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Bankenaufsicht Biden BMF Direktorium Federal Reserve System Finanzministerium der Vereinigten Staaten Joe Biden Notenbank Senat US-Notenbank US-Senat USA

USA: Senat bestätigt Bidens Kandidaten für oberste Bankenaufsicht

Mit Michael Barr zieht ein erfahrener Finanzpolitiker an die Spitze der US-Notenbank Federal Reserve – er arbeitete bereits unter den damaligen Präsidenten Bill Clinton und Barack Obama.

Der US-Senat hat den Kandidaten von Präsident Joe Biden für den Posten des obersten Bankenaufsehers im Direktorium der Notenbank Federal Reserve (Fed) bestätigt.

Die Kongresskammer stimmte parteiübergreifend mit 66 zu 28 Stimmen für Michael Barr, einen Juraprofessor und früheren Spitzenbeamten des US-Finanzministeriums. Damit kann Barr den Notenbank-Posten übernehmen. Die Bestätigung sei ein großer Fortschritt mit Blick auf die Regulierung von Finanzinstituten und im Kampf gegen Inflation, erklärte Biden.

Der Präsident hatte im Januar ursprünglich Sarah Bloom Raskin für die Stelle der Bankenaufsicht bei der Fed vorgeschlagen. Sie hatte zuvor betont, wie wichtig der Kampf gegen den Klimawandel auch aus wirtschaftlicher und finanzmarkttechnischer Sicht ist. Unter anderem deswegen lehnten die Republikaner im Senat ihre Nominierung ab. Nachdem sich auch der konservative demokratische Senator Joe Manchin von ihr distanzierte, zog Raskin ihre Kandidatur zurück.

Barr wirkte führend mit an der Einführung eines Gesetzespakets zur Finanzmarktregulierung unter dem damaligen Präsidenten Barack Obama. Auch unter Ex-Präsident Bill Clinton hat er bereits für das Weiße Haus und das Finanzministerium gearbeitet.

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USA: Senat bestätigt Bidens Kandidaten für oberste Bankenaufsicht

Mit Michael Barr zieht ein erfahrener Finanzpolitiker an die Spitze der US-Notenbank Federal Reserve – er arbeitete bereits unter den damaligen Präsidenten Bill Clinton und Barack Obama.

Der US-Senat hat den Kandidaten von Präsident Joe Biden für den Posten des obersten Bankenaufsehers im Direktorium der Notenbank Federal Reserve (Fed) bestätigt.

Die Kongresskammer stimmte parteiübergreifend mit 66 zu 28 Stimmen für Michael Barr, einen Juraprofessor und früheren Spitzenbeamten des US-Finanzministeriums. Damit kann Barr den Notenbank-Posten übernehmen. Die Bestätigung sei ein großer Fortschritt mit Blick auf die Regulierung von Finanzinstituten und im Kampf gegen Inflation, erklärte Biden.

Der Präsident hatte im Januar ursprünglich Sarah Bloom Raskin für die Stelle der Bankenaufsicht bei der Fed vorgeschlagen. Sie hatte zuvor betont, wie wichtig der Kampf gegen den Klimawandel auch aus wirtschaftlicher und finanzmarkttechnischer Sicht ist. Unter anderem deswegen lehnten die Republikaner im Senat ihre Nominierung ab. Nachdem sich auch der konservative demokratische Senator Joe Manchin von ihr distanzierte, zog Raskin ihre Kandidatur zurück.

Barr wirkte führend mit an der Einführung eines Gesetzespakets zur Finanzmarktregulierung unter dem damaligen Präsidenten Barack Obama. Auch unter Ex-Präsident Bill Clinton hat er bereits für das Weiße Haus und das Finanzministerium gearbeitet.

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Commerzbank Dekabank Deutschland Euro Europa EZB Federal Reserve System Inflation Rezession Russland Ukraine US-Dollar US-Notenbank

Wechselkurs: Euro fällt auf 20-Jahres-Tief: Was das für Wirtschaft und Verbraucher bedeutet

Der Abwärtstrend des Euro beschleunigt sich. Warum ist das so, wer profitiert davon und wer leidet besonders? Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Kursverlust.

Die europäische Gemeinschaftswährung befindet sich im Sinkflug. Schon seit Monaten geht es mit dem Euro bergab. Zuletzt beschleunigte sich die Talfahrt sogar, der Kurs fiel am Mittwoch mit knapp 1,02 US-Dollar auf den tiefsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten. Warum ist die gemeinsame Währung der 19 Euroländer so tief gesunken? Und was sind die Folgen des Wertverlusts? Fragen und Antworten dazu:

Warum ist der Euro so schwach?

STERN PAID 6_22 wie teuer wird warm?Fachleute erklären die Euro-Schwäche vor allem mit zwei Entwicklungen. Zum einen geht derzeit die Furcht vor einem wirtschaftlichen Absturz um. „Die Rezessionsängste in Europa verschärfen sich“, kommentieren Analysten der Commerzbank. Die Experten der Dekabank pflichten bei: „Konjunkturangst greift um sich.“ Dafür gibt es einige Gründe, vor allem aber hat der Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine die hohe Abhängigkeit Europas von russischen Gaslieferungen drastisch vor Augen geführt. Russland hat seine Lieferungen bereits stark reduziert. Sollten sie ganz ausbleiben, könnte dies eine tiefe wirtschaftliche Rezession auslösen. Es gibt einen zweiten wichtigen Grund für die ausgeprägte Euro-Schwäche, nämlich die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Welche Rolle spielt die Europäische Zentralbank?

Viele andere Notenbanken, allen voran die mächtige US-Notenbank Federal Reserve, haben den Kampf gegen die hohe Inflation bereits aufgenommen und ihre Leitzinsen meist deutlich angehoben. Die EZB stellt allerdings eine der wenigen Ausnahmen dar, sie hat sich bisher nur zu einer Ankündigung durchgerungen. Im Juli sollen die Leitzinsen im Euroraum erstmals seit elf Jahren steigen – allerdings nur um 0,25 Prozentpunkte. Das ist im Vergleich zu anderen Zentralbanken wenig.Richtig vererben_10.49

Was sind die Nachteile eines schwachen Euro?

Die zunehmende Schwäche des Euro kommt im aktuellen Umfeld mit sehr hohen Inflationsraten äußerst ungelegen. Denn je niedriger der Wechselkurs der Gemeinschaftswährung ist, desto stärker werden im Verhältnis andere Währungen wie beispielsweise der US-Dollar. Das führt dazu, dass nach Deutschland eingeführte Waren teurer werden. Die bereits hohe Inflation wird dadurch zusätzlich angefacht.

Zahl der Einkommensmillionäre zuletzt gestiegen – Dichte in Hamburg am höchsten 13.07Verbraucher müssen bei sinkendem Eurokurs also noch tiefer in die Tasche greifen, um ihre Lebenshaltungskosten zu stemmen. Vor allem die bereits hohen Energie- und Rohstoffpreise drohen weiter zu steigen. Denn gezahlt wird international üblich in US-Dollar. Und der auch genannte Greenback wertet auf, wenn der Euro abwertet. Auch der Urlaub im vielen Ländern ohne die Gemeinschaftswährung dürfte mit fallendem Euro tendenziell teurer werden. Und natürlich wird der Inflationskampf der EZB noch schwieriger.

Gibt es auch Profiteure?

Ja, insbesondere in der Exportnation Deutschland. Denn deutsche Waren werden mit fallendem Euro-Wechselkurs für andere Länder günstiger. Ein wechselkursbedingter Nachfrageschub könnte also dazu führen, dass die befürchtete wirtschaftliche Abschwächung zumindest abgebremst wird. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die wirtschaftliche Lage in vielen anderen Ländern ähnlich ungünstig wie in Deutschland ist. Die Auslandsnachfrage dürfte konjunkturell bedingt also eher fallen als steigen – was den positiven Nachfrageeffekt durch den schwachen Euro zumindest ausbremst.

Wie geht es weiter, fällt der Euro auf Parität?

Unter Parität wird ein Tauschverhältnis eins zu eins verstanden. Bis dahin ist es bei einem Eurokurs von knapp 1,02 US-Dollar nicht mehr weit. Letztmalig war ein Euro im Jahr 2002 genau einen Dollar wert – also vor rund zwei Jahrzehnten. Das war knapp nach der Einführung des Euro als Bargeld. Analysten halten es für gut möglich, dass der Euro ein solches Niveau demnächst erreicht. Ein Test der Parität sei „sehr wahrscheinlich“, meinen Experten der Dekabank. Auch die Volkswirte der Landesbank Hessen-Thüringen sind der Meinung, einem Fall auf Parität stehe nur noch wenig entgegen. Anzeichen für eine Trendwende sehen sie nicht.

Besondere wirtschaftliche Auswirkungen hat ein Kursverfall auf Parität zwar nicht. Allerdings ist die Signalwirkung groß: So wurde zur Einführung des Euro für die Kursdarstellung nicht wie einst für die D-Mark eine Preisnotierung gewählt. Diese fragt danach, „was kostet der US-Dollar?“. Stattdessen hat man sich für die Mengennotierung entschieden, bei der gefragt wird, „was kostet der Euro?“. Damit wollte man wohl auch ein Zeichen für die wirtschaftliche Stärke und Unabhängigkeit der Währungsunion setzen. Sinkt der Kurs unter Parität, dürfte das dem internationalen Ruf des Euro eher schaden als nutzen.

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Federal Reserve System Inflation Jerome Powell Nordea Notenbank Rezession US-Notenbank USA

Inflation: Durch die hohe Inflation lassen die Notenbanken die Märkte alleine. Was Anleger jetzt tun sollten | stern PLUS

Die US-Notenbank wird heute voraussichtlich kräftig die Zinsen anheben. Was allerdings „kräftig“ heißt, ist unklar. Was jetzt zu tun ist, erklärt Witold Bahrke, Stratege für Makro-Themen bei Nordea Asset Management.

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1970er Arbeitslosenquote Coronavirus Coronavirus-Pandemie Federal Reserve System Großbritannien Inflation Jerome Powell Leitzins Paul Volcker Preisstabilität Rezession Schweiz US-Notenbank USA Zinsschritt

Inflation: Fed mit größtem Zinsschritt seit 1994 – Angst vor Rezession

Die US-Notenbank ist den Zielen der Preisstabilität und Vollbeschäftigung verpflichtet. Doch zumindest von ersterem kann derzeit keine Rede sein. Deshalb entscheidet sich die Fed nun für einen drastischen Schritt.

Mit dem größten Zinsschritt seit fast 30 Jahren will die US-Notenbank die steigende Inflation bekämpfen und schürt die Angst vor einer Rezession.

Die Federal Reserve (Fed) erhöht ihren Leitzins stark um 0,75 Prozentpunkte, wie sie am Mittwoch bekannt gab. Fed-Chef Jerome Powell betonte zwar, dass ein so hoher Zinsschritt «natürlich ungewöhnlich» und nicht üblich sei. Gleichzeitig stellte er für Ende Juli eine erneute Anhebung um 0,5 oder 0,75 Prozentpunkte in Aussicht. Für die Fed ist es nun ein Drahtseilakt, die steigende Inflation zu stoppen und gleichzeitig das Wirtschaftswachstum nicht zu sehr auszubremsen. Auch in der Schweiz und Großbritannien strafften die Notenbanken am Donnerstag ihre Geldpolitik.

Der aktuelle Zinsschritt ist die dritte Erhöhung des Leitzinses seit dem Beginn der Coronavirus-Pandemie – und der erste Anstieg um 0,75 Prozentpunkte seit 1994. Eigentlich hatten die Zentralbanker vor einigen Woche noch einen Anstieg um 0,5 Prozentpunkte signalisiert. Daten aus der vergangenen Woche zeigten jedoch, dass die Verbraucherpreise im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,6 Prozent gestiegen waren – dies setzte die US-Notenbank stark unter Druck. Sie überrascht eigentlich eher ungern die Märkte. Kurz vor der Fed-Sitzung wurde schließlich gar über eine Anhebung von einem Prozentpunkt spekuliert – und an den legendären Fed-Chef Paul Volcker erinnert.

Fed versichert: Versuchen nicht, Rezession herbeizuführen

Volcker hob den Leitzins in den 1970er und 80er Jahren drastisch an – er stieg zeitweise auf mehr als 20 Prozent. Auch damals hatte die größte Volkswirtschaft der Welt mit enormer Inflation zu kämpfen. Volcker wird zugute gehalten, die Inflation als Zentralbankchef erfolgreich bekämpft zu haben. Kritiker machten seinen Kurs jedoch für den Anstieg der Arbeitslosigkeit und einen Einbruch des Wirtschaftswachstums verantwortlich. Seine Maßnahmen waren so radikal, dass die USA dadurch in eine Rezession rutschten. Fed-Chef Powell versuchte nun eine klare Botschaft zu vermitteln: Die Fed ist entschlossen, die Inflation zu senken. Man versuche dabei nicht, eine Rezession herbeizuführen, versicherte er.

Wenn die Zinssätze steigen, leihen sich Bürgerinnen Bürger sowie die Wirtschaft weniger Geld oder müssen für Kredite mehr ausgeben. Folglich nimmt das Wachstum ab, Unternehmen können höhere Preise nicht mehr einfach weitergeben. Das alles hat direkte Auswirkungen auf den Alltag der Menschen – etwa bei Kreditkartenrechnungen, Krediten und Hypotheken. Ziel ist es, die Nachfrage im Laufe der Zeit zu senken, damit die Preise sinken und sich stabilisieren können. Die Folge: Die Inflation sinkt.

Wird das Wachstum aber zu schnell ausgebremst, könnten die USA in eine Rezession schlittern. Eine Rezession ist ein allgemeiner wirtschaftlicher Abschwung. Die Entscheider der Fed rechnen nun zum Jahresende im Mittel mit einem Leitzins von 3,4 Prozent und sogar 3,8 Prozent im kommenden Jahr – das ist allerdings noch sehr weit von den Volcker-Zeiten entfernt. «Wir verfügen sowohl über die notwendigen Instrumente als auch über die nötige Entschlossenheit, um die Preisstabilität im Interesse der amerikanischen Familien und Unternehmen wiederherzustellen», sagte Powell. Wichtig sei dabei nun auch das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Fed.

Höhere Arbeitslosenquote als notwendiger Kompromiss

Die Prognosen der US-Notenbank zeigen nun auch dank der Zinserhöhung einen Anstieg der Arbeitslosenquote in den kommenden Jahren. Für Powell ist das offenbar ein notwendiger Kompromiss. Die Arbeitslosenquote lag im Mai bei niedrigen 3,6 Prozent – ein Erfolg, für den sich US-Präsident Joe Biden immer wieder rühmt. «Eine Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent bei einer Inflation, die sich Richtung 2 Prozent bewegt – ich denke, das wäre ein erfolgreiches Ergebnis», sagte Powell nun.

«Natürlich sind wir nie der Meinung, dass zu viele Menschen arbeiten und weniger Menschen Arbeit haben müssen», betonte der Fed-Chef auf die Frage, ob nun Menschen im Kampf gegen die Inflation ihren Arbeitsplatz verlieren sollten. «Aber wir sind auch der Meinung, dass man ohne Preisstabilität keinen Arbeitsmarkt haben kann, wie wir ihn uns wünschen.»

Powell betonte auch, dass der Krieg in der Ukraine und die Corona-Lockdowns in China einen erheblichen Einfluss auf die Wirtschaft haben. «Das Problem ist, dass man nicht weiß, ob diese Kräfte in welchem Ausmaß anhalten werden», sagte der 69-Jährige. Es sei offen, ob man absehbar in eine Welt zurückkehre, die ein wenig mehr wie «die alte Welt aussehe». «Oder werden wir uns in einer Welt befinden, in der es immer wieder zu größeren Versorgungsschocks kommt, wie in den 70er Jahren, die dann wieder verschwinden und sich die Dinge wieder einpendeln?», fragte er. Angesichts der Ungewissheit sei es nun wichtig, «in der neuen Welt» für Preisstabilität zu sorgen.

Auch in der Schweiz entschied sich die Notenbank für einen überraschenden Zinsschritt. Die SNB erhöhte den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte und erklärte dies wie die Fed als Maßnahme gegen inflationären Druck. Die Erhöhung setzte den Aktienmärkten in Europa am Donnerstag schwer zu. In Frankfurt verlor der Dax am Nachmittag knapp drei Prozent. Er bewegte sich damit auf dem niedrigsten Niveau seit Anfang März. Auch die britische Notenbank straffte ihre Geldpolitik weiter und erhöhte den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte. Dieser Schritt war allerdings erwartet worden.

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Federal Reserve System Inflation Jahrzehnt Leitzinserhöhung US-Notenbank USA

Fed verkündet höchste Leitzinserhöhung seit knapp drei Jahrzehnten

Im Kampf gegen die hohe Inflation setzt die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) auf die stärkste Leitzinserhöhung seit knapp drei Jahrzehnten.

Im Kampf gegen die hohe Inflation setzt die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) auf die stärkste Leitzinserhöhung seit knapp drei Jahrzehnten. Die Fed gab am Mittwoch eine Anhebung des Leitzinses um 0,75 Prozentpunkte bekannt. Das ist die drastischste Erhöhung seit dem Jahr 1994. In den USA war die Inflation zuletzt auf 8,6 Prozent angestiegen, was die Notenbank unter massiven Druck gebracht hat.

Im Kampf gegen den starken Anstieg der Verbraucherpreise hatte die Fed in den vergangenen Monaten bereits zwei Mal den Leitzins erhöht: Im März hob die Notenbank den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte an und beendete damit ihre wegen der Corona-Pandemie beschlossene Nullzins-Politik. Anfang Mai folgte dann eine Erhöhung um 0,5 Punkte auf das Niveau zwischen 0,75 und 1,0 Prozent. Die neue Zinsspanne liegt nun zwischen 1,5 und 1,75 Prozent.

Zuletzt hat sich die Inflation in den USA aber noch verstärkt: Sie stieg im Mai auf 8,6 Prozent und damit den höchsten Wert seit mehr als 40 Jahren. Beobachter hatten eigentlich erwartet, dass die Inflationsrate nach 8,5 Prozent im März und 8,3 Prozent im April weiter zurückgeht. Ziel der US-Notenbank ist eine Inflation von etwa zwei Prozent.

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Bekämpfung Coronavirus Coronavirus-Pandemie Federal Reserve System Inflation Inflationsrate Jerome Powell Konjunktur Leitzins Leitzinserhöhung Rezession US-Dollar US-Notenbank

Inflation: US-Notenbank Fed vor erneuter Erhöhung des Leitzinses

Die hohe Inflationsrate zwingt die US-Notenbank zum Handeln. Sie will den Anstieg der Preise mithilfe von Leitzinserhöhungen begrenzen. Das dürfte die Konjunktur belasten. Droht womöglich eine Rezession?

Zur Bekämpfung der hohen Inflationsrate wird die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) heute aller Voraussicht nach zum dritten Mal seit Beginn der Coronavirus-Pandemie den Leitzins erhöhen.

Wurde zunächst vielseits eine Anhebung um 0,5 Prozentpunkte auf eine Spanne von dann 1,25 bis 1,5 Prozent vermutet, erwarten manche Analysten nun noch mehr: Aufgrund jüngster Daten zur anhaltend hohen Teuerungsrate rechnen sie damit, dass die Fed die Märkte auch mit einer Erhöhung um 0,75 Prozentpunkte überraschen könnte. Das wäre der größte Zinsschritt seit 1994, also seit fast 30 Jahren.

Im Anschluss an die Fed-Sitzung wird Notenbankchef Jerome Powell die Beweggründe der Entscheider vor Journalisten erläutern. Zudem wird die Zentralbank auch aktualisierte Prognosen für das Wachstum der weltgrößten Volkswirtschaft, die Entwicklung der Inflation und die weitere Entwicklung des Leitzinses veröffentlichen.

Notenbank steht unter Druck

Im März rechneten die Entscheider der Fed zum Jahresende im Mittel mit einem Leitzins von 1,9 Prozent. Die neue Prognose dürfte einen stärkeren Anstieg zeigen – Analysten zufolge womöglich auf bis zu 3 Prozent. Auch dürfte die Fed ihre infolge der Corona-Notprogramme auf rund neun Billionen US-Dollar angeschwollene Bilanz weiter rasch abbauen, was den Märkten zusätzliche Liquidität entziehen würde.

Der Druck auf die Notenbank ist derzeit groß: Die Teuerungsrate ist so hoch wie seit rund vier Jahrzehnten nicht mehr, was die Kaufkraft der Verbraucher schmälert – sie können sich bei gleichem Einkommen weniger leisten. Die Fed setzt zur Eindämmung der Inflation auf Erhöhungen des Leitzinses. Dadurch verteuern sich Kredite, was die Nachfrage ausbremst. Das hilft dabei, die Inflationsrate zu senken, schwächt aber auch das Wirtschaftswachstum.

Für die Notenbank ist es daher ein Balanceakt: Sie will die Zinsen so stark anheben, dass die Inflation ausgebremst wird – ohne dabei gleichzeitig Konjunktur und Arbeitsmarkt abzuwürgen und eine Rezession auszulösen. An den Börsen herrschte im Vorfeld der Fed-Sitzung Nervosität; Investoren befürchten eine Konjunkturdelle.

Abkehr von der lockeren Geldpolitik

Wegen der Corona-Krise hatte die Fed ihren Leitzins 2020 auf nahe Null gesenkt und Konjunktur und Finanzmärkte mit massiven Notprogrammen gestützt. Die gestiegene Inflationsrate bezeichnete die Fed im vergangenen Jahr noch zumeist als «vorübergehenden» Effekt infolge der Pandemie. Gegen Jahresende leitete sie jedoch die Abkehr von ihrer ultralockeren Geldpolitik ein. Im März erhöhte sie den Leitzins erstmals seit der Pandemie um 0,25 Prozentpunkte. Im Mai folgte angesichts der hohen Inflationsrate ein Anstieg um 0,5 Prozentpunkte, die stärkste Anhebung seit 22 Jahren. Für gewöhnlich zieht es die Fed vor, den Leitzins in Schritten von 0,25 Prozentpunkten anzuheben.

Im Vorfeld der Sitzung vom Mittwoch hatten die Entscheider der Fed klar signalisiert, dass erneut mit einem Anstieg um 0,5 Prozentpunkte zu rechnen ist. Daten aus der vergangenen Woche zeigten jedoch, dass die Verbraucherpreise im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,6 Prozent gestiegen waren. Das war der höchste Wert seit 1981. Zudem deuteten neue Erhebungen darauf hin, dass Verbraucher auch künftig mit weiter steigenden Preisen rechnen.

Die Daten erhöhen den Druck auf die Fed, weil die von ihr mittelfristig gewünschte Inflationsrate von zwei Prozent damit in immer weitere Ferne rückt. Daher schien es Analysten zufolge auch möglich, dass die Notenbank den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte anheben würde. Damit würde die Fed die Märkte allerdings überraschen, was die Zentralbanker meist vermeiden. Auf der anderen Seite würde die Notenbank damit ein klares Signal senden, dass sie den rasanten Anstieg der Preise bremsen will.

Lieferketten-Krise und steigende Energiepreise

Eine Herausforderung für die Fed ist es, dass sie manche Ursachen der Preissteigerungen nur begrenzt beeinflussen kann. Die Unterbrechungen globaler Lieferketten und steigende Energiepreise reagieren nicht direkt auf den US-Leitzins. Auch die Folgen des Kriegs in der Ukraine und der Corona-Lockdowns in China kann die Fed nicht kontrollieren.

Die Fed ist den Zielen der Preisstabilität und Vollbeschäftigung verpflichtet. Inzwischen brummt die US-Wirtschaft wieder, die Arbeitslosenquote lag im Mai bei niedrigen 3,6 Prozent. Viele Arbeitgeber klagen, dass sie nicht genügend Bewerber finden können.

Die hohe Teuerungsrate sorgt indes auch im Weißen Haus für Kummer – nicht zuletzt, weil viele Wähler die Regierung von Präsident Joe Bidens dafür verantwortlich machen. Grob gesagt: Je höher die Preise, desto mehr fallen Bidens Umfragewerte. Das macht dem Präsidenten und seinen Demokraten zu schaffen, denn sie wollen bei der Kongresswahl im November ihre knappen Mehrheiten in beiden Parlamentskammern verteidigen.

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Aktienmarkt Christian Röhl Dow-Jones-Index Federal Reserve System Inflation Kursschwankung Nasdaq S&P-500

Aktien fürs Leben: Wie Anleger im Kopf mit starken Kursschwankungen umgehen sollten

Es sind keine Zeiten für schwache Nerven an den Börsen, die Volatilität bleibt hoch. Als Anleger muss man sich noch gezielter über seine Strategie im Klaren sein – und im Kopf von den Kursen lösen.

Die erste Maiwoche war so eine Woche. An einem der Tage eine kleine Rallye: Viele Indizes schossen nach oben, Teilnehmer sprachen über Euphorie und Erleichterung, um drei Prozent stieg allein der S&P 500 am 4. Mai. Um dann am Tag darauf um 3,5 Prozent wieder zu fallen. Zwei Tage später: nochmal 3,2 Prozent runter. Ähnliche Ausschläge erlebten der Dow Jones und der Nasdaq. Tendenziell sinken die Kurse seit Wochen an den Börsen – es ist die Mischung aus Kriegsangst, Rohstoff- und Energiekrise, angespannten Lieferketten, hoher Inflation und der Zinswende der Notenbank Fed. Manchmal lösen gute Arbeitsmarktdaten ein kleines Kursfeuerwerk aus, manchmal verpuffen sie. 

„An manchen Tagen hat man das Gefühl, dass schon ein falsches Komma der amerikanischen Notenbank zu einem Kursrutsch führt“, sagt der Aktieninvestor Christian Röhl im Podcast „Aktien fürs Leben“, den er gemeinsam mit Capital-Chefredakteur Horst von Buttlar betreibt. Die Zusammenballung von Krisen prägt seit Jahresbeginn die Stimmung – zum einen die immer noch nicht ausgestandene Corona-Pandemie, die vor allem in China zu drastischen Lockdowns führt. Hinzu kommt der Ukraine-Krieg, der in Europa einen Energiepreisschock ausgelöst hat und die Inflation befeuert. Der IWF spricht von einer „crisis on top of a crisis“. 

Investoren müssten noch gezielter mit der großen Unsicherheit umgehen – und sich von den täglichen Schwankungen befreien. „Man muss aufpassen, dass man sich von der medialen Überlagerung von Krisen nicht wahnsinnig machen lässt“, so Röhl. „Dann ist man paralysiert und sagt nur noch: Ich will gar nichts mehr machen. Und das ist ein Fehler.“ Als Anleger müsse man sich breit aufstellen und die Szenarien, vor denen die Wirtschaft steht, noch besser verstehen – und sich darauf einstellen. „Es bringt nichts, alles auf dem Tagesgeldkonto zu belassen oder alles in Bitcoin zu ballern oder in Gold zu horten“, sagte Röhl. STERN PAID 14_22 Aktien Altersvorsorge 15.10

Im Kopf vom Kurs lösen

Eine Herausforderung ist für viele Anleger, dass sich derzeit das „Belohnungssystem“ für das Gehirn ändert. Seit einigen Jahren haben tendenziell steigende Kurse trotz der Schwankungen zu der Gewissheit geführt, dass man mit seinem Depot alles richtig mache. Diese Zeit ist erstmal vorbei, von kurzfristigen Spekulationen oder Daytrading einmal abgesehen. Wer langfristig am Wachstum von Unternehmen partizipieren will, erfährt also weniger die Kurserfolge als „Belohnung“, sondern sichere Dividenden. Anders gesagt: Man muss sich im Kopf vom Kurs ein wenig lösen.

Die große Unsicherheit wird sichtbar anhand der Tagesschwankungen. Im Nasdaq 100 etwa erlebten wir in diesem Jahr an bislang 21 von 87 Börsentagen Schwankungen gegenüber dem Vortag von mehr als 2,5 Prozent (siehe Grafik). „Das ist ein klares Stresssymptom“, sagte Röhl. Übrigens: Sowohl die 25 besten (+6,6 Prozent bis +18,8 Prozent) als auch die 25 schlechtesten Tage dieses Jahrtausends (-6,5 Prozent bis -12,2 Prozent) stammen aus den Krisenjahren 2000-02, 2008-09 und 2020. „Die Quote der Stresstage erinnert an diese Zeit“, so Röhl. 

Es ist also eine Grundsatzfrage, die sich Anleger stellen müssen: Will ich an kurzfristigen Kurssteigerungen partizipieren („Multiple Expansion“) – oder langfristig an Unternehmen beteiligt sein? „Bei letzterem muss man eher wie ein Immobilieninvestor denken“, so Röhl. Wichtig seien realwirtschaftlichen Faktoren – und die Dividende.

Hören Sie in der neuen Folge von „Aktien fürs Leben“:

  • Neue Daten vom E-Commerce: Ist die Aktie von Zalando noch attraktiv?
  • Warum die Deutsche Post eine gute Anlage als „Aktie fürs Leben“ ist
  • Die Zukunft des Carsharing: Ein kurzer Blick auf die Sixt-Aktie

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Arbeitsmarkt Christine Lagarde Coronavirus Europa EZB Federal Reserve System Frau Inflation Inflationsrate Jerome Powell Konjunktur Leitzins Liechtenstein Targobank Thomas Gitzel Ukraine US-Notenbank USA

Konjunktur: EZB nach Leitzins-Entscheidung der US-Notenbank unter Druck

Die Zinsen in den USA steigen nun sehr schnell. Die hohe Inflationsrate zwingt die US-Notenbank zum Handeln. Das könnte aber Konjunktur und Arbeitsmarkt eintrüben. Ein schwieriger Balanceakt.

Angesichts der höchsten Inflationsrate in den USA seit Jahrzehnten greift die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) nun durch: Sie erhöht ihren Leitzins deutlich um 0,5 Prozentpunkte und signalisiert eine «rasche» weitere Straffung ihrer Geldpolitik.

«Die Inflation ist viel zu hoch», sagte Zentralbankchef Jerome Powell vor Journalisten. «Wir handeln rasch, um sie wieder zu senken», versprach er. Auch bei den nächsten Sitzungen des Zentralbankrats dürften daher wieder Erhöhungen um je 0,5 Prozentpunkte anstehen, sagte Powell. Zudem baut die Fed ab Juni ihre Bilanzsumme ab, was den Märkten monatlich Liquidität in zweistelliger Milliardenhöhe entziehen wird.

Der entschlossene Kurs der Fed dürfte auch den Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhen, die Kurswende hin zur Inflationsbekämpfung zu vollziehen. «Die Fed schreitet mutig voran», kommentierte der Chefvolkswirt der VP Bank Group in Liechtenstein, Thomas Gitzel. «Die EZB sollte den Staffelstab jetzt übernehmen und ebenfalls deutlich machen, dass im laufenden Jahr mehrere Zinsanhebungen zu erwarten sind», schrieb er. Die Fed stärke mit ihrer klaren Kommunikation ihre Glaubwürdigkeit, «die EZB verspielt sie hingegen», schrieb er. Der Chefvolkswirt der Targobank, Otmar Lang, erklärte mit Blick auf EZB-Chefin Christine Lagarde, die EZB solle ein Beispiel an der Fed nehmen: «Frau Lagarde, so geht das!»

Zinserhöhung auch in Europa debattiert

Europas Währungshüter haben bereits beschlossen, ihre milliardenschweren Anleihenkäufe schneller auslaufen zu lassen. Zudem brachten mehrere Mitglieder des EZB-Rats zuletzt eine erste Zinserhöhung im Juli ins Spiel. An den Finanzmärkten wird erwartet, dass die EZB den Einlagensatz, zu dem Banken Geld bei ihr parken können, in diesem Jahr von minus 0,5 Prozent auf null Prozent anheben könnte. Der Leitzins, der seit mehr als sechs Jahren auf dem Rekordtief von null Prozent liegt, könnte dann 2023 angehoben werden.

Die Inflation im Euroraum hatte im April ein Rekordhoch von 7,5 Prozent erreicht. In den USA, der weltgrößten Volkswirtschaft, wiederum lag die Teuerungsrate zuletzt bei 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Die US-Inflationsrate liegt seit vielen Monaten deutlich über der von der Zentralbank angestrebten Rate von mittelfristig zwei Prozent. Nun steuert die Notenbank gegen: Mit ihren Leitzinserhöhungen will die Fed Kredite rasch verteuern, um die Nachfrage insgesamt zu bremsen. Das hilft dabei, die Inflationsrate zu senken, schwächt aber auch das Wirtschaftswachstum. Für die Notenbank ist es daher ein gefährlicher Balanceakt: Sie will die Zinsen so schnell und stark anheben, dass die Inflation ausgebremst wird – ohne dabei aber gleichzeitig Konjunktur und Arbeitsmarkt abzuwürgen.

Powell erklärte, das Ziel sei es, die Werkzeuge der Zentralbank so einzusetzen, dass sich Angebot und Nachfrage wieder anpassten und die Inflation zurückgehe. Die Konjunktur solle sich in einer Weise abkühlen, die nicht zu einer Rezession führen werde. «Ich gehe davon aus, dass das eine große Herausforderung wird», sagte Powell. «Es wird nicht einfach.» Derzeit gebe es auf dem Arbeitsmarkt aber eine so hohe Zahl von Vakanzen, dass auch eine leichte Abkühlung der Konjunktur die Arbeitslosigkeit kaum erhöhen dürfte, sagte Powell.

Infolge der am Mittwoch angekündigten Erhöhung liegt der Leitzins nun in der Spanne von 0,75 bis 1 Prozent. Es war die zweite Erhöhung des Leitzinses seit Beginn der Corona-Pandemie – und der erste Anstieg um 0,5 Prozentpunkte seit 22 Jahren. Für gewöhnlich zieht es die Fed vor, den Leitzins in Schritten von 0,25 Prozentpunkten anzuheben. Die Entscheidung war von den Märkten weitgehend erwartet worden.

Powell erklärte auf Nachfrage, noch drastischere Leitzinserhöhungen, etwa um 0,75 Prozentpunkte, seien derzeit nicht zu erwarten – eine Bemerkung, die an den Finanzmärkten mit Erleichterung begrüßt wurde.

US-Konjunktur durch Ukraine-Krieg belastet

Die Folgen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine, etwa mit Blick auf steigende Energie- und Lebensmittelpreise, verstärkten den Inflationsdruck und dürften die Konjunktur belasten, erklärte Powell weiter. Auch die Corona-Lockdowns in China dürften für neue Unterbrechungen der globalen Lieferketten sorgen, was sich auf Inflation und Wachstum auswirken könnte.

Die Finanzierungskosten etwa für Hypotheken in den USA haben sich durch die straffere Geldpolitik der Fed schon deutlich erhöht. Kritiker werfen der mächtigsten Zentralbank indes vor, zu spät auf den Anstieg der Preise reagiert zu haben. Ihrer Meinung nach hätte die Notenbank bereits in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres ihre Programme zur Unterstützung der Konjunktur aus der Corona-Krise einstellen und die Zinsen erhöhen sollen. Die Fed hatte die Inflation 2021 größtenteils noch als «vorübergehendes» Phänomen beschrieben.

Eine Herausforderung für die Fed ist es, dass sie manche Ursachen der Preissteigerungen nur begrenzt beeinflussen kann. Die Unterbrechungen globaler Lieferketten und steigende Energiepreise reagieren nicht direkt auf den US-Leitzins. Auch die Folgen des Kriegs in der Ukraine und der Corona-Lockdowns in China kann die Fed nicht kontrollieren.

Weitere Schritte erwartet

Analysten rechnen in diesem Jahr daher mit weiteren Zinsschritten. Bis Jahresende könnte der Leitzins Beobachtern zufolge bei oder über 2 Prozent liegen. Auch will die Fed ihre infolge der Corona-Notprogramme auf rund neun Billionen US-Dollar angeschwollene Bilanz nun rasch abbauen. Ab Juni sollen pro Monat jeweils auslaufende Anlagen im Wert von insgesamt 47,5 Milliarden US-Dollar (45 Mrd Euro) nicht erneuert werden, wie die Zentralbank ankündigte. Bis September soll die monatliche Summe demnach auf 95 Milliarden Dollar ansteigen. Das wird den Märkten weitere Liquidität entziehen.

Die Fed ist den Zielen der Preisstabilität und Vollbeschäftigung verpflichtet. Inzwischen brummt die US-Wirtschaft wieder, die Arbeitslosenquote war zuletzt auf niedrige 3,6 Prozent gefallen. Viele Arbeitgeber klagen bereits, dass sie für ihre Vakanzen nicht genügend Kandidaten finden können.

Der Zentralbankrat tagt etwa alle sechs Wochen, um über den Kurs der Geldpolitik zu entscheiden. Die nächste Sitzung wird am 15. Juni enden. Angesichts der hohen Teuerungsrate hatte die Fed im März den milliardenschweren Ankauf von Wertpapieren eingestellt und ihren Leitzins erstmals seit der Corona-Krise um 0,25 Prozentpunkte erhöht.

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Konjunktur: EZB nach Leitzins-Entscheidung der US-Notenbank unter Druck

Die Zinsen in den USA steigen nun sehr schnell. Die hohe Inflationsrate zwingt die US-Notenbank zum Handeln. Das könnte aber Konjunktur und Arbeitsmarkt eintrüben. Ein schwieriger Balanceakt.

Angesichts der höchsten Inflationsrate in den USA seit Jahrzehnten greift die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) nun durch: Sie erhöht ihren Leitzins deutlich um 0,5 Prozentpunkte und signalisiert eine «rasche» weitere Straffung ihrer Geldpolitik.

«Die Inflation ist viel zu hoch», sagte Zentralbankchef Jerome Powell vor Journalisten. «Wir handeln rasch, um sie wieder zu senken», versprach er. Auch bei den nächsten Sitzungen des Zentralbankrats dürften daher wieder Erhöhungen um je 0,5 Prozentpunkte anstehen, sagte Powell. Zudem baut die Fed ab Juni ihre Bilanzsumme ab, was den Märkten monatlich Liquidität in zweistelliger Milliardenhöhe entziehen wird.

Der entschlossene Kurs der Fed dürfte auch den Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhen, die Kurswende hin zur Inflationsbekämpfung zu vollziehen. «Die Fed schreitet mutig voran», kommentierte der Chefvolkswirt der VP Bank Group in Liechtenstein, Thomas Gitzel. «Die EZB sollte den Staffelstab jetzt übernehmen und ebenfalls deutlich machen, dass im laufenden Jahr mehrere Zinsanhebungen zu erwarten sind», schrieb er. Die Fed stärke mit ihrer klaren Kommunikation ihre Glaubwürdigkeit, «die EZB verspielt sie hingegen», schrieb er. Der Chefvolkswirt der Targobank, Otmar Lang, erklärte mit Blick auf EZB-Chefin Christine Lagarde, die EZB solle ein Beispiel an der Fed nehmen: «Frau Lagarde, so geht das!»

Zinserhöhung auch in Europa debattiert

Europas Währungshüter haben bereits beschlossen, ihre milliardenschweren Anleihenkäufe schneller auslaufen zu lassen. Zudem brachten mehrere Mitglieder des EZB-Rats zuletzt eine erste Zinserhöhung im Juli ins Spiel. An den Finanzmärkten wird erwartet, dass die EZB den Einlagensatz, zu dem Banken Geld bei ihr parken können, in diesem Jahr von minus 0,5 Prozent auf null Prozent anheben könnte. Der Leitzins, der seit mehr als sechs Jahren auf dem Rekordtief von null Prozent liegt, könnte dann 2023 angehoben werden.

Die Inflation im Euroraum hatte im April ein Rekordhoch von 7,5 Prozent erreicht. In den USA, der weltgrößten Volkswirtschaft, wiederum lag die Teuerungsrate zuletzt bei 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Die US-Inflationsrate liegt seit vielen Monaten deutlich über der von der Zentralbank angestrebten Rate von mittelfristig zwei Prozent. Nun steuert die Notenbank gegen: Mit ihren Leitzinserhöhungen will die Fed Kredite rasch verteuern, um die Nachfrage insgesamt zu bremsen. Das hilft dabei, die Inflationsrate zu senken, schwächt aber auch das Wirtschaftswachstum. Für die Notenbank ist es daher ein gefährlicher Balanceakt: Sie will die Zinsen so schnell und stark anheben, dass die Inflation ausgebremst wird – ohne dabei aber gleichzeitig Konjunktur und Arbeitsmarkt abzuwürgen.

Powell erklärte, das Ziel sei es, die Werkzeuge der Zentralbank so einzusetzen, dass sich Angebot und Nachfrage wieder anpassten und die Inflation zurückgehe. Die Konjunktur solle sich in einer Weise abkühlen, die nicht zu einer Rezession führen werde. «Ich gehe davon aus, dass das eine große Herausforderung wird», sagte Powell. «Es wird nicht einfach.» Derzeit gebe es auf dem Arbeitsmarkt aber eine so hohe Zahl von Vakanzen, dass auch eine leichte Abkühlung der Konjunktur die Arbeitslosigkeit kaum erhöhen dürfte, sagte Powell.

Infolge der am Mittwoch angekündigten Erhöhung liegt der Leitzins nun in der Spanne von 0,75 bis 1 Prozent. Es war die zweite Erhöhung des Leitzinses seit Beginn der Corona-Pandemie – und der erste Anstieg um 0,5 Prozentpunkte seit 22 Jahren. Für gewöhnlich zieht es die Fed vor, den Leitzins in Schritten von 0,25 Prozentpunkten anzuheben. Die Entscheidung war von den Märkten weitgehend erwartet worden.

Powell erklärte auf Nachfrage, noch drastischere Leitzinserhöhungen, etwa um 0,75 Prozentpunkte, seien derzeit nicht zu erwarten – eine Bemerkung, die an den Finanzmärkten mit Erleichterung begrüßt wurde.

US-Konjunktur durch Ukraine-Krieg belastet

Die Folgen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine, etwa mit Blick auf steigende Energie- und Lebensmittelpreise, verstärkten den Inflationsdruck und dürften die Konjunktur belasten, erklärte Powell weiter. Auch die Corona-Lockdowns in China dürften für neue Unterbrechungen der globalen Lieferketten sorgen, was sich auf Inflation und Wachstum auswirken könnte.

Die Finanzierungskosten etwa für Hypotheken in den USA haben sich durch die straffere Geldpolitik der Fed schon deutlich erhöht. Kritiker werfen der mächtigsten Zentralbank indes vor, zu spät auf den Anstieg der Preise reagiert zu haben. Ihrer Meinung nach hätte die Notenbank bereits in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres ihre Programme zur Unterstützung der Konjunktur aus der Corona-Krise einstellen und die Zinsen erhöhen sollen. Die Fed hatte die Inflation 2021 größtenteils noch als «vorübergehendes» Phänomen beschrieben.

Eine Herausforderung für die Fed ist es, dass sie manche Ursachen der Preissteigerungen nur begrenzt beeinflussen kann. Die Unterbrechungen globaler Lieferketten und steigende Energiepreise reagieren nicht direkt auf den US-Leitzins. Auch die Folgen des Kriegs in der Ukraine und der Corona-Lockdowns in China kann die Fed nicht kontrollieren.

Weitere Schritte erwartet

Analysten rechnen in diesem Jahr daher mit weiteren Zinsschritten. Bis Jahresende könnte der Leitzins Beobachtern zufolge bei oder über 2 Prozent liegen. Auch will die Fed ihre infolge der Corona-Notprogramme auf rund neun Billionen US-Dollar angeschwollene Bilanz nun rasch abbauen. Ab Juni sollen pro Monat jeweils auslaufende Anlagen im Wert von insgesamt 47,5 Milliarden US-Dollar (45 Mrd Euro) nicht erneuert werden, wie die Zentralbank ankündigte. Bis September soll die monatliche Summe demnach auf 95 Milliarden Dollar ansteigen. Das wird den Märkten weitere Liquidität entziehen.

Die Fed ist den Zielen der Preisstabilität und Vollbeschäftigung verpflichtet. Inzwischen brummt die US-Wirtschaft wieder, die Arbeitslosenquote war zuletzt auf niedrige 3,6 Prozent gefallen. Viele Arbeitgeber klagen bereits, dass sie für ihre Vakanzen nicht genügend Kandidaten finden können.

Der Zentralbankrat tagt etwa alle sechs Wochen, um über den Kurs der Geldpolitik zu entscheiden. Die nächste Sitzung wird am 15. Juni enden. Angesichts der hohen Teuerungsrate hatte die Fed im März den milliardenschweren Ankauf von Wertpapieren eingestellt und ihren Leitzins erstmals seit der Corona-Krise um 0,25 Prozentpunkte erhöht.

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