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Produkte aus der Ukraine: Made in Ukraine – Europas „Kornkammer“ produziert viel mehr als nur Weizen

Angesichts des Ukraine-Kriegs wird aktuell auch deutlich, wie viele Waren und Rohstoffe das osteuropäische Land weltweit an andere Staaten liefert. Hier ein Überblick.

Der Krieg in der Ukraine lenkt derzeit auch den Blick auf die enorme Bedeutung, die Produkte aus dem 44-Millionen-Einwohner-Land für viele Staaten der Welt und etliche Branchen haben. So ist das Land, das seit fast drei Wochen von Russland attackiert wird, nicht nur ein Exporteur vieler landwirtschaftlicher Erzeugnisse, auch technische Produkte liefern die Ukrainer ins Ausland. Dies alles ist „Made in Ukraine“.

Getreide aus der Ukraine ernährt viele Menschen weltweit

Die Ukraine gilt als die „Kornkammer Europas“ und ist zusammen mit Russland einer der wichtigsten Weizenproduzenten der Welt. Etwa 30 Prozent der weltweiten Weizenerzeugung stammt aus diesen beiden Ländern, die sich derzeit im Kriegszustand befinden.

Wie wichtig die Landwirtschaft in der Ukraine ist, zeigt schon die Flagge des Landes: Vielen Menschen interpretieren den blauen Streifen als den Himmel und den gelben als Symbol für das Getreide, das so gut in dem Land wächst – der fruchtbaren Schwarzerde sei Dank. Was die Ukraine anpflanzt, wird als Nahrung für Menschen weiterverarbeitet – und auch als Tierfutter. Die Preise für Agrarerzeugnisse sind seit Kriegsbeginn stark gestiegen.STERN PAID Interview Claudia Kemfert 11.36

Bislang rangierte die Ukraine stets in den Top-Ten der wichtigsten Getreide-Produzenten der Welt, nach Brancheninformationen betrug der Anteil ukrainischen Weizens am Weltmarkt in den vergangenen Jahren rund acht Prozent.

2020 waren etwa die Hälfte der ukrainischen Exporte Agrarerzeugnisse, berichtet „N-TV“ unter Berufung auf die US-geführte International Trade Administration. Neben Weizen verkauft das Land auch Mais, Gerste und Raps ins Ausland. Mehr als 70 Prozent dieser Ausfuhren gingen zuletzt in die Europäische Union, aber auch Afrika wird mit Getreide aus der Ukraine beliefert, weshalb UN-Generalsekretär António Guterres schon vor einem „Hurrikan des Hungers“ warnte, da viele ärmere Länder von landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus der Ukraine – und auch aus Russland – abhängig sind. 

Aus Spanien wurde diese Woche berichtet, dass Mehl und Sonnenblumenöl dort knapp wird – auch Sonnenblumen baut die Ukraine in großem Stil an. Bei Sonnenblumenöl sind die Iberer außergewöhnlich stark von der Ukraine abhängig. Insgesamt 62 Prozent des spanischen Bedarfs kam zuletzt aus dem umkämpften Land.FS Ukraine-Konflikt Grafiken 9.18

In Deutschland rief jetzt der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels dazu auf, kein Sonnenblumenöl zu hamstern. Angesichts von Meldungen über Engpässe bei einzelnen Lebensmitteln kaufen offenbar wieder einige Menschen die Waren im großen Stil ein – wie zu den Hochzeiten der Corona-Lockdowns.

Teile für die Autoindustrie – Kabelbäume aus der Westukraine

Die Ukraine ist zudem ein wichtiger Lieferant für die deutsche Autoindustrie, im Westen des Landes werden Kabelbäume produziert. Der Nürnberger Autozulieferer Leoni musste kurz nach Kriegsbeginn zwei Werke in der Ukraine schließen.

Der Mangel an Kabelbäumen, die für jedes Fahrzeugmodell unterschiedlich sind und die Funktionsweise des Bordnetzes steuern, hat bereits Auswirkungen auf die Autoproduktion in Deutschland. Bei VW beispielsweise kann teils nicht produziert werden, wie es bereits Ende vergangener Woche hieß. Der Autobauer musste Schichten wegen des Mangels an Kabelbäumen streichen.

Eisen, Stahl und Holz – auch hier herrschen Engpässe

Wichtig für den Export der Ukraine ist Fachmedien zufolge auch die Ausfuhr von Eisen und Stahl. Etwas mehr als drei Prozent der weltweiten Erzeugung gingen demnach auf das osteuropäische Land. Die Stahlproduktion ist besonders für die Bauindustrie relevant, und die Verknappung ist auch in Deutschland zu spüren. Branchenbeobachtern zufolge sind die Preise für Stahlmatten für die Bauindustrie seit Herbst hierzulande um mehr als 70 Prozent gestiegen, Betonstahl habe einen Preissprung von mehr als 40 Prozent hinter sich.

Die Menschen in den von Krieg und Gewalt betroffenen Gebieten in der Ukraine brauchen unsere Hilfe. Die Stiftung stern arbeitet mit Partnerorganisationen vor Ort zusammen, die von uns geprüft wurden. Wir leiten Ihre Spende ohne Abzug weiter. Über diesen Link kommen Sie direkt zu unserem Spendenformular.
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Schließlich fürchtet auch die holzverarbeitende Industrie in Deutschland die wirtschaftlichen Folgen des Angriffskriegs auf die Ukraine: So stammt etwa drei Prozent der Nadelschnittholz-Importe in die Bundesrepublik aus der Ukraine. Da etwas mehr als doppelt so viel aus Belarus geliefert wird und bisher gut 14 Prozent aus Russland kamen, ist auch diese Branche mit den Akteuren der politischen Krise in Osteuropa sehr eng verflochten.

Quellen: „N-TV.de„, „Manager Magazin„, „Weltexporte.de„, „Maschinen-Markt„, „Holzkurier.com“ / mit Material von dpa

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