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Baden-Württemberg CDU Deutsche Presse-Agentur Energiekrise Landtag Lohnsteigerung Manuel Hagel Rezession Stuttgart

Landtag Baden-Württemberg: Hagel: „15 Prozent Lohnsteigerungen sind nicht die Antwort“

Die Goldenen Zwanziger – das waren vor 100 Jahren die Zeiten des Wirtschaftswachstums und der kulturellen Blüte. Kann es jetzt wieder solche 20er Jahre geben? Vieles scheint dagegen zu sprechen.

Angesichts drohender Energiekrise und Rezession müssen die Bürger aus Sicht von CDU-Fraktionschef Manuel Hagel die Wirtschaft und den Staat stärker unterstützen. „Die Zwanzigerjahre dieses Jahrhunderts werden für uns ein Jahrzehnt der Bewährung“, sagte Hagel der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. „Freiheitliche Gesellschaft, Demokratie, soziale Marktwirtschaft – wenn wir diese Dinge erhalten wollen, werden wir in Zukunft mehr dafür tun müssen, als wir in den letzten Jahren dafür getan haben.“ Jeder müsse mit anpacken. Zudem seien die Haushalte am Limit. Das Wünschenswerte müsse nun vom Notwendigen getrennt werden.

Hagel rief auch Arbeitnehmer zur Zurückhaltung auf. „Eine Wochenarbeitszeit von 25 Stunden und 15 Prozent Lohnsteigerungen – das sind nicht die richtigen Antworten auf die Zukunftsfragen, die uns im Moment gestellt sind.“ Gerade Industrie und Mittelstand würden sehr essenziell von der Gasfrage betroffen sein. Um die Menschen in Arbeit zu halten und um Arbeitsplätze zu sichern, müssten insbesondere Privathaushalte Gas einsparen. „Lieber ein halbes Grad weniger in der Wohnung als Kurzarbeit im Betrieb“, sagte Hagel.

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Bank of England Charles Dickens Energiekrise Großbritannien Inflation Lebensmittel Lehrer Manchester Rezession Strom

Energiekrise in Großbritannien: Explodierende Preise: Den Briten steht ein „düsterer Winter“ bevor

Drei- bis viermal teurer als im Vorjahr wird Energie für die Briten ab Oktober. Schon jetzt wissen viele nicht mehr, wie sie Strom, Gas, Sprit und Lebensmittel bezahlen sollen. Die Lage ist ernst – Finanzexperten rechnen mit einer humanitären Katastrophe und zivilen Unruhen im Winter.

Eigentlich ist Martin Lewis ein ausgeglichener Mann. Der beliebteste Finanzexperte des Königreichs gibt seit Jahrzehnten Millionen von Geringverdienern wertvolle Tipps in Sachen Geld und Sparen, von der Hausversicherung bis zu Sonderangeboten in Supermärkten. Doch seit einigen Monaten erleben die Briten einen anderen, sorgenvollen Martin Lewis. Vor zwei Wochen schließlich wandte er sich mit einem öffentlichen Video direkt an die britische Regierung. „Wenn wir jetzt nichts tun“, warnte er dort, „werden wir diesen Winter potenziell eine verheerende nationale Finanzkatastrophe erleben.“

„Ich kann den Leuten nicht mehr helfen“

Ungewöhnlich deutliche Worte von einem Mann, dem Panikmache normalerweise fernliegt. Doch Lewis ist seit Monaten mit seinem Finanzlatein am Ende. „Ich kann den Leuten nicht mehr helfen“, sagte er dieses Jahr in einer Talkshow. Das war im März.

Zu jenem Zeitpunkt hatten sich die Energiepreise für Privathaushalte gerade um 45 Prozent erhöht. Nun steht den Briten im Oktober eine weitere Anhebung ihrer Gas- und Stromrechnungen bevor – um geschätzte 65 Prozent. Viele britische Familien müssen ab Oktober ein Drei- bis Vierfaches ihrer Energierechnung vom Vorjahr zahlen, und das zusätzlich zu explodierenden Lebensmittel-, Sprit- und Mietpreisen. Dabei haben zwanzig Prozent aller britischen Haushalte laut einer Erhebung der Verbraucherorganisation „Which?“ bereits seit der Pandemie Schwierigkeiten, ihre Rechnungen zu bezahlen. Banken verzeichnen sinkende Ersparnisse und steigende Kreditkartenschulden, Pfandhäuser vermelden neuerdings Hochkonjunktur. Die angekündigte Preissteigerung im Oktober könnte, so ergab eine Studie der Universität von York, praktisch die Hälfte aller Briten in Armut stürzen.PAID 31_22 Hilfe, das Gas geht aus 10.43

Armut wie im 19. Jahrhundert

Bereits jetzt ruft Lewis Stadtverwaltungen, Bibliotheken, Universitäten und öffentliche Gebäude auf, ihre Räumlichkeiten im Winter für frierende Rentner und Familien rund um die Uhr geöffnet zu halten. Lebensmittelbanken – von denen es inzwischen mehr auf der Insel gibt als McDonald’s-Filialen – fungieren nebenher als Ausgabestellen für Schlafsäcke und Bettdecken, Hygieneartikel und Kleidung. Lehrer an Schulen an sozialen Brennpunkten wie Manchester berichten, dass neuerdings fast die Hälfte aller Schüler hungrig zur Schule kommt. In einer Schule dort wird die hauseigene Foodbank von den Lehrern persönlich bestückt. Viele von ihnen fürchten, im Oktober selbst derart in finanzielle Not zu geraten, dass sie sich die Spenden für bedürftige Eltern ihrer Schüler nicht mehr leisten könnten. Paul Gosling, Präsident der Schulleiter-Gewerkschaft NAHT und selbst Direktor einer Schule in Devon, spricht von Zuständen „wie in einem Roman von Charles Dickens“.

Bank of England warnt vor langer Rezession

Von der inflationären Entwicklung aufgescheucht trat nun auch die Bank of England in Aktion. Wichtigster Auftrag der Finanzinstitution ist es, eine Inflationsspirale zu verhindern. Mit finsterer Miene sagte ihr Direktor Andrew Bailey vergangene Woche den Briten eine Rezession für mindestens die kommenden fünf Quartale und eine offizielle Inflationsrate von 13,5 Prozent im Herbst voraus. Den Zinssatz, der bereits seit einigen Monaten stetig angestiegen war, erhöhte er um historische 0,5 auf nunmehr 1,75 Prozent.  

Starke Zinserhöhung „kontraproduktiv“

Mit dieser Zinssatz-Anhebung gieße die Bank of England lediglich Öl ins Feuer, sagt Richard Murphy, Professor für Wirtschaftsprüfung an der Sheffield University Management School. Die Bank operiere nach einem völlig veralteten ökonomischen Modell, erklärt der Makro-Ökonom. „Sie gehen davon aus, dass der Grund für die inflationäre Entwicklung zu viel Geld im System sei, ausgelöst durch rasant steigende Gehälter.“

Mit der weitgehenden Zerstörung der Gewerkschaften in Großbritannien hätten sich die Macht- und Besitzverhältnisse jedoch in den vergangenen 40 Jahren fundamental verändert. „Gehälter sind gerade mal 4 bis 7 Prozent gestiegen, aber die Inflation liegt schon jetzt bei 9 bis 12 Prozent. Die Gehälter sind es also nicht, die die Inflation treiben.“ Vielmehr seien es die Mieten, die in nur einem Jahr um mehr als 10 Prozent erhöht worden seien, sowie die exorbitanten Profite, die nicht nur Energiefirmen, sondern auch Banken und große Konzerne gerade einstreichen.STERN PAID 28_22 Brunsbüttel Energie-Dilemma 17.12

Inflation für die Ärmsten „bereits bei 12 bis 13 Prozent“

„Großbritanniens Wirtschaftssystem ist so angelegt, dass es immer die Ärmsten am härtesten abstraft“, sagt Murphy .“Sie zahlen die höchsten Energietarife, weil sie ihre Energie im voraus kaufen müssen.“ Sie wohnten, so Murphy weiter, in überaltertem und damit besonders schlecht isoliertem Wohnraumbestand in Regionen vor allem im Norden, wo sie wegen des praktisch nichtexistenten öffentlichen Verkehrssystems auf ihr Auto angewiesen seien. „Für diese Menschen beträgt die Inflation schon jetzt 12 bis 13 Prozent, während sie für wohlhabendere Schichten bei 7 Prozent liegt.“  

Und nun, dank der Zinserhöhung der Bank of England, müssten die, die sich ihr überteuertes kleines Haus gekauft und dabei hoch verschuldet haben, obendrein auch noch potentiell mehr als 200 Euro zusätzlich zahlen, um die steigenden Zinsen zu tilgen, fügt Murphy hinzu.  Auch die Mietpreise dürften nach der Zinserhöhung weiter anziehen. Murphy glaubt, die Konsequenz werde „ein systemisches Versagen der britischen Wirtschaft“ sein .“Es ist ganz einfach: Wenn Sie der Bank 1000 Pfund schulden, dann haben Sie ein Problem. Schulden Sie der Bank aber eine Million Pfund, dann hat die Bank das Problem.“

Bedingungsloser Glaube an den freien Markt

Eigentlich sollten gerade die von russischem Gas weniger abhängigen Briten besser in der Lage sein als ihre Nachbarn in der EU, den heimischen Energiemarkt und damit die Inflation im Zaum zu halten. Doch Maßnahmen wie die praktische Übernahme der Energiefirma EDF in Frankreich durch Macrons Regierung grenzen für die rechtslibertäre britische Führung mit ihrem bedingungslosen Glauben an den freien Markt an Sozialismus – ein Schimpfwort hierzulande.

Zudem leidet das Königreich seit dem Rücktritt von Boris Johnson derzeit unter einem besorgniserregenden Vakuum im Regierungssitz 10 Downing Street. Der noch amtierende Premier scheint gerade seine „Bucket List“ abzuarbeiten – neulich flog er in einem Typhoon-Kampfjet und spielte für die Kameras Soldat, derzeit ist er in die verspäteten Flitterwochen gereist und seitdem spurlos verschwunden. Auch der erst vor drei Wochen ernannte Schatzkanzler Nadhim Zahawi hat sich in den Sommerurlaub verabschiedet.

Tory-Kandidatin Liz Truss lehnt „Almosen“ ab

Währenddessen tingeln Rishi Sunak und Liz Truss, die Anwärter auf das Premierminister-Amt, durchs Land auf einer Tournee, die selbst die Rolling Stones erschöpfen würde. Dort huldigen die beiden ihrem Idol Margaret Thatcher und übertrumpfen einander mit libertären Versprechungen, die vor allem die überalterte Tory-Wählerbasis zufriedenstellen soll. Gerade lehnte die ökonomisch so gut wie illiterate Truss „weitere Almosen“ als Reaktion auf die Energiekostenkrise ab. Sie meinte damit die finanziellen Hilfen, die Sunak, damals noch Schatzkanzler, während der Covid-Lockdowns an weite Bevölkerungskreise zahlte, deren Existenz durch die zwangsläufige Schließung der Wirtschaft bedroht gewesen war.STERN PAID 20_22 Nachhaltigkeit Energiesparen 5 Kleine Maßnahmen, große Wirkung 11.37

Statt Aufschwung im Norden nun Hunger und Kälte

Murphy hält die Katastrophe, die auf das Land gerade zurollt, für größer und gefährlicher als die Pandemie selbst. „Wenn wir jetzt nicht handeln, werden diesen Winter Menschen sterben, und wir werden zivile Unruhen erleben.“

Mit dieser Einschätzung ist er nicht allein: Am Wochenende haben unter der Führung des Ex- Premierministers Gordon Brown 60 Kirchen, Hilfsorganisationen, Bürgermeister und Stadt- sowie Gemeinderäte einen gemeinsamen Aufruf an die britische Regierung veröffentlicht. Darin weisen sie darauf hin, dass die Krise eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen physisch und psychisch in ihrer Entwicklung hemmen und sie vieler Lebenschancen berauben wird – „gerade im Norden des Landes“. Genau dem hatte Johnsons Regierung noch 2019 eine Anhebung des Lebensstandards versprochen.

Stattdessen drohen den Wählern dort nun Hunger und Kälte. Diese bittere Ironie dürfte ihnen nicht entgehen.

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1970er Brexit Inflation London National Institute Rezession

Verbraucher: Britisches Institut sieht Gefahr einer Stagflation

Die Folgen des Brexit, steigende Inflation, hohe Arbeitslosigkeit: Die Lage für Millionen britische Haushalte ist bereits jetzt bedenklich. Doch es könnte noch schlimmer kommen.

Angesichts der explodierenden Inflation warnen Ökonomen vor verheerenden Folgen für die britische Wirtschaft. Es bestehe „die wachsende Möglichkeit einer tieferen Rezession“, schrieb das unabhängige Wirtschaftsforschungsinstitut NIESR in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht.

Dies werde Millionen Menschen treffen, vor allem finanziell schwächere Haushalte, hieß es. Erstmals seit den 1970er Jahren drohe eine Stagflation, also eine Mischung aus hoher Inflation und Arbeitslosigkeit sowie stagnierender Wirtschaftsleistung.

Die Wirtschaft werde dieses Jahr um 3,5 Prozent wachsen, aber 2023 nur noch um 0,5 Prozent, schätzt das National Institute of Economic and Social Research (NIESR). Etwa 2,5 Millionen Haushalte würden aufgrund der steigenden Lebenskosten ihre Ersparnisse aufbrauchen. Das bedeute, dass bis 2024 jeder fünfte Haushalt keine Rücklagen mehr haben werde. Die Zahl der Haushalte, die von Gehalt zu Gehalt lebten, werde sich 2024 auf 6,8 Millionen fast verdoppeln. Das seien 25 Prozent des Landes.

Das liegt auch daran, dass nach NIESR-Berechnungen die Reallöhne dauerhaft niedriger sein werden. Allein in diesem Jahr würden sie um 2,5 Prozent sinken und bis 2026 um 7 Prozent unter dem Niveau von vor der Corona-Pandemie liegen. Das Institut machte dafür vor allem die Auswirkungen des Brexits sowie die steigenden Preise für Strom und Gas verantwortlich.

„Alle Haushalte sind mit steigenden Energie- und Lebensmittelrechnungen konfrontiert, aber zu viele müssen auf Kredite zurückgreifen, Zahlungsrückstände aufbauen oder ihre Ersparnisse vernichten“, sagte NIESR-Vizedirektor Adrian Pabst. Sein Kollege Stephen Millard forderte die britische Zentralbank auf, die Inflation unter Kontrolle zu bekommen. Dafür sei vermutlich ein Leitzins von 3 Prozent nötig, sagte Millard. Die künftige Regierung müsse zudem finanziell schwache Verbraucher noch stärker entlasten, etwa indem sie die als Universal Credit bekannte Sozialhilfe erhöhe und weitere Rabatte auf Energierechnungen gewähre.

Die Inflation wird nach Einschätzung des Instituts im letzten Quartal dieses Jahres auf knapp 11 Prozent schnellen, aber bis Ende 2023 wieder auf 3 Prozent sinken.

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1970er Brexit Inflation London National Institute Rezession

Verbraucher: Britisches Institut sieht Gefahr einer Stagflation

Die Folgen des Brexit, steigende Inflation, hohe Arbeitslosigkeit: Die Lage für Millionen britische Haushalte ist bereits jetzt bedenklich. Doch es könnte noch schlimmer kommen.

Angesichts der explodierenden Inflation warnen Ökonomen vor verheerenden Folgen für die britische Wirtschaft. Es bestehe „die wachsende Möglichkeit einer tieferen Rezession“, schrieb das unabhängige Wirtschaftsforschungsinstitut NIESR in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht.

Dies werde Millionen Menschen treffen, vor allem finanziell schwächere Haushalte, hieß es. Erstmals seit den 1970er Jahren drohe eine Stagflation, also eine Mischung aus hoher Inflation und Arbeitslosigkeit sowie stagnierender Wirtschaftsleistung.

Die Wirtschaft werde dieses Jahr um 3,5 Prozent wachsen, aber 2023 nur noch um 0,5 Prozent, schätzt das National Institute of Economic and Social Research (NIESR). Etwa 2,5 Millionen Haushalte würden aufgrund der steigenden Lebenskosten ihre Ersparnisse aufbrauchen. Das bedeute, dass bis 2024 jeder fünfte Haushalt keine Rücklagen mehr haben werde. Die Zahl der Haushalte, die von Gehalt zu Gehalt lebten, werde sich 2024 auf 6,8 Millionen fast verdoppeln. Das seien 25 Prozent des Landes.

Das liegt auch daran, dass nach NIESR-Berechnungen die Reallöhne dauerhaft niedriger sein werden. Allein in diesem Jahr würden sie um 2,5 Prozent sinken und bis 2026 um 7 Prozent unter dem Niveau von vor der Corona-Pandemie liegen. Das Institut machte dafür vor allem die Auswirkungen des Brexits sowie die steigenden Preise für Strom und Gas verantwortlich.

„Alle Haushalte sind mit steigenden Energie- und Lebensmittelrechnungen konfrontiert, aber zu viele müssen auf Kredite zurückgreifen, Zahlungsrückstände aufbauen oder ihre Ersparnisse vernichten“, sagte NIESR-Vizedirektor Adrian Pabst. Sein Kollege Stephen Millard forderte die britische Zentralbank auf, die Inflation unter Kontrolle zu bekommen. Dafür sei vermutlich ein Leitzins von 3 Prozent nötig, sagte Millard. Die künftige Regierung müsse zudem finanziell schwache Verbraucher noch stärker entlasten, etwa indem sie die als Universal Credit bekannte Sozialhilfe erhöhe und weitere Rabatte auf Energierechnungen gewähre.

Die Inflation wird nach Einschätzung des Instituts im letzten Quartal dieses Jahres auf knapp 11 Prozent schnellen, aber bis Ende 2023 wieder auf 3 Prozent sinken.

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Arbeitsmarkt Bundesagentur für Arbeit China Coronavirus Destatis Deutschland Europa Frühjahr Inflation Jahresstart Konjunktur Lieferengpass Nachrichten Rezession Robert Habeck Steigende Preise Ukraine Wiesbaden Wirtschaftswachstum

Konjunktur: Wirtschaftswachstum: Ukraine-Krieg bremst Konjunktur aus

Steigende Preise, Lieferengpässe und der Ukraine-Krieg bremsen die deutsche Wirtschaft im Frühjahr aus. Volkswirte erwarten, dass die kommenden Monate noch härter werden dürften.

Die Folgen des Ukraine-Krieges haben das Wirtschaftswachstum in Deutschland nach einem unerwartet kräftigen Jahresstart im zweiten Quartal abgewürgt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stagnierte gegenüber dem ersten Vierteljahr, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in einer ersten Schätzung mitteilte.

Europas größte Volkswirtschaft steckt damit in einer schwierigen Gemengelage aus hoher Inflation und stagnierender Wirtschaftsleistung. Ökonomen sprechen von einer Stagflation. Sie schließen einen Konjunktureinbruch in den kommenden Monaten nicht aus. Das Risiko einer Rezession ist aus ihrer Sicht gestiegen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bezeichnete die wirtschaftliche Lage in Deutschland als zugespitzt.

Immerhin startete Europas größte Volkswirtschaft unerwartet kräftig in das schwierige Jahr. Nach den jüngsten Daten der Wiesbadener Behörde legte das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,8 Prozent zu. Das war deutlich mehr als die zunächst berechneten 0,2 Prozent. Gute Nachrichten kamen auch vom Arbeitsmarkt, der der Konjunkturflaute weiter trotzt.

Die Zahl der Arbeitslosen stieg im Juli zwar um 107.000 auf 2,47 Millionen. Hintergrund ist vor allem die weitere Erfassung ukrainischer Kriegsflüchtlinge in der Arbeitsmarktstatistik. „Insgesamt ist der Arbeitsmarkt trotz aller Belastungen und Unsicherheiten weiterhin stabil“, sagte Daniel Terzenbach, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit am Freitag.

Gestörte Lieferketten und Krieg in der Ukraine

Der Ukraine-Krieg, gestörte Lieferketten, steigende Preise und Corona-Lockdowns in Teilen Chinas bremsten die deutsche Wirtschaft im Frühjahr aus. Gestützt wurde die Konjunktur nach Angaben der Wiesbadener Behörde vor allem von den privaten und staatlichen Konsumausgaben. Der Außenbeitrag – also das Verhältnis von Exporten zu Importen – dämpfte dagegen das Wachstum.

Nach Einschätzung von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer ist vorerst keine Besserung in Sicht. „Das Rezessionsrisiko steigt. Wie sich die Wirtschaft am Ende tatsächlich entwickelt, hängt vor allem an Putins Gaslieferungen.“

Deutschland, das besonders stark von Gasimporten aus Russland abhängig ist, entwickelte sich im zweiten Quartal deutlich schwächer als der Euroraum insgesamt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der 19 Euroländer legte nach Daten des Statistikamtes Eurostat zum Vorquartal um 0,7 Prozent zu. Besonders kräftig wuchs mit 1,1 Prozent die spanische Wirtschaft. In Italien stieg das BIP um ein Prozent und in Frankreich um 0,5 Prozent.

Der Ukraine-Krieg verschärft Probleme, die der deutschen Wirtschaft schon zuvor zu schaffen machten. Steigende Energiepreise und anhaltende Lieferengpässe belasten die Industrie. Zugleich bremst die höchste Inflation seit Jahrzehnten den privaten Konsum, der eine wichtige Stütze der deutschen Konjunktur ist.

Konsumlaune auf Allzeittief

Nach Angaben der GfK-Konsumforscher hat sich das Ausgabeverhalten der Menschen in Deutschland inzwischen spürbar verändert. Bei Gütern des täglichen Bedarfs wie Lebensmitteln oder Körperpflegeprodukten schnallen Verbraucherinnen und Verbraucher demnach den Gürtel enger. Die Konsumlaune sank zuletzt auf ein Allzeittief.

Die Stimmung in den Unternehmen verschlechterte sich ebenfalls deutlich. Das Ifo-Geschäftsklima, für das etwa 9000 Unternehmen ihre gegenwärtige Geschäftslage und die Erwartungen für die nächsten sechs Monate beurteilen, sank im Juli auf den niedrigsten Stand seit gut zwei Jahren. „Deutschland steht an der Schwelle zur Rezession“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Nach Einschätzung von Jan Holthusen, Konjunkturexperte bei der DZ Bank, dürfte die Stagnationsphase noch bis ins kommende Jahr anhalten. „Angesichts einer drohenden Rationierung von Energie ist auch eine rückläufige Wirtschaftsleistung im Winterhalbjahr nicht auszuschließen.“

Auftragsbücher der Unternehmen gut gefüllt

Konjunkturexperte Nils Jannsen vom Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel) hält eine Rezession allerdings noch nicht für ausgemacht. Dagegen spreche, dass bei privaten Haushalten nach den beschränkten Konsummöglichkeiten in der Pandemie weiterhin Nachholbedarf bestehe. Zudem seien die Auftragsbücher der Unternehmen gut gefüllt. Viele Firmen können wegen Materialmangels und Lieferengpässen die Bestellungen derzeit allerdings nicht im gewohnten Tempo abarbeiten.

Schrumpft die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge, sprechen Ökonomen von einer „technischen Rezession“. Das bedeutet keinen Konjunktureinbruch im Gesamtjahr. Nach der jüngsten Prognose der EU-Kommission wird Europas größte Volkswirtschaft dieses Jahr voraussichtlich um 1,4 Prozent zulegen. Der Internationale Währungsfonds traut Deutschland im Gesamtjahr ein Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent zu.

Angesichts der schwierigen Lage forderte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben. „Wir müssen umschalten.“ Unter anderem müssten die Unternehmen auch steuerlich entlastet werden, um notwendige Investitionen zu finanzieren.

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Bruttoinlandsprodukt Coronavirus Destatis Deutschland Europa Frühjahr GfK Inflation Konjunktur Konsumforscher Lieferengpass Rezession Ukraine Wiesbaden

Konjunktur: Deutsche Wirtschaft stagniert im zweiten Quartal

Energiepreissprünge heizen die Inflation an, Lieferengpässe belasten die Industrie. Der Ukraine-Krieg verschärft bestehende Probleme Deutschlands. Europas größte Volkswirtschaft gerät unter Druck.

Lieferengpässe und die Folgen des Ukraine-Krieges haben die deutsche Wirtschaft im Frühjahr ausgebremst. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stagnierte im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Vierteljahr 2022, wie das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mitteilte. Zu Jahresbeginn war Europas größte Volkswirtschaft nach den jüngsten Daten noch um 0,8 Prozent gewachsen.

Die schwierigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit der Corona-Pandemie, gestörten Lieferketten, steigenden Preisen und dem Krieg in der Ukraine schlügen sich deutlich in der Konjunktur nieder, erklärte die Wiesbadener Behörde. Gestützt wurde die Konjunktur demnach vor allem von den privaten und staatlichen Konsumausgaben, während der Außenbeitrag das Wirtschaftswachstum dämpfte.

Der Ukraine-Krieg verschärft Probleme, die der deutschen Wirtschaft schon zuvor zu schaffen machten. Steigende Energiepreise und anhaltende Lieferengpässe belasten die Industrie. Zugleich bremst die höchste Inflation seit Jahrzehnten den privaten Konsum, der eine wichtige Stütze der deutschen Konjunktur ist.

Konsumforscher: Verbraucher sparen bei Alltagsgütern

Nach Angaben der GfK-Konsumforscher hat sich das Ausgabeverhalten der Menschen in Deutschland mittlerweile spürbar verändert. Bei Gütern des täglichen Bedarfs wie Lebensmitteln oder Körperpflegeprodukten schnallen Verbraucherinnen und Verbraucher demnach den Gürtel enger. Die Konsumlaune sank zuletzt auf ein Allzeittief. „Zu den Sorgen um unterbrochene Lieferketten, den Ukraine-Krieg und stark steigende Energie- und Lebensmittelpreise kommen nun Befürchtungen um eine ausreichende Gasversorgung von Wirtschaft und privaten Haushalten im nächsten Winter“, erläuterte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl.

Zugleich hat sich die Stimmung in den Unternehmen deutlich verschlechtert. Das Ifo-Geschäftsklima, für das etwa 9000 Unternehmen ihre gegenwärtige Geschäftslage und die Erwartungen für die nächsten sechs Monate beurteilen, sank im Juli auf den niedrigsten Stand seit gut zwei Jahren. „Deutschland steht an der Schwelle zur Rezession“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. „Hohe Energiepreise und drohende Gasknappheit belasten die Konjunktur.“

Volkswirt: Bei komplettem Gas-Lieferstopp „tiefe Rezession unvermeidlich“

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer geht davon aus, dass sich die deutsche Wirtschaft bereits in einem Abschwung befinden dürfte. Wie schlimm es am Ende komme, liege vor allem in den Händen von Russlands Präsident Wladimir Putin. „Käme es zu einem kompletten Stopp der Gaslieferungen, wäre eine tiefe Rezession unvermeidlich.“ Das bedeutet, dass die deutsche Wirtschaft nicht mehr wachsen, sondern schrumpfen würde.

Nach Einschätzung der EU-Kommission wird Europas größte Volkswirtschaft dieses Jahr voraussichtlich nur um 1,4 Prozent zulegen. Der Internationale Währungsfonds rechnet mit einem Wirtschaftswachstum von nur 1,2 Prozent im Gesamtjahr.

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Arbeitsmarkt Janet Yellen Rezession US-Wirtschaft USA

US-Wirtschaft: US-Finanzministerin: Keine Anzeichen für Rezession in USA

US-Finanzministerin Janet Yellen sieht trotz des wirtschaftlichen Rückgangs in den USA keine Rezession.

US-Finanzministerin Janet Yellen sieht trotz des wirtschaftlichen Rückgangs in den USA keine Rezession.

„Sie sehen keinen signifikanten Anstieg von Unternehmensinsolvenzen, die typischen Arten von Notlagen, die wir mit dem Wort Rezession verbinden“, sagte Yellen. Der Arbeitsmarkt sei nach wie vor außergewöhnlich stark – das sei nicht das, was man in vergangenen als Rezession eingestuften Episoden gesehen habe. Die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums sei zu erwarten gewesen, wenn man bedenke, wie schnell die Wirtschaft gewachsen sei, als sie sich von der Pandemie und den Arbeitsplatzverlusten erholt habe, so Yellen

Yellen vermied es zwar, direkt zu sagen, dass die US-Wirtschaft sich nicht in einer Rezession befinde – machte aber deutlich, dass die aktuellen Entwicklungen nicht ihrem Verständnis eines wirtschaftlichen Abschwungs entsprächen. „Die meisten Ökonomen und die meisten Amerikaner haben eine ähnliche Definition von Rezession“, sagte sie weiter. Dazu zählten erhebliche Arbeitsplatzverluste, Massenentlassungen und die Schließung von Unternehmen im privaten Sektor. All dies passiere aktuell in den USA nicht.

Die US-Wirtschaft ist im Frühling erneut geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt sei im zweiten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 0,9 Prozent gefallen, hatte das Handelsministerium am Donnerstag mitgeteilt. Bereits im Winter war die Wirtschaft geschrumpft. Ökonomen sprechen von einer technischen Rezession, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale hintereinander zurückgeht – so wie nun in den USA.

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Arbeitsmarkt Janet Yellen Rezession US-Wirtschaft USA

US-Wirtschaft: US-Finanzministerin: Keine Anzeichen für Rezession in USA

US-Finanzministerin Janet Yellen sieht trotz des wirtschaftlichen Rückgangs in den USA keine Rezession.

US-Finanzministerin Janet Yellen sieht trotz des wirtschaftlichen Rückgangs in den USA keine Rezession.

„Sie sehen keinen signifikanten Anstieg von Unternehmensinsolvenzen, die typischen Arten von Notlagen, die wir mit dem Wort Rezession verbinden“, sagte Yellen. Der Arbeitsmarkt sei nach wie vor außergewöhnlich stark – das sei nicht das, was man in vergangenen als Rezession eingestuften Episoden gesehen habe. Die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums sei zu erwarten gewesen, wenn man bedenke, wie schnell die Wirtschaft gewachsen sei, als sie sich von der Pandemie und den Arbeitsplatzverlusten erholt habe, so Yellen

Yellen vermied es zwar, direkt zu sagen, dass die US-Wirtschaft sich nicht in einer Rezession befinde – machte aber deutlich, dass die aktuellen Entwicklungen nicht ihrem Verständnis eines wirtschaftlichen Abschwungs entsprächen. „Die meisten Ökonomen und die meisten Amerikaner haben eine ähnliche Definition von Rezession“, sagte sie weiter. Dazu zählten erhebliche Arbeitsplatzverluste, Massenentlassungen und die Schließung von Unternehmen im privaten Sektor. All dies passiere aktuell in den USA nicht.

Die US-Wirtschaft ist im Frühling erneut geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt sei im zweiten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 0,9 Prozent gefallen, hatte das Handelsministerium am Donnerstag mitgeteilt. Bereits im Winter war die Wirtschaft geschrumpft. Ökonomen sprechen von einer technischen Rezession, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale hintereinander zurückgeht – so wie nun in den USA.

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Arbeitsmarkt Janet Yellen Rezession US-Wirtschaft USA

US-Wirtschaft: US-Finanzministerin: Keine Anzeichen für Rezession in USA

US-Finanzministerin Janet Yellen sieht trotz des wirtschaftlichen Rückgangs in den USA keine Rezession.

US-Finanzministerin Janet Yellen sieht trotz des wirtschaftlichen Rückgangs in den USA keine Rezession.

„Sie sehen keinen signifikanten Anstieg von Unternehmensinsolvenzen, die typischen Arten von Notlagen, die wir mit dem Wort Rezession verbinden“, sagte Yellen. Der Arbeitsmarkt sei nach wie vor außergewöhnlich stark – das sei nicht das, was man in vergangenen als Rezession eingestuften Episoden gesehen habe. Die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums sei zu erwarten gewesen, wenn man bedenke, wie schnell die Wirtschaft gewachsen sei, als sie sich von der Pandemie und den Arbeitsplatzverlusten erholt habe, so Yellen

Yellen vermied es zwar, direkt zu sagen, dass die US-Wirtschaft sich nicht in einer Rezession befinde – machte aber deutlich, dass die aktuellen Entwicklungen nicht ihrem Verständnis eines wirtschaftlichen Abschwungs entsprächen. „Die meisten Ökonomen und die meisten Amerikaner haben eine ähnliche Definition von Rezession“, sagte sie weiter. Dazu zählten erhebliche Arbeitsplatzverluste, Massenentlassungen und die Schließung von Unternehmen im privaten Sektor. All dies passiere aktuell in den USA nicht.

Die US-Wirtschaft ist im Frühling erneut geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt sei im zweiten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 0,9 Prozent gefallen, hatte das Handelsministerium am Donnerstag mitgeteilt. Bereits im Winter war die Wirtschaft geschrumpft. Ökonomen sprechen von einer technischen Rezession, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale hintereinander zurückgeht – so wie nun in den USA.

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Abschwung Europa EZB Inflation Jerome Powell Joe Biden Konjunktur Rezession US-Notenbank US-Präsident US-Wirtschaft USA

Konjunktur: Rezession, oder doch nicht? – US-Wirtschaft schrumpft erneut

Die US-Zahlen haben bestätigt, was viele befürchtet haben: einen erneuten wirtschaftlichen Rückgang. Ist das der viel gefürchtete Abschwung? Ins Visier rückt dabei auch die Zinspolitik der Fed.

Die US-Wirtschaft ist im Frühling erneut geschrumpft – damit scheinen sich die Ängste vor einem wirtschaftlichen Abschwung zu bestätigen. Das Bruttoinlandsprodukt fiel im zweiten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 0,9 Prozent, wie das Handelsministerium am Donnerstag mitteilte.

Da die Wirtschaft bereits im Winter geschrumpft ist, ist nun die Definition einer sogenannten technischen Rezession erfüllt. Ein Grund für den erneuten Rückgang dürfte auch der aggressive Kampf der US-Notenbank Fed gegen die grassierende Inflation sein. Sie hatte erst am Vortag wieder deutlich an der Zinsschraube gedreht. Doch daran, dass die größte Volkswirtschaft der Welt wirklich in eine Rezession geschlittert ist, gibt es zumindest Zweifel.

Die Fed hatte den Leitzins am Mittwoch erneut um beachtliche 0,75 Prozentpunkte angehoben. Fed-Chef Jerome Powell deutete bereits weitere Erhöhungen in dieser Größenordnung an. Der jetzige Zinsschritt ist die vierte Erhöhung in diesem Jahr. Erst im Juni hatte die Fed den Leitzins um 0,75 Punkte angehoben. Es war der größte Zinsschritt seit 1994. Der Grund für die scharfen Maßnahmen der Fed sind die hohen Verbraucherpreise. Die Teuerungsrate in den USA ist mit 9,1 Prozent so hoch wie seit rund vier Jahrzehnten nicht mehr. Damit liegt sie weit entfernt von jenen 2 Prozent, die sich die Fed zum Ziel gesetzt hat.

Fed und EZB fahren unterschiedlichen Kurs

Daher setzen die Zentralbanker auf eine straffe Geldpolitik. Das Problem: Damit könnten sie den Aufschwung abwürgen. Erhöhungen des Leitzinses verteuern Kredite und bremsen die Nachfrage. Das hilft dabei, die Inflationsrate zu senken, schwächt aber auch das Wirtschaftswachstum. „Ich glaube nicht, dass sich die USA derzeit in einer Rezession befinden“, hatte Powell am Mittwoch – vor der Veröffentlichung der neuen Wirtschaftsdaten – beschwichtigt. Gleichzeitig mahnte er, die Zahlen mit Vorsicht zu genießen und machte deutlich, dass ein etwas langsameres Wachstum im Kampf gegen die hohe Inflation notwendig sei.

Die Fed geht deutlich aggressiver gegen die Inflation vor als die Europäische Zentralbank (EZB), die im Juli zum ersten Mal seit elf Jahren die Zinsen erhöhte. Die Anhebung im Währungsraum der 19 Mitglieder fiel mit einem halben Prozentpunkt zwar überraschend stark aus. Kritiker werfen der EZB aber vor, die Zinswende zu spät eingeleitet zu haben. Die Teuerung im Euroraum zieht seit Monaten auf Rekordniveau an.

Zugleich haben sich in Europa die Wirtschaftsaussichten infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine deutlich eingetrübt. Hebt die EZB die Zinsen in diesem Umfeld zu rasch an, könnte das vor allem für hoch verschuldete Staaten in Südeuropa zur Belastung werden. Europas Währungshüter stehen ebenso wie die US-Notenbank damit vor einem Balanceakt.

Ökonomen sprechen von einer technischen Rezession, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale hintereinander zurückgeht – so wie nun in den USA. Im Weißen Haus ist man bemüht, die Schätzung nicht zu hoch zu hängen. In einer Mitteilung von US-Präsident Joe Biden zu den neuen Daten kommt das Wort „Rezession“ nicht einmal vor – der wirtschaftliche Rückgang sei wegen der straffen Geldpolitik der Fed „keine Überraschung“. Später sagte er mit Blick auf die Zahlen: „Das sieht für mich nicht nach einer Rezession aus.“

Der Direktor des Nationalen Wirtschaftsrates im Weißen Haus, Brian Deese, betonte: „Wir befinden uns in einer Übergangsphase, und es besteht kein Zweifel, dass sich die Wirtschaft verlangsamt.“ Alle Anzeichen deuteten aber auf eine Wirtschaft hin, die angesichts der globalen Herausforderungen „außerordentliche Widerstandsfähigkeit“ zeige.

Andere Wirtschaftsdaten stimmen optimistischer

Ökonominnen und Ökonomen betonen, dass es nun wichtig sei, sich mehrere Indikatoren wie etwa Einkommen, Ausgaben und Beschäftigung anzuschauen. Die Arbeitslosenquote liegt in den USA zum Beispiel auf ähnlich niedrigem Niveau wie vor Ausbruch der Corona-Pandemie im Februar 2020. Laut Handelsministerium ist der erneute Rückgang des BIP etwa auf geringere Lagerbestände und Investitionen der Unternehmen zurückzuführen. Die Exporte und die Konsumausgaben der privaten Haushalte seien dagegen gestiegen. Allerdings habe der Zuwachs nicht ausgereicht, um den Rückgang in den anderen Bereichen auszugleichen.

„Die Zahlen sind im Moment verblüffend – es ist nicht normal, dass das BIP sinkt und die Beschäftigung steigt“, zitierte die „Washington Post“ die Ökonomin Betsey Stevenson von der Universität Michigan. Selbst bei einem wirtschaftlichen Rückgang im zweiten Quartal müsse man ernsthaft darüber nachdenken, ob das wirklich ausreiche, um von einer Rezession zu sprechen.

US-Präsident Biden kann sich mit Blick auf die Kongresswahlen im Herbst weder einen wirtschaftlichen Abschwung noch anhaltend hohe Verbraucherpreise leisten. Seine Zustimmungswerte sind im Keller. Gut angekommen dürften im Weißen Haus daher die Worte von Fed-Chef Powell sein – der gab sich überzeugt: „Wir glauben, dass es einen Weg gibt, die Inflation zu senken und gleichzeitig einen starken Arbeitsmarkt aufrechtzuerhalten.“ Doch ganz ohne Schmerzen dürfte der Kampf gegen die Inflation nicht zu gewinnen sein. Die nächste Zins-Entscheidung der Fed steht im September an.

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