleiderfragen bedrohen Status quo im Iran

Regierung und Staatsmedien thematisieren die Proteste bisher kaum. Wenn überhaupt darüber berichtet wird, betiteln die Zeitungen den Protest als Einflussversuch ausländischer Mächte. Doch der Rhetorik der Ideologen, die aus einer Zeit des Widerstands in den 1970er Jahren stammt, glaubt heute kaum einer mehr. Auch deshalb scheint der Staat das Internet nahezu abgeschaltet zu haben, um jeglichen Versuch, Proteste zu organisieren, zu unterbinden.

Experten in Teheran bezweifeln, dass die Regierung jetzt Zugeständnisse macht. Der Kopftuchzwang sei nicht nur irgendein Gesetz, sondern gehöre zu den ideologischen Prinzipien der Islamischen Republik, erklärt ein Universitätsprofessor. Unterstützer des Systems befürchten einen Dominoeffekt, sollte der Staat den Frauen bei der Wahl ihrer Kleidung große Zugeständnisse machen.

Während nahezu alle sozialen Netzwerke gesperrt und das mobile Internet abgeschaltet sind, fürchten viele ein hartes Einschreiten der Sicherheitskräfte. Mindestens 17 Menschen wurden nach Angaben der Staatsmedien bislang getötet. Wie viele es wirklich sind, lässt sich kaum überprüfen. Weltweit solidarisierten sich iranische Prominente mit den Protesten. Doch die meisten können nur hilflos zuschauen.

Auch Schabnam hat keine Hoffnung auf Unterstützung von außen. Trotzdem hofft die Studentin auf Veränderung und politische Reformen. „Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, um Angst zu haben“, sagt sie.

*Um die Identität der Interviewpartner zu schützen, wurden Pseudonyme verwendet. Die Personen sind dpa bekannt.

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Dating Erstes Date Frauen Inflation Lebensmittel

Studie besagt: Inflation und Zukunft: Deshalb sollte man beim ersten Date schon über Finanzen sprechen

Die Inflation macht sich derzeit in fast jeder Lebenslage bemerkbar. Doch was man auf Anhieb gar nicht bedenkt, dass auch das Dating ganz schön ins Geld gehen kann. Deshalb gibt es jetzt den neuen „Lowkey“-Trend beim ersten Date.

Oftmals zahlt beim ersten Date jeder selbst, wenn man sich in einer Lokalität verabredet hat. Doch ganz besonders Frauen empfinden es nach wie vor als ein Zeichen der Wertschätzung, wenn er das Portemonnaie zückt und sagt: „Ich zahle“. Wenn man allerdings jemanden kennenlernen möchte, der zu einem passt, muss man schon einige Frösche küssen. Das kann bei einer Vielzahl an Verabredungen dann ordentlich ins Geld gehen. 

Aufgrund der Inflation überlegt man sich derzeit eine Einladung für eine Unbekannte doch zweimal. Schließlich sitzen fast bei niemandem die Euros gerade locker, wo die Lebensmittel und Energiepreise steigen. Die Dating-App „Bumble“ hat zu diesem Thema eine Umfrage unter 2528 Erwachsenen zwischen 18 und 34 durchgeführt. Das Ergebnis ist, dass die Studienteilnehmer durchaus auch beim Daten auf ihre Finanzen achten und sich der Datingtrend „Lowkey“ herauskristallisierte. 

„Lowkey Dates“ sind Verabredungen, bei denen keine oder nur geringe Kosten anfallen, was zu weniger finanziellem Druck führt. In ganz Deutschland würde jeder Vierte im Alter von 18 bis 34 Jahren derzeit eher ein kostenloses Date vorzuschlagen als noch zu Beginn dieses Jahres.

Erstes Date: Viele Menschen sprechen direkt über Finanzen

Hoch im Kurs steht bei den Millennials und der Gen Z ein Spaziergang im Park, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Die steigenden Preise wirken sich sogar bereits auf die Partnerwahl aus. Jeder fünfte Befragte gab an, dass ihnen die finanzielle Stabilität eines Partners wichtig sei, weil man sich dann, sollte sich die eigene finanzielle Situation verschlechtern, auf den anderen verlassen könne.

STERN PAID Tinder-Protokoll, Jasmin, 31 12.08

Weiterhin fand die Studie heraus, dass auch das übliche Splitten der Rechnung in 50 Prozent für jeden abnimmt. Nun bestimmt sich vermehrt die Bezahlung nach dem höheren Einkommen oder jeder zahlt exakt das, was er auch bestellt hatte. Auch die Auskunft über das Gehalt scheint bei den jüngeren Generationen kein Tabu-Thema mehr zu sein. Der Trend, dass bereits neun von zehn Menschen in den ersten Dates über ihre Finanzen sprechen, nennt sich „Cash-candid Dating“.

„Viele denken, Geldgespräche beim Kennenlernen oder in der Partnerschaft sind unromantisch und unsexy. Genau das Gegenteil ist der Fall, denn man lernt sich darüber noch viel besser kennen. Wie man über Geld denkt, verrät viel über die eigenen Werte und Lebenseinstellung“, so Katharina Brunsendorf, Finanzexpertin von Bumble und Co-Founderin von Finanzheldinnen.

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Frau Frauen Inflation Iran Kopftuch Männer Präsidentenwahl Religion Teheran Tod Unruhen

Proteste: „Frauen, Leben, Freiheit“ – Irans neuer Systemkampf

Musste eine junge Iranerin wegen eines schlecht sitzenden Kopftuchs sterben? Der Fall der 22-jährigen Mahsa Amini löste im Land die schwersten Unruhen seit Jahren aus.

Frauen, die öffentlich ihre Kopftücher anzünden. Männer, die Polizisten verprügeln, weil sie Demonstrationen filmen. Im Iran entlädt sich die angestaute Wut Hunderttausender Menschen auf den Straßen. Wie ein Lauffeuer breitet sich der Protest im ganzen Land nach dem Tod einer jungen Frau aus. Angst und Hoffnung liegen in der Luft, während die Staatsmacht eine Antwort vorbereitet.

In der Hauptstadt Teheran geht die Studentin Schabnam seit Tagen auf die Straße, weil sie Veränderung will. „Ich kann rumsitzen und alles bedauern, oder ich kann etwas dagegen tun“, sagt die 25-Jährige in einem Telefoninterview. Der Tod der jungen Mahsa Ahmini im Polizeigewahrsam hatte bei ihr wie bei zahlreichen Menschen weltweit Entsetzen ausgelöst. Am Freitag vergangener Woche war die iranische Kurdin gestorben, nachdem sie wenige Tage zuvor von der Moralpolizei wegen ihres „unislamischen Kleidungsstils“ festgenommen worden war.

„Sie können nicht alle zusammenschlagen, verhaften oder töten“, sagt Schabnam. Es mache ihr Mut, gemeinsam mit anderen Menschen auf die Straße zu gehen. In vielen Städten ist mit Anbruch der Dunkelheit, wenn die Menschen auf die Straßen strömen, immer wieder der Slogan zu hören: „Wir fürchten uns nicht, wir fürchten uns nicht. Wir sind alle zusammen“ – eine Parole, die vor allem während der Demonstrationen nach der umstrittenen Präsidentenwahl 2009 populär geworden war.

Junge Generation kritisiert das islamische System

Doch heute, 13 Jahre später, ist das Land anders. Dabei spielt nicht nur die Wirtschaftskrise eine Rolle, die selbst gebildete Uni-Absolventen zum Taxifahren zwingt und die Ersparnisse der Mittelschicht durch hohe Inflation schwinden lässt. Auch die junge Generation stellt sich mutig dem Staat entgegen und kritisiert das islamische System. Dabei geht es vielen gar nicht darum, die islamische Religion abzulehnen.

„Wer im Islam würde ein junges Mädchen wegen eines Kopftuchs töten?“, fragt Schabnams Vater, der in Teheran als Apotheker arbeitet. Anfangs war er wie seine Ehefrau noch besorgt, dass die Kinder demonstrieren gehen. Doch auch den religiösen Eltern, die während der islamischen Revolution 1979 am Sturz der Monarchie beteiligt waren, ist bewusst geworden, wie wütend viele Menschen sind. „Die Verzweiflung ist ein Grund, warum das Regime Angst haben sollte.“

Viele Demonstranten fordern seit fast einer Woche den Sturz des gesamten islamischen Regimes im Iran und stattdessen ein säkulares System, in dem Staat und Religion getrennt sind, als Alternative. Schabnam und ihre Familie gehen jedoch nicht so weit. „Die Türkei ist ja auch islamisch, aber die Frauen dürfen zwischen Schleier und Minirock frei wählen“, sagt Schabnam. Daher gehe es ihrer Einschätzung nach nicht allen Demonstranten um einen „politischen Umsturz, sondern um ein Ende unzeitgemäßer islamischer Kriterien, die der iranischen Gesellschaft in den letzten vier Jahrzehnten aufgedrängt wurden“.

Regierung in Erklärungsnot

Die Regierung des erzkonservativen Präsidenten Ebrahim Raisi ist seit dem Tod der jungen Frau und der landesweiten Entrüstung in Erklärungsnot geraten. Kaum jemand glaubt der offiziellen Darstellung, die 22-Jährige sei wegen Herzversagen zusammengebrochen. Längst ist ihr Fall zu einem Symbol für die Unzufriedenheit vieler Iraner geworden. Unterstützung erhalten die Demonstranten auch von ungewöhnlicher Seite. Einst konservative Politiker fordern eine Kurskorrektur.

Die Proteste haben sich in den vergangenen vier Tagen zu einer offenen Herausforderung für die iranische Führung entwickelt. Frauen legten auf den Straßen ihre Kopftücher, die sie tragen müssen, ab. Wütende Demonstranten zündeten Mülltonnen an und forderten, das bestehende System zu stürzen. „Frauen, Leben, Freiheit“, wurde gerufen oder auch „Tod dem Diktator!“ – eine Anspielung auf den Religionsführer Ali Chamenei. Diese Form der offenen Systemkritik dürfte nicht unbeantwortet bleiben.

Regierung und Staatsmedien thematisieren die Proteste bisher kaum. Wenn überhaupt darüber berichtet wird, betiteln die Zeitungen den Protest als Einflussversuch ausländischer Mächte. Doch der Rhetorik der Ideologen, die aus einer Zeit des Widerstands in den 1970er Jahren stammt, glaubt heute kaum einer mehr. Auch deshalb scheint der Staat das Internet nahezu abgeschaltet zu haben, um jeglichen Versuch, Proteste zu organisieren, zu unterbinden.

Kopftuchzwang gehört zu ideologischen Prinzipien

Experten in Teheran bezweifeln, dass die Regierung jetzt Zugeständnisse macht. Der Kopftuchzwang sei nicht nur irgendein Gesetz, sondern gehöre zu den ideologischen Prinzipien der Islamischen Republik, erklärt ein Universitätsprofessor. Unterstützer des Systems befürchten einen Dominoeffekt, sollte der Staat den Frauen bei der Wahl ihrer Kleidung große Zugeständnisse machen.

Während nahezu alle sozialen Netzwerke gesperrt und das mobile Internet abgeschaltet sind, fürchten viele ein hartes Einschreiten der Sicherheitskräfte. Mindestens 17 Menschen wurden nach Angaben der Staatsmedien bislang getötet. Wie viele es wirklich sind, lässt sich kaum überprüfen. Weltweit solidarisierten sich iranische Prominente mit den Protesten. Doch die meisten können nur hilflos zuschauen.

Auch Schabnam hat keine Hoffnung auf Unterstützung von außen. Trotzdem hofft die Studentin auf Veränderung und politische Reformen. „Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, um Angst zu haben“, sagt sie.

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